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Der Israelit · 1923-08-16 · Heft 33 (16.8.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 33 (16.8.1923)
Date
1923-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 33 Der Israelit 16 August 1923 scheu, hilfreichen Tal, zum Märchen halte werden lassen, sie ist denn doch bis zu einem gewissen Grade besserem Verstehen, liebevollerem Einfühlen und aufrichtigerer Achtung gewichen. Der Gedanke des organischen Verhältnisses überhaupt, wie der Hinblick auf das Vorbild der Urzeit, sie sind es auch an diesem Punkte, die den Wegweiser für die Aguda-Aufgabe zu bieten vermögen. Ein Organismus im kleinen, seiner Eigenart bewußt und seiner Unterordnung unter das lebensvolle Ganze, soll jede Landesorganisation der Agudas Iisroels auch fürder sein Dm« tph lro-DD rm tsna. Mit eigenen Organen ausgestattet, rabbinischem Landesrate und gewählter Landeszentrale, wird jedes Land — treu seiner Fahne — seine historischen Traditionen, die von in den Strom des Werdens eingesenkten neuen schöpferischen Keime jüdischen Geisteslebens, die Dpmn d’ti: und endlich seine innerpolitischen Aufgaben im Verhältnis zum Staate in treuester Verbundenheit zu pflegen haben. Die Gesamtheit lebt nur in dem Reichtum ihrer Glieder und Gliederungen: sie freut sich dieses Reichtums und darf sich seiner freuen, solange das in der min wurzelnde Einheitsbewußtsein alle diese Organismen erfüllt, solange keiner von ihnen das Band treuen Gehorsams zerreißt, das ihn an den von der min belebten Gesamtkörper ewig und unlösbar nach Gottes Willen geknüpft hält. Steht die Landesorganisation im gleichen organischen Verhältnis zum Ganzen wie die Einzel- Kehilla oder die Ortsgruppe zum Lande, wie die Familie zum höheren sozialen Organismus, wie das Individuum zur Familie, so kann über das Grundgesetz des sittlichen Handelns im Geiste der Agudas Iisroel kein Zweifel sein. Daß der Egoismus des Individuums die llrsünde aller Sünden ist, wer möchte es in Frage stellen? Aber es gibt auch einen Familien- und Kehilla- und Landes-Egoismus, der sittliche Antriebe in ihrer maßlosen Verstärkung zum Unsittlichen wandelt, und dessen völlige Ueberwindung die Vorbedingung für den Bestand und die lebendige Entwicklung Agudas Iisroels bildet. Und wie die Selbstsucht. des Einzelmenschen nimmermehr durch Ueberredung oder Verhandlungen zu bannen ist, sondern nur hinschmilzt im Feuer der "n n2nrrundni''">2nn2ntr im Sturm der Hingabe an Gott und die von ihm geschaffene Welt, so wird auch Agudas Iisroel zur wahrhaftigen Einheit ihrer Glieder an jenem Tage erstehen, an dem alle ihre Gemeinschaften in den die Seele der Aguda bildenden minn Pili und den von der Gesamtheit erkorenen Vollstreckern des Thorawillens die Symbole des nurm die Vorzeichen des natwroD i^tODiwraw n^nnDD erblicken und — so innig lieben werden, wie man nur je in den engen Stuben der Ghetti im Dämmer des Sabbatabends Elijohu hanowi und den ersehnten Moschiach geliebt. So erhebe sich denn „Agudas Iisroel" a) inmitten der Menschheit als der von Gottes Geist belebte Organismus des Thoravolkes — b) inmitten der Gesamtheit der von jüdischen Müttern Geborenen als lebendiges Zentrum, das alle noch lebensfähigen Zellteilchen mit unwiderstehlicher Lebensgewalt an sich heranzieht — c)über ihren Einzelzellen, den ihr angehörenden jüdischen Individuen aber als ewig lebenspendende Kraftquelle, die ihre Kinder in ihrer Schwäche erhebt und umfaßt, sie zur höchsten Weihe und Lebensheiligung emportragend. a. Das jüdische Volk als Träger des Gottesnamens mitten unter den Menschheitsnationen zu fühlen, wird dem Iuden an jedem Morgen, da er sich zur Alltagsarbeit rüstet, in hinreißenden Worten gelehrt: iQVLinp, □ ''Sin die Anerkennung der alles überragenden Einzigkeit und Heiligkeit des von Israel verkündeten, in Israels Geschichte offenbar gewordenen Weltenschöpfers durch die Nationen der Erde wagt der elende jüdische Trödler im dunkelsten Ghetto als seligsten Lohn des eigenen bescheidenen Lebenswirkens auszusprechen. Es bedürfte kaum mehr als dieser einen wunderbaren Tatsache, für die jedes jüdische Gebetbuch Zeugnis ablegt, um den im höchsten Sinne weltpolitischen Charakter der jüdisch-religiösen Ethik zu erweisen. Auf der Bühne der Geschichte, im Kreise der V ö l k e r f a m i l i e n, die als Einheiten erfaßt werden, verwirklicht sich das vom Schöpfer vorgedachte sittliche Endziel des Geschichtsprozesses, und das jüdische Volk weiß sich — ob auch im tiefsten Bewußtsein der eigenen Unzulänglichkeit — unter Völkern dazu berufen, Verkünder der Gotteswahrheit und ihrer sittlichen Konsequenzen zu sein. Und nun, da ein Sterben und Werden von nie gekannter Wucht, eine Weltenwende über die Nationen der Erde gekommen ist —iöd cmi inn niste» —, da, wie nie zuvor, der Menschheit der Posaunenruf des Gottes der Geschichte nottäte, der Schofarruf unsres Gottes, des Gottes Israels — da erleben wir die Tragik tiefster, entsetzlichster Verkennung des Gottesvolkes, Herrn Rabbiner Dr. Lauer, der sich mit dem sogenannten „Davidsschild„ m pD und dessen Bedeutung und Ursprung befaßt. Dabei wurde selbstverständlich vorausgesetzt, daß derselbe die Form eines Sternensechseks (Hexagramm) habe. Soweit mir aber bekannt ist, steht diese Form durchaus^ nicht als die allein übliche fest; vielmehr finden wir das 111 jjd auch häufig in der Form eines regelmäßigen Fünfecks (Pertagramm). Die Zeichnung des m pp kommt vor allem in verschiedenen kabbalistischen Werken über Amulette vor und wird daselbst auch mit König David in Verbindung gebracht. So beziehen sich auch die Worte q*g&* ijosi nob “Di nvitti in dem TiT für n"Ti aus eine Stelle in dem sogenannten kleinen ntd p (ei). Amsterdam 5457 pdg. 10 b), die berichtet, daß David einst an Gott die Frage gestellt habe, wozu die Spinne -geschaffen sei. Die Antwort lauteteDu wirst ihre Dienste noch dankbar anerkennen. Als dann später David von Saul verfolgt wurde und in eine Höhle flüchtete, spann sogleich eine Spinne aus Gottes Geheiß ihr Gewebe vor dem Eingang der Höhle. Sobald nun die Verfolger, auf der Suche nach David, auch an diese Höhle kamen, unterließen sie es, hier ihre Nachforschungen anzustellen, da sie sich sagten, daß David unmöglich hier hinein geflüchtet sein könne, weil er sonst das Gewebe zerrissen hätte. So wurde David durch das Spinngewebe gerettet; es war gleichsam zum in pD. zum schützenden Schild für David geworden. Demnach soll das Davidsschild nichts anderes vorstellen, als das BUd eines solchen Gewebes. Darum verdient aber auch die Zeichnung des in pp als Pentagramm den Vorzug vor dem Hexagramm, da die Fäden der erstgenannten Figur, wie bei dem Gewebe der Spinne, eine kontinuierliche Linie bilden, was beim Sechseck nicht der Fall ist. In der Tat stellen auch gerade die in pp-Abbildungen aus älterer Zeit ein regelmäßiges Fünfeck dar, wie z. B. an dem alten eisernen Straßengitter der großen Synagoge zu Amsterdam, die im Jahre 1670 erbaut wurde. Erst später wird man, der Einfachheit halber, die beiden übereinandergelegten Dreiecke des Sechsecks als in pv gewählt haben» weil sich diese Figur, die ohnedies dem Pentagramm sehr ähnlich ist, leichter Herstellen läßt, als ein regelmäßiges Fünfeck, das nur mit Hülfe des geometrischen Satzes vom „Goldenen Schnitt" (secüo divina) konstruiert werden kann. Sabbat-Anfang und -Ausgang. Ort: Unf Uhr mg Min. Dc 1923 ltum 5683 Äusg. Uhr iMin. Frankfurt a. M. 6 55 18. 6. 8 30 Berlin .... 7 30 Aug. Elul 8 14 München . . . 7 15 8 04 Köln. 7 20 8 40 Stuttgart . . . 7 — 8 18 Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 7 — 8 10 Hamburg . . . — — — — und wie eine Pest des Wahnsinns rast die Kunde von den für alles Unheil und alles Elend der Menschheit, für Bolschewismus und Faszismus, für Kriegshetze und Friedensutopien, für Kapitalismus und Sozialismus, für radikalste Lösung und tyrannischste Bindung allein verantwortlichen Iuden über die Erde! Dürfen wir vor solch ungeheurem, mit dem Blute unsrer Brüder und Schwestern, unsrer Söhne und Töchter bezahlten Widerspruch nicht niJDtio PYlDtf aufschreien zu unsrem Gotte: "ri Pi? iSP m 2 2 1 n -]D w b'D, 1P vb! Die E h.r e Gottes, dessen Name verknüpft ist mit dem seines Volkes, die Ehre Gottes ist es, der „Agudas Iisroel" iyr ganzes Wollen weiht, wenn sie sich unterfängt, den Organismus des vonr Thorageist beseelten geschichtlichen jüdischen Volkes vor den Nationen der Erde wiederaufzurichten. Dieser Organismus des Gottesvolkes wird es nicht dulden, daß seine Glieder wie anonyme, wurzellose Individuen vor den Toren der Geschichtsnationen die Brosamen fremder Kulturen aufsammeln, aber er wird sich in seiner Physiognomie wie in seinen Lebensfunktionen auch aufs schärfste scheiden von allem, was an die Interessenpolitik der Staatsvölker, an das Ringen um Boden und Besitz, an das in Mord und Gier endende nationale Machtstreben der politischen Nationen erinnert. Das Fleckchen Erde selber, dort an der Scheide zweier Welten, das der Schöpfer seinem Volke als irdisches Piedestal seiner Herrlichkeit zugeeignet, und nach dem jedes wahrhaft jüdische Herz in glühendem Heimweh bangt, dieses Fleckchen Erde selber, als der Stätte der Schechina auf Erden galt und gilt ihm die Sehnsucht des jüdischen Volkes, und durch sittliche Mittel allein, als Preis innerer Heiligung und vollendeter Teschuwa zu Gott und seinem Gesetze wird dem jüdischen Volke die verheißene Wiedervereinigung mit seinem Mutterboden zuteilwerden. Mehr als je tut es not, daß dieses wahre Wesen des Thoravolkes, wie es Iahrtausende tief in den Herzen der "n HDJJ gewohnt, ror den Augen der Menschheit sich entfalte. Die Geschichte selber hat das jüdische Volk mitten in schwerster Menschheitskrise aus dem Dunkel der Ghetti auf die Bühne der Weltpolitik gezerrt: gilt es nach dem unerforschlichen Ratschluß Gottes das Martyrium dieser weltpolitischen Verstrickung zu tragen, dann ists die historische Aufgabe der zur organischen Einheit um die Thora sich sammelnden jüdischen Massen, den wahren Charakter dieser Einheit vor aller Welt zu zeigen, den uralten Begriff des gw Gw Bmp des q'dvg pmin des ntenbi uwb DDn« pN o mit den technischen Mitteln der Organisation, zu verwirklichen und damit sich selber und der Menschheit den Weg zum verlorenen Paradies zu ebnen. Aus diesen Prämissen ergeben sich die großen Grundsätze, auf denen die Außenpolitik der „Agudas Iisroel", ihre Beziehungen zu den Mächten der Erde, sei es in den Ländern des Golus, sei es mit Bezug auf Erez Iisroel, ihre feste prinzipielle Grundlage findet. Im Namen Gottes, des Königs der ganzen Erde, darf das jüdische Volk sein Lebensrecht auf dieser Erde fordern: zum bescheidenen Verzicht und zu opfervoller Leistung allezeit und allerorten bereit, wo es sich um eigenen Vorteil, um Macht und Einfluß, um persönliches oder nationales Prestige und äußere Geltung handelt, unbeugsam ringend aber und von stolzer Unbesiegbarkeit, wenn die sittlichen Lebensgüter auf dem Spiele stehen, die Israel für sich und die Menschheit durch die Zeiten zu tragen hat: die Erkenntnis und Erfüllung des Gottesgesetzes, der Aufbau der jüdischen Gemeinschaft und die Erziehung der Iugend im Geiste dieses Gesetzes, die Wiedergewinnung Erez Iisroels als gesegneter Stätte jüdischer Pflichterfüllung, die stille Kärrnerarbeit am Wiederaufbau des Eottesreiches auf Erden.

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