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Der Israelit · 1923-08-09 · Heft 32 (9.8.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 32 (9.8.1923)
Date
1923-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 32 Der Israelit , SK August 1923 „3awnt“ in Litauen Ä O tö n 0 , 1. Aug. Ein Bild hell erwachenden . Lebens entrollt das schöne Büchlein „Jawne", das uns aus Lowno zugeht. Die Erziehungsgesellschast „Jawne", in einer schweren Zeit zur Linderung geistiger Not geschaffen, hat in einen: Zeitraum von drei Jahren sich wahrhaft segensreich betätigt, aus unsäglich steinigem Boden manche herrliche Blüte hervorgezaubert, die noch in Zukunft reiche Früchte tragen wird. Seit seinem Bestehen stand „Jawne" in enger Verbindung mit 115 Städten und Städtchen, in denen Chedarim, Schulen, Abendkurse und Jugendvereine gegründet, unterhalten und unterstützt wuerden. In vielen Gemeinden hatte das Eingreifen des „Jawne" zur Folge, daß die Eltern ihre Linder aus den zionistischen und radikalen Volksschulen herausholten und in die Unterrichtsanstalten des „Jawne" schickten. Der starken Nachfrage aus den Gemeinden nach Lehrern konnte „Jawne" nicht in genügendem Matze Nachkommen. Die von den „Zeire Jisroel" eingerichteten Lehrerkur,e waren nur Ansatz und Anfang, und so mutzten andere Wege zur Vorbereitung und Heranbildung von geeigneten Lehrkräften gesucht werden. Neben Rat, Anweisung und moralischer Hilfe jeglicher Art verabreichte „Jawne", wo es nötig war, auch materielle Unterstützung. Von höchster Bedeutung sind die ersten .Versuche auf dem Gebiete der Mädchen erziehung, für die bis jetzt in Litauen, zum grotzen Schaden für das Judentum, überhaupt nichts' geschehen ist. Ein gutes Beispiel bietet hierfür Tel sch, das eine höhere jüdische Mädchenschule besitzt, die anerkanntermatzen zu den besten Unterrichtsanstalten des Landes, auch in pädagogischer Beziehung, gehört. Aus gleichem Niveau steht die Mädchenschule „Sulamith" in Lelm. Erstrebt wird zur Zeit bei den Staatsbehörden die Legalisierung des „Marone" als offizielle Erziehungsorganisation, was ihm erst die Macht und Mittel geben wird, seine Tätigkeit nach Wunsch auszudehnen. Zur Zeit sind dem „Jawne"-Verband über 100 Schulen und Lehranstalten angeschlossen, in denen 300 Lehrer wirken und 7000 Schüler unterrichtet werden. Alles in allem höchst erfreuliche und ermutigende Erfolge! Uon der 3i$roel*6ettielnde. London, 31. Juli. In der Generalversammlung der Adas Israel-Gemeinde (North London Bes hamedrasch), die am Sonntag unter Vorsitz des Vizepräsidenten, Joseph Weil, statt, fand, wurde Herr Oscar Phillip zum Gemeindepräses gewählt. Die Versammlung beschloß, ihren Vertreter im Board os Deputies zu ersuchen, in Gemeinschaft mit Rabb. Dr. Schönfeld die Jnnteressen der Orthodorie in der S ch e ch i t a - Frage weiter in der bisherigen Weise zu vertreten. Ferner wurde aus Antrag des Herrn Goodman der Vertreter der Gemeinde im Board o| Deputies beauftragt, dort die Frage der Jewish Agency zur Sprache zu bringen und die Umbildung der Agency durch Heranziehung der unabhängigen Orthodorie zu fordern. Line Hguda-velegallon vei fierbert Samuel. London, 30. Juli. Eine Deputation des Londoner Erekutivbüros der Agudas Jisroel wurde qm 19. Juli von Herbert Samuel empfangen. Sie bestand aus dem Vorsitzenden des Erekutivbüros Solicitor I. Landau, Mr. W. Schiff, dem Vorsitzenden der englischen Landesorganisation, und dem Ehrensekretär Mr. G o o dm a it.. Mr. Landau knüpfte an die Zusicherungen an, die Herbert Samuel dem englischen Aguda-Büro am 30. Mai 1922 hinsichtlich der Lage der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem gegeben habe, und die daraus hinausliefen, daß der Gemeinde volle innere Freiheit sowie eine gewisse Autonomie innerhalb der Eesamtgemeinschaft gewährt werden solle. Es sei deshalb bedauerlich, datz inzwischen kein Fortschritt in der Lösung der Angelegenheit erzielt worden ist, datz vielmehr die Regierung die andere Gemeinde ermächtigt habe, Steuern von der gesamten Jerusalemer Judenschaft zu erheben. Das sei eine offenbare Ungerechtigkeit, um deren Abstellung man den Oberkommissar angelegentlich ersuche. Herbert Samuel erwiderte, datz die palästinensische Regierung den Wunsch habe, mit einer einheitlichen jüdischen Gemeinde in Jerusalem zu verkehren, ebenso wie auch ein oberster moslemischer Rat und ein lateinisches und ein orthodoxes Patriarchiat existierte. Die aschkenasische Gemeinde sei klein im Verhältnis zu dem allgemeinen Waad Hoir und man könne die beiden Lörperschaften nicht aus gleichem Fuße behandeln. Er glaube, datz der Waad Hoir bereit sein würde, der aschkenasischen Lörperschaft den von ihr geleisteten Steueranteil zurückzuerstatten, allein er könne keiner besonderen Gruppe Steuerfreiheit bewilligen. Er wiederhole, datz von irgendwelcher Einmischung in die inneren Angelegenheiten der aschkenasischen Gemeinde weder in bürgerlicher noch in religiöser Hinsicht die Rede sein könne, aber die Regierung vermöge nicht mehr als eine Zentralgemeinschaft offiziell anzuerkennen. Mr. Landau bemerkte, datz die aschkenasische Gemeinde keineswegs Steuerfreiheit beanspruche. Sie wolle bereitwilligst alle von der Regierung auferlegten Steuern entrichten, aber ihre religiösen Rechte würden augenscheinlich verletzt durch die von einer Gemeinde erhobenen Steuern, der sie nicht zugehöre und mit der sie in religiöser oder bürgerlicher Hinsicht n i ch t ü b e r e i n st i m m e. Soviel er wisse, würden übrigens der aschkenasischen Gemeinde auch die bürgerlichen Rechte nicht gewährt, da alle Eheangelegenheiten, Testamente, Vermächtnisse etc. in den Händen der anderen Lörperschaft lägen. Mr. Schiff gab der Meinung Ausdruck, datz im Falle einer paritätischen Anerkennung beider Lörperschaften ein gemeinsamer Rat beider Gemeinden für bürgerliche und gesetzliche Angelegenheiten gebildet werden könnte. Der Oberkommissar erwiderte, datz er bei seiner Rückkehr nach Jerusalem die Frage der Eheschließungen und verwandter Angelegenheiten weiter untersuchen werde und bat, ihn in dieser Hinsicht noch genauer mit Einzelheiten zu informieren. Mr. Goodman wies darauf hin, daß die Jerusalemer Gemeindefragen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem größeren Problem der Jewish Agency und der Agudas Jisroel bildeten. Wenn dieses Problem gelöst wäre, so würden die Jerusalemer Schwierigkeiten verschwinden. Agudas Jisroel sei eine der einflußreichsten jüdischen Organisationen geworden und dürfe beanspruchen, datz ihre Stimme, die Stimme der religiösen jüdischen Massen, in Palästina-Angelegenheiten gehört werde. Es sei ein unmöglicher Zustand, der zu den ernstlichsten Lonsequenzen führen müsse, wenn die Wünsche hunderttausender orthodoxer Juden, die unabhängig von der zionistischen Organisation bleibenwollen, in Angelegenheiten, die die jüdische Heimstätte betreffen, ignoriert werden. Eine ganze Anzahl der in Palästina entstandenen Schwierigkeiten wäre vermieden geblieben, wenn die Jewish Agency eine repräsentative Lörperschaft und nicht ein Monopol der zionistischen Organisation geworden wäre. Herbert Samuel bemerkte hieraus, datz er seinem Versprechen gemäß seinerzeit mit der zionistischen Organisation hinsichtlich Agudas Jisroel und Jewish Agency in Verbindung getreten sei und als Antwort die Frage erhalten habe, in welchem Umfange die Agudas Jisroel zu dem Werke des Aufbaues Palästinas beitragen würde. Unglücklicherweise habe die Angelegenheit inzwischen keine Fortschritte gemacht, aber er wünsche gewiß, datz die Jewish Agency alle Teile der Judenheit und nicht zum wenigsten der orthodoxen Judenheit in vollstem Umfang repräsentieren solle. Es sei dies jedoch ein Gegenstand, der weniger ihn als Oberkommissar, denn die englische Regierung als Mandatarmacht von Palästina betreffe. Mr. Goodman sagte, daß Palästina für die orthodoxen Juden keine rein wirtschaftliche Angelegenheit sei, sondern eine religiöse Frage von lebenswichtiger Bedeutung für die jüdische Zukunft. Nur die moralische Lraft der gesamten Judenheit könne dem Palästinawerk die nötige Lraft geben. Mr. Schiff fügte hinzu, datz nach offizieller Anerkennung der Agudas Jisroel auch in materieller Hinsicht Beträchtliches von der orthodoxen Judenheit geleistet werden könne, die ja seit Jahrhunderten bewiesen habe, welche Opfer sie für Erez Jisroel zu bringen gewillt sei. Ohne sie gäbe es heute, keine jüdische Position in Palästina. Herbert Samuel erinnerte nochmals daran, datz. die Jewish- Agency noch nicht konstituiert sei und datz. er aus eine baldige befriedigende Lösung dieser Frage hoffe. Er habe bereits durch Herrn Rabb. Horowic; in Jerusalem der Lenessio Gedaulo seine Grütze übermitteln lassen und er hoffe, datz die Beratungen der Lenessio Gedaulo dazu beitragen würden, die zur Diskussion stehenden Probleme einer Lösung näherzuführen. P Humüuinn. Bukarest, 3. August. Die antisemitischen Ausschreitungen in Jassy hören nicht auf. Der geistige Vater dieser Exzesse ist der bekannte Antisemitenprofessor Dr. G u z a. Es ist zuweilen geradezu gefährlich für einen Juden, sich aus der Straße zu zeigen. Wenig erfreulich klingen auch die Berichte aus Betzarabien. Im Städtchen Chaskarni ließ der Gendarmeriekommandant kurzerhand alle fünf jüdischen Schulen schließen. Eine Anfrage in Lischinew ergab, datz man bei den dortigen Oberbehörden von einem solchen Befehl nichts weiß. Rirtzlai»-. $owietru$$i$cbt Iurtlr. (Aus einem Berichte aus Homel.) Riga, 3. Aug. Die „Jewsektia" (Jüdische Sektion) betreibt als- Spezialfach die Verfolgung der Rabbiner. Erst der Prozeß des Homeler Rabbiner Borischanski, der sieben Monate im Gefängnis schmachtete, bevor er 'aus die Anklagebank und von dort in die Freiheit kam, Darauf folgten im gleichen Homel die Prozesse gegen die dortigen Rabbiner Schneiersohn und Perlow und endlich gegen den Rabbiner aus dem nahen Moglin, Rabbi Sewin. Das Delikt ist überall das gleicher die genannten Rabbiner hatten in Streitfällen, wo sie von beiden Parteien angerusen wurden, nach Thorage s e tz entschieden. Darin sehen die Herren Lommissare einen Eingriff in die russische Gerichtsbarkeit. Lein Gesetz der Welt verbietet Privatpersonen, Streitigkeiten zu schlichten, wenn sie von beiden Stellen darum angegangen wurden. Etwas anderes hatten, die Rabbiner auch nicht getan. Da es aber Rabbiner sind, benutzte man die Gelegenheit zu einem öffentlichen Fehmgerichte, einem Schauspiele, zu dem man — unglaublich, aber wahr!— sogar die Linder aus den Schul e n herbeiholte. Nach irgend einem Gesehesartikel des Lriminalkoder, wonach religiösen Organisationen untersagt sei, Gerichtsbarkeit auszuüben (dabei negiert die Sowjetregierung geflissentlich jede jüdische Lultusorganisation und sieht in Rabbinern nur Privatpersonen) wurde Rabbi Schneiersohn zu sechs Monaten Zwangsarbeit und Perlow zu ebensolange Gefängnis verurteilt. Die Verurteilungen trugen indes nur theoretischen Charakter, da elfterer die Amnestie (sein „Vergehen" lag vor derselben) für sich in Anspruch nehmen konnte und. letzterem mit Rücksicht auf Alter und Gesundheitszustand eine „Bewährungsfrist" bewilligt wurde. Weniger glimpflich kam Rabbi Sewin davon. Er wurde zu drei Monaten Zwangsarbeit verurteilt und die Strafe kommt auch zur strengen. Ausführung. Eine Appellation beim Obergericht, wo der Nachweis erbracht und von den Parteien selbst bezeugt wurde, datz es sich um zwei Brüder handelte, die in einem Erb- [t r e i t e den Rabbiner um friedlichen Ausgleich angingen, blieb ohne Erfolg. Man hat sonst noch nie gehört, datz einem Geistlichen anderer Lonfessionen, einem Juristen oder sonst jemand für solche Schiedsrichtertätigkeit der Prozeß gemacht worden wäre. Die ganze Ausmachung des Prozesses zeigte, worauf es den jüdischen Lommissaren, die zugleich die Richter sind, ankam: auf eine Demonstration gegen die Thora und alles, was damit zusammenhängt. tttue Jnduslrietn in Palästina. Jerusalem, 21. Juli. Einige jüdische Fachleute aus Polen haben in Palästina eine Werkstatt zur Fabrikation und Reparatur

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