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Der Israelit · 1923-08-09 · Heft 32 (9.8.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 32 (9.8.1923)
Date
1923-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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stärksten Stürmen NW zu entwurzeln ist, das ist der erste Wunsch. Und daß wir in dem erhebenden, in einem geschichtlich so bedeutsamen Moment in der Entwicklung des Judentums auch unserer Schuld gedenken! Daß wir nicht meinen, wie haben wirs doch so herrlich weit gebracht, doch allen Ernstes bedenken, IM 12? So haben es d.ie Größten in Israel zu allen Zeiten gehalten, sie maßen das Erreichte an dem Ideal und fanden es so winzig klein. Da die Verbannten von allen Enden der Erde sich sammeln, nicht geführt von dem Messias aus dem Hause Davids. auf fremdem Boden, liegt die Frage nicht nahe, warum, o Gott, läßt du es nicht genug sein des Elends, verbirgst du dein Antlitz nun schon Iahrtausende?! Hoffnungslos müßten wir einer unendlich langen Frist noch entgegenharren, wollten wir darauf warten, daß auch der letzte von jüdischen Eltern Geborene seinen Weg zum Sinai zurückfände. So war es auch nicht nach der ersten Verbannung. Den Exulanten in Babel galten die Worte voin'N 12V» die herrlichen mit solcher Erhabenheit und, solcher Weihe uirgends wiederkehrenden Verkündigungen und es war doch nur eine kleine Schar, auf die jene Schilderung zutraf. Aber diese hat mit her Rückkehr zu Gott Ernst gemacht, das eine der Erbübel des ersten Zeitraumes der politischen Selbständigkeit Israels, der Götzendienst war mit Stumpf und Stiel aus der Seele der der Rückkehr ins heilige Land würdig Befundenen ausgetilgt. Um dieses Geständnisses der Hälfte willen waren sie Zurückgeführt worden. Aber das zweite Erbübel, das nicht minder die Propheten gegeißelt, die Versündigung in p22? niSD vronb Dl# batte weiter fortgewuchert. Und das Verdikt der Zerstörung des zweiten Tempels und der zweiten Verbannung erging um was ja nur ein Sammelbegriff für alle Versündigung im Verhältnis vom Menschen jzum Menschen. Iahrtausende hindurch seufzen wir unter diesem Urteil. Sollte nicht der Erlöser kommen, wenn der thoratreue Teil im Iudentüm im eigentlichen Sinne des Wortes thoratreu würde, wenn der 'n "ny wie einst in Babylon in voller Reine erstände? Der Propheten Mund ist verstummt, und die sichtbarlich von Gott Gesandten sind nicht in unserer Mitte. Die es wagen könnten, haben aber, weil sie auf ihren Höhen ihre Niedrigkeit am stärksten empfinden, am wenigsten den Mut, dem Hause Iakobs seine Sünde vorzuhalten. Doch eine heilige Versammlung, eine Gemeinschaft der Vertreter der Thoratreuen hat den Beruf, hat zu allererst die Pflicht, diese Wunde offen darzulegen. Und wärest du der stärksten Förderer einer, nicht vor der Macht und nicht, vor dem Reichtum haben unsere Großen sich gebeugt, bist du einer, der durch sein Verhalten den Namen Gottes entweiht. zeigt man auf dich mit Fingern: das soll ein thoratreuer Iude sein, der von der Habe des Nächsten groß geworden, der durch Lug und Trug sich bereichert, du gehörst ebensowenig in unsere Reihen wie einer, der den Sabbat entweiht oder den Bund Abrahams verleugnet. Es liegt so nahe, daß voller 'Stolz auf das Erreichte hingewiesen wird. Und es ist ja der durchaus berechtigte und anzuerkennende Zweck der Veranstaltung oder zum mindesten eines ihrer wichtigsten Ziele, daß das thoratreue Judentum sich seines numerischen Gewichts bewußt wird und aus diesem Bewußtsein Hoffnungsfreudigkeil und Stärke für das weitere Arbeiten im Dienste Gottes schöpft. Doch das N22 üb) *6 bleibt immer wahr, nicht in der' Zahl liegt unsere straft, sondern daß wir den Geist Gottes hier auf Erden verkörpern.^ Vor der Energie und der Opferfreudigkeit der Thoratreuen beugen sich in Achtung auch die Gegner. Sie würden in ihnen ihiie Vorbilder sehen, denen sie nacheifern müssen, vor denen alle ihre Theorien und Bestrebungen zerstieben, wenn ihre ganze Seele von den Bekennern des überlieferten Judentums gefangen genommen würde, wenn von diesen ein jeder in sich den 'n Tay wieder aufleben ließe, wenn sie in ihrer Gesamtheit ein Reich von Priestern wären, ein in Wahrheit heiliges Volk. Was einst die großen Führer des Volkes, die gottgesandten Propheten als Einzelne waren, das soll die Versammlung als Ganzes sein. Wie Donner grollten Jener Drohungen, wie Blitze zuckten die Worte, die dem Hammer gleich auch den Felsen spalteten. Aber sie fühlten sich auch im Zorne eins mit ihrem Volke, sie litten mit ihm und weinten um seine Not und rangen mitihrem Gotte um die Seelen auch der Verworfenen, bis das Wort der Verzeihung ertönte. Von unserem ersten Führer Mosche an, der mit seinem entarteten götzendienerischen Volk lieber untergehen wollte als der Stammvater eines neuen Volkes zu werden — p# dni "pDDDJO^nö— gebt von (Befdjledjt zu Geschlecht die Reihe derer, die des Bundes der Brüder nie vergaßen, der Gleichheit des Blutes, der gemeinsam erlittenen Leiden, all dessen, was eben den Bruder an den Bruder kettet, mag er noch so ferne Wege gegangen sein. Um wie viel stärker muß in den heutigen Zeiten das Gefühl der Zusammengehörigkeit sich geltend machen, weit mehr noch als in der biblischen Zeit, nachdem zwei Iahrtausende einer beispiellosen Leidensgeschichte an das gemeinsam miteinander und für einander vergossene Blut erinnern. Fließt doch fast in einem jeden von uns das Blut der Märtyrer. Ja, die Solidarität des Judentums ist kein leerer Wahn, nicht in dem Sinne der judenfeindlichen lächerlichen Angriffe, deren Nichtigkeit wir am besten kennen, sondern in dem unserer Propheten, Denker und Sänger, die, wenn sie vom Eottesgeist ergriffen waren, diese Gemeinbürgschaft Israels in tiefen Sentenzen, in ergreifenden Reden und Liedern begründet und verherrlicht haben. Die Selbstbehauptung dort, wo es gilt, die Reinheit des Glaubens zu wahren, den Erfolg einer nur von dem Sinaigesetz beherrschten Wirksamkeit in Haus, Schule und Gemeinde zu sichern, eine die religiösen Werte schützende Gesetzgebung in den Golusländern oder gar im Lande Israels zu gewährleisten, wird off einen schweren Kampf erfordern auch gegen diejenigen, die unsere Brüder sind nach dem Blut, am schärfsten dort, wo die Untergrabung und Zerstörung dessen, was uns heilig ist, zum Prinzip erhoben wird. Es ist eine alte Wahrheit, daß auch der Veste nicht im Frieden leben kann, wenn es dem bösen Bruder nicht gefällt. Aber immer sollte hinter allem, was in der Versammlung gesprochen und beschlossen wird, das Bewußtsein stehen, daß hier der 7x2, in Wahrheit alle, die nur mit dem Namen Israels benannt werden, vertreten sind, dann kann unmöglich eine Parteileidenschaft aufflammen, dann wird das, was zur Sicherung der Klarheit der Prinzipien festgestellt werden muß, sich eben auf das notwendige beschränken, dann wird jede überflüsssige Polemik ausgeschaltet sein und die ganze Arbeit, die ja an sich riesengroß ist, auf den positiven Aufbau sich konzentrieren lassen. Daß nie vergessen werde: Eines schickt sich nicht für alle: Politik und Diplomatie im üblen Nebensinne des Wortes hat nie zum Siege geführt, wenn es sich um den Kampf großer Ideen handelte, sie ist vor allem, mag sie noch so sehr zu Nutz und Frommen des nächstgelegenen Zieles erforderlich erscheinen, einer solchen, wir wiederholen immer, einer heiligen Versammlung unwürdig. Und das letzte, das schwierigste und doch allerwichtigste und wertvollste: daß es der Versammlung gelänge, die rechte Einheit in der Mannigfaltigkeit zu finden. Wer wollte leugnen, daß schon allein durch den Umstand, daß wir in so viele Länder zerstreut, einer jeden ethnischen Gruppe innerhalb des Judentums ein anderer Stempel aufgedrückt ist. Das Milieu hat nicht nur in Westeuropa seit der Emanzipation, sontümer zu veräußern und auszuwandern. Es steht zu befürchten, daß in wenigen Jahren keine jüdische Spur in der Provinz Posen mehr vorhanden sein wird. Der Grund deer Auswanderung ist weniger in der ökonomischen Lage zu suchen, als vielmehr in der Haßatmosphäre, die für die Juden rein unerträglich ist. Dabei ist, was das einfache' Volk betrifft,* der Haß nicht einmal natürlich, sondern künstlich durch Agitatoren gezüchtet. In der ganzen Provinz Posen gibt es keine Zeitung, die nicht täglich zum Boykott gegen die Juden predigte. Eine krasse Illustration der Lage ist die Tatsache, daß Herr Rabbiner Dr .Freimann sem Telefon aufgeben mußte, da er auf telefonischem Wege von anonymen Anrufern täglich! belästigt und auf das Schwerste beschimpft wurde. Das ist im Großen und Ganzen die derzeitige Lage der Juden im heutigen Posen, unter polnischem Regime. Zwei interessante Notizen. In dem von dem bekannten Rabbiner Dr.- L. Münz s. A. veröffentlichten Buche Rabbi Eleasar, genannt Schemen Rokeach S. 104 und S. 116 finden sich unter anderem zwei interessante und zeitgemäße Notizen. Die Nachahmung fremder Sitten, die damals immer mehr um sich griff, suchte Rabbi Lleasar Schemen Rokeach durchs ein witziges Wort zu rügen. Als einst bei einem Hochzeitsfeste der Tanz arrangiert werden follre, äußerte Rabbi Eleasar: «Tanzen dürft Ihr, aber nur zu Zweien." Auf die Bemerkung, daß ja immer nur zwei zusammen tanzen, antwortete er: Ja, aber wenn ein Mann mit einer fremden Frau zusammen tanzt, da ist auch der Iezer Hora (der böse Trieb), als dritter zwischen ihnen." (Dergl. den Artikel über Tanzen in Nr. 28 und 29 des „Israelit") Einst war das Laubhüttenfest herangenaht, und noch gab es in der Gemeinde zu T. keinen Esrog. Durch außerordentliche Umstände war nämlich der bei den damaligen Verkehrsverhältnissen so schwierige Transport der Esrogim ganz in Stockung geraten. Nur ein nichtjüdischer Apotheker hatte sich einen Esrog zu verschaffen gewußt und bot denselben Rabbi Tobia Bloch zum Kaufe an. Der Besitzer d'er köstlichen Frucht forderte als Kaufpreis einen ganz immensen Betrag. Endlich bot ihm R. Tobia als Zahlung eine Anzahl Dukaten an, die, aneinander gelegt, eine Reihe bildeten, welche vom Rande des Tisches bis zu einem gewissen Zeichen, das sich etwa in der Mitte des Tisches besam», reichen würde. R. Tobia stellte dann den so teuer bezahlten Esrog der Gemeinde zur Verfügung. I. M. Jüdischer Bade-Humor.*' Vater und Sohn treten ins Zimmer des Badearztes. Der Alte seufzt tief und jämmerlich. „Wo tut es Ihnen weh?" fragte der Arzt. „Mir? Nirgends, mein Sohn ist krank". „Warum ächzen Sie denn?" „Das war ja nur ein jüdischer Seufzer . . ." *) Aus dem prächtigen -j'nnn'l PHTOn "lDD von A. Drujanow. Verlag „Omonuth" Frankfurt a. M., Moskau, Odessa. Eine Warschauer Dame klagte dem Badearzt: „Weh mir, meine Hände zittern, die Füße schlottern, der Kopf schwindelt mir, starkes Herzklopfen, die Kehle immer trocken, der Magen verdorben — außerdem fühle ich mich selbst auch nicht ganz wohl ..." , (Aus einem Karlsbader Briefes „Wir st e h e n morgens auf wie zu „ S l i ch a u s ", ziehen uns an, als wäre es Simchas Thora, fasten, als wäre es Tisch 0 Hb eaw und laufen ans Wasser wie am Roschhaschonoh . . Sabbat-Anfang und -Ausgang. n*o N2V Ort: Änfc Uhr mg Min. Do 1923 ltum 5683 Äw Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 7 05 11. 29. 8 45 Berlin .... 7 30 Aug. Ab 8 30 München . . . 7 15 8 17 Köln ...... 7 35 8 55 Stuttgart . . . 7 — 8 32 Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 7 — 8 25 Hamburg . . . — — — —

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