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Der Israelit · 1923-08-02 · Heft 31 (2.8.1923) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 31 (2.8.1923)
Date
1923-08-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Blätter Seite 2 Nr. 16__ mus stehen. Und sie zeigt uns ferner die Tatsache, daß ein sehr großer Teil der Tätigkeit der Aguda und ihrer Organe in Polemik besteht, vor allem gegen den Zionismus. Daß die Weltanschauung des Zionismus eine schwere Gefahr für das Äudentum bedeutet, bedarf keiner besonderen Betonung, wenn auch in seinen praktischen Auswirkungen ein großer Unterschied zwischen den Ländern des Ostens und des Westens ist: dort hat er sich als ein Element der Zersetzung erwiesen, hier hat er nicht selten aufbauend gewirkt und der Orthodoxie wertvolle Hilfe geleistet. Aber die Polemik richtet sich ebenso und noch mehr gegen den Mksrachi: und der Misrachi will doch der Thora im Zionismus Geltung verschaffen, will bewirken, daß der Nationalismus die grundlegende Bedeutung der Thora mehr und mehr einsehe und danach handle. Man sagt, durch seine organisatorische Vereinigung mit dem Zionismus erkenne er diesen an. Darüber kann man verschiedener Meinung sein; jedenfalls wird durch die Anfeindung von außen her, durch den Zwang nach zwei Fronten zu kämpfen seine Kraft auch innerhalb des Zionismus geschwächt- und es wird ihm zugleich die Gelegenheit gegeben, seine Mißerfolge diesem Umstand zuzuschreiben. Am schlimmsten aber wirkt die bisherige Taktik der Aguda in Erez Iisroel. Hier wäre, um den Aufbau des Landes in wahrhaft jüdischem Sinne zu fördern, um den verheerendes Einfluß der radikalen Elemente zu paralysieren, die Zusammenarbeit aller D’H'in unbedingt erforderlich. Statt dessen sehen wir auch dort unter den □'Tin selbst Streit und gehässige, gegenseitige Bekämpfung. Und diese Verschärfung der Gegensätze innerhalb der Orthodoxie, wobei sicherlich keine Seite von Schuld freizusprechen ist, bildet eine der beklagenswertesten Erscheinungen in der, Entwicklung der letzten Jahre. "131 DU 3-' Nur durch gemeinsames Vorgehen können wir die Sache der Thora zum Siege führen. Was erwarten wir nun von der Kenessio Eedaulo? Wir erwarten, daß sie ein Programm aufstellt, das es allen Iereim ohne Unterschied ermöglicht, sich ihr anzuschließen und an ihren Aufgaben mitzuarbeiten, mit den gleichen Rechten und Pflichten. Für den Anschluß darf nur das Bekenntnis zur Thora maßgebend sein und nicht die Parteistellung. Und wir erwarten auch eine deutliche Willenskundgebung, daß die Leitung dieses Programm zur Grundlage ihrer ganzen praktischen Arbeit auf allen Gebieten macht. Das wird dann auch ihre Bestrebungen auf die Förderung und Erhaltung der Thora ungemein stärken,- denn sie wird dann wertvolle Kräfte, die bisher abseits standen, zu sich heranziehen. Die Agudas Iisroel, die heute noch auf einen viel zu kleinen Kreis beschränkt ist, wird zu einer populären Institution in der ganzen Welt werden, zu einem Symbol des Für Erez Iisroel erwarten wir,, daß sie ihren Willen kund gibt, mit allen Elementen, die für die Erhaltung der Thora wirken wollen, genr^insam aufbauende Arbeit zu leisten. Das Interesse für Palästina hat ja innerhalb der Agudas Iisroel in der letzten Zeit in erfreulicher Weise zugenommen. Aber wenn auch die Agudas Iisroel in den Golusländern ebenfalls die umfassendsten Aufgaben hat, so muß sie doch aus Erez Iisroel immer ihr Hauptaugenmerk richten. Wie aufmerksam namentlich in den gesetzestreuen Kreisen des Ostens diese ihre Stellungnahme beobachtet wird, das zeigt ein Artikel in dem Organ der Agudas Iisroel und Zeire Iisroel in Litauen („das jiddische Leben"), der in eindringlichen Worten die Wichtigkeit der Mizwas Ischuw Erez Iisroel betont und zur Unterstützung des Keren Hajischuw der Agudas Iisroel aufffordert. Nur einige Sätze des Artikels seien hier wiedergegeben: „Es sind viele ^02^ 'bnJ der Meinung, daß unsere Lässigkeit in der Besiedelung von Erez Iisroel eine große Sünde ist, die dazu beiträgt, das Golus zu verlängern, und daß das rilD? dieser großen Mizwa die Herbeiführung der n^iiO fördern wird." — „R. Iakob Emden findet auch warme Worte für diese Mizwa und sagt, daß die vielen Leiden und Verfolgungen, von denen wir heimgesucht werden, ihren Grund darin haben, daß wir den Gedanken in Erez Iisroel zu wohnen ganz aufgegeben haben: denn jeder von Israel muß sich vornehmen, seinen Wohnsitz in Erez Iisroel aufzuschlagen, sobald er einigermaßen die Möglichkeit hat, sich dort durch Handwerk oder Handel zu ernähren. — Manche unter den Großen Israels haben gesagt, daß, wenn die Zeit der Ankunft des Erlösers kommen wird, die Erlösung mit einer Erlaubnis seitens der Regierungen beginnen wird. Wie weit also auch das „Mandat" noch von einer Verwirklichung der nSliO entfernt ist und ^ryie sehr wir noch das Erbarmen Gottes zu erbitten haben, so bedeutet doch schon die Tatsache, daß der Völkerbund das Recht des bedrückten und verachteten jüdischen Volkes auf Palästina anerkennt, auf Palästina, das doch auch ihnen heilig ist und um dessen Besitz sie blutige Kreuzzüge unternommen ' haben, eine Erfüllung der Prophezeiung Iesajah: „Es erhebt ein Panier für die Völker und sammelt die Verstoßenen Israels und die zerstreuten Iehudas sammelt er von den vier Enden der Erde." — „Wir dürfen auch nicht vergessen, daß alle traditionstreuen Iuden in steter Versuchung sind, daß sie zu rnw ^6n und zum Abfall kommen. Wenn aber Erez Iisroel in Reinheit aufgebaut würde, so würden solche Iuden gewiß nicht in das andere Lager übergehen, sondern sie und ihre Kinder würden dem Iudentum erhalten bleiben." Der Artikel richtet nun einen warmen Appell an alle, sich an großen und kleinen Unternehmungen in zu beteiligen und entwirft auch einen Plan für die Gründung einer litauischen Kolonie in Palästina. Wir wollen hoffen, daß die Kenessio Eedaulo sich ihrer großen Aufgabe bewußt sein wird und daß sie unter Beiseitelassung alles Partei- Haders und aller kleinlichen Interessen nur das eine Ziel im Auge behalten wird: pp □*nrp nsrnm minn- Anmerkung der Redaktion: Die obenstehenden Ausführungen geben uns willkommenen Anlatz zur Klärung einiger prinzipieller Gesichtspunkte, welche für die Einstellung zur Kenessio Eedaulo speziell innerhalb des deutschen Gruppenverbandes nicht unwichtig sein dürften. Die heutige Struktur der Aguda läßt es erfreulicherweise nicht mehr zu, die Betrachtung von Agudaangebegenheiten, speziell unter deutschem Gesichtswinkel vorzunehmen. Es war das große Verdienst hauptsächlich der deutschen Orthodoxie, im Jahre 5672 den Sammelruf an die Thoratreuen aller Länder zur Gründung der Aguda ergehen zu lassen und im Laufe des folgenden Jahrzehntes ihre organisatorischen Fähigkeiten in den Dienst der Agudaidee zu stellen. Es hietze aber den Einfluß Deutschlands überschätzen, mit Nichtachtung der Anschauungen der großen in der Aguda organisierten Massen des Ostens, diejenigen Streitpunkte in die Aguda hineinzutragen, welche leider in Deutschland noch immer die Zerklüftung der Orthodoxie verursachen. Wäre der Blick der deutschen Orthodoxie durch diese inneren Streitpunkte nicht getrübt, so wäre niemals ein Zweifel darüber aufgekonunen, daß der ganze Sinn der Aguda ja . eben darin besteht, überind ividuell eine organisatorische Zusammenfassung der Eesehestrcuen zu schaffen, um in Selbständigkeit, unbeeinflußt von allen Organisationen, die mehr oder minder der Thoraentfremdung verfallen sind, oder mit ihr paktieren, diejenigen Aufgaben zu lösen, die der Einzelne allein zu lösen nicht im Stande ist. Jede Organisation, welche glaubt, in irgendeiner Form sich das Gesetz ihres Handelns auch von anderen Faktoren als von der Thora vorschreiben lassen zu können, negiert in tiefstem Grunde die Existenzberechtigung der Aguda. Wie der Einzelne, der einer solchen Organisation angehört, und trotzdem der Aguda Folgschaft leistet, diesen Widerspruch löst, ist seine Sache und niemals wandte sich die Aguda deshalb gegen den einzelnen Gesetzestreuen, welcher ein Mitglied obengenannter Organisationen war. Wohl aber mutz die Aguda notwendigerweise als Konsequenz ihres Grundgedankens Organisationen ablehnen, welches es mit der Eesetzestreue des Einzelnen für vereinbar erklären, einem Verbände anzugehören, für den die Souveränität der Thora nicht oberstes Prinzip ist. Darum traten unsere Gesinnungsgenossen in Warschau aus der Verwaltung der jüdischen Gemeinde aus, als man der Warschauer Gemeinde 27 August 1923 einen Rabbiner aufoktroieren wollte, der nicht dem Ideal des jüdischen Führers entsprach. Darum hat die pol» nische (nicht die deutsche) Landesorganisation der Aguda es abgelehnt, Misrachisten bei sich aufzunehmen. Darum hat die Lett ische Landesorganisation in einer ihrer Gemeinden mit der Gründung einer Separatgemeinde gedroht, weil das Gehalt für die Rabbiner nicht auf.den Gemeindeetat übernommen werden sollte. Darum hat die tschechische Landesorganisation es abgelehnt, Mitglieder in ihrem Lande aufzunehmen, welche nicht dem orthodoxen Landesverbands angehören. Darum haben aus eigenster Initiative, nicht etwa von Deutschland aus beeinflußt, die Jerusalemer Gesinnungsgenossen' alle Schritte unternommen, um unbeeinflußt von zionistischer Bevormundung ihr eigenes Rabbinat zu haben. Sie wollten unter keinen Umständen sich einem Rabbmrrte unterordnen, welches für den zionistischen Nationalfonds Aufrufe erläßt und so indirekt das thorafeindliche Schulwerk der Zionisten (30 o/o aller zionistischen Fonds werden für Schulzwecke verwendet) fördert. Es war auch niemals bei diesen auch von uns bedauerten Streitigkeiten der Grundgedanke etwa der, Andersdenkende von ihrer Ueberzeugung. abzubringen, sondern lediglich, dem eigenen Kreise die Möglichkeit und das Recht freien Auslebens zu schaffen. Die Orthodoxie ist überall so bescheiden geworden, daß sie zufrieden ist, wenn man ihre Besitztümer unangetastet läßt, und der Kampf um Mese Besitztümer ist doch nur eine Defensive, über deren Notwendigkeit man vielleicht in den westlichen Inseln der Orthodoxie geteilter Meinung sein kann. Im Osten bedeutet das Bekenntnis zu Aguda d. h. zur Selbständigkeit der Orthodoxie gleichzeitig die Abkehr von allen Organisationen, die, wenn auch in gutgemeinter 'Absicht, sich fraktionell dem Abfall anschließen. Ueber die Notwendigkeit der Palästina-Arbeit für die Aguda herrscht erfreulicherweise heute völlige Einmütigkeit. Ob es möglich sein wird, hierbei wirtschaftlich mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten, wird von dem Mehr oder Minder der Bereitwilligkeit dieser Organisationen abhängen, einmal auch hierbei das Gottesgesetz zu respektieren und andererseits eine reinliche Scheidung zwischen wirtschaftlicher und kultureller Tätigkeit zuzu gestehen. Auch hier, wir gestehen es gerne zu, wird die Tätigkeit der Aguda wesentlich durch den Impuls des Ostens bestimmt sein. Aber auch hier hat Deutschland bewiesen, daß die seiner Landesorganisation angehörigen verantwortlichen Führer sich dessen bewußt sind, nicht bloß die etwas lauwarme Mentalität der deutschen Landesorganisation zu vertreten, sondern sich als die Vollstrecker des Willens der Eesamtaguda zu begreifen. E. IH. Palästina-Fragen. Von E. Votschko in Montreux. Vor 10 Iahren, also kurz vor Ausbruch des Weltkrieges, erhallte der erste Ruf zur „Knesio Hshgdanlo" durch die Iudenheit. Hoffnungsvoll waren unsre Blicke auf sie gerichtet. Die zerstreuten Glieder der frommen jüdischen Welt sollten gesammelt und unter ein Banner gebracht werden. Israels Moße Lichtträger, die *vnn sollten das Mcht bringen, das erlösend, befreiend und beglückend in Tiefen und Finsternisse leuchten sollte und den richtigen Weg zum neuen Leben erhellen und offenkundig machen sollte. Wahrlich, wir hatten das Recht zu hoffen und zu glauben, hatten wir doch damals noch eine Elite geistiger Kräfte und Führer. In unserer Mitte befanden sich noch Autoritäten wie die Geonim von Karlin, Brisk, Lodz, Pultawa, Woloscin und Mir und der Aguda- Führer Louis Feist-Frankfurt und andere, welche im Stande waren, mit ihrer tiefen Einsicht alles zu überschauen. Ihrer Stimme lauschte in Ehrfurcht die gesamte Iudenheit. Mit großer Spannung verfolgte man überall den Gang der Ereignisse. Da brach der unselige Krieg aus. Im Kriege sind leider unsre Größten und Besten von uns gegangen. Uns fehlen die Führer, die des alleinrichtigen Weges kundig sind. Wir Lasten umher wie Blinde im Dunkeln und finden nicht Weg noch Steg. Wir suchen nach Rat und finden keinen, so wie es mit Recht Rabbi Akiba nach dem Tode des Rabbi Elieser ausgesprochen habe: jmst-ink ’orfrw ptti *6 vf myo nmr? Während heute die Wogen mehr denn je stürmen, fehlt uns die starke Hand des kundigen Steuermannes. An Konferenzen und Kongressen haben wir wahrlich keinen Mangel, doch ihnen fehlt allen der feste Boden und der klärgezeichnete Horizont. Gar manche sind bestrebt, die Zügel an sich zu reißen und dem Volke Befehle, Programme „Isurim" aufzudrängen. Das Volk aber ist

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