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Der Israelit · 1923-08-02 · Heft 31 (2.8.1923) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 31 (2.8.1923)
Date
1923-08-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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20.Ab 5683 Dl 9.Jahrgang 2. August 1923 JU Id llvl Nummer 16 herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas-Jisroel für Deutschland. Zusammenarbeit. n. Stimmen zur Kenessio Gedaulo. I. Die Erez-Jisroel-Frage auf der röMin 'idjd. Von Dr. PH. Mrankk in Katöerstadt. Wir müssen versuchen, die Erez Iisroel-Frage losgelöst von aller Politik zu betrachten. Die Agudas Iisroel hat sich vom Anfang — siehe Kattowitz — dagegen verwahrt, ein orthodoxer Zionismus zu sein. Die Nöte der Iudenheit, besonders aber die geistigen Nöte sind so grob und international, datz man ab ovo darauf verzichten mutz, ihre Lösung oder auch nur eine Milderung derselben von einem Punkte, und sei er noch so wichtig, zu erhoffen. Die Ziele und die Aufgaben der Agudo müssen sich aus alle Gebiete — auch räumlich gesprochen — erstrecken, in denen wichtige jüdische Fragen der Lösung harren. Es ist deshalb ganz naturgemäß, datz in unserer Organisation der Frage der Besiedlung von Erez Iisroel nicht die zentrale Bedeutung in der Praxis beigelegt werden kann, wie dies bei Organisationen der Fall ist, die nur dies eine Ziel verfolgen. Ueber jeden Zweifel erhaben ist aber die in den Herzen aller thoratreuen Juden tief verankerte Liebe zu Erez Iisroel. Ebenso steht es fest, datz die überwiegende Mehrheit der in der Aguda vereinigten Orthodoxie nach Matzgabe ihrer Kräfte in Erez Iisroel vertreten und für Erez Iisroel tätig sein mutz. Sie ist ferner der Anschauung, datz die bisherige meist vorbereitende Tätigkeit der Agudo nunmehr in das Stadium einer stabilen und zweckmätzigen Arbeit übergehen soll. Bisher ist es trotz aller Opfer persönlicher und finanzieller Natur nicht möglich' gewesen, eine planmätzige Tätigkeit auf diesem Gebiete zu entfalten. Alles, was unternommen worden ist, mutzte Torso bleiben, weil aller Tätigkeit, die Einheitlichkeit, die einheitliche Leitung, gemangelt hat. Bald versuchte die eine, bald die andere Palästina-Zentrale dort Fuß zu fassen. Alle beseelte der gute Wille, Erez Iisroel im Sinne der Thora aufzubauen. Allen aber war kein größerer Erfolg beschieden, weil sie planlos an die schwere Arbeit herangetreten sind, ohne erhebliche Mittel und was noch' ins Gewicht fiel, ohne die Persönlichkeiten, die dort an der Stätte der zu leistenden Arbeit dieser dauernd die Wege zu ebnen imstande gewesen wären. Was uns, was der Agudo als Vorbedingung jedweder ersprießlichen Arbeit in Erez Iisroel mangelt, ist eine Persönlichkeit, die dort ihren Wohnsitz hat, und die das organisatorische Verständnis und auch die Sachkenntnis besitzt, um all die Einzelenergien, die von der gesamten Diaspora für Ischuw Erez Iisroel im Sinne der Agudo ausgehen, in ein gemeinsames Bett zu leiten und sie zu Taten zu verdichten. Wir müssen es, so wie wir dort nur die Rudimente irgendeiner Tätigkeit schaffen wollen, es dahin bringen, datz wir in Crez Iisroel eine Vertretung besitzen, die es versteht, alle Tätigkeit der Agudo in Erez Iisroel ihres ephemeren Charakters zu entkleiden und ihr eine gewisse Stetigkeit zu verleihen. Hätten wir schon früher eine solche Arbeitskraft dort gehabt, so wären den so dankenswerten Bemühungen des Gerrer Rebbe, des Herrn Wölf Pappenheim und anderer Persönlichkeiten aus Polen und anderen Ländern sicherlich größere Erfolge beschieden gewesen. Ihre Bemühungen hätten doch Anfangserfolge erzielt, auf denen dann in der Zukunft hätte weitergebaut werden können. Es ist bereits vorhin gesagt worden, daß das Schwergewicht der Aufgaben der Agudas Iisroel in der Diaspora liegt. Das bittere Golus auf religiösem wie auf wirtschaftlichem Gebiete erfordert zu seiner nur teilweisen Linderung ^in großes Matz von Energie und viele Opfer, durch welche die Kräfte einer, wenn auch in ihrem Umfange großen Organisation stark in Anspruch genommen werden. Unter solchen Umständen wird die Agudo meines Erachtens in absehbarer Zeit kaum in der Lage sein, größere Unternehmungen in Palästina finanzieren oder erhalten zu können. Ein anderes aber ist es, was die Aguda-Organisation tun könnte und was sie als die eigentliche Organisation der orthodoxen Iudenheit zu leisten verpflichtet ist. Die Agudas Iisroel soll die Zentralstelle sein, an welche sich all diejenigen wenden sollen, die tätiges Innteresse am Ischuw Erez Iisroel bekunden. Wenn wir zum Beispiel gelegentlich der Breslauer Tagung des Zentralrates gehört haben, datz sich in Betzarabien Hunderte von unseren Gesinnungsgenossen zusammengetan haben, um in Palästina eine Kolonie zu begründen, so mutz doch eine Stelle vorhanden sein, die solche Pläne zu fördern sucht, den Leuten mit Rat und Tat zur Seite steht. Das Gleiche gilt von den Unternehmungen verschiedener Art, die von polnischen Agudisten geplant worden sind. Da bemühte sich der um die Erez Iisroel-Sache hochverdiente Gerrer Rebbe, für die polnische Agudo städtischen und Landbesitz zu erwerben; da sind es großzügige Industrielle gewesen, die ihre Fachkenntnisse, ihre ausgebreiteten kommerziellen Beziehungen und auch bedeutende Geldmittel zur Begründung von Industrien zur Verfügung stellen wollten. Sodann befinden sich in unseren Reihen eine Anzahl von jungen Leuten, die den ernstlichen Willen haben, in und für Erez Iisroel zu arbeiten. Es sind dies Elemente, wie wir sie gerade gebrauchen können, um dort einen 31p zu schaffen, der uns pa auch fernerhin als r\w)ipn pa erhält. Alle diese Pläne bedürfen aber der angelegentlichsten Förderung, wobei ich in erster Reihe nicht an eine finanzielle Unterstützung denke, sondern daran, daß eine Stelle da sein mutz, bei welcher all diese Bestrebungen zusammenlaufen, wo sie auf ihre Ausführbarkeit geprüft werden und von welcher auch die nötigen Schritte zu ihrer Realisierung, so eine solche möglich ist, getan werden sollen. Mit einem Worte: Wenn wir in Erez Iisroel auch nur in bescheidenstem Matze tätig sein wollen, so dürfen wir die größten Anstrengungen nicht scheuen, um dort eine dauernde Vertretung einzurichten. An der. Spitze dieser Erpositur hätte eine Persönlichkeit zu stehen, die in wirtschaftlicher Hinsicht versiert ist. Alle Pläne, die von den einzelnen Palästina-Aemtern der Landeszentralen an diese Vertretung gegeben werden, sollen von ihr bearbeitet und so weit es geht, ausgeführt werden. Die Erez Iisroel-Frage wird auf der von einem großen Teil der Iudenheit so freudig begrüßten rfrvu nsD:D voraussichtlich den Gegenstand sehr ernstlicher Erwägungen bilden. Es dürfte für die Beratungen der Kenessio nur förderlich sein, wenn schon vorher in der Agudo- Presse zu den wichtigen Fragen Anregungen gegeben werden. Man beschäftigt sich dadurch schon eine geraume Zeit vorher mit den Problemen, die in der Versammlung in verhältnismäßig kurzer Zeit durchberaten werden müssen. Obige Ausführungen sollen Veranlassung sein zum Nachdenken über die Erez Iisroel-Frage, die uns allen auch Herzenssache ist. Von Rabbiner Dr. Anna in Mannheim. Die Kenessio Gedaulo wird die Aufgabe haben, das endgiltige Programm der Agudas Iisroel festzustellen. Sie wird auch einen Rückblick werfen auf die bisherige Entwicklung und wird, wie wir hoffen, eine Klärung der Meinungen darüber herbeiführen, ob diese Entwicklung sich immer in der Richtung der Grundidee der Agudas Iisroel bewegt hat. Denn die bisherige Phase bedeutete ja ihrem Wesen nach nur ein Provisorium, und von der Beurteilung dieses Provisoriums wird es abhängen, wohin der weitere Weg der Agudas Iisroel führen und ob sie in der Lage sein wird, sich zu einer Zusammenfassung aller thoratreuen Elemente der Welt auszugestalten. Denn das war ja die ursprüngliche, die begeisternde Idee der Agudas Iisroel: die organisatorische Vereinigung aller derjenigen, die auf dem Boden der Thora stehen und die diese Thora als das Gesetz ihres Lebens betrachten. Die Sammlung aller positiven, aufbauenden Kräfte müßte der Gesamtheit eine Stotzkrafft verleihen, die die Einzelnen niemals entwickeln können. Es ist zugleich in gewissem Sinne eine praktische Verwirklichung des Gedankens des!YD"iy und damit eine Vorbereitung zur)i>'i . Denn es wird ja immer wieder betont, daß' der p-nn durch Qjn durch Parteihatz und persönliche Befehdung herbeigeführt wurde, und auch die Fortdauer des 5117.'! wird diesem Umstand zugeschrieben. So würde auch die Vereinigung aller Thoratreuen einen Schritt zur Herbeiführung der bedeuten. Die Frage ist nun, ob die Agudas Iisroel immer dieses Ziel im Auge gehabt und ob sie zu seiner Erreichung die rechten Mittel angewendet hat. Zweifellos ist im Anfang der Versuch ge-, macht worden, der Agudas Iisroel diese Richtung zu geben. Aber wenn wir die Entwicklung ehrlich und unbefangen betrachten, so müssen wir auch feststellen, daß die Richtung nicht beibehalten worden ist. Man hat zuerst versucht, alle diejenigen zu gewinnen, die in Gesinnung und Wandel auf dem Boden der schriftlichen und mündlichen Lehre stehen, einerlei, welche Stellung sie zu gewissen taktischen Fragen einnehmen. Man ist mehr und mehr davon abgekommen. An die Stelle der oben charakterisierten Idee der Agudas Iisroel ist der „Agudismus" getreten, der, wenn man ihn von allem Beiwerk und aller dekorativen Ausschmückung entkleidet, so ziemlich das Bekenntnis zu dem bedeutet, was man Separatismus zu nennen pflegt. Ich habe nicht die . Absicht, hier über den Separatismus zu sprechen, und es liegt mir fern, die ehrliche Ueberzeugung derer anzuzweifeln, die in der schärfsten Trennung der Orthodoxie von allen anderen die einzige Rettung des Judentums sehen. Aber es gibt nun einmal auch sehr viele, denen man cnßw npp und Verständnis für die Aufgaben des Judentums nicht gut absprechen kann, und die diesen Weg für emen Irrweg halten. Will man aber das große Ziel der Agudas Aisroel erreichen, so mutz man sich entschlietzen, solche Parteifragen — und um Parteifragen handelt es sich — auszuschalten. Sonst wird die Agudas Iisroel statt eines Elements der Vereinigung nur ein Element neuen Haders und neuer Zerklüftung. Die bisherige Entwicklung zeigt dies zur Genüge. Sie hat zunächst in Deutschland zur Fernhaltung oder zum Austritt der meisten geführt, die nicht auf dem Boden des Separatis-

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