Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1923)
- Date
- 1923-07-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 Nr. 15 B l im e r Einwand nicht gerechtfertigt, denn wir haben die lleberlieferung: „Sowohl derjenige, welcher viel bringt, als derjenige, welcher wenig bringt, gelten gleich, wenn nur fein Inneres von reiner Absicht erfüllt ist." (Berachoth 17). „Von großem Werte ist die Arbeit, denn sie verschafft Ehre denjenigen, die sich mit ihr befassen." (Nedarim 49.) „Wie das Gottesgesetz als Bündnis eingesetzt wurde, so wurde auch die Arbeit als Bündnis eingesetzt, denn es heißt: Sechs Tage diene und vollbringe all dein Werk!" (Aboth de Rabbi Nathan 11). Diese und zahlreiche ähnliche Stellen beweisen, wie die Gesetzeslehrer des Talmud schon vor mehr als anderthalb Jahrtausenden die Arbeit als einen der ersten Faktoren der sozialen Wohlfahrt bezeichnen, worin auch die bekannte Tatsache ihren Grund hat, daß hervorragende Eesetzeslehrer des Talmuds Handwerker waren. Nach Sabbat 54 sind die Reichen,' die nur genießen und nicht arbeiten wollen, Gott nicht wohlgefällig und „Gottes segnende Bundesnähe über Jisroel wird davon abhängig gemacht, daß sich Jisroel mit Arbeit befaßt." Diese theoretischen und agadischen Auseinandersetzungen über den Wert und die Bedeutung der Arbeit und des Arbeiters manifestieren sich aber auch in den halachischen Bestimmungen über die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es wird von beiden eine strenge Gewissenhaftigkeit inbezug auf das Jnnehalten der Arbeitszeit verlangt. Dem Arbeitnehmer wird zur Pflicht gemacht, jeden nicht unbedingt notwendigen Zeitverlust bei der Arbeit zu vermeiden. Der Arbeitgeber wird angehalten, das Interesse des Arbeitnehmers nicht durch Ausnützung (Ueberstunden) zu schädigen. Einige diesbezügliche Gesetzesoorfchrkften feien hier verzeichnet,' so wie sie im Schulchan Aruch entsprechend den talmudischen Quellen kodifiziert sind: „Der Arbeitgeber kann, nachdem er die Arbeiter ohne eine besondere Vereinbarung der Arbeitszeit bestellt hat, sie nicht zu einer Verlängerung der ortsüblichen Arbeitszeit anhalten, selbst wenn er ihnen einen größeren als den gewöhnlichen Arbeitslohn bezahlt. Die zgeit, die der Arbeiter braucht, um zur Arbeitsstätte zu gehen, fällt zu Lasten des Arbeitgebers, während der Heimweg von der Arbeitsstätte zu Lasten des Arbeitnehmers fällt. Am Freitag ist der Arbeiter zu einer Zeit zu entlassen, daß ihm noch die Möglichkeit bleibt, vor Sabbatbeginn die Vorbereitungen für den Sabbat zu treffen. Wr Lohnarbeiter ist eine Kürzung des Tischgebets zulässig, wenn der Arbeitgeber die Mahlzeit nicht mit ihnen gemeinschaftlich eingenommen hat. Handwerker' sind während der Zeit ihrer Arbeit nicht verpflichtet, vor einem Thoragelehrten aufzustehen, -Taglöhner sind nicht berechtigt dazu. Es darf auch der Arbeitnehmer, da wo er erklärt, daß er die Arbeit nach den Bestimmungen des jüdischen Rechtes übernehme, nicht vor Sonnenaufgang und nicht nach dem Dunkelwerden zur Arbeit gezwungen werden." (Schulchan Aruch Choschen Mischpat, Kap. 331 f.). Hinsichtlich des Lohnes sind im Talmud Bestimmungen getroffen, welche besondere Rücksicht auf den Rechtsschutz der Arbeiter erkennen lassen. Sie zu besprechen wird Aufgabe eines weiteren Artikels sein. (Fortsetzung folgt.) Notizen zur Kenessio Gedaulo. Wien. (A. I. P. B.). Während der Kenessio Gedaulo findet im Gebäude der K. G. eine Buch- und Kunstausstellung unter besonderer Berücksichtigung der orthodoxen Verlage und orthodoxen Literatur statt. — Im Gebäude der K. G. wird ein eigenes K. G. - Postamt mit eigenem K. G. - P o st st e m p e l eingerichtet. Aus der Bewegung. Wien. (A. I. P. B.). Misrachistische und zionistische Blätter veröffentlichten vor einiger Zeit einen offenen Brief, den der Großrabbiner von Sada-Eora an den Großrabbiner von Czortkow gerichtet haben soll. Der Sadagorer Rabbi erklärte einem unserer Mitarbeiter, daß er überhaupt keinen offenen Brief geschrieben hat und bereits Schritte wegen eines Dementi unternahm. Der Großrabbiner von Sadagora erklärte vielmehr, daß er selbst Anhänger der Agudas Jisroel sei. Jerusalem. (A.J.P.B.). Am 21. Tamus wurde hier die Landeskonferenz der Agudas Jisroel eröffnet. Es nahmen Delegierte aus Tiberias, Jaffa, Safed und bedeutenden Erfolg erreichen könnte, so wäre dieser verschiedenen Kolonien sowie Siedlungen teil. Es wurden wichtige Resolutionen angenommen und eine Kommission gewählt, die einen genauen Arbeitsplan für Erez Jisroel zur Kenessio Gedaulo ausarbeiten soll.. Jerusalem. (A. I. P. B.). Die Erez Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. übermittelte der Jerusalemer Aguda-Zentrale einen namhaften Betrag für die Gründung einer orthodoxen Kolonie bei Jerusalem. Lodz. (A. I. P. B.). Das „Lodzer Tagblatt" veröffentlicht einen offenen Brief des Sejmdeputierten und Präses der zion. Organisation in Lodz, an die Agudas Jisroel in Polen. Dr. Rosenblatt macht der Agudas Jisroel einen Friedensvorschlag, da er der Meinung ist, daß das religiöse.Judentum, welches in der Aguda vereinigt ist, der entscheidende Faktor in der jüdischen Gasse ist. Baden. (A. I. P. B.). Der Mangel eines rituellen Bades wurde von den hier ansässigen 100 jüdischen Familien schmerzlich empfunden. Trotz der Bemühungen des hiesigen Oberrabbiners gelang es bis zum heutigen Tage nicht, ein solches Bad zu errichten. Erst nachdem einige orthodoxe Juden und Mitglieder der Aguda in die Kultusgemeinde gewählt wurden, wurde eine diesbezügliche Aktion emgeleitet, die notwendigen Summen gesammelt — Bankier Julius Feingold spendete 250 Millionen Kronen — die den Bau eines rituelle,: Bades ermöglichen. Wien. (A.J.P.V.). Dank der Initiative des Oberrabbiners Benzion Katz wurde hier ein Verein „Schomre, Schabbos" und eine Darlehenskasse gegründet. Die Ausgabe des Vereins ist, bei den Kaufleuten das Sperren der Geschäfte am Samstag zu bewirken. In vielen Fällen wurden auch bereits größere Summen unter leichten Bedingungen jüdischen Kaufleuten bewilligt. London, 16. Juli. Die Londoner Delegation zur Kenessio Gedaulo besteht aus den Herren Rabbis H. Ferber, S. Baumberg, Messrs. W. Schiff, P. Landau, I. Weil, Jacob Moses, M. Kossiner, M. Turner und H. A. Goodman. Jerusalem. Donnerstag den 21. Tamus begann die Delegiertentagung der palästinensi,chen Landesorganisation unter starker Beteiligung ver Ortsgruppen Jerusalem, Jaffa, Tiberias, Saffed, Ekron und Rechowot. Hauptsächlichster Programmpunkt war die Vorbereitung für die Kenessio Gedaulo. Näherer Bericht folgt. Jerusalem. Die Ortsgruppe in Bagdad wählte für die Kenessio Gedaulo Herrn Nissim N a ch u m, einen Der angesehensten sephardischen Juden Jerusalems, als Delegierten, inTiberias wurde Rabbiner K l i e r s als Delegierter gewählt, in Jaffa Herr Jacob M a l k o w. Wien. (A. I. P. B.). Colonel Oberrabbiner Jakob Meier aus Jerusalem besuchte auf der Durchreise das Zentralbüro der Agudas Jisroel in Wien. Zu Ehren des Gastes wurden einige Mitglieder des Geschäfisausschusses und der Landeszentrale zu einer Sitzung eingeloden. Wie aus offiziellen Kreisen mitgeteilt wird, beschäftigte sich die Konferenz hauptsächlich mit der Frage der Annäherung zwischen Agudas Jisroel' und Misrachi. Oberrabbkner Jakob Meier hat sich bereit erklärt, die evtl. Vermittlung zu übernehmen, wöbe: er betonte, daß über die Vergangenheit, in welcher sicher Fehler begangen wurden, nicht gesprochen werden solle. Es bestehe jedoch die Hoffnung, daß diese Fehler gut gemacht werden können, sobald es zu Verhandlungen kommen wird. Seitens der Aguda wurde Herrn Oberrabbiner Meier für seinen guten Willen gedankt und die parlamentarische Notwendigkeit dargestellt, daß erst der von der Kenessio Gedaulo neu gewählte G. A. sich mit dieser äußerst wichtigen Frage genau und allseitig befasse. Offiziell Gegenanträge wurden seitens der Agudas Jisroel nicht gestellt, da das Mandat des gegenwärtigen G. A. durch die Einberufung der Kenessio Gedaulo abgelaufen ist. Es wurde jedoch seitens einiger Mitglieder des E. A. die Aufmerksamkeit des Herrn Oberr. Meier auf den Umstand gelenkt, daß im Falle eine Annäherung als erste Bedingung volle Loslösung des „Misrachi" von der zionistischen Organisation gestellt werden wird. Es sei eine Verständigung mit Misrachi solange nicht möglich, solange derselbe die areligiöse Zionistische Organisation in allen Sammlungen unterstützt, die dann verwendet werden, um Institutionen, "die gegen das jüdische Religionsgesetz und gegen die Thora gerichtet sind, zu subventionieren. Z. B. den Keren Hajessod, in welchen auch Gelder der orthodoxen Juden nur dank der Propaganda der Misrachi einfließen, ferner die Gelder, die den Chinuch in Erez Jisroel unterstützen, der bekanntlich ein Geschlecht von Ungläubigen erzieht. Colonel Rabbi Jakob Meier gab die Richtigkeit dieser Anschauung zu und versprach, längere Zeit in Europa zu verbleiben, um, wenn die Notwendigkeit sich erweisen sollte, die wichtige Aufgabe selbst zu lösen. Oberrabb. Jakob Meier gab seine Zufriedenheit ob der Besprechungen während seines Besuches kund und verabschiedete sich freundlichst von allen Mitgliedern des G. A. London.; (A. I. P. V.). Eine Delegation des hiesigen Erekutivbüros der Agudas Jisroel wurde am Donnerstag den 19. Juli von Sir Herbert Samuel empfangen. Gegenstand der Aussprache waren Hauptächlich die Wünsche der Agudas Jisroel bezüglich der Forderungen nach Unabhängigkeit der orthodoxen Gemeinde, die unter dem Rabbinat von Oberrabbiner Chajim Sonnenfeld steht. Warschau. Rabbi Jisroel Meier hakohen von Radin (Chofez Chajim) hat sich trotz seines hohen Alters 26. Iülk 1923 entschlossen, an der Kenessio Gedaulo, wenn irgend möglich, teilzunehmen. Wien. (A. I. P. B.). Den neuesten Nachrichten zufolge wird Rabbi Chajim Sonnenfeld höchstwahrscheinlich zur Kenessio Gedaulo nach Wien kommen. Spendenlisten. Kriegstvaisenfonds. Aschaffenburg: Arnold Rosenthal 10.000. Berlin: Leo Rosenseld 20.000, Lehrer Bernhard Levy 10.000, dch. Frl. Hanni Lewinski 13.000, Alfred Kahn 25.000. Biebrich: Heinrich Sulzbacher 25.000. Breitenbach: Hirsch Jacob 22.000, Moritz Jacob 10.000. Cassel: NN. 40.000. Chemnitz: Lehr u. Rat 20.000, Curt Lisser 20.000, Leopold Leyser 20.000, NN. 20.000, NN. 10.000, Florid 10.000, I. Elias 10.000, Victor Schlesinger 10.000, Vogel u. Leibowitz 10.000, NN. 10.000, Spinath 10.000, Erich Wangenheim 50.000, Fa. Achdus 50.000, L. Schindel 10.000, Siegfried Weiß 10.000, Arnold Grünberg 10.000, Fische! 10.000, Max Stein 10.000, Josef Kiewe 20.000, Leon Silberstein 20.000, I. Fallenbaum 20.000, Falk Brisker 20.000, L. Grebler 20.000, Ritter in Fa. Bergmann 20.000, Hermann Eroßmann 10.000, Horst Eoeritz 10.000, 6tgier u. Redlich 10.000, H. Kalb 10.000, A. Strauß 10.000, Georg Eoek 10.000, D. Gewüst 10.000, Bruno Sittenfeld 50:000, Joachimsthal 50.000, A. Stein 20.000, NN. 20.0o0, S. Boas 20.000, D. Jedermann 15.000, Jacob Herschberg 10.000, Gebrüder Rose 10.000, Hermann Sommerfeld 10.000, Bernhardt Hirschfeld 10.000, Modehaus Schmaudt 10.000, L. Neumeyer 40.000, Markus Neger 25.000, I. Dreßler 20.000, B. Mafia 20.000, Davis Bernstein u. Sohn 20.000, Julius Sommerfeld 20.000, Kurt Weißkopf 10.000, I. Rosenzweig 10.000, M. Müller 10.000 Sammlung 45.000, Gebrüder Scharlach 20.000, H. C. Tietz 20.000. E s ch w e g e: Bernhard Rosenberg 50.000. Frankfurt a. M.: Sammlung Joseph Bamberger 15.000, Ludwig Lewisohn 10.000, Joel SDtger 100.000, I. Katz 50.000, dch. Frl. Bettina Katz 49.500. Freiburg i. Br.: Professor Dr. Alfred Loewy 15.000. Fulda: Rabbiner Dr .Cahn 25.000. Gailin gen: Rabbiner Dr. Spitz 13.000. Geestemünde: dch. M. Feldbrand 11.000. Göttin gen: Moritz Lazarus-Loge 15.000. Groß-Krotzenburg : Sammlung Lehrer Emanuel 18.570. Gumbinnen: M. Jaffe 27.000. Hachenburg: Israelitischer Wohltätigkeits-Verein 10.000. Halber st ad t: Jacob Kahn 20.000, Karl Eisemann 500.000. H e i l b r o n n: Jacob D. Reis 50.000, Moses Reis 25.000, dch. Jacob D. Reis 30.000. Bad Homburg v. d. H.: I. S. Eisenmann-Prins 50.000. Mannheim: Rabbiner Dr. Unna 75.000, NR. durch Siegm. Würzburger 12.000. Miltenberg: Frau Wwe. Willy Grünstem 10.000. Pfungstadt: Moritz Mainzer 150.000. - Straßburg: Moritz Müller 10.000. * Zwickau: D. Großer u. Sohn 100.000, Isaak Finck 50.000/ Mar Schiff 100.000, Jacob Schimkewitz 50.000, I. Brodski 50.000, M. Nagler 50.000, I. Recher 50.000, M. Brandwein 50.000, Ch. Sindel 25.000. M. Holzkenner 50.000, Josef Eottesmann 20.000, Frau F. Tobias 20.000, Wiesen- - thal 50.000, Leo; Potik 50.000, S. Steim'tz 50.000, - Moritz Geyer 50.000. . Schmittafond. Frankfurt a. M.:" Wr. Ehrlich 200.000. Fulda: Karl Goldschmidt 20.000. Hamburg: Leop. Fischer 10.000. Ludwigshafen: Jsr. Wilder 1000. Marburg: Rbb. Dr. N. Cohn 50.000. Mainz: Dr. M. Oppenheimer 20.000. Oberlauringen: E. Mayer 20.000, Fink 20.000, I. Steinhäuser 5000. Berlin: James Halberstadt 1.000.000, Dr. Biberfeld 100.000, dch. Dr. Emanuel 25.000. Fulda: NN..50.000, Dr. Herz 10.000: G e l s e n k i r ch e n: San. Dr. Rubens 5700. Hers seid: Frau Landsberg 3000. Frankfurt a. M.: Eerson Schnerb 10.000, San. Dr. W. Hirsch 100.000, A. Ehrlich 300.000 (einstweilige Spende). Laupye im: Oberlehrer Rosenberger 100. Schwab.ach: Rbb. Dr. Mannes 7500. Vegesack: Jenny Wolf 1500. Jacob Rosenheim-Kolonie. Nürnberg: dch. Herrn Stiefel 60.000. Chaloy-SPenden. Brückenau: dch. Eundersheimer 41.600. R. M. b. H.: Rhina: Klobe Klebe Katz 23.500, NN. 500. Verantwortliche Redaktion: Dr. S. Ehrmann. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft Frankfurt a. M.