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Der Israelit · 1923-07-26 · Heft 30 (26.7.1923) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 30 (26.7.1923)
Date
1923-07-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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13. Ab 5883 9. Jahrgang 26. Mi 1923 Ulallvl Rümmer 15 herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agndas-Jisroel für Deutschland. Reife zur Kenessio gedaulo aus Deutschland. Vermutlich wird am Abend des 13. August ein Vor-Zug von Berlin ab gelaffen, mit oem ein Wagen, der 64 Plätze hat, oder zwei Wagen (138 Plätze) für uns eingestellt werden. Im Hauptzug ist dies unmöglich, da er ohnehin schon die Höchstlänge bekommt. Wer teilnehmen will, wende sich unter Einsendung des Fahrgeldes direkt »n Herrn Dr. M eie r H i ld es h ei m e r, Berlin N 24, Linienstraße 111, der am 6. oder 7. August die Fahr- und Platzkarten lösen wird. Weitere Wahlresultate: Abgeordneter: Leipzig: Hirsch Merkin Nürnberg (Nachwahl): Julius Sichel Stellvertreter: Dr. med. Adler Moritz Klugmann. Das Scheuntto-Gesetz und der Aufbau des Heiligen Landes. Von Rbbiner W. Lippschüh. „Rabbi Iochanan sagt: Wenn Israel nur 2 Sabbate halten würde, so wäre es sofort erlöst (Massechet Sabbat 118)." Die Augen ganz Israels sind auf die Kenessio Gedaulo gerichtet, welche im Zusammenschluß der geistigen Elite des jüdischen Voltes, versuchen wird, auf Grundlage der Thora die richtige Lösung für die Fülle der Gegenwartsprobleme zu finden, welche.augenblicklich im jüdischen Volte aktuell sind. Es sei mir gestattet, eine dieser Fragen zu formulieren, damit sie noch rechtzeitig vor der Kenessio Gedaulo mit den einzelnen Delegierten besprochen werden kann. Es handelt sich um das Schemittogesetz, welches aufgehört hat theoretischer Natur zu sein, seitdem der neue Iischuw im heiligen Lande begonnen hat. Einige 5er rabbinischen Größen der damaligen Zeit haben durch den Verkauf der Felder an Nichtjuden eine Erleichterung gestattet, doch im Jahre 5669 hat der weltberühmte Gaon Ridbas in seiner Schrift „Kuntres Haschmitto" nachgewiesen, daß die Erleichterung nur ein Notbehelf war, und daß. man sich in der Folge nicht auf diese Erlaubnis stützen soll. Eine Reihe weiterer Autoritäten, an ihrer Spitze der Beresaner Rabbi, hat damals einen „Kol Kore" an die gesamte Diaspora geruhtet, worin sie um die Unterstützung der Landarbeiter, welche Schemitto halten, ersuchen, und jetzt hat wiederum die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel in Anbetracht des kommenden Schemittojahres einen Schemittofonds eingerichtet und wahrlich sind wir in der Diaspora verpflichtet, mit aller Kraft unsere Brüder in Erez Iisroel zu unterstützen,' welche eine Mizwo halten wollen, die 2000 Jahre lang nicht erfüllt wurde und mit deren Erfüllung doch unsere Erlösung unzertrennlich verknüpft ist. Aber gar unzulänglich wird unsere Stütze sein, wenn sie sich lediglich, auf Spenden beschränken wird. Stärker als die Frage: „Was werden wir im siebenten, Jahre essen?" ist heute, die Frage in Erez Iisroel: „Was werden wir verdienen?" von Seiten der Bodenbesitzer und „Was werden wir arbeiten?" von Seiten der jungen Ehaluzim, die doch jetzt zu Tausenden in den jüdischen Kolonien beschäftigt sind. Ganz besonders diese werden —' da sie ja schon vielfach in den sechs übrigen Jahren über Arbeitsmangel klagen — Sturm dagegen laufen, wenn man verlangen wird, daß alle Arbeit in unserem Lande, soweit es sich um jüdischen Besitz handelt, ein volles Jahr ruhen soll, und daß die Bodenerzeugnisse gemäß den Vorschriften des Schemittogesetzes verwendet werden sollen. Wir müssen mit allen Kreisen rechnen, die im heiligen Lande wohnen und dafür Sorge tragen, daß die Schemittopslicht möglichst allgemein berücksichtigt wird; dazu ist erforderlich, daß von der Kenessio Gedaulo in großzügigem Maßstabe dafür Sorge getragen wird, daß in Erez Iisroel Betätigungsmöglichkeiten geschaffen werden, welche nicht an den Bodenbesitz geknüpft sind und auf diese Weise den brachliegenden Arbeitskräften im Schemittojahre Verdienstmöglichkeiten gegeben, werden: dazu ist letzthin einem bestimmten Zweige nicht nur die Möglichkeit, sondern für jeden, der es mit dem Aufbau von Erez Iisroel ehrlich, meint, die dringendste Pflicht. Wir meinen den Bau von Häusern. In allen jüdischen Städten und Kolonien bedeutet die neue politische Entwicklung in Erez Iisroel eine von Gott an uns gestellte Aufgabe, das unsrige dazu zu tun, um die Mizwo von Iischuw Erez Iisroel im weitesten Umfange zu erfüllen. Die Hemmungen, welche einer großzügigen Emigration nach Erez Iisroel im Wege stehen, sind hauptsächlich der Mängel an Erwerbsmöglichkeiten und der W o h n u n g s m a n g e l. Dadurch aber, daß Agudas Iisroel den Häuserbau in. ihr Programm aufnehmen würde, könnte nicht nur die heute in Erez Iisroel herrschende Wohnungsnot gelindert werden, sondern es würde auch durch die bei dem Wohnungsbau beschäftigten Kräfte eine Reihe industrieller wirtschaftlicher Möglichkeiten erschlossen werden, welche befruchtend auf das ganze Wirtschaftsleben wirken würde. (Wir können nebenbei bemerkt auch nicht unter Iischuw Erez Iisroel ausschließlich agrikulturelle Betätigung begreifen. Ein Volk, ° das 2000 Jahre lang ein handeltreibendes Volk gewesen ist, kann nicht sofort sich in ein ackerbautreibendes Volk verwandeln.) Wenn Agudas Iisroel die Initiative zu den nur hier kurz skizzierten Vorschlägen jetzt ergreifen wird, getragen von dem heiligen Willen die Beobachtung' des Schemittogesetz es zu erleichtern, wenn die mit Glücksgütern Gesegneten unseres- Volkes sich an dem „Keren Hajischuw" der Agudas Iisroel beteiligen werden, wenn so die thoratreuen Söhne des jüdischen Volkes die Möglichkeit unseren Brüdern in Erez Iisroel gewähren,, die beiden Sabbate „den Sabbat der Woche" und den „Sabbat des Bodens" zu halten, wird der Segen Gottes auf ihrer Hände Werk ruhen und dann wird der Schemitto- Fonds keine bloße Zodokospende sein, sondern sich als gewinnbringende Kapitalanlage erweisen, für jeden, der im jüdischen Lande ein jüdisches Haus im wörtlichen Sinne aufgebaut hat. Möge aber auch Agudas Iisroel denwenigerBemitteltendurch Gründung einer Hypothekenbank Gelegenheit geben, sich an dem Häuserbau zu beteiligen. Wir betrachten es als einen Fingerzeig der göttlichen Vorsehung, daß die Kenessio Gedaulo am Vorabende des Schemittojahres einberufen ist. Wenn sie Beschlüsse im obigen Sinne fassen wird und einen Aufruf an alle jüdischen Volkskreise ergehen läßt im Interesse der Heilighaltung des Bodens, im Interesse der Befolgung des Schemittogesetzes — nicht nur bloß Spenden zu geben, sondern sich im eigentlichsten Sinne des Wortes am Vinjan Hoorez zu beteiligen, wird sie sicherlich offene Ohren und gebefreudige Hände finden, die bereit sind, für unsere Thora, für unser Land, für unser Volk, zu arbeiten. Wenn ein kleiner Kreis von „Chowewe Zion" mit einigen Rabbonim an der Spitze vor 40 Jahren einen Menschen (Baron Rothschild) dazu begeistern konnte, 40 Kolonien zu gründen, so wird sicherlich heute'die Agudas Iisroel, welche fast alle rabbinischen Autoritäten der Welt an ihrer Spitze sieht, es zustande bringen, alle diejenigen Begüterten unseres Volkes, denen die Thora heilig ist, dazu veranlassen, noch mehr zu leisten, wenn nur für die technischen Mittel hierzu genügend Vorsorge getroffen wird, dann wird sich das Gotteswort rp^i' rnan tODWDn |Y»s npisa verwirklichen. Die Grundlagen der Poale Emune Iisroel. - (Orthodoxe Arbeiterpartei.) II. Der Nationalökonom Kübel schreibt: „Die soziale Frage kann in Israel garnicht gesellt werden. Welche Materie ist allein etwaigem Revoiutionsgeist im Voraus entzogen! Glückliches.Volk! Was als höchste Errungenschaft der Neuzeit gilt, was im Abendland mit Strömen von Blut, mit Ungerechtigkeiten aller Art erzwungen wrzrde oder erzwungen werden wird, du Volk Gottes warst vor beiläufig 3000 Jahren schon im gesicherten Besitz dieser Freiheit. Und was begründete, was sicherte diesen Besitz? Nicht selbsterfundene Theorien, nicht der Menschen Witz überhaupt, nein, dein Gesetz, dieses so oft als barbarisch und vorsintflutlich verschriene Gesetz." Wir zitieren.diese Schriftsteller deshalb, weil wir der Ueberzeugung sind, daß eine jüdische Arbeiterbewegung, welche zu der Erkenntnis gelangt ist, daß sie es nicht nötig hat, nach fremden Ideologien zu suchen, sondern sich im heimischen jüdischen Boden genügend stark verankert weiß, im Laufe ihrer Entwicklung auch der nichtjüdischen Welt Wertvolles zu geben imstande sein wird. Die theoretische Wahrheit von der Gleichberechtigung aller Menschen, so sehr sie auch auf aller Lippen wohnt, ist in Wahrheit noch keineswegs in unserem gesellschaftlichen Leben zur Verwirklichung gelangt, ist ja im tiefsten. Grunde der Sinn der sozialen Frage der, wie jene .Krankheitserscheinungen Sanierung finden können, die in dem aus Leugnung aller Menschenrechte beruhenden Klassenhasse und Klassenkampfe und in der hiermit verbundenen Verachtung der Arbeit wurzeln. ' Einige Aussprüche des Talmuds über Menschenwürde und speziell den Wert der Arbeit und des Arbeiters seien zunächst hier verzeichnet: „Warum hat Gott nur einen Menschen zur Bevölkerung der Erde geschaffen? Damit keiner zum andern sagen kann, ich bin von .einer höheren Abstammung als du!" (Sanhedrin 37). „Ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen an, daß der Jude wie der Nichtjude, der Sklave wie die Sklavin, jeder Mensch vermöge seines Tuns des Geistes der Heiligkeit teilhaftig werden kann." (Tano debei Elio Kap. 9). Die Rabbinen von Iawne pflegten von sich im Vergleich zu den Arbeitern folgendes zu sagen: Ich bin ein Gottesgeschöpf und mein Nächster, der sich nrit der Landarbeit beschäftigt, ebenfalls. Ich habe meine Arbeit in der Stadt und er hat seine Arbeit aus dem Felde; ich gehe frühe zu meiner Arbeit und er geht frühe zu seiner Arbeit. Wie er sich nicht Anerkennung. zu verschaffen sucht durch meine Arbeit, so suche ich mir nicht durch seine Arbeit Anerkennung zu verschaffen; wenn du aber einwenden wolltest, daß er durch meine Tätigkeit keinen

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