Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1923)
- Date
- 1923-07-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 8 Nr. 30 Der Israelit 26. JulilWK „Die Araber besitzen weder die Mittel noch die Energie, noch den Ehrgeiz, ihre Pflicht in der Beziehung zu tun. Das britische Reich hat zu viel Lasten auf seinen Schultern, um dieses Experiment erfolgreich durchzuführen. Diese große Aufgabe kann durch die jüdische Rasse allein vollsührt werden. Sie besitzen dazu genug Genie, Hilfskräfte, Fähigkeiten und vor allem . Reichtum. Die Balfour-Deklaration ist keine Enteignungs-, sondern eine Besähigungsklausel." Lloyd George zitiert die Balfour-Deklaration und stellt fest, daß auch die Zionisten nicht mehr wollen. _ <3- P. Z.) 3Sme«ifa. Di« BtandtK-finipp«. New-Pork, 1. Juli. Es hat den Anschein, als ob die Brandeis-Gruppe in ihrer Stoßkraft und ihrem praktischen Betätigungswillen in der letzten Zeit nicht recht vorwärts kommen will. Wenigstens machte eine vor kurzem stattgehabte Versammlung der Gruppe unter Vorsitz des Herrn Brandeis nicht den Eindruck großer Begeisterung. Brandeis persönlich allerdings legte erneut ein warmes Bekenntnis zu Erez Jisroel ab. Er legte dar, daß das Land grade wegen seiner relativen Begrenztheit der gegebene Schauplatz für eine fruchtbare Besiedlungsarbeit durch das jüdische Volk sek, das nur zu wollen brauche, um aus Erez Jisroel reiches wirtschaftliches und kulturelles Leben emporblühen zu lassen. Hie amerikanischen Juden sollten sich die Opferfreudigkeit der neuenglischen Kolonisatoren Amerikas zum Vorbild nehmen. Die Gelder, die die Gruppe aufbringt, sollen ausschließlich zu Darlehenszwecken und für das Rutenberg- Projekt verwendet werden. Palatin*. Ginwanderung und Huswandening in und aus krer Jisroel. Jerusalem, 5. Juli. In der „Gesellschaft für die wirtschaftliche Entwicklung Erez Jisroels" hielt Dr. Ru pp in einen instruktiven Vortrag über palästinensische Einwanderungsmöglichkeilen. Durch die bisherige Einwanderung sei der Ausfall, den der Krieg der jüdischen BevSlkerungsziffer gebracht hatte, ausgeglichen; die Juden bildeten jetzt 15 o/o der Gesamtbevölkerung des Landes und ständen an zweiter Stelle. Ru pp in tritt nun entschieden für die Konzentration aller Kräfte auf die landwirtschaftliche Einwanderung ein. Die Anfiedlung einer Familie von 5 Köpfen erfordert Lst. 500 Anlagekapital, m i t Boden Lst. 800. Könne man, wie etwa im letzten Jahr aus Lst. 400.000 halb zionistische, halb anderweitige Gelder rechnen, so ließen sich 600 Familien oder 4000 Seelen ins Land bringen, was zwar an sich wenig sei, aber eine gesunde Grundlage für die Weiterentwicklung der jüdischen Siedlung gewähre. Ruppin hob die ungeheuren kulturellen bezw. zivilisatorischen Fortschritte hervor, die die Araber in der kurzen Zeit seit dem Kriege gemacht hätten. Nach der offiziellen Statistik des Einwanderungsamtes sind 1921 im ganzen 4517 Männer und 1675 Frauen nach Erez Jisroel eingewandert; leider stehen den Einwanderungszissern eine sehr erhebliche Zahl von Auswanderern gegenüber. Speziell in der letzten Zeit wandern wöchentlich mehrere hundert Personen nach Amerika und anderen Ländern aus. Mit der kritischen Fragen der Einwanderung beschäftigte sich eine in Tel-Awiw stattgehabte Einwanderungs-Konferenz, die den Beschluß faßte, statt der kostspieligen Gründung neuer Arbeiter-Kewuzos einen Teil der Arbeiter womöglich in den bestehenden Kolonien in Arbeit zu bringen. Leicht wird das nicht sein, denn die Kolonisten sind überschuldet und ziehen natürlich die billigeren Arbeitskräfte vor. Eine großzügige Entschuldungsaktion wäre nötig. Lin Nampv zwischen KaMinat und Gemeinde. Jerusalem, 5. Juli. In Beirut (Libanon), wo der bekannte, aus Jerusalem stammende, früher im Kaukasus amtierende Rabbiner Tagir als Chacham-Baschi wirkt, sind heftige Zwistigkeiten zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Oberrabbiner ausgebrochen. Letzterer ist von der Gemeinde seines Amtes entsetzt worden, während der Rabbiner sich bei der staatlichen Behörde das Recht erwirkt hat, die Gemeindeverwaltung durch öffentliche Bekanntmachung auszulösen. Rabbiner Tagir, der noch vor einem halben Jahr sich großer Beliebtheit erfreute, hat sich vor allem den Haß der Zionisten zugezogen, die nun mit allen Mitteln gegen ihn Vorgehen. Personalien. Kolberg, 16. Juli. Das sechzigjährige Amtsjubiläum des Rabbiners der hiesigen Synagogengemeinde Dr. Eoldschmidt wurde am Sonntag durch einen Festgottesdienst im Kurhospital feierlich begangen. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Bergmann -Berlin, Dr. Nobel -Schneidemühl sprach ein hebräisches Gebet. In der Wohnung des Gefeierten überbrachten die Vertreter der jüdischen Gemeinde, der katholischen Gemeinde, der städtischen Schulen ihre Glückwünsche. Dr. Goldschmidt, der heute aus sechsundachtzig Lebensjahre zurückblickt, hat sich durch die ihm zu verdankende Errichtung des jüdischen Kurhospitals hoch verdient gemacht und sich durch seine Menschenliebe die Verehrung der weitesten Kreise erworben. Paris, 15. Juli. Prof. Alexander Marmorek, einer der letzten Mitarbeiter Theodor Herzls, ist im Alter von 60 Jahren gestorben; in den letzten Jahren war er einer der schärfsten Opponenten gegen die derzeitige zionistische Politik. Briefkasten. Rabb. Dr. W.-Kopenhagen. Ging leider verspätet ein; nächstes Jahr hoffentlich nicht mehr aktuell. L. K. in O. Es kommt lediglich darauf an, wann das Bäumchen gepflanzt wurde, nicht daraus, ob die Früchte erfroren sind. Wenn Sie uns den Pflanzungstag mitteilen, werden wir Sie weiter informieren. Im vierten Jahr sind die Früchte auf eine Metallmünze ohne nmn auszulösen: Lehrer G. N. in M. Sie schulden uns noch für Abonnement bis 1. August 1923, 3850 Mk. und für Inserat 18000 Mk. M. W. in Elberfeld. Brief an Agudas Israel, Wien, Malzgaffe 12a weitergegeben. Sprechfaul. Kopföedeckung. Es gibt Mizwos, die kein Glück haben. Zu diesen gehört in Deutschland auch die Vorschrift unserer Weisen, me E/ft-] zu sein, sondern immer den Kopf bedeckt zu haben. Wie es damit in der praktischen Betätigung aussieht, weiß jeder, der im Leben steht. Aber das Schlimme ist, daß diese Vernachlässigung einer wichtigen pflXD in den jüdischen Schulen systematisch gelehrt wird.E Ich weiß nicht, inwieweit dafür ein "HTT) existiert, auf jeden Fall sollte man bedenken, daß ein Lehrer, der in der einen Stunde lehrt, daß die Pflicht, eine Kopfbedeckung zu tragen, ein wichtiges Gebot unserer darstellt und in der anderen Stunde selbst 1^2 unterrichtet, damit nicht gerade seine Autorität vermehren wird. Ein anderer Vater legt großen Wert darauf, daß sein Junge nie geht, was soll das Kind sagen, wenn es in seiner jüdischen Öffentlichkeit, das ist seine Klasse, sich nicht so bewegen kann, wie es der p-j fordert? Ich überlasse es berufeneren Leuten, die Wichtigkeit der obigen Mizwo abzuwägen gegenüber etwaigen Vor- und Nachteilen. Nur eine Bemerkung sei mir gestattet. Die gewaltigen Gelder, die besonders für die höheren jüdischen Schulen gebraucht werden, sind nur deshalb gerechtfertigt, weil sie den jüdischen Kindern die für das Leben notwendige profane Bildung vom jüdischen Standpunkt aus vermitteln. Wenn aber gleich im Anfang in der Erziehung derartige Konzessionen gemacht werden, so wird damit die Berechtigung der jüdischen höheren Schulen in Frage gestellt. Ich hoffe, daß zu dieser Frage diejenigen, die es angeht, Stellung nehmen. I. S. Zzemerkim-e«. Der Artikel des Herrn Rabbiner Dr. Muwirth in Halberstadt über „Das Tanzen", besser eigentlich über die „Trennung der Geschlechter" unter Anführung des piDD in "-nDT 12.12. veranlaßt mich zum Hinweis, daß der früher hier streng gehaltene Minkas, wonach in privaten Trauersällen Männer und Frauen, Brüder, und Schwestern je getrennt während der Trauer abhielten im Laufe der Zeit selbst dort wo größere Räume zur Verfügung stehen, ganz in Vergessenheit gekommen ist, und nur noch von Vereinzelten, die alsdann als Unicum angestaunt werden, beachtet wird. So bedauerlich es ist, daß die Nationaltrauer leider bei den Meisten während des Jahres in die Ecke gestellt ist und nur □■nxön pn etwas erweckt wird, so traurig ist's mit der privaten Trauer während der 222V bestellt, wo vielen Condolenten der Begriff der Ausgabe als gänzlich abhanden gekommen ist. Daß des Toten überhaupt nicht gedacht wird, seines Namens, Tun und Lassens keiner Erwähnung geschieht, ist, wie ich aus eigener Wahrnehmung konstatieren kann, selbstverständlich. Noch schlimmer ist's aber, daß durch das Zusammensitzen v»n allen Familiengliedern auch die Männer nur selten dazn kommen, eine Zeile irr ntatf rVD^n und in den so schönen Auszügen irr dem □,nnn “iSD studieren zu können. Wie bei traurigen Gelegenheiten, so hat man früher auch bei freudigen Gelegenheiten aus Trennung der Geschlechter Bedacht genommen und der _ für alles (Er(ja&ene,, Schöne und Sittliche glühende rp'p schreibt irr seinem Buche im Abschnitt, rinöto jdw daß das pi rp2: (Aufsichtsbehörde) verpflichtet fei, Aufsichtspersonen an Feiertagen, Halbfeiertaaen, Neumondstagen zu bsordem, daß ber Spaziergängen in Erholungsstätten oder am Mainufer, Männer und Frauen, sowie Jungfrauen und Jünglinge je getrennt für sich dem Vergnügen sich hingeben. Hatte doch, als noch der EHp rp-O in der SynagogH statffand — nicht einmal die Gevatterin Zutritt zur Männersynagoge, und die Uebergabe des Kindes an die Gevatterin geschah durch ein Extratürchen (Jitschtüre genannt) unter feiner Verschleierung. Ein vor 60 Jahren einaerissen gewesener Unfug ist G. s. D. in neuerer Zeit in Abnahme begriffen. Als die Trauungen in der Synagoge damals aufkamen, brillierte man nach Absolvierung des Trauaktes in familiären Küssen, Umarmungen und sonstigen Zärtlichkeiten; ganze Jahrzehnte hindurch währte dieser grobe Unfug, der sich in neuerer Zeit mehr bei Trauergelegenheiten dort, wo sich ejne stärkere Frauenbeteiligung herausgebildet hat, in steigendem Maatze leider bemerbar macht. Denn, die wirklichen rtfUlpD »Klageweiber" haben aufgehört und deren Tätigkeit war begrenzt je nach Gebrauch 'vn ntODI und bestand nicht in Küssen' für alle anwesenden trauernden Familienglieder. Hochachtuntsvollst Isaac M. Mainz. Vermischtes. Berlin, 14. Juni. Ein Mitarbeiter an Hottenrotts berüchtigtem „Staßfurter Tageblatt" hatte sich zur Aufnahme in den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gemeldet. Bei der Nachprüfung seiner Personalien stellte es sich heraus, wer Herr Rothardt ist. In der Zeitschrift des Reichsbundes „Der Schild" wurde das merkwürdige Verhalten dieses völkischen Herrn unter dem Titel „Das Aufnahmegesuch eines Spitzels" niedriger gehängt. Herr Rothardt fühlte sich durch die Bezeichn nung „Spitzel", sowie durch den sonstigen Inhalt des Artikels beleidigt und rief deswegen das Staßfurter Amtsgericht an. Die Antwort, die er bekam, dürste er freilich nicht erwartet haben. In ihr heißt es: „Die Eröffnung des Hauptverfahrens wird abgelehnt. Die Kosten trägt der Privatlläger. Gründer Der Angeklagte ist Schriftleiter der Zeitschrift „De? Schild", einer Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. - In dieser Zeitschrift hat er im November—Dezember 1922 einen Artikel veröffentlicht unter der Ueberschrift „Das Ausnahmegesuch eines Spitzels". Er wendet sich darin gegen den Privatkläger. Wenn dieser sich zur Aufnahme in den Bund jüdischer Frontsoldaten meldet — wie er offenbar nicht bestreitet — so übt er damit die Tätigkeit eines Spitzels aus und kann sich nicht wundern, wenn er als solcher bezeichnet wird. Der Ausdruck Spitzel ist damit für ihn nicht beleidigend. — Im übrigen enthält der Artikel eine Kritik dieses Verhaltens des Privatklägers, die auch in ihrer Form nicht über den im politischen Kampfe üblichen Ton hinausgeht und eine Ehrenkränkung des Privatklägers nicht enthält." Berlin, 19. Juni. Man schreibt uns: Die Notwendigkeit, die Israelitische Erziehungsanstalt für schwachsinnige Kinder in Beelitz durch ein Dauerheim zu ergänzen, in dem diejenigen Zöglinge, bei denen das Anstaltsziel der Vorbereitung für eine freie Beschäftigung,iim Leben nicht erreicht werden kann, dauernd unterge-' bracht werden können, hat sich von Jahr zu Jahr deutlicher herausgestellt. Zugleich hat sich auch die Zahl, der Anfragen wegen dauernder Unterbringung dem Erziehungsalter entwachsener schwachsinniger Personen, die nicht in der Anstalt erzogen sind, ständig vergrößert. Zur Behebung dieses Notstandes hat der Deutsch-Israelitische Gemeindebund das Hauptgebäude der Jüdischen Arbeiterkolonie in Weißensee dem Verein Beelitz zur Verfügung gestellt. Die erforderlichen baulichen Veränderungen werden mit Eifer gefördert. Spätestens zum 1. August wird die Anstalt eröffnet werden können. Eine Anzahl von Plätzen für schulentlassene Schwachsinnige beiderlei Geschlechts (ausgeschlossen sind Geisteskranke, Psychopathen und Epileptiker) sind noch zu vergeben. Anfragen von Interessenten sind unverzüglich an die Geschäftsstelle des Dauerheims, das Büro des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes/ Berlin W. 35, Steglitzerstraße 9, zu richten. Schwabach, 22. Juni. Herr Rabbiner Dr. Mannes schreibt uns: 221)2 n)pni? wird vom Rabbinat Warschau (Rabb. M. Warszawiak) gesucht ein Mosche G r ü n b a u m, der Sommer 1916 als russischer Kriegs- ■ gefangener im Lager Heuberg (Bad.) weilte, von dort im Oktober 1916 nach dem Lager Scheunen gekommen i sein sollte, hier aber als unbekannt bezeichnet wurde. Wer etwas über den Genannten mitteilen oder einen Fingerzeig für weitere Nachforschungen geben kann, wird um baldige Nachricht gebeten.