Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1923)
- Date
- 1923-07-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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D er Israelit Nr. 30 Seite 9 26. Juli 1923 _ ' Nüsselsheim a. M.> 23. Juli. ' Am 9. Ab Sönn^ lag den 22. Juli 1923 wurde die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhof der hiesigen Israelitischen Religionsgemeinde vollzogen. In Anwesenheit eines großen Publikums, Juden und Nichtjuden, hielt Herr Rabbiner Dr. Lern - Mainz die Weiherede; dann wurde der im 23. Lebensjahre, von einem .französischen Zoll-Kontrollposten erschossene Ludwig Linz, Sohn des Herrn Moses Linz, Rüsselsheim, bestattet. Zahlreiche Vereine gaben diesem jungen Manne das letzte Geleite. D er Erschossene war mit 17 Jahren als Kriegsfreiwilliger seinen beiden älteren Brüdern ins Feld gefolgt und ist jetzt ein Opfer der Zeitverhältnisse geworden, unter welchen das besetzte Gebiet lebt. Karlsruhe r. Baden, 9. Juli. Mittwoch, den 4. Iuli, nachm. 5 Uhr, hat sich hier ein erschütterndes Ereignis zugetragen. Der hier geborene und hier wohnhafte Tagelöhner Fritz Reithes ging in den Trödlerläden der Eheleute Fuchs, um dort angeblich ein paar Schuhe zu kaufen. Die junge Frau Fuchs war allein im Laden. Reither durchschnitt ihr den Hals und eilte davon. Nach wenigen Minuten verstarb Frau Fuchs in den Armen ihrer Mutter mit den Worten: „Mutter, man hat mich abgeschlachtet, ich will nicht sterben, nimm das Kind." Der Mörder wurde als der oben erwähnte Tagelöhner erkannt. Es gelang jedoch bis jetzt nicht, ihn festzunehmen. Man nimmt an, daß er ins besetzte Gebiet geflohen sei. Eine große Erregung herrscht in der hiesigen gesamten, sowohl jüdischen als auch nichtjüdischen Bevölkerung über diese grauenhafte Mordtat. Bei der Beerdigung dieser so jählings und meuchlings . aus dem Leben gerissenen, kaum 22 Jahre alten jungen Frau, sah man eineenorme Menschenmenge, sowohl Juden und Nichtjuden, die tiefergriffen dem Sarge folgte. Da der Mörder flüchtig geworden ist, konnte man bis jetzt noch nicht feststellen, ob es sich um einen Raubmörder handelt, oder ob der Mörder ein Geheimsendling der Hittlerbande ist, die auch hierher ihre Verbrecherhorden zu verbreiten gedenkt. Flieden, 25. Juni. Schon wiederholt mußten wir die Wahrnehmung machen, daß Rohlinge sich ein Vergnügen daraus machen, die Grabsteine auf dem jüdischen Frredhofe zu beschädigen. Zn den letzten Nächten scheinen wahre Vandalen in der Stätte des Friedens gehaust zu haben. Denn 13 Grabsteine sind zu unserem Schrecken aufgehoben und teilweise zertrümmert worden. Also» nicht mal unseren Toten gönnt'man ihre Ruhe. Hoffentlich gelingt es, die rohen Täter zu fassen! Flieden, 26. Juni. Am verflossenen Sonntag den 17. 6. feierten die Eheleute Malli und Karoline Goldschmidt ihre Goldene Hochzeit. Die zu diesem Zwecke abgehaltene Synagogenseier, zu der sich zahlreiche Freunde und Bekannte des Jubelpaares und auch viele Christen eingefunden hatten, nahm einen glänzenden Verlauf. Auch der Kriegerverein brachte dem Jubilar, einem Veteranen von 1670, ein Ständchen dar. Die innige Teilnahme der christlichen Bevölkerung zeugte von der Beliebtheit des Jubelpaares und läßt erkennen, daß die hiesige Bevölkerung im großen und ganzen frei von Antisemitismus ist. Vurgpreppach, 1. Juli. Die Israelitische Präparanden- und Bürgerschule „Talmud-Thora" zu Burg« preppach versendet ihren 47. Jahresbericht. In der Schule wurden im Berichtsjahr 60 Knaben in der Präparandie für den Lehrerberuf vorgebildet und in der Bürger-, schule mit den Kenntnissen des allgemeinen Wissens und besonders der Handelskunde vertraut gemacht. Am Schluß des Schuljahres fand eine mehrtägige schriftliche und mündliche Prüfung statt, die alle Schüler bestanden. Die Zukunft der Anstalt macht den Leitern schwere Sorge und sie bitten alle diejenigen, die früher 5 Mk. als Beitrag gesandt, annähernd den jetzigen Wert der früheren Spende zu senden uirb nicht zu verschütten „den Bronnen, den Geistessürsten begraben, den sich erworben haben die, Hochherzigsten im Volke, dem Gesetztragenden zur Stütze werdend." (IV. B. M. 21, 16 nach der Erklärung des Wilnaer Gaon. Siehe auch „Israelit" Nr. 25 d, I.). Beuthen, 20. Juni. Dem Oberrabbiner in Beuthen, Dr. Kopfstein, hat die dortige katholische fstiedensgesellschaft „Frateco", wie mitgeteilt wird, das folgende bemerkenswerte Schreiben übermittelt: „In der letzten Sitzung unserer Ortsgruppe kam die Rede auf die frevelhaften Angriffe auf die Synagoge und den jüdischen Friedhof, die vor kurzem in Beuthen unter-, nommen worden sind. Die Entrüstung über diese Schurkenstreiche war allgemein. Im Aufträge Fratecos drücken wir hiermit Ew. Hochwürden, als dem Vertreter der jüdischen Gemeinde, unser aufrichtiges Bedauern aus und versichern Sie, daß wir, die wir die Bekämpfung des Völker-, Rassen -und Klassenkampfes auf unsere Fahne geschrieben haben, unseren ganzen Einfluß ausbieten werden, um in den uns zugänglichen Kreisen dem durchaus unchristlichen Judenhasse entgegenzutreten und die häßliche Flut des Antisemitismus einzudämmen." Die Erwiderung Dr. Kopfsteins schließt mit diesen Worten: „Segnen werde ich den Tag, an dem zur Wiedergesundung der Menschheit denn doch das Band der Zusammengehörigkeit erneut geknüpft wird; dann wird man die Lebenden nicht hassen und die Toten im Grabe nicht beschimpfen." Jecnsalem, 1. Juli. Herr Wilhelm Groß, Inhaber der bekannten Importfirma, hat mit zwei Beteiligten ein Reisebüro gegründet, sowie eine Agentur zur gewissenhafte^ Besorgung von Landkäufen. Jerusalem, 7. Juli. Rabbiner Kuk ist durch einen hohen britischen Orden ausgezeichnet worden. Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Von Dr. Emannel Carlebach in Köln: Der Bestand des Jüdischen Lehrerseminars in Köln. — 2. Wochenrundschau: Der numerus clausus in Polen. — Der Kaplan- Skandal in Amerika. — 3. Homiletik: Weltentrost. — Bon Rabb. Dr. B. Cohen in Berlin: Aktuelles aus Jesaja. — 4. Kleines Feuilleton: Von H. Schw.: Geburtstag „ausmachen". — Lehrers Nöte. — Von Regierungsrat Prof. Linde in Baden-Baden: Jüdische Kunst auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in Karlsruhe 1823. — Ein Tag. — ^Aufsätze: Äon Rabb. Dr. S. Kaatz in Hindenburg O. S.: Ueberlieferung und Schrifttert. — Von Rabbiner I. I. Weinberg in Gießen: Verständigung. — Von Oberrabbiner Dr. Ad. Altmann in Trier: Das Gute und Böse in philosophischer und^ religiöser Beleuchtung. — Von Kr.: Gegenwartsaufgaben. — 6. Korrespondenzen ».Nachrichten: Berlin (Reichszuschüsse für' jüdische Lehranstalten). — Breslau (Unruhen in Breslau). — Warschau (Die amerikanischen Hilfsaelder und die polnische Orthodoxie). — London (Ein antisemitischer Beleidiaungsprozeß). — London (Um die Jewish Agency). — London (Lloyd George gegen den Antisemitismus). — New-Aork (Die Brandeis-Gruppe) — Jerusalem (Einwanderung und Auswanderung in und aus Erez Jisroel). — Jerusalem (Ein Kamps zwischen Rabbinat und Gemeinde). — 7. Personalien. — 8. Briefkasten. — 9. Sprechsaal. — 10. Vermischtes. — 11. Frankfurter Berichte. — 12. Vereinskalender. — 13. Gebetzeiten. — 14. Feuilleton-Beilage: Von Nathan Dreyfutz in Mülhausen (Elsaß): Eine moderne Ehe. — 15. Von Jacob Israel de Haan in Jerusalem: Zwei paar Strümpfe, zwei Unterhosen, zwei Untertaillen und ein schönes Stückchen Stoff. — 18. Kinderecke. — 17. Blätterbeilage. ftratze 4. — 1/a9—1/^»10 Abends, Bücherausgabe. — 9—10 Abends, Bürostunde. Donnerstag, 9—10 Abends, 19 Briefe von S. R. Hirsch. Herr Dr. S. Lhrmann. rOE7*M2—Val Vorm., o^nn, Herr Louis Kahn. \r- 4—5Nachm., min, HerrA.Hirschberg. I IiesHasridrasch, Hsteudstraße 18. Sa frankfurter Berichte. tzyewrath Schäumer Wizivoy. Die Mitglieder werden gebeten, ihren freiwilligen Jahresbeitrag für 5683 alsbald an Herrn Nathan Jeidel, Obermain-Anlage 22, Postscheck-Konto Nr. 51858 zu senden, (Mindestbeitrag 5000 Mk.) Ferner wird nochmals bekanntgegeben, daß der Chewro-Schiur unter der Leitung des Herrn Leopold Oppenheimer jeden rnt? nachmittag nach Minchoh im Sitzungszimmer der Synagoge Friedberger-Anlage stattstndet. Bereinskalender. Verein Wekor tzhajim. Samstag, mach Schul: „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. 47» Uhu im Vereinslokale: „Mikro"; Herr Lehrer Goldschmidt. — abends 877 Uhr. im .Hörsaal „Midrasch"; Herr Dr. Jos. Breuer. Sonntag vorm. 97« und Dienstag 1 Stunde vor Minchoh, „Gemoro". Herr R. A. G. Posen. Montag und Mittwoch abends 7 Uhr. „Gemoro“. Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Donnerstag: 1 Stunde vor Mincho „Mischna" Herr Rektor Falk. Allmomendlich Mischnalernen, allabendlich Schatzlernen, Herr H. Halpern. Agirdas Sisroet-Angendgruppe. Sonntag, 7—8 Vorm, n:t£>D, HerrDr.Rothschild. — min bv 'VH für Anfänger, Herr Leopold Oppenheimer. Sonntag bis einschließl. Freita g, alltäglich 8—x/«10 Uhr abends Gemoroh „Brochaus" im Schwanenstr. 8. Herr M. Nowak. Montag bis einschließlich Freitag, alltäglich 3A7—1/s8 Vorm. 81D1, Herr Dr. S. Ehrmann. M0ntag bis einschließlich Freitag, alltäglich 7«7—7a8 Uhr Vorm, ma nn, Herr Gers»n S chn erb. Montag, 8—9 Uhr abends, Mischnah für F»rtgeschrittene, Herr Hermann Hirschberg. Dienstag, 7a9—V2IO abends, Kizzur Schulchan Aruch für Anfänger, Herr L. Frank. — *Aä9—V2IO Uhr abends. Gemoroh Maued Koton, Herr Dr. W. Hofmann. Mittwoch, 3/«9—10 Abends, cnnOD für Anfänger, Herr Dr. R 0 t h s ch i l d. — 1/»9—1/210 Abends Bücherausgabe. — 9—10 Abends Bürostünde. Donnerstag. 8—9 Abends, rWD für Fortgeschrittene, Herr Herm. Hirschberg. — 9—10 Abends, 19 Briefe von S. R. Hirsch, Herr Dr. S. Ehrmann, row 7-10—11 Vorm. nmo *00:1 für Fortgeschrittene. Herr Dr. I. Posen, Am Tiergarten 42. - Vsll—*/«12 Uhr, Kizzur Schulchan Aruch, Herr Louis Kahn. — 'hll—Va 12 Vorm. Tenach. Herr Dr. W. Hofmann, Eschenheimeranlage 1 pt. — 12—1 Dorm. DiriDD ‘Dl für Fortgeschr., Herr Halpern. — 12—1 Vorm, nsn, Herr Lehrer Hirschd^rg. — 3/*3—4 Nachm, otidd ‘Dl für Anfänger, Herr Dr. Rothschild. — 4-5 Uhr, Gemoroh Maued Koton, Herr Dr. W. Hofmann. — 7e2—3 Uhr nachm., (Hilchaus Schabbos), 3—^5 Uhr nachm., Pirke Owaus, Vsö—7*7 Uhr nachm., Raschi, Herr M. Nowak» anschließend Minchoh. Agrrdas Aisroek-Mädchengruppe. Montag, 9—10 Abends, D^rtf, Herr S. Unna. Kl. Obermainstratze 30. D i en s ta g .9—10 Abds., d^7, Herr Dr. Weger. Mittwoch. 729-7-10 Abends, Lese- und Aussprache-Abend, Frau Oberl. Munk, Leerbachamk t ä g 1 Stunde vor Nacht: Vortrag des Herrn .W. Rachelsohn. on'ntgg vorm, von 8--7-10 Uhr, Dienstag, .^Mittwoch und Donnerstag abends ~ 47*9-10 Uhr: Jöemoro“ aop MD! Herr chfsanwalt Dr/V r e u e r. W! . _ _ Alltägl'iM'zwMen"nniD und mvo: di« ‘n . Herr Rosenzweig, D^-Werein. Alltäglich von Sonntag bis Donnerstag abends 7-7Uhr: n&V 4dd und Samstag 4 Uhr nachm.; Herr Rabbiner S. Weber. Aeire Gmune Aisroett Samstag 57s: V"®, Rabb. Benzion Derma nn. Sonntag 87»—972: D^nwinn mm. Montag und Mittwoch 87,—97a: rmniD Dienstag 872—97»: D\m Donnerstag 87»—97»: ''IN Lirvjalh Hyen-Werei«. Samstag nachm, nach „Minchah" im Hörsaale FriedbergerAnlage, Herr Pros. Dr. Sulzbach. <S(tftnub||<Sfidt(Ka3'Cf£ttt» Vereinslokal:HörsaalGemeinde- Synagoge Börneplatz. Samstag, 11—12Uhr: .Schulchan-Aruch"; Herr S. U n n a. — 37t Uhr: Dinim von Tisch» 'be am, Herr Rabb.-Ass. Lipinsky. — Montag. 67« Uhr abends: „Ein Jakauw"; Herr S. Unna. Dienstag, 87» Uhr abends: „Nwiim"; Herr S. Unna. Mittwoch, 674 Uhr abends: „Mstlas Jeschorim"; Herr Dr. Braun. Donnerstag, 87» Uhr abends: „Gemoro"; Herr S. Unna. Don Sonntag bis Freitag vorm. nach Schul: „Mifchna"; Herr Oberkantor E. Groß bezw. „Schulchan Aruch"; Herr Fortbildungsunterricht für junge Leute und Knaben. Täglich mehrere Stunden in kleinen Abteilungen. . Anmeldungen und Anstagen an Herrn Ad. Dorfzaun, Am Tiergarten 52, II. (H. 4878). Schiurim in der Synagoge Hermesweg. Don Montag bis Freitag vorm, nach Schul: „Mischna^; Herr Herm. Hirschberg bezw. „Schulchan Aruch"; Herr Emil Gottlieb. V. A. A. Arauksurt «. W. Samstag, den 28. Juli: Schlußsitzung mit Referat von Bbr. Rabinowitz bei Dr. Rosen - bäum. Grünestraße. Heöetzeiten. pnnm rot? freitag abend 7.25. Samstag morgen 7.45. Samstag nachmittag 5.—. Samstag abend 9.10. wocheng ottes dienst: Morgens 6.15. Nachmittags 7.15. Tefilin-Legen am Morgen 3.30. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Schumann*Chea(er . 7l/a Uhr Das wunderbare 7'/, Uhr Juli-kPeziaKtaten-Tvvgvamm Sonntag Nachmittag, 3 Uhr: Große Familienvorstellung. — Kleine Preise — Ganzes Programm — SUhr Qvofi~&vank1uvtYnS WEINKLAUSE Heinz Krüger, der beste fächf. Komiker, Lilli Berg, Frank Sunther, ®lox Wonderwald und die übrigen Attraktionen. TANZPALAIS Täglich — außer Montag und Feiertag — geöffnet ßalais-Orchefter und Leitung von Helmuth Seraphini Einlaß 8 Uhr — Abendanzug erbeten. WIENER-KAF F EE Täglich Konzert — — — — Eigene Konditorei. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton: S ch ach n orv itz; Aguoa-Beilage: Dr. S. Ehrmann'; inserate i. V.: S. Schachnowitz, sämtlich in Frankfurts. M.; pädagogische Beilage: Lehrer I. Spiro in Fulda. — Verlag „Israelit", G. m. b. H., Frankfurt a. M. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.