Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1923)
- Date
- 1923-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 30 Der Isra e I i t 26. Juli 1923 Es ist die Offenbarung. Unter den jüdischen Religionsphilosophen hat diesen Grundgedanken als Basis des jüdischen Religionsgebäudes, sowie als Originalität des Judentums keiner so präzise angedeutet, als der große Dichterdenker Jehuda Halevi, und zwar in seinem unsterblichen Werke Kusari. Halevi verwahrt sich sowohl gegen die spekulativen Gottrechtfertigungen, als auch gegen die Versuche überhaupt, den Glauben und die Ethik auf irgendeines der menschlichen Beweisverfahren zu stellen und stützen. Lehre und Glauben . des Judentums beruhen auf einem nicht weiter diskutablen, wirklichen Geschehnis, auf einer geschichtlichen Tatsache, auf dem Faktum der Offenbarung. Während bei den meisten, auch jüdischen Religionsphilosophen die Sucht nach Beweisen vorherrscht, die Gier des des Vernunftgemäßen, verwirft Halevi auf diesem Gebiete — und wie wir wissen, mit Recht — den Weg des logischen und kausalen Beweisverfahrens. Er wählt den, wenn auch auf den ersten Blick scheinbar unwissenschaftlichen, in Wahrheit aber einzig gangbaren und einwandfreien Weg, dem Glauben eine feste Grundlage zu geben. Er gibt damit der Religion die stärkste, wenn auch unpopuläre und als reaktionär verschriene Stütze in die Hand, sie heißt — gläubige Disziplin, kategorischer Imperativ des Religionsgesetzes in der Sprache Kants gesprochen. Darunter ist aber keineswegs ein bildungsfeindlicher Dogmatismus gemeint, eine dem militärischen Drill ähnliche stockfromme, geist- und gefühlstötende Buchstabenreligiösität, nein! Wohl kann das Forschen und das Sinnen und alle Wissensgrübelei der Weisheit und Erkenntnis letzten Grund aus sich selber heraus nicht finden und ist der Mensch in dieser Hinsicht auf die Gnadengabe Gottes angewiesen, aber das bedeutet durchaus nicht, daß der Mensch deshalb hie wissenschaftliche Betätigung als wert- und zwecklos oder gar schädigendes Tun betrachten soll oder darf. Im Gegenteil, gerade die wissenschaftliche Forschung und der rastlose Drang der Menschheit nach Mehrwissen und nach dem Weitereindringen hat ja zur Einsicht seiner Erlkenntnisgrenzen — der wohl negativen, aber größten wissenschaftlichen Errungenschaft — geführt und so dem Erdensohne ein begründetes Licht darüber aufgehen lassen, daß er die letzten Wahrheiten und Zusammenhänge über sich hinaus suchen und finden muß. Nur verzerrtes Wissen oder Halbbildung kann von Gott wegführen, die wahre und ganze Bildung führt — wie schon Lord Bacon gesagt hat — gerade erst recht zu Gott hin. Mit Recht stand daher die freie Forschung Und die Wissenschaft allezeit im Judentums Hoch in Ehren und die heiligsten Männer des Talmuds, wie Rabbi Akiba, Ben Asai, Simon Ben Jochai gehörten zu den kühnsten Geistesheroen. Nur die aussichtslose! Tüftelei und Grübelei über die Wesenheit des Grenzjenseitigen, über das Verborgene und ewig Geheime, wurde in eben demselben Sinne, verpönt, wie 3. B. nach der Kantischen Philosophie die Hirngespinste über das Ding an sich. Wie nach. Kant über das Ding an sich, nichts ausgesagt werden kann, so im Sinne des Offenbarungsglaubens nichts über Gott. Nur mit dem Unterschiede, daß nach den philosophischen Lehren des Satzes vom Grunde eigentlich nicht einmal ausgesagt werden kann, daß es ein Ding an sich gibt, während das gerade der Offenbarungsgedanke über Gott ja verkündet. Darum hat die gebotene, weder -nach rechts noch nach links abweichende Gesetzestreue, die strenge Disziplin der wahrhaften Frömmigkeit in Israel niemals eine Geistesverknöcherung und Gemütserstarrung hervorgerufech sondern im Gegenteil, die frei beweglichste Geistigkeit und wärmste Herzensregsamkeithat die reinste, höchste und seligste Freude — die eben, nur die Offenbarungsweltanschauung auszulösen vermag — hervorgerufen — die Freude in Gott. Wie Esra der Versammlung, als sie den Weg zu Gott wieder gefunden, zurief: „-die Freude in Gott sei Eure Schutzwehr!" (Nehemia 8/10). Und wie Jesaja den beglückenden Wert des Offenbarungsgnadenaktes für seine Bekenner schildert, indem er Gott zu Israel sprechen läßt: ,>Jch habe mein Wort dir in den Mund gelegt, unter den Flügelschalten meiner Allmacht dich geborgen, um den Himmel in dich zu pflanzen, die Erde zu begründen und dir zuzurufen: „Mein Volk bist du!" (Jesaja 51/16). - Die Freude in Gott ist nach alledem dem Offenbarungsgläubigen die Lösung und Versöhnung des Gut und Böse in Welt und Leben, der Sinn des Daseins. Für ihn gilt nicht die marternde Frage: „Was ist gut?" Er weiß es, denn „kund getan ist dir, o Mensch, was. gut ist." Und was es ist? „Was Gott von dir fordert," und wie es heißt? „Recht halten und Liebe üben" und welcher Art es sei? „Demütig wandeln mit deinem Gotte." Das ist das wahre Rechte, das^^ "Qi JtotM des Koheleth, aller Dinge letzter Weisheilsschluß, lasset es — wie auch Hiob uns rät — wählen für uns, lasset uns in Thora und Mizwos erkennen was gut ist. Gegenwartsanfgaben. Von Ar. I. Die Not der Zeit stellt uns vor neue Aufgaben und Probleme. Wo wir Hinblicken, pocht die Not an die Türen. Die Waisenhäuser sehen sich genötigt, ihren Betrieb aus Mangel an den nötigen Mitteln einzustellen. Die jüdischen Lehrerbildungsanstalten befinden sich rm Zustand der Agonie. In den meisten jüdischen Lehrerhäusern herrscht bitterste Not. Ueber diesen wunden Punkt ist schon viel geschrieben worden. Doch ist leider eine durchgreifende Besserung noch nicht erzielt worden. Unzählige unschuldige Kinder rm Ruhrgebiet leiden bittern. Hunger — und niemand ist da, der sich dieser Aermsten der Armen annimmt. Nicht besser ergeht es den Kindern so vieler Städter, die bei der ungeheuren Teuerung an Unterernährung leiden und der gesunden Landlust entbehren. Jeder Einzelne, der es ermöglichen kann, hat die Pflicht, eines dieser bedauernswerten Menschenkinder ins Haus zu nehmen und ihm wenigstens für einige Wochen das zu gewähren, was es solange zuhause entbehren muß. Für die Unterhaltung unserer Wohlfahrtseinrichtungen scheint ja in neuerer Zeit ein günstigerer Wind zu wehen. Möge es gelingen, diese im Interesse der Zukunft des deutschen Judentums zu erhalten. Wer sorgt aber für unsere armen Kinder an der Ruhr und in den Städten? Schreiber dieses hat sich schon häufig bemüht, Ferienkinder in den einzelnen Familien unterzubringen. Aber häufig ist der Erfolg ein negativer. Zumeist sind es-3—4 Familien, die sich entschließen, einem fremden Kinde Unterkunft zu gewähren. Die übrigen verstehen es, sich vor dieser Verpflichtung zu drücken. Der eine hat keinen Platz, der andere fetne Zeit, der dritte weiß nicht, wo er die Nahrungsmittel hernehmen soll. Allen fehlt das Herz, die Opferbereitschaft, die Menschenliebe. Und doch können auch unsere Kinder alsbald in dieselbe Lage kommen! Wer hätte es noch vor einem Jahre geahnt, daß unsere Ruhrkinder, die damals von der sonnigen Liebe ihrer Eltern umgeben waren, und alles in Hülle und Fülle bekamen, wonach ihr Herz begehrte, in die Lage kamen, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein? Also sage keiner: Ich habe keinen Platz, ich habe keine Zeit oder nicht genügend Mittel. Helfe jeder nach Möglichkeit, damit er auch dereinst bei seinem Schöpfer Erbarmen finde. enden in leicht schräg ansteigender Linie, deren Mitte als Höhepunkt den Davidsstern krönt. Als weiterees Ausstellungsstück verdient eine messingene Menorah für häuslichen Gebrauch der Erwähnung als treffliche Arbeit des Münchener Bildhauers Arnold Zadikow. In gutem ornamentalen Aufbau sind die Wappen der 12 Stämme und zwei Löwen als tragendes Moment für die 8 Arme verwendet. Erfreuliche Arbeiten stellen auch Zadikows »rituelle Plaketten dar: Kanaan und die Jubiläumsmedaille der jüdischen' Loge in München. Häsgall zeigt noch eine für häuslichen Gebrauch geschaffene kleinere Menorah in ähnlichen Formen wie die größere und in gleich hochstehender Auffassung und Ausführung. Seine messingene Sabbatlampe für Oel mit Abtropsschale läßt in ihrer Zeichnung und Ausführung ihn ohne weiteres als Schöpfer erkeennen, während ein außen über der Türe hängender messingener Misrachteller und zwei Herrliche blankpolierte Messingsabbalteuchter in einer benachbarten Vitrine den Künstler auch als entwurflich. wie technisch vorzüglichen Metalltreiber aus eigenen Wegen gehend kennzeichnen. Eine .in schönen, neuen und schlichten Formen gehaltene und den Zeitverhältnissen gut angepaßte schmiedeeiserne Menorah kleinerer Art in der gegenüberstehenden Vitrine stammt entwurflich von Pros. Grotte, Breslau und wurde in der Kunstgewerbeschule Rosa Freudenthal, Breslau, verwirklicht. Friedrich Adler, Kunstgewerbeschule Hamburg, sehen wir neben dem Misrachteller mit vier Fensterkartons, darstellend je zwei Stammeswappen in neuzeitlicher Auffassung vertreten, die jedem Tempel zu erhebendem Schmuck dienen würden. Schließlich werden in dem als Jnnenbauschöpfung Pros. Schnarrenbergers (Landeskunstschule, Karlsruhe) sehr originellen und bemerkenswerten Graphikraum noch einige rituelle Drucke der Bielefelüschen Verlagsbuchhandlung Karlsruhe ausgestellt. Der im Anschluß an die Abteilung für angewandte Kunst im Freien angelegte Friedhof läßt leider im Gegensatz zu vorstehenden Gebieten künstlerischen jüdischen Schaffens Beispiele israelitischer Friedhofskunst vermissen, obwohl gerade hierfür eine Anregung und Aneiserung aus die Poesie und andachtsvolle, feine Stimmung alter jüdischer Friedhöfe zurückzukehren (Worms, Külsheim etc.) außerordentlich erwünscht, ja sogar notwendig gewesen wäre. Möge die verhältnismäßig kleine, aber nur mit ausgesucht guten rituellen Stücken beschickte Karlsruher Spezialausstellung ihre Früchte zeitigen und vor allem beweisen, daß auch rituelle Kunst erfreulich sortschreitet und um zu gedeihen aber auch der Förderung und Unterstützung verständnisvoller Kreise bedarf. Sabbat-Anfang und -Ausgang. pnrush nnw Eilt Tag. Was ist der Tag? Ein Hinübergleiten . ins Wundermeer der Ewigkeiten Ein Hauch Ein eiliger Flügelfchlag Ein Menschenleben Das ist ein Tag. Salo Leiten. (Ausgrabungen in Jerusalem.) Die englische Regierung hat dem bekannten Archäologen Pros. Macalister die Genehmigung zur Veranstaltung neuer Ausgrabungen auf dem Boden der Davidsstadt in Jerusalem erteilt. Die Ausgrabungen beginnen im September d. I, Ort: - Uns Uhr mg Min. Dc 1923 ltum 6683 Äu Uhr 50.- Mi» Frankfurt a. M. 7 25 28. 15. 9 10 Berlin .... 7 30 Juli Ab 8 59 München . . . 7 15 8 43 Köln. 7 45 9 20 Stuttgart , . . 7 — 8 57 Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 7 15 8 50 Hamburg . . . — — — — Zuwendüngen für den Lubawitzer V'j und seine 3 iu Russland und Palästina nimmt entgegen Philipp Wolff, Frankfurt a. Schwanenstrasse 6 Postscheck-Konto 55043. Familiennachrichten. Barmizwoh. Richard, Sohn des Herrn <££• Rumpler, Ostendftratze 33. Synagoge Friedberger Anlage.