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Der Israelit · 1923-07-19 · Heft 29 (19.7.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 29 (19.7.1923)
Date
1923-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Affin - ~. Wer töten lassen mufe, um nur nicht zu übertreten, für den Westen keine Amvenoung finden? Wenn trotz dem klaren Verbot in manchen Kreisen des gesetzestreuen Judentums in Deutschland Männer und Frauen gemeinsam tanzen, so ist dies wohl darauf zurückzuführen,, datz hier in früheren Jahrzehnten die geistigen Führer im Kampfe um Erhaltung von Sabbat und von andren grundlegenden Mizwoth, und aus Furcht, die Schwachen und Wankenden, denen das gemeinsame Tanzen sehr lieb geworden ist, könnten, wenn ihnen das Tanzen verboten wird, von dem altüberlieferten Judentum ganz abfallen, ihre Augen von dem verbotenen Tun abgewandt, und mit dem bekannten Ausspruch des ' Talmuds pno V»rn iwi r»rr*iy sich ab gefunden. Der vielfach schon zitierte "1^ meint als. Erklärung des Verhaltens der -nin gegenüber dem Tanzen Folgendes: „Die Kraft und Macht der Thora und deren Vertreter ist leider sehr schwach geworden. Die geistigen Führer können nicht mehr gegen die Schäden des Volkes austreten und so erschien mit der Zeit der Masse das gemeinsame Tanzen wie gestattet, und wie eine Vorschrift, die längst erledigt isst Möge Gott seinem Volke ' verzeihen und in unser Herz reine Gedanken pflanzen, damit das Volk von dieser Sünde befreit werde." Dank der segensreichen Tätigkeit des Esra und der Aguda kann man in Deutschland bei der Jugend einen neuen jüdischen Geist bemerken. Die Jugend begeistert sich wieder für die Ideale der Thora, sie sucht neue Werte sich zu erkämpfen und in den Jdeenkreis der Träger der Zukunft zieht die altgeheiligte Weltanschauung des Judentums. Da merkt man, datz die Jugend aus freien Stücken mit der Frage sich beschäftigt, ob das Tanzen gestattet sei oder nicht. In verschiedenen Esra-Versammlungeü wurde die. Jugend aufgefordert, sich vom Tanzen fernzuhalten. Es wäre heute daher Pflicht eines jeden ernst denkenden Jehudi, dem die Vorschriften des Schulchan Oruch heilig sind, und der irgendwelchen Einfluß auf die Jugend hat, diese von diesem schweren Jssur fernzuhalten. Heute will die Jugend zum Judentum und seinen Institutionen zurückkehren. Daher mutz die Jugend auf die altgeheiligte jüdische Sittlichkeit hingewiesen werden. Dies umsomehr, als das Tanzen nicht nur einen Jssur bedeutet, sondern auch ein tMO einen großen Leichtsinn bewirkte, der die Jugend von der Thora zurückhält. kmespondeiirev « nacbricbteti. fMen. Der „Bumerus clausus“ au der Warschauer Universität. Warschau, 12. Juli. Der Rektor der.Warschauer Universität, Pros. Dr. Jan Lukasiewicz, hat einem Korrespondenten der I. P. Z.- Zürich in einem Interview über den numerus - clausus Folgendes gesagt: „Wir waren .zu unserem größten Bedauern aus rein technischen Gründen, wegen Raummangel, gezwungen, den numerus clausus an den medizinischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten. einzusühren. Die Laboratorien und das Prosectorium waren dermaßen übersüllt, daß es faktisch unmöglich war, die beschränkte Zulassung zur medizinischen Fakultät länger aufzuschieben. Die Zahl der Studierenden ist im Kriege von 2000 auf 9000 gestiegen. Hunderte von Gesuchen um Zulassung an die genannte Fakultät mußten wir ohne Unterschied der Rasse und Konfession zurückweisen. Die technische Schwierigkeit führte zum „technischen" numerus clausus, .welchen ich als ein notwendiges Uebel betrachte. Das . .... . ... ... D e r Israelit ... Eesetzprojekt eines „politischen", numerus clausus an allen polnischen Univeersitäten einzuführen, fand an der Warschauer Universität große Gegnerschaft. Fast sämtliche Fakultäten waren gegen die Einführung des numerus clausus. Dieser Beschluß wurde ohne Diskussion gefaßt, da wir aus dem Standpunkt stehen, daß die Universität mit der Politik nichts gemeinsam hat. Auf die Frage, welche Richtlinien maßgebend sein werden, um den numerus clausus in der Praris durchzuführen, ob die Nationalität oder die Konfession ausschlaggebend sein werde, erwiderte der Rektor: „Da der Sejm den numerus clausus in der letzten Vor-Feriensitzung noch nicht bestätigt hat, werden wir in das nächste Studienjahr ohne Beschränkungen eintreten. Sogar in dem Falle, daß das Eesetzesprojekt angenommen wird, kann ich mir doch dessen Durchführung nur .schwer vorstellen. Von den zirka 9000 Studierenden an der Warschauer Universität haben 7590 Studenten' polnisch als ihre Muttersprache angegeben, russisch 127, deutsch 7, hebräisch 322 d. h. 3,7 Prozent, jüdisch 428 d. h. 5 Prozent. Nach den Konfessionen eingeteilt ergeben sich folgende. Zahlen: 5672 katholisch, gleich. 63 Prozent, 342 evangelisch. gleich 3,75. Prozent, 2738 mosaisch gleich 31 Pryzept, 225 griechisch-katholisch gleich 2,5 Prozent, 93 verschiedene gleich 1 Prozent. Sollte die Sprache maßgebend sein, so wären es nur 750 Studenten, d. h. 8,7 Prozent von den 31 Prozent mosaischer Konfession, die jüdisch und hebräisch als ihre Mutteersprache angaben. Sollte wieder die Konfession ausschlaggebend sein, ist es schwer denkbar, daß ein Pole, außer den Juden, der eine andere Konfession hat als die katholische, von den Studien an der Universität ausgeschlossen werden sollte. Wir müssen daher die genauen Richtlinien der Regierung haben. Ich erkläre Ihnen nochmals mit Nachdruck, daß die Warschauer Universität gegen den „polnischen" * numerus clausus ist, wir werden aber den Instruktionen der Regierung gehorchen müssen." Rirtzlaird. Die ttolscfttwistiscftt Tyrannei in der Ukraine. K i e w, 28. Juni. Die Pogromwelle hat in der Ukraine aufgehört; es herrschen in der Ukraine dieselben Zustände wie in Sowjet-Rußland, und dementsprechend kennt auch die jüdische Sektion kein höheres Ziel, als die jüdische Religion zu unterdrücken und jeden Ausfluß religiöser Gesinnung, und Betätigung zu verhindern. Die Chedarim sind im Prinzipe in Kiew genau so geschlossen wie in Moskau und Charkow. Und dabei zeigte sich etwas ganz Merkwürdiges: die Chedarim alten Schlages lassen sich einfach nicht umbringen, wandern, wenn sie an einem Orte aufgelöst wurden, anderswohin, trotzen allen Widerständen und Androhungen, setzen ihre Arbeit im Geheimen fort und trieben es solange, bis die Herren Kommissare, des Kampfes müde, ansingen, ein, zuweilen sogar beide Augen zu schließen, sodaß de facto die alten Chedarim weiter bestehen. Die sogenannten modernen Chederschulen und die nationalen, schulmäßig geleiteten Talmud-Thoras gingen aber samt und sonders ein. Jüdische Lehrer dieser Schulen mußten ihren Ungehorsam mit langen Gefängnisstrafen büßen. Von jüdischen Büchern sieht man nichts, nicht einmal ein Gebetbuch oder einen jüdischen Kalender. Die Synagogen sind in Klubs verwandelt, aber die jüdische Bühne ließ man bestehen. Der Kampf gegen den Zionismus geht bis aufs Messer. Zwölf junge Leute der zionistischen Fraktion wurden ins Gefängnis gesteckt, und als die Amnestie für alle politischen Verbrecher erlassen wurde, setzte sich die jüdische Sektion mit aller Energie 'dafür ein, daß die Wohltaten dieser Amnestie den „zionistischen Verbrechern" nicht zugute komme. Im letzten Jahre wurden 47 Zionisten und andere Juden am Rüstelag zu Rasch haschono ins Gefängnis gesetzt und über alle Feiertage dort behalten, da sie im Verdachte standen, an diesen Tagen „religiöse Demonstrationen" zu veranstalten . . . Die Kiewer Ausgabe des Moskauer „Emmes" übertrifft noch das Moskauer Vaterorgan an Rohheiten und Verunglimpfungen der jüdischen Religion. Was aus der kommenden Generation werden soll, ist nicht klar. Man lehrt die Pogromwaisen, zu Gott emporschreien um Brot, um ihnen dann mit dem Brotkorb zu zeigen, daß nicht der Himmel, sondern die Bolschewisten ihnen das Brot .. ... , Nr. 29 Seite S , geben. Auch aus Äww wird sehr darüber geklagt, daß die amerikanischen Juden durch die Inanspruchnahme der Vermittlung der jüdischen Sektion bei der Verteilung der Spenden diese mit einer Macht ausstatten, die,jie dann gegen Juden und alles Jüdische äusnutzen. Judenverfolgungen in der Türkei? London, 13. Juli. Im Jewish Chronicle berichtet ein Korrespondent aus Sofia' in alarmierendster Weise über den von der Regierung zu Angora neuerdings eingeschlagenen ausgesprochen judenfeindlichen Kurs. Wirtschaftlicher Boykott, Drangsalierung und Aushebung jüdischer Schulen; Verbot üer Freizügigkeit, zwangsweiser Ladenschluß an den Freitagen, Ausschluß der Juden aus dem Parlament sollen die neue AeroW^ennzeichnen, die zur Massen-Auswanderung der Juden hindrängt. Diese Nachrichten klingen im höchsten Grade überraschend, werden aber in so positiver Form veröffentlicht, daß sie lebhafte Beunruhigung in der ganzen jüdischen Welt auslösen müssen. Sollte auch die Türkei der antisemitischen Weltseuche zum Opfer fallen? Die?redi-er-Bonlerenr. London, 13. Juli. Unter dem Vorsitz des Chief-Rabbi Dr. H e r tz tagten diese Woche etwa 50 englische Rabbiner und Prediger in Erneuerung einer Einrichtung, die schon auf Dr. Adlers Zeiten zurückgeht. Die letzte Konferenz hatte im Juni 1914 stattgefunden. Nach einer längeren Rede des Chief-Rabbi, die eine Art Revue des jüdischen öffentlichen Lebens im letzten 'Jahrzehnt darstellte, sprachen die Reo. Adler über den „Völkerbund und die Lage der jüdischen Minoritäten", Lazarus über jüdische Literatur, L e o i n e über die Predigt, Levin und Cohen über die jüdische Jugend und ihre Gewinnung, Drukker über die zersetzenden Einflüsse der Umwelt aus das religiöse Leben. Der zweite und dritte Tag brachte folgende Referate: Cohen über die Bibelkritik, Mendelsohn: der jüdische Geistliche und die Theologie, mehrere Vorträge über gottesdienstliche Fragen: Barmizwa, Einsegnung und schließlich ein Palästina-Referat. Schweiz. Scdweirerisches krer-Iisroei-Noinliee. Zürich, 16. Juli. Das „Schweizerische Erez Jisroel-Komitee", das früher Hand in Hand mit den Amsterdamer Pekidim und der Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung arbeitete, aber unter misrachistischem Einfluß eigene Bahnen einschlug, hat letzte Woche seine Hauptversammlung in Olten abgehalten. Nach dem Bericht des Kassiers wurde über den Voranschlag für 1923 beraten; es sollen Fs. 16.000 nach Erez Jisroel überwiesen werden. Neben den bisher subventionierten Institutionen wurden auch einige weitere bedacht, insbesondere einige Schulen, welche von den Pekidim und Amarkalim in Amsterdam unterstützt werden und von diesen warm empfohlen wurden. Da diese Institutionen bisher in der Hauptsache aus in Deutschland lebende Gönner angewiesen waren, deren Mitwirkung durch die Markentwertung wesentlich reduziert ist, erschien es dem Komitee gerechtfertigt, auch für diese Anstalten Beträge sestzusetzen, obwohl diese Mehrbeträge die gegenwärtig dem Komitee zur Verfügung stehenden Mittel übersteigen. Aus dem gleichen Grunde wurde auch für das Schaare Zedek-Hospital eine Subvention von insgesamt Fr. 2000.— festgesetzt. Einmütige Annahme fand auch ein Subventionsgesuch der neu errichteten rituellen Arbeiterküchen in Haifa und Jaffa, welches von Herrn Pines in Zürich warm unterstützt worden war. flntfsetni»i*imi* in SchulBflchcrit. Amsterdam, 14. Juli. In der zweiten Kammer beantwortete der Unterrichtsminister eine Anfrage des Abg. Kleerekoper wegen der in einem eingeführten holländischen Schulbuche enthaltenen für die israelitischen Schüler kränkenden Stellen. Es. wird in dem Lehrbuch behauptet, die zwei Millionen Rumänen in Beßarabien seien „Schlachtopser der Juden, Griechen und Armenier", die „Juden seien rvolutionären Bewegungen überhaupt nicht fremd" und die

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