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Der Israelit · 1923-07-19 · Heft 29 (19.7.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 29 (19.7.1923)
Date
1923-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 29 „Mörder der Zarensamilie seien Juden gewesen". Merkwürdigerweise suchte der Minister die erste der drei inkriminierten Stellen zu rechtfertigen, während er die Leiden andern scharf verurteilte und ihre Entfernung Lei einem Neudruck zusagte. Die Antwort hat naturgemäß wenig befriedigt. Man sollte das sofortige Verbot des Lehrbuches für selbstverständlich halten. Gine neue Hvfailvewegung in der amerikanischen Inselwelt? Newyork, 15. Juni. Die hier erscheinende orthodoxe Zeitschrift „Das jüdische Licht" bringt unter der Ueberschrift: Der Kaplanismus als Verschwörung gegen das Judentum" einen sensationellen - Leitartikel, worin die von Professor Kaplan am jüdisch-theologischen Seminar verbreiteten ^religiösen Anschauungen eingehend gekennzeichnet und als schwere Gefahr für die Reinheit der religiösen lleberzeugungen dargestellt werden. Kaplan hat eine „Gesellschaft für den Fortschritt im Judentum" gegründet, die sich äußerlich zur Orthodorie bekennt, in Wirklichkeit aber, etwa im Geiste des Breslauer Seminars auf dem Standpunkte unendlicher Abänderungsfähigkeit von Thora und Mizwos steht. Die Revision des traditionellen Glaubens sei eine moralische Verpflichtung; die kritische Betrachtung und Auswahl der für unsere Zeit noch in Betracht kommenden religiösen Verpflichtungen habe als Postulat des denkenden Juden zu gelten. Die Orthodoxie habe sich von der Mythologie zur Wissenschaft zu entwickeln. Die Zeitschrift behauptet, daß der von Kaplan ausgehende religiöse Vergistungsproz'eß bereits Hunderte von ihm ausgebkldeter Lehrer für Talmud Thora-Schulen und Jeschiwos ergriffen habe und daß es an der Zeit sei, die ganze jüdische Welt zur Gegenwehr aufzurufen. „Die Verschwörung gegen das Judentum," schreibt das Blatt, „ist eine schreckliche und himmelschreiende. Man erzieht die zukünftigen und jetzigen Rabbinen und Lehrer zu vollendeten Leugnern und diese Sadducäer werden schon das ganze Geschlecht gefährden." Hundert Städte und- Städtchen Amerikas haben schon diese Art Rabbinen und Thoralehrer, und es ist kein Wunder, daß dort die Jüdifchkeit hknwegschmilzt wie Wachs vor dem Feuer. „Das jüdische Licht", so schließt der Aufsatz, „wird den Kampf gegen die neuen Volksversührer bis zum Ende führen; in jüdischer und in englischer Sprache wollen wir die Gewissen der Orthodorie wecken, aber die Frage ist, ob es noch ehrliche Juden gibt, die uns in unserem Kampfe helfen werden. Wenn ja, so möchten wir ihre Stimme hören. (Es wäre wünschenswert, wenn unser amerikanisches Bruderorgan in dev Oeffentlichkeit in etwas deutlicherer Form über die Quellen seiner erschütternden Anklage Rechenschaft ablegte. Hat Professor Kaplan seine Anschauungen in der Literatur niedergelegt, oder handelt es sich lediglich um Berichte von Seminarhörern und sonstigen Anhängern des „Kaplanismus"? Redaktion des „Israelit".) <Lg»spte»i. vom lüaischen Zevulwere» in Aegypten. Alerandria, 1. Juli. Wohl nirgends arbeitet die englische Judenmission mit solchem Erfolg wie in den jüdischen Gemeinden Aegyptens. Es ist ein Jammer mitanzusehen, wie jüdische Eltern, die sich noch ganz fromm geben, ohne Bedenken ihre Kinder in die Schulen der Missionsschwestern schicken. Kein Wunder, daß aus jüdischen Kreisen selbst Ueberläuser und auch grimmige Judenfeinde entstehen. Ein jüdischer Schüler in Kairo tat jüngsthin vor versammelter Klasse die Aeußerung, er schäme sich „einem Stamme anzugehören, der Christenblut für rituelle Zwecke gebrauche." Man kann den Spitzen der Judenheit in Aegypten, den über große Machtbefugnisse verfügenden Rabbinern wie den Gemeindeverwaltungen den Vorwurf nicht ersparen, daß sie nie genügend für jüdische Schulen gesorgt haben und auch der Zionismus, der in Aegypten nach wiederholten Angaben, in' Zunahme begriffen ist, hat noch wenig für Abstellung dieser Uebel getan. An Mitteln für eigene Schulen sollte es in Aegypten nicht fehlen. Unter den 64 400 Juden in Aegypten ist ein großer Prozentsatz sehr wohlhabend, einige verfügen sogar über ansehnliche Rekchtümer, und die Nähe Palästinas könnte leicht zur Deckung der geistigen Bedürfnisse ausgenutzt werden, wenn in Aegypten __D er Israelit das nötige Interesse und Verständnis für das Judentum so lebendig./wäre, wie man es wünschen sollte. Pal&fatt*. Allerlei aus Palästina. Jerusalem, 25. Juni. . Vor den Schranken des Strafgerichtes faßen vier Araber unter Anklage der Wahlstörung, begangen in Verbindung mit dem von lten Arabern verhängten Boykott über die Wahlen in die Gesetzgebende Versammlung. Drei Angeklägte wurden aus Mangel an Schuldbeweisen freigespröchen, einer wurde' zu einer Geldstrafe von 25 Lstr. und den Gerichtskosten verurteilt. Das gelinde Urteil wurde von den Arabern mit lautem Applaus ausgenommen. Auf eine Depesche des Oberrabbinates an den zur Zeit in Amerika weilenden Dr. Weizmann in Sachen des Sabbatparagraphen langte von diesem eine telegraphische Antwort ein, dahingehend, daß er, Weizmann, alle Schritte zur Lösung der Angelegenheit im Sinne des Rabbinates unternehmen würde. Uebrigens hat eine von Oberrabbiner Kuk vorgeschlagene Fassung, die anstelle des religiösen, das bürgerlich-öffentliche Anrecht auf die Sabbatruhe unterstreicht, beste Aussicht auf Annahme. Die Schreckensnachrichten aus Jemen häufen sich immer mehr. Die in Palästina weilenden Jemeniten riefen einen Fonds ins Leben zur Unterstützung dev Jemeniten und zur Ermöglichung ihrer Auswanderung nach Palästina. Jaffa, 1. Juli. In fephardifchen Kreisen werden große Vorbereitungen getroffen für einen würdigen Empfang des Rabbi U s i e l, der von Saloniki als Rabbiner hierher berufen wurde. Personalien. Tübingen, 16. Juli. Am Freitag wurde auf dem Friedhof Werkheim (bei Tübingen) der Lehrer der Tübinger Gemeinde, L. Pollak, zu Grabe getragen. Ein echter Jehudi ist mit ihm gestorben, der in vierzigjähriger Tätigkeit, kurze Zeit in bayrischen Gemeinden, dann 26 Jahre in Olnhausen (bei Heilbronn) und zuletzt neun Jahre in Tübingen das Banner des thoratreuen Judentums hochgehalten und Generationen in diesem Geiste erzogen hat. Was er am letzten Orte seiner Wirksamkeit in andersgesinnter Umgebung für Schechita und Religionsunterricht getan hat, kann nicht genug gerühmt werden; selbst in den kranken Tagen hat er seine Schüler in seinem Hause mit der Lehre Gottes bekanntgemacht. Seine Beerdigung legte durch die übergroße Beteiligung noch einmal Zeugnis für feine Leistungen ab; kurz, wegen des nahenden Sabbats, sprachen der Bezirksrabbiner Herr Dr. Schweizer (Horb), als Vertreter des Kirchenvorsteheramtes der israelitischen Gemeinde Tübingen Herr Rechtsanwalt Dr. Katz, im Aufträge .der Nachbargemeinde Hechingen Herr Lehrer Schmalzbach, als Vertreter des württembergischen Lehrerverbandes Herr Lehrer Rotschild, Eßlingen. Herr Rabbiner Posner widmete dem Verstorbenen kurz vor Eingang warme Worte der tiefsten Verehrung und Hochchätzung. Als die letzten Schollen das Grab deckten, zog fast der Monat ein und die Kinder kehrten ohne 2N an die leere Stätte ihres Elternhauses zurück, möge n'3pn ihnen und der betrübten Witwe beiftehen. Ludwigshafen/ 1. Juli. In der Stadtratssihung vom 29. Juni wurde Herr Kantor S. W e tz l e r einstimmig zum Oberstudienlehrer im Hauptamte an der höheren städtischen .Mädchenschule (Realgymnasium) ab 1. Juli gewählt. Berlin, 6. Juli. Rabbiner Dr. Benzion Kellermann ist im Alter von 54 Jahren gestorben. Einer kommen Familie entstammend und im Geiste der Tradition erzogen, wurde er in der Folge einer der eifrigsten Vertreter der Reformideologie. In Könitz, wo er in jimgen Jahren als Rabbiner wirkte, hatte er während der Ritualmordhetze den Kampf gegen die Antisemiten mit gutem Erfolge geführt.. Seine rabbinische und Lehrtätigkeit in Berlin erregte berechtigten Anstoß bei den Konservativen und führte auch oft zu Zusammenstößen in der Gemeindeverwaltung. Briefkasten. I. V. in R. 2000 Mk. eingegangen und für Abonnement verbucht. S. H. 26.. Der Gesichtspunkt, von dem Sie ausgehen, ist keinesfalls richtig. Legen Sie den Friedenspreis zu Grunde, so kann als Multiplikator nicht die Schlüsselzahl des Börsenvereins in Betracht kommen, die ja weit hinter der Geldentwertung 19. FuN 1SW zurückbleibt (15 000 gegen etwa 50000). Ob gerade der Grundpreis oojt Mk. 3.50 berechtigt ist, können wir nicht beurteilen. Der Grundpreis des „Bundes" ist aber keinesfalls zu hoch, denn der. Bund will ja - überhaupt nichts verdienen, sondern. nur seine Selbstkosten für die aus photographischem (also billigstem Wege) hergestellte Auflage. M. R. jr. in B. Wir bedauern lebhaft, den Aufsatz nicht bringen zu können,' da er viel zu persönlich gehalten ist und eine unendliche Polemik heraufbeschwören würde. I. G., Elberfeld. Das Maaßer vom Einkommen ist keine biblische, wohl aber eine als Minhag Israel mit Gesetzeskraft ausgestattete und im Religionsgesetz codifizierte Pflicht, lieber die Frage, ob man die von Staat und Kommune zwangsweise ein-, treibbaren Steuern vor Berechnung das Maaßer vom Einkommen abziehen darf, möchten wir uns nicht äußern; befragen Sie darüber das Rabbinat des Rheinlandvereeins, das Ihnen auch darüber Auskunft geben kann,, welche Leistungen aus dem Maaßer bestritten werden dürfen. Sch. L. in L e m b e r g. Mk. 10.000 und Gedicht eingegangen. M. R. in Myslowice. Mk. 10.000 eingegangen. S. M. in Zator. 1. Nein. 2. Das Blatt ist längst eingegangen. 3. Der zuständige Schriftleiter ift: z. Zt. in Urlaub/ Sprechsaal. Geehrte Redaktion! Mit Bedauern lasen wir kürzlich von den antisemitischen Ausschreitungen in München. Gar mancher^ oer feinen Sommemrlaub in Bayern verbringen wollte, änderte, nachdem die Verhetzung der Massen solche Ausdehnung angenommen hatte, seinen Plan. Auch mir wurde von verschiedenen Seiten abgeraten» nach Garmisch-Partenkirchen zu fahren. Ich trat meine geplante Reise nach Garmisch-Partenkirchen dennoch an und kann zu meiner großen Freude, die alle hier weilenden jüdischen Kurgäste mit mir teilen, nur berichten, daß der Aufenthalt in Garmisch-Partenkirchen äußerst angenehm ist. Von antisemitischen Strömungen oder judenfeindlicher Gesinnung der Kur-Verwaltung pder Bevölkerung ist nicht das G eringste zu merken; im Gegenteil, man kommt allen Fremden unterschiedslos selten freundlich entgegen. Ich fühle mich verpflichtet, dieses hiermit gegenüber anderen vielfach verbreiteten Berichten öffentlich bekannt zu geben. Wer daher einen angenehmen Ferienaufenthalt wünscht, seine Nerven stärken, seinen Körper kräftigen», ich an überwältigenden Naturschönheiten erfreuen will, der fahre nach Garmisch-Partenkirchen. Garmisch-Partenkirchen, 7. Juli. EinKurgast. Vermischtes. Hamburg, 14. Juli. Die am ersten Selichaustage: des letzten Jahres durch den traditionellen Umgang von. Mitgliedern der Chewra Kadifcha unter Führung des Oberrabbiners Dr. Spitzer geweihten Teile des Begräbnisplatzes der Gemeinde in Ohlsdorf und Steilshoop [mb jetzt in Benutzung genommen. Auf dem Ohlsdorfer Teil wurde zuerst eine . in Hamburg bei ihren Kindern zu Besuch weilende Frau von auswärts beigesetzt. Eine größere Anzahl von Herren hatte sich aus Veranlassung der alten Chewra Kadifcha nach Ohlsdorf begeben, um das erste Grab zu graben und eine Mizwah zu erfüllen, deren Ausübung bislang schwer möglich, jetzt aber durch die Neuanlage für Jahre hinaus gesichert ist. Die Herren wurden von dem Mitglied des Vorstandes der Deutfch-Jsraeliti- [chen Gemeinde, Herrn Jacob H e ck f ch e r , in einer Ansprache begrüßt als die Träger des in der Tauroh Hakdaufcho verzeichneten rP“D der Idee bes- Ewig-Unvergänglichen im Menschen angesichts der irdischen Vergänglichkeit. Eine Kehillo gleich der Hamburger,, die in ihrer, seit Jahrhunderten bestehenden Chewra Kadischa die uralten Traditionen hinsichtlich der □'OTD heilig hält, gewährleistet die Wahrheit und Verkörperung des Grundsatzes tax . Sabbat-Anfang und -Ausgang. □nm rat? Ort: Änf Uhr Mg Min. —m 1923 ltum 5683 Ausg. Uhr jMin. Frankfurt a. M. 7 30 21. 8. 9 20 Berlin .... 7 30 Juli Ab 9 11 München . . . 7 15 8 51 Köln ..... 7 45 9 30 Stuttgart , . . 7 — 9 08 Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 7 30 9 01 Hamburg . . . — — ■— —

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