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Der Israelit · 1923-07-05 · Heft 27 (5.7.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 27 (5.7.1923)
Date
1923-07-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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'• . Der Israelit ö) Juli 1923 alle anderen Führer der jüdischen Nation in deren langen Geschichte. Jirmejahu, der dem jüdischen Leide das stärkste flammendste Wort spricht, tritt in schärfster Weise König und Volk in Juda entgegen, dieweil sie den Sabbat entweihen. Und Iecheske! scheint beinahe diese Vertreter dedoppelten Judentums im Auge Zu haben, da er spricht: ^,Den Fremdling hat man beraubt, Waise und Witwe irregeführt. Meine Heiligtümer habt ihr entweiht und meine Sabbate entehrt." Also kümmerte sich der „Gott der Propheten",-den ein Teil der Nationalisten in einen Gegensatz zum praktischen Gesetze bringt, gar sehr um den Sabbat. Und man hat doch den Eindruck: die Propheten stehen Rabbi Meier Simcho aus Dwmsk oder dem „Chofez Chajim" immerhin näher als den Horodetzkis und Tschernichowskis auf der einen und den Philippsohns und Steins auf der anderen Seite.! Und nicht allein her Sabbat, auch die Speisegesetze sind Gegenstand der prophetischen Sorgen. Iecheskel selbst erklärt den damaligen und heutigen Verdrehern der Wahrheit gegenüber: vfoa üb nö’ntä'i und im letzten Kapitel von Jesajas sind Donnerworte enthalten gegen die, die „das Fleisch von Schweinen und abscheulichen Kriechtieren essen." Das sind die Beziehungen der Propheten zum praktischen Judentum.. Alle Behauptungen von einem prophetischen Judentum im Gegensatz zum Pflichtgebote ist genau so falsch, wie das, was die Missionäre den Propheten als Zeugnis für das Christentum in den Mund legen. Die Propheten waren keine Maskilim. keine Reformer und auch keine nationalradikalen Theoretiker. Sie waren Juden., und das Judentum,' das sie vertraten, dem sie auf göttliche Inspiration das prophetische Wort verliehen, war das ganze, ungeteilte Judentum, es war das Judentum! sichtlich 150.000—200.000 M. Steuern zahlen, die ihm zu Unrecht auferlegt sind. Dabei mutz er einen alten Vater und drei unmündige Kinder ernähren, während der mit 15ÖO M. veranlagte Zensit B. zwei erwachsene Höhne hat, die im Geschäfte mit tätig sind. Zensit D., ein reicher Junggeselle, der auch Steuerschätzer war, hat sich mit 24 M. in der Klassensteuer veranlagt, in der Einkommensteuer pro 1921 ist ihm ein Steuersatz von 270O M. auferlegt worden. Der Steuerpflichtige C. der mit 27 M. zur Klassensteuer > eingeschätzt war, ist mit 8000 M. zur Einkommensteuer veranlagt. Während er zur Klassensteuer beinahe dasselbe zu zahlen hatte als D., mutz er jetzt den dreifachen Steuerbetrag desselben entrichten. Nach dem vorgesehenen Steuerbedarf der Gemeinde zahlt er 350.000 M. mehr, als ihm nach der Ueberzeugung der Schätzerkommission gebührt. So könnte ich an weiteren Beispielen den untrüglichen Nachweis liefern, datz die Zugrundelegung der Einkommensteuer zwar sehr bequem, aber durchaus verfehlt ist. Man hat am alten Steuermodus vielleicht mit Recht getadelt, datz in einer dreijährigen! Steuerperiode, zumal in der jetzigen Zeit, gar manche Vermögens- und Einkommensverschiebungen Vorkommen und datz .es daher eine Ungerechtigkeit wäre, im dritten Jahre der Steuerperiode denselben Steuersatz zu erheben als im ersten Jahre. Wer nun der Meinung ist, datz das neue Steuergesetz diesen llebelstand beseitigt, der wird sich bald überzeugen lassen, datz wir nun vom Regen in die Traufe gekommen sind. Wäre nach dem alten Steuergesetze die Veranlagung im ersten und vielleicht auch im zweiten Jahre richtig, so ist bei der jetzigen Steuerfestsetzung. die auf das Einkommen von 1921 zurückgreift. von vornherein eine falsche. Folgendes Beispiel möge das beweisen: Zensit E. und F. hatten in den letzten Jahren außergewöhnlich hohe Valutagewinne zu verzeichnen, sie leben in Wohlstand und Ueberflutz. Beide sind pro 1921 mit 585 M. bezw. 601 M. zur Einkommensteuer veranlagt und haben beide je ca. 36.0OO M. jüd. Steuer zu entrichten«' Zensit G., dessen Geschäft seit zwei Jahren mit Riesenschritten zurückgegangen ist, sodatz er sich kaum mehr ernähren kann, war 1921 mit 6345 M. zur Einkommensteuer veranlagt und hat ca. 360.000 M. Synagogensteuern aufzubringen. Der arme Mann ist garnicht.in der Lage, diese Steuer zu entrichten und wird nicht umhin können. sich durch Austritt aus der Gemeinde vor dieser nicht aufbringlichen Steuer zu schützen. Nach meiner Ueberzeugung haben wir durch Aufgabe der althess. Steuergesetze eine Perle weggeworfen, um dafür einen wertlosen Stein einzulauschen. Möge dem kurhess. Steuergesetze im letzten Augenblicke noch der mutige Erretter mit de!r! Ausweisung eines Ausgleichsweges erstehen! Korrespondenzen « Haebriebten. JUdisctie Erziebungskonferenz. Berlin, 28. Juni. Wie die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Berlin uns mitteilt, findet vom 8. bis IO. Oktober 1923 in Frankfurt a. M. auf Veranstaltung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und des Jüdischen Frauenbundes eine jüdische Erziehungskonferenz statt. Es sind Vorträge über folgende Themen vorgesehen: „Grundgedanken der Erziehungskonserenz", Nr. 27 Seite 5 „Religion und Erziehung", „Die soziologischen Verhältnisse der Juden in Deutschland", „Elternhaus und Erziehung", „Berufsberatung", „Schule und Erziehung", „Die Bedeutung der Jugendbewegung", „Anstalt und Erziehung". — Es finden außerdem Aussprachen statt. ein Briefwechsel. Berlin» 27. Juni. Im Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens „C. V.-Zeitung" ist ein Briefwechsel zwischen Professor T i l s e n (Erfurt) und Professor E 0 l d st e i n (Darmstadt) abgedruckt, der in ' mancher Beziehung zu denken gibt. Der Brief des Erfurter Professors gewährt einen Blick in die Psyche der Gebildeten unter den Antisemiten, die angeblich vom Ethischen und Nationalen ausgehend, sich in eine Ideologie verrannt haben, die gewiß nicht dazu angetan ist, den Kredit Deutschlands in der Welt zu heben. Für Tilsen ist die Judenfrage eine Rassefrage, und von scheinbar gütlichen Mahnungen geht er auf Drohungen über, die sich von denen der Hitlergruppe höchstens nur durch den gekünstelten biblischen Stil, in der Sache aber nicht im Geringsten unterscheiden. Herr Professor Dr. Julius G 0 l d st e i n, bekannt durch seine Schrift „Rasse und Politik", führt die Ausführungen TilsenS ad absurdum und weist nach, — was für jeden Ein^ geweihten keines Beweises bedarf —, daß die jüdischen Deutschen keine politische Einheit sind und es darum nicht angehe, zu behaupten, die deutsche Judenheit als solche pflege die eine oder die andere Partei zu unterstützen. Juden befinden sich in allen Parteien, mit Ausnahme von denen, deren Politik gegen die Juden gerichtet ist. Jede antisemitische Agitation, die die deutschen Juden als Gäste stigmatisiert und sie als solche außer Recht und Gesetz zu stellen sucht, stärkt die Jnstinlte der Gewalt und schwächt den Sinn für das Recht. veiegiertentag der deutschen Zionisten. Dresden, 1. Juli. Der Delegiertentag der deutschen Zionisten stellte sich in der Frage der Erweiterung der Jewish Agency mit großer Mehrheit auf den Standpunkt Weizmanns. Danach soll der Kongreß die Exekutive ermächtigen, zur Jewish Agency Vertreter solcher Organisationen heranzuziehen, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina zu Helsen. Den breitesten Raum nahmen auf dem Kongreß die finanzpolitischen Erörterungen ein, wozu eine Reihe gründlicher Referate Vorlagen. Entscheidungen konnten in dieser Hinsicht naturgemäß von dem vielköpfigen Delegiertentag ebenso wenig gefällt werden, wie in den noch viel schwierigeren Kolonisationsfragen. Die Warschauer Zionisten. Warschau, 28. Juni. Die hier stattgehabte Zionistenkonferenz dauerte drei Tage und endete mit einer Krisis. Grünbaum' polemisierte scharf gegen W e i z m a n n , der sich seiner Ansicht nach der Verantwortung vor dem A. C. zu entziehen suche und einer Diktatur zustrebe und zu diesem Zwecke die nichtzionistischen „großen Juden" aus Amerika an der Jüdischen Agentur zu beteiligen wünsche. Er sieht darin einen Verrat an der zionistischen Sache und ein Zeichen der Reaktion und kündigt Weizmann den Kampf auf der ganzen Linie an. Da Erünbaum keinen genügenden Anklang findet, tritt er aus dem Landeskomitee aus. Auf Grünbaums Standpunkte stehen auch Dr. Lipschitz, Leiserowitz, Sch korlat und Dr. Schwarzbard. Einen eifrigen Verteidiger findet die Weizmann'sche Politik in Dr. Korngrün, der in Erinnerung bringt, daß die Balfourdeklaration nicht allein an die Zionisten, sondern dem jüdischen Volke gegeben wurde. Warschau, 28. Juni. Die zionistische Konferenz schloß mit einem Vertrauensvotum für die Weizmannsche Taktik. Für dasselbe stimmten 66 gegen 51 Delegierte. Infolgedessen traten Grünbaum, Klunkel und Podlischewski aus dem Präsidium der Landesorganisation aus, verbleiben jedoch Mitglieder des Z. E. Auch die Beamten und Instruktoren der Landesorganisation erklärten, ihren Dienst nkederzulegen. Aufhebung der kurhessischen Judensteuer. Von Kr. Dem ungestümen Andringen einzelner jüdischer Gemeinden Hessens ist es endlich gelungen, an die bewährten kurh. Steuergesetze Bresche zu legen. Der Landtag hat nun dem althess. Gesetze das Lebenslicht ausgeblasen. Man hat bereits den Synagogenältesten die Weisung zugehen lassen, den Etat pro 1923 nach der Veranlagung zur Einkommensteuer pro 1921 zu Grunde zu legen. Ob die meisten Zensiten von dieser Aenderung besonders erbaut seirr werden, möchte ich sehr bezweifeln. Denn jedermann, der in Steuersachen schon gearbeitet hat, weiß, wie es sich damit verhält. Die Finanzämter können nur die Einkommen der Festbesoldeten, Tagelöhner und Kaufleute, die eine vorschristsmätzige Buchführung aufzuweisen haben, voll erfassen, nicht aber das Einkommen der großen Zahl der Handelsleute, Kleinhändler etc. Hier tappen die Steuerbehörden vollständig im Unklaren. Vor mir liegt die Klassensteuerliste pro 1921 bis 23 und die Einkommensteuerliste pro 1921. Nach der Klassensteuerliste, die zweifellos den Verhältnissen der Steuerpflichtigen vollauf gerecht wird, ist der Zensit A. mit 18 M. veranlagt, seine Veranlagung zur Einkommensteuer ist auf 3000 M. normiert. Der Zensit B., der als Mitglied der Schätzerkommission bei der Einschätzung mitwirkte, hat sich mit 21 M. zur Klassensteuer veranlagt, in der Einkommensteuer hat man ihn nur mit 1500 M. eingeschätzt. Der Zensit B. war also nach Prüfung der in Betracht kommenden Verhältnisse davon überzeugt, datz er in eine höhere Steuerstufe gehöre als der Zensit A. Nach dem neuen Steuermodus braucht er nur die Hälfte des Steuerbetruges desselben aufzybringen. Zensit A. mutz voraus¬

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