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Der Israelit · 1923-06-28 · Heft 26 (28.6.1923) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 26 (28.6.1923)
Date
1923-06-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 12 Blätter licher Emanzipation reden). Und demgegenüber ist nicht die Tauro als konstitutionelles Recht Iisroels zu betonen, sondern die darüber noch hinausgehende Erfüllung dieses konstitutionellen Rechtes für Gott. Eine höhere Bestimmung freilich kanns nicht mehr geben; denn man kann wohl fragen-' „Warum Tauro?" — aber nicht: „Warum will Gott seinen 1122?" Das Festhalten an dieser höchsten Bestimmungsidee ermöglicht ja auch, in Reaktion auf Englands politischen Schritt (und Politik gibt es ja nur zwischen staatlich geformten Völkern) die Betonung des staatlichen Andersseins Iisroels — ohne.Agudismus. Die Frage aber bleibt, ob diese Reattion überhaupt notwendig ist. Schon der Hinweis auf die (wahrscheinlich) falsche Datierung des Golusbeginnes ergibt, daß Balfours Deklaration uns nicht als unabweisbarer Ruf auf die weltpolittsche Tribüne treffen mutz. Denn Balfour ist nicht Lyrus, dem Gottes Propheten zur Seite stehen. Er hat uns garnicht zu rufen. Sondern nur wegen seiner durch das Medium des Zionismus so destillierenden Wir- Wirkung auf unser Volk fordert er unsere mannhafte Antwort: Nicht San-Remo, sondern der heilige „Remoo", will sagen, datz uns '■“N 2NL" (nenitts meinetwegen Bereitstellung) mjJD ist, erfüllen — nicht Gegenstand jüdischer Assimilationsnationalpolitik. Wenn das Fr. Pr. das — wie ich nicht zweifle — auch meint, dann mutz das aber auch dort deutlich ausgesprochen werden. Ist aber nicht überhaupt auch zur Verhütung der aus der nationalen Emanzipation entspringenden Gefahren die auf Teschuwo- Mussor gegründete -Bestimmung der jüdischen Nation voll ausreichend? ohne das Surrogat gefährlicher Prononcierungen? 5. And das alles ganz abgesehen von Verirrungen, des Volksgeistes, die uns die vergangenen Jahrhunderte vom Messianismus zu fürchten gelehrt haben sollten. 6. Ia sogar ganz abgesehen von ihrem Inhalt erscheint schon allein die Proklamierung eines Agudismus oder sonstigen . . . mus als Weltanschauung zumindest sehr bedenklich. Denn sofern er eine zentralsetzende Betonung eines bestimmten (im Gesamtgebiet der Tauro als Teil das Ganzen geltenden) Gedankens fordert, ruft er die Gefahr des phrasenhaften Schlagwortes, der vergötternden Vegriffsverehrung hervor, die wir noch jetzt an Zion mit Grausen erleben. Man denke auch nur an die mannigfachen üblen Folgen, welche in dem Ringen mit der sozialen Emanzipation das Wort von DV min gezeitigt hat dort, wo man unter diesem Ruf eine neue „geistige Bewegung" hat schaffen wollen, statt sich auf die Tatsache des im nicht minder propagandistischen bw btt6 ohnehin enthaltenen a"iDyrrwO)as freilich der Weise der Väter, als ers sprach, ein bitzchen anders gemeint zu haben scheint) zu beschränken. Und ein Gleiches gilt offenbar für die neue geistige Bewegung des Agudismus. Aber gerade der Neuentfachung der uralten, ewig neuen urjüdischen geistigen Bewegung des Mttb, des Teschuwo-Musfor, auf »"itfTi ran« gegründet, ist doch das Zeitalter der Gegenwart so günstig, nachdem es durch den Krieg und seine Nachwehen eine so ungemein starke philosophische, besinnliche Erweckung erfahren hat. (Fortsetzung folgt.) Präludien zur Kenessio Gedaulo. Von Distriklsrabbiner Dr. Raphael JZreuer in Kschaffenöurg. (Fortsetzung.) Wenn wir sagen, datz die Einheit des Judentums eine von Gott gewollte ist, so haben wir damit gleichzeitig angedeutet, auf welcher Grundlage diese Einheit beruht. Diese Einheit beruht nicht auf einem persönlichen Willensatt der von ihr erfatzten Menschen, denn wenn ich blotz Jude wäre, weil ich es will, so bin ich es auch nur, solange ichs will. Diese Einheit ist nicht von den Menschen, sondern von Gott gewollt, und sie stellt sich uns daher als eine Naturerscheinung^dar, deren Gesetze wir wohl erkunden und aufzeigen können, deren tiefstes Geheimnis aber doch im ewigen Dunkel des göttlichen Willens verharrt. Nicht „aus Erwägungen" einer politischen, nationalistischen oder gar opportunistischen Theorie heraus hält darum die Aguda an der Einheit des Judentums fest. Ihr Festhalten an dieser Einheit ist mit den Fluten religiöser Inbrunst gettänkt, aus der allein ihr der Wunsch und die Hoffnung quillt, datz schon die erste Kenessio Gedaulo die Wiedergeburt der jüdischen Gesamtheit aus dem Geiste der Thora sichern , werde.! Nun müssen wir uns aber sorgsam hüten, : diese Idee von der Einheit des Judentums nicht gröblich mitzzuverstehen. So gewitz jeder von einer jüdischen Mutter geborene Mensch ein Glied der jüdischen Gesamtheit ist und bleibt, so gewitz mutz diese jüdische Gesamtheit Vorsorge treffen, datz die Lösun'g ihrer Aufgaben nur solchen Köpfen, Herzen und Händen anvertraut wird, die „offenkundig auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen." j(§2 der Wahlordnung für die Kenessio Gedaulo.) j Ueberflüssig wäre diese Vorsorge nur dann, wenn j auch die Betonung des Aguda-Programms, jüj dische Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora 'zu lösen, überflüssig wäre, wenn jede andere! Mung jüdischer Gesamtheitsaufgaben als im Geiste der Thora in der Gesamtjudenheit als das erkannt und empfunden würde, was sie im Geiste der Thora ist: als eine Trennung der SeeA vom Körper, als ein selbstmörderischer Ätt, der die jüdische Volksseele ihres Körpers und den jüdischen Dolkskö'rper seiner Seele beraubt. D*'e geschichtlichen Vorgänge der letzten hundert Jahre haben aber dahin geführt, datz diese Erkenntnis und Empfindung, die ehedem geistiges und seelisches Gemeingut aller von einer jüdischen Mutter geborenen Menschen war, zu einer — orthodoxen Parteisache wurde, der man es gnädig überlätzt, im Schotze des Gesamtjudentums um ihr Lebensrecht zu kämpfen, in der stillschweigenden Voraussetzung, datz es ihr ja! doch niemals gelingen werde, über ein bescheidenes Plätzchen an der Sonne hinaus in den beherrschenden Mittelpunkt alles Wollens und Vorbringens der jüdischen Gesamtheit zu gelangen. Diese geschichtliche Entwicklung ignorieren und so tun, als ob in der Wirklichkeit des heutigen Judentums alles in bester und schönster Ordnung wäre, als ob die in Gott und Gottes Gesetz wurzelnde, Einheit des Judentums nun auch tatsächlich in den Niederungen der Wirklichkeit so konkret lebendig wäre, wie sie ewig unaufheblich und unangreifbar auf den Höhen der Idee verharret. das hietze denn doch.einer schillerndes Illusion zuliebe das asistrge Schicksal der jüdischen Gesamtheit. dem Ungefähr politischer Parteikämvfe preis geben, das hietze an die Stelle der eindeutigen Wahrheit die zweideutige Lüge, an die Stelle der Propheten die Diplomaten, an die Stelle der Religion die Politik setzen. Denn darüber müssen wir uns doch alle von vornherein klar werden: Mit der „weiteren Matzgabe" der Wahlordnung für die Kenessio Gedaulo, datz der Wählbare „in seiner ganzen Lebensführung offenkundig auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen mutz", und datz die Zentralstellen der Landesorganisationen auf das Ersuchen der ihrem Lande angehörenden Mitglieder des rabbinischrn Rates verpflichtet sind, die Wahlberechtigung und hie Wählbarkeit mit Wirkung für ihr Land „an weitere einschränkende Voraussetzungen zu knüpfen" — mitdiesenVestimmungender §§ 2 u. 3 der Wahlordnung steht und fällt die Existenzberechtigung der Agudas Jisroel. Wohl kann und wird die Aguda weit ihre Tore öffnen, um alle Glieder der jüdischen Gesamtheit, die sich noch irgendwie mit _ 28. Juni 1923 dem Aufgabenkreis der Aguda innerlich verbunden fühlen, zum äutzeren Anschlutz und zur allmählichen inneren Angleichung an ihre Organisation einzuladen. Wie die jüdische Ortsgemeinde sich niemals als eine Zunft von Auserwahlten, sondern als einen Schmelztiegel begriff, in dem auch die Fernen und Fremden, auch die im Drange des Lebens mit Schlacken Behafteten zu einem Leben in Thora und Gottesfurcht geläutert werden sollen, so wird auch die jüdische Weltgemeinde der Agudas Jisroel die erzieherische Kraft des Thorageistes an Erziehungsbedürftigen zu erproben haben. Umso aufmerksamer und energischer wird aber die Aguda stets darüber zu wachen haben, datz ihr Erziehungswerk sich „offenkundig auf dem Boden des 'gesetzestreuen Judentums" bewegen und nicht Erziehern ausgeliefert werde, die der Eichung „offenkundig" selber noch bedürfen. Analphabeten der jüdischen Gesinnung und Lebensführung könwir an der Spitze der Aguda nicht dulden, auch wenn ihre sonstigen Fakultäten sie zu einer Führerstellung in Israel durchaus prädestinieren würden. Denn es sind nun einmal die wirklichen Menschen, die den wirklichen Geist einer Körperschaft gestalten. Von ihrer religiösen Qualifikation absehen,das hietze nach zionistischem Vorbilde die Religion zur Privatsache machen. Der Aguda ist aber Religion nicht Privatsache, sondern ihr ist jede Privatsache Religion. Sie würde sich darum selber verneinen, ja, sie würde l sich neben der zionistischen Organisation in eine I überflüssige und die Interessen der jüdischen Eei samtheit, die heute mehr als je nach Zusammenfassung aller Kräfte schreit, schädigende Hypertrophie verwandeln, wenn sie auf die §8 2 und 3 ihrer Wahlordnung verzichten wollte. Klar und gerecht Denkende müssen und werden einsehen. datz diese einschränkenden Wahlbestimmungen nichts weniger als persönlichen Hatz gegen Andersdenkende atmen. Denn haben sie einmal die Vorfrage der Notwendigkeit einer thoratreuen Organisation bejaht, dann müssen und werden sie auch die weitere Frage bejahen, ob diese Organisation verpflichtet ist, Matzregeln zum Schutze ihrer Thoratreue zu treffen, die ja in ihrer letzten idealen Wirkung auch Denen zugute kommen sollen, die von der Wählbarkeit zur Kenessio Gedaulo ausgeschlossen werden. „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, vielmehr zur Rede stellen, wiederholt zur Rede stellen sollst du deinen Nächsten." So heitzt es in der magnachartabet Agudas Jisroel. Nicht aus dem Gefühl des Hasses gegen die dem Thorageist Entfremdeten, sondern aus Liebe zu der im Dienste Gottes geeinten jüdischen Gesamtheit.. aus Liebe zu der in Gott und Gottes Gesetz wurzelnden Einheit des Judentums hat Agudas Jisroel ihre einschränkenden Wahlbestimmungen zur Kenessio Gedaulo getroffen. Man liebt nicht die Irrenden und Verirrten, indem man über ihren Irrtum schweigend hinwegschaut und ihre Verirrung im Vewutztsein aller zu einer unabänderlichen Tatsache sich verhärten lätzt. Nur der Hatz lätzt den Irrenden in seinem Irrtum verkommen. Die Liebe ruft ihn, zurechtweisend, wiederholt zurechtweisend, zur Wahrheit zurück. Mögen die von der Wählbarkeit Ausgeschlossenen auch noch folgendes bedenken. Nach § 1 der Wahlordnung ist jeder männliche Jude wahlberechtigt. Demnach sind unsere gesetzestreuen Frauen nicht nur von der Wählbarkeit, sondern auch von der Wahlberechtigung ausgeschlossen. Wie diese Ausschließung der Frau nicht aus Hatz gegen die Frau, sondern aus Liebe zum Gesetz erwuchs, das jedes öffentliche Amt in Israel dem Manne vorbehält, so war und ist es nur die Liebe zum Gesetz, 'öie der Aguda die Pflicht der Vorsorge auferlegt, datz auch unter den männlichen Juden nur die im Geiste der Thora hierzu Berufenen zur Lösung der jüdischen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora delegiert werden. (Fortsetzung folgt.)

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