Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1923)
- Date
- 1923-06-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Blätter Nr. 12 Seite 3 28. Juni 1923_ Agudas Jisroel in Holland. Von einem Agudisten. (Uebersetzung aus Nr. 51 des „Nieuw Jsraelietisch Weekblad" in Amsterdam.) Wir haben in unserer vorigen Nummer einen Bericht veröffentlicht bezüglich der Gründung einer Agudas Jisroel-Jugendgruppe hier, die die Absicht hegt, sich an die Agudas Jisroel-Weltorganisation anzuschließen. Wir haben dabei in Erinnerung gebracht, daß bereits früher eine solche Gruppe hier bestanden hat, die indessen unlängst aufgehoben wurde. Mit dieser Erinnerung haben wir am allerwenigsten dem Trachten der energischen; jungen Leute, die, nicht entmutigt durch das Mißlingen der ersten Agudas Jisroel-Jugendbewegung in Holland aufs Neue unter der jüdischen Jugend einzuführen, Abbruch tun wollen. Ganz ohne Grund war dennoch diese Reminiszenz ebensowenig: die Erinnerung an die erst« Gruppe, die mit so großer Begeisterung gegründet, so schnell der Natur den Zoll bezahlen mußte, war nützlich, um die Initiatoren dieser neuen Bewegung aus dasjenige hinzuweisen, was die Vorgänger zu erreichen trachteten, ohne günstiges Resultat. „An homme averti en vaut deur" und „wer sich an einem Andern spiegelt, spiegelt sich sanft." Es würde sehr traurig sein, wenn diese zweite Agudas Jisroel-Bewegung ebenso im Sande verlaufen würde, wie die erste, und deshalb war es nützlich, darauf hinzuweisen, daß es nicht so schwer ist, eine Agudas Jisroel-Gruppe zu gründen, als eine solche in Stand zu halten und zu blühendem Leben zu führen. Wir sind mit unserer Erinnerung an das Vergangene einem allerhöchsten Vorbild gefolgt, dem Vorbild der Thora, die das Hauptstück des Gottesdienstes am Versöhnungstage cmleitet mit der Erinnerung: Dieses Hauptstück wird' den Priestern mitgeteilt: pntf ’OD W H1D 'NNK nach dem Tode der beiden Söhne Arons, welche Beifügung dem Midrasch zufolge bedeutet: Denkt daran, Priester, der Priesterdienst hat einmal zwei vielversprechenden jungen Männern das Leben gekostet: Verfallt nicht in die Fehler eurer Vorgänger, damit euch nicht dasselbe Los zuteil werde. So wollten wir mit der in der jüdischen Literatur vielgebrauchten „kurzen Andeutung" den neuen Agudas Jisroel-Männern zurufen: „Wenn ihr eure Pläne glücken sehen wollt, dann hütet euch davor, denselben Weg zu betreten, der bereits eingeschlagen wurde und nicht zu dem Endzweck geführt hat." * * * z Die erste Agudas Jisroel-Bewegung schmückte sich mit dem Namen Agudas Jisroel, führte die Flagge Agudas Jisroel, aber es war eine Flagge, die die Ladung nicht deckte. Agudas Jisroel ist der Bund, der alle jüdischen Probleme lösen will im Gei st e der Thora« Agudas Jisroel erkennt durch diese Formel an, daß es jüdische Probleme gibt, die Lösung erfordern. Um die Lösung zu finden, muß über die Frage nachgedacht, gesprochen und dann debattiert werden. Das war jedoch in der unlängst zu Ende gegangenen Agudas .Jisroel- Eruppe verboten; die jüdischen Probleme dursten nicht berührt werden, die Gruppe mußte ihnen gegenüber einen vollkommen neutralen Standpunkt einnehmen. Agudas Jisroel steht indessen am allerwenigsten den jüdischen Problemen neutral gegenüber; sie will dieselben lösen und zwar im G eiste unserer Thora. Und da unsere Thora nicht neutral ist, kann Agudas Jisroel ebensowenig neutral sein. Und weil sie neutral sein wollte, hatte sie als Agudas Jisroel keine Lebensfähigkeit. Sicherlich, es waren Männer unter der Gruppe, die die wahre Agudas Jisroel-Fahne erheben, die Farbe bekennen wollten, aber sie fanden keine Stütze bei ihren Mitleitern. Man wollte aus Agudas Jisroel eine Vereinigung für Thora st udien machen, für intensive Thorastudien, sagte man. aber hierfür war keine neue Vereinigung nötig. Die Thoravereinigungen, auch für die Jugend in unserer Gemeinde sind, Gott sei Dank, Legion,' und jeder kann da seine Befriedigung finden, gleichviel, ob er intensive oder weniger intensive, altmodisch oder weniger altmodisch zu studieren verlangt. Und da nun einige Leiter der Agudas Jisroel-Gruppe eine leitende Stellung in einer solchen» Thora-Jugendvereinigung erworben hatten, waren die Tage der Agudas Zisroel-Gruppe gezählt. In der. Tat war "das Ueberfmssige der Gruppe bewiesen. Das war das Ende. Und eben darum wiesen wir aus das Vergangene. Wenn eine Aguda-Gruppe sich also gegen die Gefahr der Neutralität und der Vogelstraußpolitik zu schützen sucht, in Hinsicht auf die belangreichsten jüdischen Probleme, dann gehört es sich bei der Stellungnahme, den richtigen, den ursprünglichen Agudastandpunkt zu wählen. Der Agudagedanke wird, wie wir bemerkt zu haben glauben, von Vielen, unter welchen auch Agudaleitev sind, mißverstanden. Ein Agudist schrieb uns einmal mit Bezug auf das Verhältnis zwischen Aguda und Misrachi: „Der Fehler des Misrachi ist, daß er in der zionistischen Organisation bleibt; wenn sie sich morgen davon losmachen, können wir alle Misrachisten werden." Das ist jedoch nach unserer Auffassung ein grober Irrtum, eine ernstliche Verkennung des Charakters, sowohl der Aguda. als auch des Misrachi. Wer meint, daß die Aguda nichts anderes sek, als eine Art selbständiger, von dem Zionismus unabhängiger Misrachi und eine Agudagruppe daher dieselben Ideale pflegen kann wich Misrachi, nur daß sie nicht dem Zionismus angeschlossen ist, versteht die Aguda-Jdee nicht, und wird, und sicher in Holland, die Aguda nicht zur Blüte bringen können. Zwischen Misrachi, wenn auch nicht dem Zkomus angeschlossen, und Aguda gähnt eine tiefe Kluft; die beiden Organisationen vergegenwärtigen zwei Welten. Nur wenn man dies begreifen will und die Grundsätze nicht verwirrt, hat die Aguda Daseinsberechtigung und auch Lebensfähigkeit. Wir werden die beiden einander gegenüberstehenden Prinzipien, sei es auch nur sehr kurz, auseinander zu setzen suchen. Der Zionismus will das jüdische Problem, d. i. das Problem der Judenheit, vertrieben vom väterlichen Boden und zerstreut unter allerlei mehr oder weniger feindlichen oder ihr fremden Völkern, mit all' den traurigen Folgen dapon, lösen durch diplomatische llnterhan^lungen, durch politische Mittel, durch jüdisch-politische Nationalisierung der Judenheit, die die Nationalität der Völker, unter denen sie wohnen, angenommsi haben. Die Misrachi weicht von diesen zionistischen Idealen auch nicht um Haarbreite ab. Auch für Misrachi liegt das ausschließliche Heil des jüdischen Volkes in der Gründung eines jüdischen Staates von 2 oder 3 der 13—14 Millionen Juden. Dies ist auch für Misrachi die Lösung des Judenproblems, und ohne dies ist das Judentum dazu verdammt, zu verschwinden. Misrachi will das jüdische Gemeinwesen nach dem Thoragesetz verwaltet sehen, doch diese Forderung kommt erst an zweiter Stelle. Hauptsache ist auch für Misrachi die jüdisch-politische Staats - und Volkseinheit inmitten der übrigen Volksu n'd Staatseinheiten der Welt. Diese Staatseinheit muß in Palästina gebildet werden. Dies war nicht die ursprüngliche Idee von Herzl, -denn dieser . Journalist! — man kennt das Wort, daß die Journalistik zu Mlem führt — bekam als Auflösung der Judennot eine Eingebung: „Wir müssen irgendwo die Mehrheit haben." Dieses „irgendwo" hat sich jedoch'auf Palästina reduziert. Mrsrachk will zur Erreichung seines Zweckes —» die Lösung des jüdischen Probleims — die Herstellung eines jüdischen Staatswesens — selbst die drohende Gefahr riskieren, daß in diesem Gemeinwesen des jüdischen Volkes die Thora offiziell mit Füßen getreten wird,' Misrachi nimmt dieses Risiko aus sich, weil auch ihr zufolge Israel ein Volk ist wie alle Völker, weil zu-, folge 'Misrachi Israel nicht geschaffen ist für die Thora, aber die Thora für Israel. Wir haben nur sehr kurz und unvollständig die Misrachi-Jdee wiedergegeben, aber deutlich genug, um den Abstand, den sie von der Aguda scheidet, anzugeben. . . (Fortsetzung folgt.) Jerusalemer Brief. Jerusalem, 25. Siwan. Die Landesorganisation der Agudas Jisroel in Erez Jisroel beabsichtigt, noch vor» der Kenessio Eedaulo einen palästinensischen Delegiertentag zu veranstalten, um die Delegierten für die Kenessio Eedaulo mit den Forderungen der Landesorganisation bekannt zu machen. Bei dem hiesigen Agudabüro laufen täglich neue Anmeldungen aus ganz Erez Jisroel ein« Bemerkenswert ist die Tatsache, daß auch über 100 Agudisten aus Bagdad (Mesopotamien) ihre Wählerlisten für die Kenessio Eedaulo einsandten. Es steht zu erwarten, daß 5—7 Delegierte Erez Jisroel auf der Kenessio Eedaulo vertreten werden. Anläßlich des 25jährigen Todestages von Rabbi S. Mohilewer fand in der Churba des Rabbi Jehuda Hachosid eine Gedenkfeier statt, bei welcher außer Rabbiner Kuk auch noch religiös ganz linksstehende Schuldirektoren zionistischer Schulen Ansprachen hielten. Die Orthodoxie, und nicht nur die agudistische, empfand dies in ihrer überwiegenden Mehrheit als einen Affront schlimmster Art gegen die bisherige Tradition, welche keinem religiös Linksstehenden das öffentliche Wort an geheiligter Stätte gestattete. Da die Gegenseite eine tätliche Störung der Feier durch die Orthodoxie befürchtete, wurde die Feier unter dem Schutze eines starken Aufgebotes englischer Polizisten abgehalten; eine Handlungsweise, die, wenn sie von der Aguda ausgegangen wäre, ihr leicht nach berühmten Muster den Vorwurf des „Verrates" zugezogen hätte. Im übrigen hatte Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Sonnenfeld die ihm nahestehenden Kreise ausgefordert. sich jeder Tätlichkeit zu enthalten und ihrem Protest gegen die Profanierung der Synagoge lediglich durch Absens von der Feier zum Ausdruck zu bringen. Peinliches Befremden erregt es hier, daß das misrachistische Organ „ Hator " die Anregung des amerikanischen Rabbinerverbandes, zwischen Agudas Jisroel und Mistachi zu vermitteln, dazu benützt, um an leitender Stelle unter der Ueherschrift „Wir wollen den Frieden" einen Schmäh artikel gegen die palästinensische Agudas Jisroel veröffentlicht und nicht davor zurückscheut, das durch Wiederholung: nicht glaubhafter klingende Märchen auszuwärmen, daß zwischen der palästinensischen und der allweltlichen Agudas Jisroel tiefe prinzipielle Verschiedenheiten bestünden, welche wohl ein Zusammenarbeiten mit der allweltlichen Agudas Jisroel ermöglichen, nicht aber mit der „antinationalen verräterischen" palästinensischen Agudas Jisroel. Im übrigen weiß man hier, daß der „Hator" keineswegs das Sprachrohr öines quantitativ oder qualitativ beträchtlichen Teiles des Misrachi darstellt. Aus der Bewegung. Riga. Die hiesige agudistische Zeitung das „Jüdische Wort" veröffentlicht folgenden Aufruf für das Schulwerk der lettischen Lande so rganisation der Agudas Jisroel: Groß ist die Verwüstung auf den: Gebiete der Kindererziehung in unserem Lande, wie sollten wir ruhig mitansehen, wenn unsere Jugend ohne Thora und ohne Bildung aufwächst und von Menschen erzogen wird, die das Gottesgesetz von sich abgeworfen, den Sabbat entweihen und die Kinder lehren über alle unsere Heiligtümer zu spotten. Wenn wir jetzt nicht für eine orthodoxe Erziehung aus dem Boven der Thora sorgen, ist unsere Zukunft Gott behüte verloren, deshalb hat die lettische Landesorganisation der Agudas Jisroel Schulen mit dem' Motto „Thora und Derech Erez" gegründet, deren Aufgabe es ist, die jüdischen Kinder zu Volljuden im Geiste unserer heiligen Thora zu erziehen. Wir haben bereits in mehreren Städten mit Gottes Hilfe unsere Schulen mit Erfolg gegründet, doch ist noch ungeheure Arbeit zu leisten, da noch vielen Kindern in unserem Lande bisher jede Möglichkeit fehlt, von thoratreuer Seite unterrichtet zu werden, darum haben wir in Riga eine Schulzentrale der Agudas Jisroel gegründet und bitten alle Gesinnungsgenossen, uns in unserer Arbeit zu unterstützen. Unser Appell an Euch alle lautet: Rettet unsere Kinder aus den Händen der Gottesleugner! Gründet Schulen nach dem Typ „Thora und Derech Erez." Habel den Mut, mit der Arbeit zu beginnen! Unsere Zentrale wird Euch nach besten Kräften unterstützen. Landeszentrale der Agudas Jisroel in Lettland. Halberstadt, 14. Juni. Abgeordnetenmandate sind bereit zu übernehmen: Leopold Loewenthal, Frankfurt a. M., David Lehmann, Fürth, Dr. Wilhelm Freyhan, Breslau, Leopold Oppenheimer, Frankfurt a.- M. New-Pork. Auf Aufforderung der Leitung des Central-Relief-Committees entsandte die amerikanische Landesorganisation der Agudas Jisroel das Mitglied des hiesigen Agudabüros, Herrn Rabbiner B. Garfinkel, als Vertreter der Agudas Jisroel in das Central-Relief- Committee. Pretzburg. Am 11. Tamus (25. Juni) fand hier der Delegiertentag der Agudas Jisroel Landesorganisation für die Slowakei unter starker Teilnahme aus allen Teilen der Tschecho-Slowakei» statt. Die Tagesordnung umfaßte folgende Punkte: 1. Berichte der Leitung und der Gruppen; 2. Beteiligung an der Kenessio Eedaulo und Stellungnahme zu den