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Der Israelit · 1923-06-28 · Heft 26 (28.6.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 26 (28.6.1923)
Date
1923-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 26 Ger I s-r g elij Ein Jatzx nach dem Rathenaumorde. feinen Kaddosch wird man sagen, keine rpirh man singe»; . . Wr wissen nicht, ob für Waller RathMsi jemand' Kaddisch gegefaqt, aber RaLihencssis §rste Iahrzeit wurde vfin Millionen in beschaulHem Gedeykpn geholfen,' wurde von P e u fs ch l cs n d gefeMh, vdn oem Deutschland, dys W der Zeiten sich sipch den Trost der Feistigkeit ijitb den Sinn für das, was ein Volt zum Volke machte erhaften bat. Bei der Frankfurter Gedenkfeier des Demoksaftschesi Pereiris am Sonntag, den 24. Iünr! 'Weß der Mg. Pfarrer Appell sn seiypr von wgr'Mn Menschlichen Impusiesi. getragenen GehächMsrede an der politischen, wirtschaftlichen und MDsischtzN Usit^rbilanz des verflossenen IMFs'H Kr'sMtlernder Weise nach, wie irrig bei; ylyde FanatississiS kalkulierte, da er meinte,, mjt der „Befeiftgung des jüdischen Ministers" dem deutschen Volke den Weg zum Wiederaufstieg freizulegen. Ayf die Frage, worin die Kraft Ratten aus lag, antwortet Korell mit Worten, die wir auch dann weiterverbreiten muhten, wenn sie nicht einem unserer Stämmesgenossen gälten: „Was Rathenau über die Alltäglichkeit so weit emporhob» war sein Wesen. Wir sehen hier einen Herrscher der ganz auf das Diesseitige eingestellten Industrie mit semem Geist und seiner Seele auf den Pfaden des Unsichtbaren, des Transzendenten, des Ewigen wandeln. „ Gespeist mit der Nahrung der antiken Weisheit und der Heiligen Schrift, wußte Rafhenau um die Geheimnisse, die hinter der Sinnenwelt sind, und kündete kraft seiner Intuition prophetisch von kommenden Dingen. Daß im individuellen wie auch üil kollektiven Leben das Ge setz von Schuld und Sühne walte, war eine seiner Grundüberzeugungen, doch hat er niemals und nirgends über einen Menschen überheblich den Stab gebrochen; von grenzenloser Milde und Güte hat er selbst dort, wo ihm Haß und Feindschaft entgegenschäumte, die Meisterschaft des Verstehens bewährt, hat er sich vor der Tragik schicksalhaften Geschehens immer in Demut gebeugt." Ueber die Tragik des Geschehens und den Geist, aus dem es geboren ist, sagte der Redner der Berliner demokratischen Gedenkfeier, Mlnister a. D. Hugo Preuß u. y.: „Nicht die Tat, nicht die Verbrecher sind unsere schwerste Sorge, sondern der noch weit verbreitete Glaube, der den nationalen Gedanken in verbrecherischen Irrsinn wandelt, der eine Tat der Vaterlandsliebe darin sieht, wenn Deutschland geschändet und geschädigt wird, der den Juden als Fremdstämmigen und als nationalen Schädling brandmark;. Gewiß hat das Ausland, dessen Werk solche Ausbrüche deutscher Verzweiflung zum größten Teil sind, kein Recht, sich mit Schaudern von uns abzuwenden. Aber die Hauptschuld trägt eine skrupellose Agitation die ihrer gutgläubigen Gefolgschaft das Unmöglichd" hlaübhäft'zu^inLchen Nrsteht, LStzein Deutscher der Feind seines deutschen Volkes sein sssi. „Gr ist M Deutscher, er ist m JMs" DM M Jude so durch und durch deutsch, nM nur m der Gesinnung, sondern in vielen' Vorzügen und sogar in manchen Schwächen seiner Veranlagung. So fehlte ihm vor allem — wie dem Deutsche fast allgemein — das elementare politische Temperament, lleberlegung ' WM M,.aus ,Mjl' wirtschEW WsM MU B.W in"'sH polsMe Aren^E'Mhglb besgß er auch nicht? von dem upMKsigen Hqß dxs robusten, biomo pollticus gegest den polststch Andersdenkenden, den er vielisteyr in serster Art zst erkennen und m seinen Gedanken zu verstehest dauernd bemüht war. {Spj wgr zp sehr RuWrmenfoh, um' zum Parteimenschen zu werden. Immerhin entsprangen aus diesen Schwächest und Hemmungen gerade die Eigenschaften, die ihn zum Staatsmann machten, der turmhoch über dem Durchschnittspolitiker steht." All das klingt gar sehr an unser jüdisches Herz, usih wi; dsirfen dsibei unsere Worte hei der ersten entsetzlisHep Kstjlde von den; Wrdk in Berlin vor einem Jahre noch einmal in Erinnerung ryfey. So fern upd so ftemd Rathenau den geistigen Schätzen des jüdischen Volkes gegenüb prstasid — hatte e; jq MMsils EielegeWit qehabtz Jüdisches anhers zu sehen als durch me Brille der radikalsten Assimilation —, so lebte doch undewüß'k in tzm'em Innern ein Stück erhier jüdischer Geistigkeit, jener von der. Sehnsucht nach Gott durchdrungene Idealismus de; Weltbetrach^ung, der an der handfesten Wirklichkeit bes mechanischen Geschehens nimmermehr sein Genüge findet. Diesen Zug nach den; Höchsten, verknüpft mit all den seltenen Gasten seines Geistes, wollte Rathenau in den Dienst seines heißgeliebten Vaterlandes stellen. Das ists, was ihm heute, ein Jahr nach seinem jähen Tode, von den Besten des deutschen Volkes nachgerühmt wird, das aber auch, was ihn in den Äugen der Änderen zum Juden stempelt, dem man auch nach dem tragischen Tode noch Steine nachwerfen darf. Der arabisch-englische Vertrag. Die in Palästina erscheinende „Palestine Weekly" ist, nachdem sich die englischen Regierungsorgane längere Zeit geweigert hatten, den Wortlaut des mit dem König Hussein abgeschlossenen Vertrags zu veröffentlichen, nunmehr endlich offiziell in den Stand gesetzt worden, einen Auszug aus dem bedeutungsvollen Dokument zu bringen und vor allem den Wortlauf des für uns wichtigen Artikels 2 bekanntzugeben. Der Tert dieses Artikels lautet: ,^'Seine britannische Majestät erklärt sich bereit, die Unabhängigkeit der Araber in Irak und Transjordanien und die arabischen Staaten der arabischen Halbinsel mit Ausnahme von ^rnr-Ti Wßwm 5«Ü^*ü AktireM ayß Jesaja. Von Rabb. D. Bl. Cohen in Berg». (Fortsetzung). 13. „Bringet mir nicht weiter falsches Mehloyser; Räuchermerk — es ist mir'ein Greuel; Neumond und Sabbat, Versammlung berufen, — ich kann es nichi leiden, Unrecht und Festfeier/ ' Mit dem Mehlopser kann der Aermste, her nicht 'Mit Opfern pMsiken kann, nach dem Worte unserer Weifen seiner Seele tzmgäbe versinnbildlichen. Doch in Israel war zu Jesajas Zeit selbst aus' den Armen und Bedürftigen jener religiöfeErnst geschwunden, mit dem man vor Go.tt güte Werke tun soll. Das Räucherwerk soll die Gedankensünden sühnen und mutz, wenn aus niederen Motiven gespendet ist, Gottes desto tieferen Abscheu Hervorrufen. Neumond und Sabhat in der Gestalt, wie sie von entarteten Generationen gefeiert werden, sind Gott unleidlich. Die Versammlung vielen Volkes ist sonst des Allkönigs Ehre. Geschieht sie aber ohne gleichzeitigen Eifer im Befolgen der Selbstverständ-1 lichkeiten ehrlichen Handels und Wandels, geschieht sie vielmehr zur Bemäntelung eines durch und durch korruptest Alltagslebens voller Machtmitzbraüch, so ist sie untragbar für Gott, der sonst alle Verfehlungen verzeiht. In diesem ersten Kapitel des Buches Jesaja finden wir als die Ursache dafür, daß selbst die dem Gottesgesetz? Treuen nicht Gottes Maste fandan, ihre Unzulänglichkeit in den Pflichten zwischen Mensch und Mensch bezeichnet; im Schlutzköpitel sindet die ganze Menschheit den Weg zu Gottes Huldigung „an jedetzi Sabbat und an jedem Neumond", — nachdem jegliche Sünde, menschlicher oder religiöser Art, aus der Welt gewichen ist. Hieraus ersehen wir die Einheit und die erziehende Richtung des ganzen Buchts. — 14. Eure Monate und eure Fest? haßt meine Seele, waren mtt zur Mühe; ich mag nicht mehr sie tragen." Die Unempfindlichkeit gegen Gottes Sttafen verursacht Gott Mühe, Sttafen zu suchen, mit denen der an Festen besonders, grelle Uehermut des Dostzes gebrochen werden kann. Nied er gebrochene Bö lker, die über ihren Kummer hinwegtaumeln wollen, sind zu allen Zeiten ein grauenvoller Anblick. Run erst Gottes Feste zu solchem Taumeln herabzuwürdigen. ist eine schlimme Verkennung religiösen Gesetzlebens. Jy solchen Zeiten konnten gerade dre Feste Gelegenheit zur Umschau in den Gebrechen des Staats- und Familienlebens geben. 15. littb wenn ihr eure Hände ausbreftet, verberge ich meine Augen vor euch; selbst wenn ihr viel "betet, höre ich nicht. Eure Hände sind voll Blut." Zu wirklichen Mördern hat Jesaja nicht allein gesprochen. Das' entspräche nicht seiner Anrede an Aden anzuerrennen und zu unrerfll’H' fe Palästina berrikft, Jo 'Hat seine )rftan»»»sche^ MaieWsHon^ ver^chert. dH in fött,' wgs die bfr Mbischen Gemeinschaft Pefnträchtigen kösiptß. In dem Falle, AH W Negierungen eiy.es oster sßmMcher stjeser Wsti'ete den Wunsch, aus- Uuchsi, fsi eine GeWinschaft für ZMe oder qnhe;e Awecke der Aussicht styf eine eventuelle Eonföderajrosi eip- Mftekesi, rflffd seine britannische Dsaiestäf a;if Hfsichen hex Letejlfgfen Parteien - seine gut^n Dienste zur Verfügung stellen, uP ihren -Wsinsch zu fördern. Seine Majestät König Hussein erkennt die besondere. Stellung feiner britqpnischesi Maleststt ist Irak, TransjorhaMsi üph PqMtjua afl sind pe;fichert. datz iß spWn Dssigep, hie dem Einfluß semer Msiieststi isihezsiß sisif htzse Länder unterliegen, e; sei»; PWtz tust Wird, um mit seiner britannischen Wgjestä; be; Pr Erfüllung seiner Verpflichtungen'zu; MsireHsiwirken.H' Liest man diesen Verttag, so ist es vgn vornherein schwe; begreiflich, aus welchen Gründen oie palästine,»fischen Araber mtf solcher Erbittprung gegeß"das von König Hussein getroffene AhkMchen Stprm laufen. Sicherlich haben die Verfasser des Schriftstückes sehr genau gewußt, was sie tafen. als sie den dritten Satz des Ärtikels 2 hinter und nicht vor den Pastus stellten, der sich auf Palästina bezieht. Durch diese Änordnung ist das heilige Land nicht nur für eine Zollunion, sondern auch für eine weitergehende, stark ins Staatspolitische hinüb erspielende Gemeinschaft mit den» großen arabischen Staatenbund bereitgestelft. Mit dieser Tatsache muß fortan gerechnet werden und je entschiedener und konsequenter dies geschieh^, desto besser für die jüdischen Interessen. Die Erregung, die das Bekanntwerdeu des Vertpages in den radikaljfidischen Kreisen Palästinas ausgelöst hat, ist genau ebensowenig berechtigt, wie der Sturmlauf der arabischen Chauvinisten. England wird seine militärisch-politische Oberhoheit über Palästina sobald gewiß nicht preisgeben; allein es gibt Formen genug, unter denen bei stritter Aufrechterhaltung dieser nrilitäpsch-politischen Oberhoheit Palästina allmählich zu einem Verwaltungs- und Kulturbestandteil des arabischen Reiches werden kann. Wer den zionistischen Traum von dem durch diplomatische Machtmittel herzustellenden „jüdischen Palästina" ausgettäumj hat, wird in der Aussicht auf diese Entwicklung keinen Grund zur Hoffnungslosigkeit oder gar zur Verzweiflung „euch", an das ganze Volk. Auch kann das Gesetz, datz ein Priester, sobald er einmal einen Menschen, — selbst aus Versehen, — getötet hat, nicht mehr die Händd zum Pttestersegen erheben dürf, nicht der einzige Sinn der Prophetenrede sein. Ueberhaupt fehlen uns im Deutschen zsir Uebersetzung dieses Satzes die wMichen Worte fiir „tzqppeLW". uny „jedechen;". „Ka f" »st eigentlich nur die HaWfläche. „JüD dagegen auch der Unterarm, södatz der Sinn des Satzes gegen Ende hin bis zur Hyperbel gesteigert erscheint r „Ihr »vühlet" oder „rhr watet" im Blute der unschuldig hingechordeten Menschen." Bon einem solcheu Ueberhandnehmen gerade des Mordes hören wir aber sonst nichts aus der Zeit des Jesaja. Da h»er zwei verschiedene Worte für die „Hand" genannt sind, so dürfte mit dieser wohl dje Tätigkeit der Menschen üherhasiNt snmoolisiert fein. „Eyer ganzes Tun und LasM, »uft Jesaja feinen' Hope;n zu» „euer tägliches Erwerbsleben ist so rücksicktslys ufid fo hart gegen den im Däfemskampse Schwächeren, daß das Plut der Verschmachtenden über, euer Haupt kymrnf. Dabei dMM wir unwillkürlich an ßqs Opfer de; <$m ätufä. Di? AeltefiK utzd' Aygefehensten einer Stadt, »n deren Nähe e»n Ermordeter aufgefuuden wurde, waren,' wenn der Mörder nicht aufzufinden war, verpflichtet, hei dem Opfer -er Egla arufsiihreHändezuHyscheyund ihreUsilchuld zw ist selbsttedend; nur sollten sie nach Erklärung unserer Weisen mit diesey Worten bekennen, datz sie in ihrer Stadt, niemanden ohne Ernährung od.?r ohye Schutz, gelassen, also datz sie niemanden dem Verbrechen oder der eigenen Verzweiflung haben' anheim fallen lassen. Dies dürste auch der Sinn des Vorwufs

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