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Der Israelit · 1923-06-28 · Heft 26 (28.6.1923) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 26 (28.6.1923)
Date
1923-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. M., den Nr. 26 Ein Centralorgan (Or das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. . ende 1200 M. für . , iffregebühr 300M. »den Jnserataufträgen tarifmäßige Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Jnserätenannahme durch den Verlag des Israeli! G. m. b. H., Frankfurt a. M., Große Eschenheimer Straße 23, Telephon Hansa 8843 sowie durch sämtliche Annoncen-Erpeditionen des In- und Auslands. . Alleinige Inferatenannahme für Frankfurter Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestratze 3. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Abonnement ab .1. Januar 192ö: Deutschland 0^50 M. monatli^ (multipliziert ^mit^der jeweÜigen Schlüsselzahl des Börsenvereins): 2. Vierteljahr 4350 12S0.Mi-.: g1tift-9lnrt »1- 9. «Rti>r+f>Tifthr!* Kinn . . . aril 1000 M., Mai Deutsch-Lsterreich: 2. Vierteljahr': 5100 M. (April 1200 M., Mai 1800M, IMAOO M.H; Polen: 6700 M. (April 1400 M., Mai 1700 M., Juni 2600 M.j (deutsche Währung). 7— Nur Vierteljahrs-Abonnements: Tschecho-Slowakei 18'«., Ungarn 600 K., Jugoslawien M Din. s Rumänien 28 Lei; Holland 2 fl.; Belgien 7,60 Fr.; Frankreich 6 Fr.; Schweiz 2,A) Fr.; Italien '10 Lire; Skandinavien 4 «.; England 2 sh..6 p.; Amerika 0,76 Dollar. ■ '' ••Einzelnummer 500 M.^■ lahlunaen direkt ar^er^8erlag auf ^osts^e^öntö^ranifurt (Äain^tr^OM^^^ußerdem ^üric^Rr^WTM^^Sost^checkam^Amsterdanr^rr^^M^^^Böhnris^e^lnionLan^ir^Sra^?n?^östspärräsf^8re^^^8?l^^^Töstspär?äTenamt^8ü8Me^Är!^l8^^^Vö?tsche3äm^ . ~. - ~ ~ . ^Mliale^des^^^ene LLnc^^s^Lros^^Isn^L^o^^Bukare^^Mliale^des^viene^BaNwerein^ir^Ä^ram Vücher-Preife. Schlüfselz«rtzl (gemäß Festsetzung des Börsenvereins der Buchhändler in Leipzig) ab 2b. Juni: 8000. Der jeweilige Verkaufspreis ergibt sich durch Multiplikation der Schlüsselzahl mit dem Grundpreis. , Ladenpreis 5 er Prämienpreis für Abonnenten .Hirsch, Versuche (Choreb) geb. 8.— „ Gebete (Tefillo) geb. 12.— Lehmann, Samuel Ha-nagid. Schachnowitz, Merelaika. Luftmenschen ........ „ *■ Jenseits. „ Im Judenstaat der Chafaren . Judäus, Der Baalschem von Michelstadt . . Ausland: 200% Valutazuschlag. 9.- drosch. geb. 2.50 1.50 2.50 2.60 1*50 2.50 1.50 - 2.50 1.50 2.50 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag zuzüglich Versandspesen unter Nachnahme. Frankfurt a. M. Verlag des JSraelit G. m. b. H. Verständigung. Mn Wort für Mchtortöodore von Rabbiner I. A. Weinöerg in Hießen. m. Saget offen und ehrlich heraus, was Ihr wollt, oder richtiger, was Ihr nicht wolltst Erkläret und nennet die Momente, die scheidend und trennend zwischen uns liegen. Das. was uns vereinigt, was wir gemeinsam haben, wissen wir ganz genau. Aber weniger darauf kommt es an, (tte vielmehr zu ergründen, was Eures eigenen Zeichens ist, was Euch von uns trennt und sondert. Ihr fragt, warum? Einfach um die, Möglichkeit zur gemeinsamen Arbeit zu gewinnen. Denn mm dann kann von einer Gemeinarbeit auf der geeinten Basis die Rede sein, wenn es nicht mehr möglich sein wird. Verbotenes unter falscher Deklarierung bei uns einzuschmuggeln. Deutlicher ausgesprochen: Nur dann können wir gemeinsam Vorgehen, wenn wir di§ Ueberzeugung gewonnen haben, daß durch diesen Anschluß, bei minderkritischen Köpfen unter uns nicht der Sinn abgeschwacht wird für das, was uns teilt und trennt. Es darf und soll nicht unter dem Deckmantel der Einheilsphrase verborgen bleiben und verloren gehen das Eigenartige und Charakteristische des einen und des anderen Teils. Glaubet nicht, daß das nur eine Geste von uns ist, ein böser Trieb zu Zank und Hader. Es ist mehr wie naiv, wenn Ihr uns Moral¬ Das Inhaltsverzeichnis befindet stch am Schluffe des redaktionellen Teiles. predigten halten wollt über Einigkeit und Frieden. Wir wissen ganz gut, wie hoch und heilig all diese Friedensideale sind. Aber nicht minder heilig und lebenswichtig für uns, ist — leider — auch das, was uns scheidet. Und eben darum zittern wir, daß wir es nicht hintenanstellen, vergessen und verlieren. ■ Daran liegt es, daß wir so zurückhaltend sind. Wir wollen doch aus der Arbeitszusammenlegung profilieren, unseren Volksschatz vermehren, müssen aber befürchten. daß wir dadurch Teile unseres Grundkapitals verlieren und ärmer werden, statt uns zu bereichern. Wir wissen ganz gut, daß auf materiellem Gebiete uns durch die Zusammenarbeit Vorteile winken, denn auf Eurer Seite ist Energie, Fleiß, Opferwille und sogar heilige jüdische Begeisterung. Das alles wissen wir. Und dennoch! Sollen wir Euch, erzählen, welche Seelennöte uns durchschüttern, wieviel innerliche Kämpfe wir durchmachen, wie schwer und bitter wir unter dem unfreundlichen Verhältnis zum eigenen Bruder leiden?! Allein, was soll diese Sentimentalität! Solange Ihr bleibt, wo Ihr eben seid und wir da verbleiben, wo wir sind und sein müssen, kann .es nicht anders werden, ist ein Zusammenkommen schlechthin unmöglich! Aber wo bleibt die Toleranz? Es ist leicht, einem Kinde zu sagen, es möge tolerant sein gegen diejenigen, die seine Mutter beleidigen. Toleranz! Kann der Bruder dem Bruder verzeihen, wenn er bei ihm Gleichgültigkeit, völlige Interessenlosigkeit für seine Leiden und Freuden merkt; kann man geduldig sein gegen den Sohn, der lieblos seine Familie, seine Mutter verläßt? Toleranz ist ein schönes Wort. Aber wir bangen um unsere eigene Haut. Mit dem Momente, da wir Euch Eure Indolenz übersehen, sind wir genau so indolent und lässig wie Ihr selbst. Ist Toleranz überhaupt ein Wort, das auch unter Eigenen anwendbar ist? Man ist tolerant gegen Fremde, außerhalb Stehende, im eigenen Kreise sagt das Wort zuviel und garnichts.- Man kann seinen Bruder lieben oder sich im Zorne von ihm abwenden, aber keineswegs gegen ihn tolerant sein. Don meinem Bruder verlange ich — und ich bin zu der Forderung berechtigt —, daß er mir die Möglichkeit nicht raubt, ihn brüderlich zu lieben.. Hat es aber der Bruder darauf angelegt, daß ich mich von ihm abwenden muß, dann verwandelt sich naturgemäß die brüderliche Liebe in flammenden Zorn. Ich kann dem Bruder den Schmerz nicht verzeihen, den er meinem Bruderherzen verschafft hat. Tolerant zu ihm kann ich nur dann sein, wenn die Wunde im Herzen gänzlich ausgeheilt ist, was aber nicht gut möglich ist, solange noch ein Funken von Bruderliebe darin glimmt. Was ich damit sagen will, ist, daß tolerante unfromme Menschen von ihren frommen Brüdern nicht im gleichen Maße Toleranz beanspruchen können, in Anbetracht dessen..daß der fromme Mensch eine ganz andere Psyche, eine andere weit kompliziertere Seelenverfassung hat. Die religiöse Natur ist schon an sich dem Begriff Toleranz weniger zugänglich. Gewiß nicht infolge beengten Horizontes, wie Uebelwollende meinen, sondern einzig und allein deswegen, weil seine Beziehungen zu seinen Ideen, zu seiner innerlichen Welt eben andere sind wie bei Nichtreligiösen. ' Der religiöse Mensch lebt seine Gedanken und nährt sie mit seinem Herzblute. Sein Glaube ist nicht ein Idol zur Verschönerung oder Bereicherung des Daseins, er ist ihm vielmehr Kraftzentrum seines Lebens. Er lebt und bewegt sich lediglich in seiner geistigen Welt, und jede Störung, jede Disharmonie in dieser Welt stört den Gang seines Lebens. Wesen. Temperament, Charakter, Gefühl und Empfindung des religiösen Menschen sindbeeinflußt von seiner Einordnung in diese innerliche Welt. Deswegen meine ich, daß alle Führer, der Parteien, die auf ein Zusammenarbeiten mit der Orthodoxie reflektieren, sich erst all dieses vor Augen führen müssen und nicht einfach in dre Welt hinaus schreien: „Toleranz!" Zum Zusammengehen genügt es nicht, daß Ihr uns nicht verfolgt, uns nicht stört und uns in der Erfüllung unserer Gebote nicht behindert. Wir verlangen ein V e r st e h e n und M i t f ü h l e n. Wir verlangen, daß Euch nicht ftemd bleibe, was uns teuer und heilig ist, daß Ihr nicht kalt und gleichgültig zu dem stehet, was die Tiefen unserer Seele bewegt. Nicht Duldsamkeit, sondern Herzlichkeit; nicht Toleranz und Höflichkeit, sondern Liebe und Brüderlichkeit erheischen wir'von Euch., __(Fortsetzung folgt.) De« Nachdruck der Artikel und Korrespondenzen des Israelit ist nur unter genauer Quellenangabe und, soweit es stch um gröbere Aufsätze handelt, nur - - nach vorheriger Genehmigung gestattet. - - 1

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