Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1923)
- Date
- 1923-06-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 25 21. Juni 1923 wohnenden Völkern tätigen Anteil zu nehmen und gibt der sicheren Erwartung Ausdruck, daß bei alten Verträgen und Maßnahmen, die das Gebiet des näheren Orients betreffen, die volle Integrität des Palästinamandats garantiert und die besondere Stellung Palästinas als des Landes der jüdischen nationalen Heimstätte anerkannt wird. Es erwartet, daß alle mit der Neuordnung im Orient zusammenhängenden Maßnahmen, die die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas oder die Interessen der nationalen jüdischen Heimstätte direkt oder indirekt berühren, vor ihrer Inkraftsetzung! gemäß den Bestimmungen bes Mandats mit bet Zionistischen Organisation als Iewish Agency erörtert werden." Eine weitere Resolution stellt fest, daß nach Berichten aus Palästina eine Reihe berechtigter Forderungen und Beschwerden der jüdischen Bevölkerung Palästinas, welche der britischen Regierung und der palästinensischen Verwaltung durch die Zionistische Exekutive unterbreitet worden sind, bis jetzt keine befriedigende. Erledigung gefunden hätten. Das A. L. erneuert daher seine Forderung, daß die Exekutive energische Schritte; unternimmt, um bei allen in Frage kommenden Instanzen die Regelung der erwähnten Forderungen und Beschwerden zu erlangen. vre lödfccften Deutschen im Kuvrgeviet. Düsseldorf, 15. Juni. Die C.-V.-Zeitung veröffentlicht folgenden Brief des Herrn Regierungspräsidenten Grützner (Düsseldorf), zurzeit Barmen, der ihr vom Empfänger zur Verfügung gestellt worden ist. „Ich muß es auf das Schärfste mißbilligen, wenn es eine gewisse Presse fertig bringt, die jüdische Bevölkerung Düsseldorfs einer franzosenfreundlichen Gesinnung zu zeihen. Im Gegenteil habe ich sestzustellen, daß sich die jüdische Bevölkerung 'aller Schichten nicht nur während des Ruhreinbruchs, sondern aüch bereits vorher gegenüber den Besatzungsmächten durchaus einwandfrei benommen hat. Ich bestätige Ihnen ferner, daß die Führung der sonderbündlerischen Bestrebungen in Düsseldorf auch nicht im geringsten in jüdischen Händen liegt. Ich werde nicht verfehlen, bei jeder Gelegenheit, insbe-' sondere bei Vorträgen im unbesetzten Gebiete, zum- Ausdruck zu bringen, daß die Verdächtigungen, die der „Eollnower Anzeiger" und die „Deutsche Zeitung" über die Haltung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Gebiet gebracht haben, aus den Fingern gesogen sind." gez. Grützner. ' Obwohl bei allen ehrlichen Deutschen niemals ein leiser Zweifel aufkam und aufkommt, daß die jüdischen, Deutschen an Rhein und Ruhr genau so des Vaterlandes unsägliches Leid durchkosten und empfinden, wie die christlichen, es also der Erklärung des selbst ausgewiesenen Regierungspräsidenten Grützner garnicht erst bedurfte, ist sie deshalb von gewissem Nutzen, weil sie das gemeingefährliche Treiben deutfchvölkischer und gewisser deutschnationalerK reise, die auf die „Deutsche Zeitung" schwören, vor aller Oefsentlichkeit brandmarkt. Die ortftodexic im Selm. Warschau, 13. Juni. Am Freitag gab es im Sejm wieder eine sog. „jüdische Sitzung". Auf der Tagesordnung steht das Gesetz zur Abschaffung der religiösen Begrenzungen für Juden. Es sprachen Priluzki, der das Projekt als mangelhaft bezeichnet und dann von den Kommunisten Krulikowski, der zwar gegen die Reaktion ins Feld zieht und die jüdischen Rechte verteidigt, dann aber gegen die Orthodoxie in Polen und Rhr Organ „Der Iud" sich wendet und sie verdächtigt, die kommunistischen Schulen denunziert und ihre Schließung mitverschuldet zu haben. Dep., Kirsch braun erklärte in seiner Antwort, die Orthodoxie kämpfe gegen alles, was antireligiös ist, mit offenem Visier und bedarf des Mittels der Denunziation nicht. Er verweist Krulikowski an seine Gesinnungsgenossen in Sowjet-Rußland. „Wir kämpfen offen und ehrlich gegen alle bolschewistischen Bestrebungen in Polen und bedienen uns keiner Umwege." Im übrigen bittet DerIsraelit_ ' er Krulikowski, nächstens die Verteidigung der Juden und deren Rechte Anderen zu überlassen. Das Gesetzesprojekt wird an die Kommission zur weiteren Beratung überwiesen. Allerlei <w$ Polen. Warschau, 16.« Juni. In Sachen des Numerus clausus konnte die Bildungskommission in der letzten Sitzung zu keiner Einigung kommen. Bildungsminister Glombinski erklärte sich im Prinzips für den Ausnahmezustand. Die weitere Beratung wurde vertagt, bis der Ministerrat seine Meinung in der Sache geäußert hat. Auf dem Wege von Wongrowe nach Sklow wurde ein mit jüdischen Reisenden besetzter Omnibus von Unbekannten überfallen. Zwei Juden, Izchok Pagura, Familienvater und Eliefer Lias, ein Bräutigam, der diese Woche seine Hochzeit feiern wollte, wurden mit Revolverschüssen getötet. Die Angreifer waren nach Aussagen der anderen Reisenden in Militäruniformen. Wie amtlich bekanntgegeben wird, sind bis jetzt 20 000 Heimlose aus Warschau ausgewiesen und über die Grenze geschickt worden. Als Gegenmaßregel für schlechte Behandlung polnischer Bürger in Danzig werden von nun an keine Visen mehr nach Danzig ausgestellt. Die Verordnung trifft am härtesten die jüdischen Kaufleute. vie Zchechita in Polen in 6efaßr. Warschau, 16. Juni. Ein regelrechter Antrag mit längeren Ausführungen und Begründungen auf ein absolutes Schächtoerbot für ganz Polen wurde vom Deputierten der Rechten, D m o w s k i und Genossen im Sejm eingebracht. Wir hoffen, daß dieser plötzliche Ueberfall die polnische Judenheit und ihre Vertreter im Parlamente nicht ungerüstet findet. Eine neue Zeschiwov. CzerNowitz, 10. Juni. Der langgehegte Plan zur Gründung einer Jeschi w o h in der Hauptstadt der Bukowina ist zur Ausführung gelangt. Den Grundstock bildete die schon seit langem bestehende Talmud Thoraschule, in der 1200 Kinder ihren Unterricht genossen. Sie wird jetzt durch Angliederung von Oberabteilungen zur I e s ch i w o h ausgebaut. Als Jefchiwohleiter ist der bekannte Stanislauer Rosch jeschiwoh, Rabbi Iekutiel Kamelhaar, gewonnen worden. eUauen. 7ni weiteren Kampfe um den gfteder. Kowno, 10. Juni. Wie oorauszusehen war, ließ man es auf der linken Seite bei dem auf der letzten Plenarsitzung des Gemeindekomitees gefaßten Beschluß, den Cheder zu subventionieren, nicht bewenden und brachte es fertig, dieses Thema auch auf die Tagesordnung der folgenden Sitzung zu bringen. Der Vertreter der Linken, Herr Bregmann, setzte sich wieder mit großem Eifer für die Annullierung des Beschlusses ein, unter Anrufung eines früheren Beschlusses der Kehilla, keine Chederschulen zu unterstützen. Von „Achduth" wird gefragt," wo und wann ein solcher Beschluß gefaßt worden sei? Der Beschluß stammte, lautete die Antwort, von der ersten Kewnoer Kehilla her. Die Vertreter der „Achduth" halten es aber für eine Ungeheuerlichkeit, der neukonstituierten Kehilla einfach automatisch Statuten der alten Kehilla anzuhängen. Das sei parlamentarisch ganz undenkbar. Die Gelegenheit benutzen auch die Jungzionisten, durch ihren Vertreter einen neuen Feldzug gegen den Cheder zu unternehmen. Vertreter der „Achduth" gaben ihm die gebührende Antwort, es würde eine himmelschreiende Ungerechtigkeit darstellen, die eigentlichen jüdischen Schulen zurückzusetzen und auf deren Kosten unjüdische, gegen die Religion gerichtete Schulen zu unterstützen. Zum Schlüsse kommen drei Vorschläge zur Abstimmung: 1. „Achduth" beantragt, über den Vorschlag der Linken zur Tagesordnung überzugehen. 2. Die Linke beantragt die Annullierung des früheren Beschlusses zu Gunsten des Cheder. 3. Ein Kompromißvorschlag der Zionisten, prinzipiell keine Chedarim zu unterstützen, die drei betreffenden orthodoxen Chedarim aber im Ausnahmefalle zu berücksichtigen. Alle drei Anträge werden mit Stimmenmehrheit abgelehnt. Somit bleibt der Beschluß der ersten Sitzung zu Gunsten der Chedarim zu Recht bestehen. Die Herren Schmulowitz und Kopelowitz ergreifen noch das Wort und verlangen, daß entsprechend dem Beschlüsse die Chedarim auch wirklich und. intensiv unterstützt werden, und daß der Beschluß nicht von den Chedergegnern durch kleinli^e Ausführung illusorisch gemacht werde. So wurde der Cheder, dank der Uneinigkeit der anderen Parteien ,zum zweiten Male in Kowno mit knapper Rot gerettet! . .; ver neue Selm. Kowno, 14. Juni. Der neugewählte Sejm trat Dienstag, den 5. Juni, zur ersten Sitzung zusammen. Es sitzen in ihm unter den Minoritäten auf der linken Seite auch sieben Juden. Nach Verlesung der Tagesordnung durch den Ministerpräsidenten Galwanowski und einer Begrüßung des Staatspräsidenten Stulpinski tritt man zur Eidesleistung. Nur die Rechte unterzieht sich der religiösen Vereidigung, die Linke einschließlich der sechs „liberalen" Juden, verpflichtet sich nur mit Ehrenwort zur Vaterlandstreue, Konstitution und Staatsform. Der orthodoxe Deputierte Rabbiner Kahnmann wird durch den Kownoer Oberrabbiner Schapiro vereidigt. Als Sejmpräsident wird der Kandidat der Rechten, Tu» m a n u 5, gewählf. In die gebildeten Mandats- und Kommissionsbildungskommission tritt auch je ein jüdi-, scher Deputierter ein. Unter den eingelaufenen Begrüßungen werden auch solche vom Jüdischen'Nation a l r a t und von der „Agudat harabbonim" verlesen. sdweij. Entscheidung rugunrten der savvatdlspenrer. Zürich, 15. Juni. Die Israelitische Kultusgemeinde Zürich hatte gegen den Beschluß der Zentralschulpflege, demgemäß den jüdischen Schülern die Befreiung von Schreiben, Zeichnen usw. am Samstag für die Zukunft verweigert wurde, bei der Dezirksfchulpflege Einspruch erhoben. Mit 17 gegen 14 Stimmen hat nun die Bezirksschulpflege den Rekurs gutgeheißen und damit den Beschluß der Zentralschulpflege aufgehoben. vie rituelle Mirchverrorgung in der Zchweir. Zürich, 15. Juni. Infolge des kürzlich erlassenen strengen Ausfuhrverbots für Schlachtvieh aus Frankreich, wurde die reguläre Versorgung der schweizerischen Juden mit rituell geschachtetem Fleisch in hohem Matze gefährdet, da bekanntlich infolge des in der Schweiz herrschenden Schächtverbots für die schweizerischen Juden an französisches Grenzorten geschachtet und das Fleisch von dort importiert werden muß. Wie nun der Jüdischen Preßzentrale von authentischer Seite mitgeteilt wird, hat sich Herr Dreyfus- Brodski, der Präsident des Israelitischen Gemeindebundes für die Schweiz, in dieser Angelegenheit an den französischen Gesandten in Bern gewandt, und auf Intervention der „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris beim landwirtschaftlichen Ministerium hat das französische Ministerium für Agrikultur mit großer Bereitwilligkeit die sofortige besondere Erlaubnis zur täglichen Ausfuhr der für die Versorgung der schweizerischen Juden nötigen Anzahl von geschachtetem Großvieh erteilt. Es kann nunmehr regelmäßig von St. Louis aus die rituelle Fleischbelieferung der Städte Basel, Zürich und St. Gallen usw. und von Moille Sulaz für die Westschweiz im nötigen Umfange erfolgen. Jüdischer aus?ranKrei<fc. Paris, 15. Juni. Auf Anordnung des Grandrabbin wurden, in sämtlichen Synagogen Gottesdienste mit Predigten gegen die R e l i g i o n s v er f o l g u n g e n in Rußland abgehalten. In den hiesigen jüdischen Kreisen wird die Idee der Errichtung eines größeren jüdischen Kinderheimes in Palästina eifrig propagiert. Es sind bereits-