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Der Israelit · 1923-06-21 · Heft 25 (21.6.1923) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 25 (21.6.1923)
Date
1923-06-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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21. Juni 1923; Der Israelit. Nr. 25 Seite 7 für diesen Zweck einige hunderttausend Francs gesammelt worden und soll demnächst mit dem Bau in Haifa begonnen werden. Palästiira. ein Bilm»! au$ Jemen. ' Jerusalem, 10. Juni. Hier eingelangte Briefe aus Jemen berichten über -unsägliche Leiden unsrerer jemenitischen Brüder. 'Die neuesten Maßnahmen der Fanatiker des Moslim gehen auf die Zwangsbekehrung nach den ältesten Formen hinaus. In der jemenitischen Stadt Sana wurde die Verfügung getroffen, sämtliche jüdischen „Waisenkinder" beiderlei Geschlechts zur Annahme des Islam zu zwingen. Unter „Waisenkindern" versteht man aber dort auch siebzigjährige Greise, sofern sie beim Tode der Eltern nachweislich noch unmündig waren. Eine jüdische Familie, die sich der Entführung eines Kindes entgegengesetzt hatte, wurde niedergemetzelt. In eines Stadt wurden 42 „Waisen" zu diesem Zwecke eingeholt. Nur ein kleiner Teil ist der Versuchung und der Folterung unterlegen, andere haben den Tod vorgezogest und nur wenigen ist es gelungen, zu flüchten. Einen alten Mann fand man halbtot und verstümmelt auf dem Markte liegen, als Warnung für alle, die sich der Bekehrung widersetzen. Die Not ist dort so groß wie nie zuvor, und wer es einigermaßen bewerkstelligen kann, flüchtet. Aller Ziel ist P a l ä st i n a, doch ist nicht jeder imstande, den weiten Weg zu machen, und werden . die palästinensischen sowie die Juden der ganzen Diaspora um Hilfe angerufen. Ueverlsll -ul are erlrotte yervett Zarnurlr. Jerusalem,' 16. Juni. Die Begleitung des Oberkommissar Herbert Samuel, die sich mit diesem aus einer Reise nach den südlichen Dörfern Palästinas befand, wurde überfallen. Drei Gendarmey sollen tot sein. Nähere Berichte fehlen noch. < Personalien. Sanitätsrat Ar< Kermann Stern ' ' Krrkda, 12. Juni. Am 12. Siwan hat unsere Gemeinde durch das Hinscheiden unseres Sanitätsrat Dr. Stern einen schweren Verlust erlitten. — Einer ihrer mächtigsten Pfeiler, der getreueste Kämpe unseres unvergeßlichen Raw ist mit ihm dahin gesunken.^- In Frankfurt a. M. in der Hirsch'schen Schule erzogen und in der Ideenwelt S. R. Hirschs, mit der er immer inniger verwuchs, groß geworden» offenbarte seine Persönlichkeit die Widerspiegelung des ny min pa -jrn-Prinzips. Als er vor ungefähr 30 Jahren hierher kam, betrachtete er es als feine wichtigste Aufgabe, sich im Lernen weiterzubilden. Durch unermüdlichen Fleiß und restlose Ausnutzung seiner knappen Mußestunden, gelauaes ihm unter Leitung seines verehrten Lehrers und Meisters, Dr. Lahn mit dem ihn auch sonst ein herzliches Verhältnis verband, sich soweit zur Selbständigkeit im Limud zu erziehen, daß er im Laufe der letzten Jahre zu den nun TOD in unserer mnp zählte. Da gab es fast nichts, was ihn davon abhalten konnte, den täglichen Schiur im hiesigen, von Dr. Lahn begründeten Beth-Hamidrasch in der sogenannten nmn im Kreise gleichgesinnter Baale batim mitzulernen. — Es war für jeden ein Genuß zu beobvchten, mit welcher Geistesschärfe und Hingabe Dr. Stern lernte, und so sehr ihm selbst dabei jede Selbsttäuschung verhaßt war, so wenig litt er es, daß irgend jemand in Unklarheit über den Sinn auch schwieriger Stellen verblieb. Früh schon wurde er mit Ehrenämtern betraut, die er nicht suchte, die ihm aber übertragen wurden, weil man sein klares Urteil, seinen lauteren Charakter, feine Arbeitsfreudigkeit zu schätzen wußte, was chn bei der Verwaltung dieser Aemter seine Aufgabe so wesentlich erleichterte, war, daß man neben seinen Geistesgaben und seiner Prinzipienfestigkeit, die Aufrichtigkeit, ja Kindlichkeit seines Gemütes, dem jedes diplomatische Verhalten fern lag, so wohltuend empfand. — Aus dieser Quelle floß auch die allseitige Zuneigung, deren er sich in allen Kreisen, nicht nur unserer Gemeinde, sondern auch der übrigen Bevölkerung erstellte. Das tiefe Mitgefühl, das er für jeden Leidenden empfand, die Umsicht und Gewissenhaftigkeit, mit der er seine Ratschläge erteilte, neben seiner Tüchtigkeit machten ihn zu einem der beliebtesten Aerzte unserer Stadt. Er setzte sein Vertrauen nicht auf seine ärztliche Kunst, sondern erhoffte Heilung nur von "n allein. Darum klang seine nmn wenn er — wie er es so gerne tat — als pw fungierte, so innig und die von tiefer miD erfüllten Worte bewegten das Herz der Hörer. — Wahre 'n nana und mxia bw nrw erfüllten ihn bei jeder Betätigung, einerlei ob er als pniö in Tallis und Tefillin den ^np wm vollzog und die nimm mit voller Kraft hinaussang, die leinte oder äls ypin am n*n seines Amtes in vorbildlicher Weise waltete, stets strahlten diese herrlichen Eigenschaften ckus einem ganzen Wesen. Aus dieser Vielseitigkeit und harmonischen Geschlossenheit seiner Persönlichkeit, erklärt sich die tiefe Trauer und Bestürzung, die alle, die ihn kannten, ergriff, als sich die Nachricht von seinem Hinscheiden verbreitete. Ein unabsehbar großer Zug folgte dem der an den offenen 3 'Dm und Y'öna vorüber geführt wurde. — Im Gefolge befanden sich eine große Reihe nichtjüdischer Persönlichkeiten, so u. a. sämtliche hiesige Aerzte, die stets mit Bewunderung und Anerkennung zu ihm aufgeblickt hatten. — Der Regierungspräsident Springorum, der während seiner Zeit als Fuldaer Landrat in auftichtiger Freundschaft mit Dr. Stern verbunden war und stets in voller Verehrung von ihm sprach, ließ es sich, da er aus dienstlichem Anlaß in unserer Stadt weilte, nicht nehmen, ihm ein Stück Weges das Geleite zu geben und einem Teil der Trauerreden beizuwohnen. Im Hause sprach Herr Buxbaum aus Würzburg im Namen der Familie, Herr Rabbinats-Assessor Kunstadt als Freund im Namen der Ehewras-Schatz und des Auhaweh-Tauroh-Vereins, ferner Herr Dr. Herz im Namen des B. I. A. Auf dem □’nnn iTü hielt Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Eahn einen Hesped, den er mit dem Appell schloß, daß alle diejenigen, die die schmerzliche Lücke empfinden, die durch den Heimgang des Zadick gerissen wurde, bestrebt sein sollten, auf all den verschiedenen Gebieten der Klall- und Prat-Wirksamkett des Verblichenen in die Bresche zu treten. Es folgte noch Herr Provinzialrabbiner Dr. Cohn von Marburg, der der langjährigen Wirksamkeit des Verstorbenen als Vorsteheramts-Mitglied gedachte und im Namen der übrigen Vorsteherämter Abschiedsworte widmete, ma-^n! Megesack b. Bremen, 17. Juni. Die Eheleute Jacob, Wolff und Frau Rosa, ged. Freüdenthal, feierten am 1. Tag Rausch-Chaudesch-Tammus (14. Juni 1923) das Fest der silbernen Hochzeit in völliger geistiger und körperlicher Frische. Herr Wolff. bekleidet seit über 25 Jahren das Vorsteheramt in der hiesigen Synagogeugemeinde und erfreut sich überall großer Beliebtheit zusammen mit seiner Gattin, die eine der eifrigsten Mitglieder der hiesigen Frauen- Ehewroh ist. Möge es dem Jubelpaare vom Schöpfer vergönnt sein, noch recht, recht lange ihre segensreiche Tätigkeit auszüüben. Zeilitzheim (Unterfranken), 6. Juni. Unter einer in unserem Dorf geradezu beispiellosen Beteiligung seitens aller Konfessionen wurde heute unser alloerehrter Lehrer Naphiali Hirsch, der 39 Jahre in unserer Gemeinde als Lehrer, Kantor und Schachet gewirkt hat, zu Grabe getragen. Im Vorjahre hatte es sich die dankbare Gemeinde nicht nehmen lassen, die Feier des 50 jährigen Dienstjubiläums zusammen mit dem 70. Geburtstag festlich zu begehen, wiewohl der allzeit schlichte, bescheidene, anspruchslose Mann sich lieber derselben entzogen hätte. Bei dieser Gelegenheit zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Wohlgemuth den Jubilar mit dem Chobertitel aus. Er hat diese Ehre wohl verdient. Denn mit der Thora sich zu beschäftigen, war sein unermüdliches Streben und, um nicht gestört zu werden/ lernte er fast immer DIpDD rtttmpl mn£3 im Gotteshause. Mit Recht hob darum Herr Rabb. Dr. Stein-Schweinfurt, der in Vertretung des am Erscheinen gehinderten' Herrn Dr. Wohlgemuth auf dem Friedhof in Eerolzhofen sprach, hervor, daß wer wie der Verblichene, stets als Mensch, Jehudi und Lehrer in Israel sich der Keduschoh befleißigt habe, nach diesen drei Seiten auf der Höhe der Pflichterfüllung gestanden, Anspruch auf den Namen eines VNp habe. Der Sohn des Verblichenen, Lehrer Hirsch in Berohheim, hatte bereits in der Synagoge in Anwesenheit .einer großen Zahl von Teilnehmenden, auch der Geistlichen und Lehrer beider Konfessionen, seinem Schmerz Worte der Dankbarkeit und Verehrung abgerungen und am Dorfende vor der Trennung von dem Verblichenen war die verwaiste Gemeinde durch den Mund ihres Vorstandes, Herrn Lazarus Gutmann, zum Worte gekommen. Aus allen Reden in gleicher Weise sprach Anerkennung, Verehrung, Liebe, Dankbarkeit pim rp!T “IDT.-'» Die voadere Gemeinde möge nun aber auch bestrebt sein, ohne Opfer zu scheuen, einen würdigen Nachfolger für Naphtall Hirsch zu bestellen; das wäre die beste Anerkennung und der beste Dank für den Verblichenen. Vermischtes. Oberdors-Bopfingen, 23. April. (Wissenschaftliche Ehrung). Herr Rabb. Dr. K r o n e r, der mehrere Arbeiten über die arabische Medizin, besonders die des Maimonides, veröffentlicht hat, ist m Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen von der „Akademie der Wissenschaften zu Eordova" (Geburtsort des Maimonides) zum „Korrespondierenden Mitgliede der Akademie" ernannt worden. Das betreffende Schreiben ist sehr liebenswürdig gehalten, spricht mit der größten Hochachtung von Maimonides, dem eine Straße in Cordova zum ehrenden Andenken nachbenannt sei. Herr Dr. Kroner ist übrigens durch ausländische Gelehrte in den Stand gesetzt worden, eine neue, noch unbekannte medizinische Abhandlung des Maimonides, deren Urtext sich in Oxford befindet, zur Edierung vorzubereiten. Köln, 5. Juni. Wir lesen in der „Kölnischen eitung": „In Dortmund zwang eine französische bteilung die Firma Mäher u. Günther, das Geschäft sofort zu schließen, weil sie sich geweigert hatte, Waren an französische Truppen zu verkaufen. Der Teilhaber der Firma, der 74 Jahre alte Kaufmann Rosenbaum, wurde für verhaftet erklärt. Die Angestellten Joseph Metzer und Friedrich Elsbach gingen an seiner Stelle in Hast." Kiel, 12. Juni. Herr Rabbiner Wassermann aus Lübeck wurde heute von der Vereinigung der hiesigen Gesetzestreuen einstimmig zu ihrem Rabbiner und Leiter der Talmud Thora-Schule gewählt. Briefkasten. Zwei Welten. Wollen Sie uns bitte Namen und Adresse anseben. Bernh. B. in Franks. Die Familiennachricht kam erst Donnerstag morgen in unsere Hand, somit für die vorwöchentliche Nummer zu spät. S. Fr. in Fl. Wir danken Ihnen für den eingesandten Artikel, doch halten wir seine Veröffentlichung aus mannigfachen Gründen nicht für angebracht. Sch. L. in Lemberg. Ihre Sendung betrug nicht, wie Sie in Ihrem Briefe angeben, 3000 Mk. sondern nur 2000 Mk. L. S. i n I ch. Die Adresse lautet: Joint Distribution Committee, New-2)ork. Frankfurter Berichte. Zelegierteutag der Zerre Kmrme Iisroek. Sonntag früh 9 Uhr tritt hier der erste Delegiertentag der Zeire Emune Jisroel in Deutschland zusammen. Delegierte vieler Gruppen aus allen Teilen Deutschlands haben ihre Beteiligung zugesagt. Die Tagung wird voraussichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen. Sonntag abend 7 Uhr findet eine öffentliche Versammlung in der Frankfurt-Loge statt, in der Herr Dr. Nathan V l r n b a u m-Berlin über „Judentum und Individualismus" spricht. Delegierte erhallen ihre Delegiertenkarten Sonntag früh 8 Uhr Schützenstratze 2, ebenso Gäste, die Mitglieder von Agudagruppen sind^ Gegen Was Naumann. Als Antwort an Mar Naumann war von der Zionistischen Vereinigung am Montag tn der Frankfurt-Loge eine Versammlung einberufen worden, in der der Hauptredner, Herr Jakob Herzberg, auf alle Ausführungen des „nationaldeutschen Agitators unter den Juden" einging. Er sieht in der ganzen Bewegung nichts als eines der R e a k t i o n s s y m p t o m e, wie sie seit 1920 überall zu Tage treten. Besonders scharfe Verwahrung legte der Referent wie auch die meisten Diskussionsredner gegen die Naumannschen Versuche ein, die jüdische Solidarität in einen Gegensatz zur Landestreus zu bringen. In diesem Zusammenhänge wurden auch seine Behauptungen von Palästina und den O st j u d e n als Ausfluß antisemitischer Gesinnung schärsstens zurückgewresen. Die Versammlung schloß mit der Annahme einer Protestresolution gegen die Bestrebungen der „nationaldeutschen Juden". Si-nagogengeweinde Isr. Wetigiorrsgefellfchaft. Am Sonntag, den 24. Juni, nachmittags 4 Uhr findet, wie vor drei Wochen im Anzeigenteil bekanntgegeben, in der Aula der Realschule am Tiergarten eine außerordentliche Gemeindeversammlung statt, auf deren Tagesordnung ein Bericht über die Finanzlage der Gemeinde sowie eine Abänderung der SteVerordnung steht. Agudas Iisroek Grts- und Ingendgrnppe. Am nächsten Sonntag findet, wie inr Inseratenteil bekanntgegeben, während der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags die Wahl der Frankfurter Delegierten zur Kenesfio Gedaulo statt. Das Wahllokal befindet sich Hanauer Landstr. 17. Krias-KatauroH-Wereiu. Zu der Sonntag den 24. Juni in den Räumen des Mekor Chajim-Vereins stattfindenden ordentlichen Generalversammlung sind hiermit alle Mitglieder herzlichst eingeladen. Gleichzeitig wollen wir nochmals autz das Bestehen unseres Vereins aufmerlsam machen, der Schülern, Studenten und allen denjenigen, die verhindert sind, morgens das Lernen zu hören, in der Klaus, Ostendstraße dazu Gelegenheit bietet. Eefl. Anmeldungen sind zu richten an Ernst Leo Bodenheimer, Tiergarten 38. Agudah-West. Am naw, den 23. Juni, nachm. \'26 Uhr, spricht err Dr. S. Ehrmann im Volksbildungsheim aal 5 über das Thema„Gla üben und Wiss en." Um recht zahlreiches Erscheinen wird gebeten.

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