Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1923)
- Date
- 1923-06-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 24 Während Zentrum und rechte Parteien der Regierung ihr volles Vertrauen aussprachen. Lonaoner Lriek. London, .7. Jmü. (Der Kampf um die Schechita. — Englische Rassen- Antiserniten. — Rituelle Hospitalkost. — Die Frauen in der United Synagogue.) Der von dm Tierschützlern unternommene Vorstoß gegen die Schechita scheint, soweit die t-arlamentarische Behandlung in Betracht kommt, für diesmal glücklich.abgewendet zu sein. Wenigstens hat sich der Antragsteller, unter dessen Nennen das neue Ejchlacht'hofgesetz im Unterhaus vorliegt, zur Einfügung einer Klausel verstanden, durch die die jüdischen Schächter von der Anwendung der sonst obligatorisch vorgeschriebenen Schlachtmethode ausdrücklich ausgenommen werden. 'Tie Schächter müssen sich durch ein Zeugnis des Präsidenten des „Board of Teputies" darüber ausweisen, daß sie von den jüdischen geistlichen Behörden ordnungsmäßig autorisiert sind. 'Diese Fassung der Klausel bedeutet einen -Erfolg der orthodoxen Ostposition innerhalb -des „Board of Destuties", die sich dagegen gewandt hatte, daß unmittelbar dem Chiefrabbi und ihm allein die Ausstellung der erforderlichen Autorisationen von Gesetzes wegen übertragen werde. Nach der jetzt gewählten Fassung ist anzunehmen, daß auch die Jnbap anderer Rabbinen vom Präsidenten des „Board of Dieputies" anerkannt werden. Ein charakteristisches Zeichen für den englischen Antisemitismus ist ein Zusammenstoß, den die sogenannten „Brilons" (eine Gesellschaft waschechter Engländer, die auf ihre Rassenreinheit Wert legen) mit dem jüdischen Bürgermeister des StadtviertelsHackney gehabt haben. 'Tie Herrschaften richteten .cm den Mayor von Hackney eine Resolution, worin die Ausweisung oder 'Deportation der unerwünschten jüdischen Ausländer verlangt wird, die den eingeborenen Briten die „Wohnungen wegnehmen". In seiner Antwort bekennt sich der Bürgermeister mit Stolz als Jude und führt die lächerlichen Behauptungen der Ueber-Briten statistisch und historisch ad absurdum. Dias hat die Herren bricht gehindert, noch gröber zu antworten und dabei allerlei zusammengeleseue und aus dem Zusammenhang gerissene Aeußeruugen zionistischer Heißsporne als Belege dafür anzuführeu, daß der Jude kein Patriotischer Engländer sein kann. Unliebsames Aufsehen erregt auch das Scheitern des Versuches, den jüdischen Patienten im Hospitale von Mile End rituelle Kost zu sichern, wobei der jüdische Vorsitzende des zuständigen Hospitatvorstandes eine etwas zweifelhafte Rolle spielte. Die von der United Synagogue eingesetzte Kommission zur Prüfung der Satzungen hat nach dreijähriger Arbeit jetzt ihren Bericht erstattet. Die Mehrheit der Kommission wünscht den Frauen aktives Wahlrecht zu geben, nicht jedoch Wählbarkeit in den Vorstand. Tie orthodoxe Minderheit wendet sich gegen diesen Antrag, für den keinerlei Bedürfnis vorliege, der religiös bedenklich sei und der insbesondere, wie ein Befürworter des Antrages ausdrücklich erklärt habe, den Weg zu weiteren Reformen, insbesondere für die.Zulassung der Frauen in den unteren Synagogenraum, bahnen soll. Dagegen hat die Kommission einen recht konservativen Standpunkt eingenommen hinsichtlich der Unabänderlichkeit des in den einzelnen Synagogen eingeführten Gebetrituals. Lim Zen Zsddat in?als;llns. Jerusalem, '6. Juni. In der Sabbatfrage gibt es fast jede Woche rreue Ueberraschnngen. Inhaber hiesiger Theater Der Israelit 14. Juni 1923 uird Kino-Unternehmungen zeigten ausgerechnet für Freitagabend sensationelle Danzvorstellungen und Gastspiele an. Daraus ließ das Rabbinat ein Schreiben an die Unternehmer ergehen, worin es sie verwarnte und ermahnte, die Aufführungen am Freitagabend zu unterlassen. Da der Inhaber des Lichtbild erchoaters! sich weigerte, der Aiwrdnung zu folgen, erklärter! die beiden Oberrabbiner Kuk und Jakob Mieter, sie würden für den Fall, daß die Aufführung nicht abgesagt werde, in eigener Person vvr dem Theater Wache stehen und keinen Juden hereinlassen. Außerdem würde dann der Bann über das' Theater für immer ausgesprochen werden.. Jetzt mußte der Unternehmer nachgeben. Selbstverständlich fällt nun die radikale Presse über das' Rabbinat her, bezichtigt es des' Klerikalismus und nennt die Rabbiner Großinquisitoren, die gegen Licht und Freiheit kämpften usw. Dabei hat man in Jerusalem auf Schritt und Tritt am Sabbat Gelegenheit, sich über das provozierende Benehmen junger Leute mit der brennenden Zigarre im Münde zu ärgern. Wenn aber das Rabbinat einmal gegen einen öffentlichen Sabbatskandal ernstlich einschreitet, dann ist das' Klerikalisüms. In Tel Awiw ist der Sabbatparagraph noch Kampsparole, das Zeichen, an dem sich die Geister scheiden. Die Wählen in die Stadtverwaltung sind um drei Monate verschoben worden, und man bringt auch diese Vertagung mit dem Kamps um den Sabbat in Verbindung, da die Linksstehenden hoffen, unterdessen Zeit zu gewinnen für ihre Agitation gegen den Sabbat. TImtvtltt. Vom fiemtindelctitn ln Hmtrika. New-Z)vrk, 28. April. In Brooklyn erwacht das jüdische Leben in erfreulicher Weise. Ein energischer Schritt wurde von den zuständigen Rabbinern mit Hilfe der Gemeindeverwaltung getan zur Besserung des Kaschruswesens auf dem Fleischmarkte. Ein Organisationskomitee läßt sich die Reorganisierung der jüdischen Schulen sehr angelegen sein. Tie verschiedenen Kommissionen der Gemeinde gehen mit Ernst und Energie an ihre Aufgabe und werden sie unter Mitwirkung aller maßgebenden Faktoren auch lösen. Im Anschluß an den Bericht über die letzte Rabbinerkonferenz in New-Iork ist noch nachzutragen, daß-ein Dhorazentrum nach Art von Slabotkv in New-Pork in Bildung begriffen ist. Thorabeslissene junge Leute sollen hier ein Heim und reiche Gelegenheit zur weiteren Ausbildung finden. Neben dem Dalmudstudium soll auch die Müssarlchre in entsprechendem Maße hier ihren Platz haben. An der Spitze des Unternehmens steht Rabbiner Löwenberg, ein früherer Schüler der Slabotkoer Jeschiwa. Der Plan hat in der Rabbinerkonferenz große Begeisterung hervorgerufen und sind große Unterstützungen in Aussicht gestellt worden. Mehrere Rabbinerfrauen, die ihre.Männer zur Konferenz begleitet hätten, hielten für sich eine Konferenz ab und gründeten eine Organisation von Rabbinersrauen. In der Hauptsache soll n^2 NO^.-kdie Aufgabe der Organisation sein, dahingehend, Tochter unbemittelter Rabbiner in Osteuropa bei bevorstehender Verheiratung würdig auszustatten. Der ameriiraiiizeh-jüarreve hongrerr. New-Dort, 1'. Juni. Aus einer Sitzung des großen Komitee zur Vorbereitung des jüdischen Kongresses in Amerika, wurde der Beschluß gefaßt, denselben endgültig aus den 19. Oktob er in New- Work oder in Washington einznberufen. Der Vorsitzende des Komitees, 'Tr. Wiese, betont, daß die Einberufung des Kongresses mit fein* blick ans die trostlose Lage der Juden jetzt eine dringende Notwendigkeit sei. Nathan Strauß sagt, die amerikanischen Juden müßten endlich einen Mädus finden für den geeinten Kampf gegen die finsteren Elemente, die heute in allen Ländern ^Europas sich gegen das Judentum znsammengefunden haben. Herr Leo Mvtzkin führte eine Reihe von Tatsachen an, die die geradezu trostlose Lage der Juden in Europa beleuchteten. Personalien. Stuttgart, 6. Juni. Unsere Religionsgesellschast hat leider einen schmerzlichen Verlust erlitten. Frau Schloß, Wittwe unseres langjährigen ersten Vorstandes Gustav Schloß y'ST, ist nach kurzem Krankenlager verschieden. Als Tochter des R. Menachem Gutmann des Freundes von R. Meier Lehmann in Mainz und Mitarbeiters am Israelit, war sie nicht nur von echt jüdischer Gesinnung erfüllt, sondern auch mit vielseiteitigem profanem- und seltenem jüdischem Wissen ausgestattet. So gelang es ihr auch, ihr Haus zum Mittelpunkt geistigen Lebens zu gestalten, und durch echt a b r ahamitische Gastfrendschast das Kehillohleden zu fördern. In härtester Kriegszeit ließ sie es sich nicht nehmen, das my'Qiy* und nm Lernen in ihrem Hause abzuhalten und sonstige Schiurim in ihrem Heime lernen zu lassem So gab sie auch ihrem Gatten n"y manche dankbare Anregung zur Förderung der und ee war ihr höchstes Glück, in den letzten Jahren diese zu neuemLeben ansblühen zu sehen. Möge ihr Vorbild Nacheiferung wecken! Ihr Andenken sei zum Segen! Alaßöach, 8. Juni. Unter zahlreicher Beteiligung wurde am 7. ds. Mts. Fräulein Babette Rotz mann zu Grabe getragen. Der elterlichen Erziehung und den Grundsätzen der Religion streubleibend hielt sie mit besonderer Gewissenhaftigkeit auf die Ausübung aller Mizwaus. Ein reiches jüdisches und prosames Wissen befähigte sie zu guten Ratschlägen und einer angenehmen Gesellschafterin, wodurch, sie sich die Hochachtung und Freundschaft eines großen Kreises erwarb. Ihr mustergültiges, friedliches Leben im Hause ihrer hier verheirateten Schwester schilderte Lehrer Neustädter als ganz besonders rühmenswerte Charaktereigenschaften der Verstorbenen. Möge uns ihr mDT beistehen. rr'Diün Vermischtes. ZSerli«, 11. Juni. Die jüdische Gemeinde plant eine völlige Umgestaltung des Religionsunterrichts. In diesem Zusammenhänge besteht die Absicht, zur Erteilung des Unterrichts an den höheren Lehranstalten eine Reihe weiterer fester Akademikerstellen mit Pensionsänspruch zu schaffen. Die Besoldung soll nach Gruppe 10 der Reichsbesoldungsordnung erfolgen. Verlangt wird Rabbinerqualisikation oder die Befähigung für das höhere Lehramt und Qualifikation zur Erteilung von Religionsunterricht. Bewerbungen können bis zum 1. Juli an das Schulbüro der jüdischen Gemeinde, Oranienburgerstratze 29, gerichtet werden. Aertitt. l. Juni. Ein neuer Einbruch in die Berwaltungsräume der Jüdischen Gemeinde brachte dieselbe neuerdings um wertvolle Stücke ihrer Kunstsammlung. Der Schaden beläuft sich nach einer oberflächlichen Schätzung auf eine halbe Milliarde. Es sind im Ganzen 33 Kultusgeräte gestohlen, ebenso die berühmte Medaille aus Moses Montefiore, die 1871 in Berlin geprägt wurde. Wremen, 1. Juni. Der Rabbiner der hiesigen, israelitischen Gemeinde. Herr Dr. R o s e n a k, der bekanntlich seit Jahrzehnten im Vordergrund aller mit der -Förderung des jüdischen Emigrationswesens im Zusammenhang stehenden Bestrebungen steht, reist dieser Tage nach Amerika, um die Beziehungen zn den dortigen großen jüdischen Organisationen in Emigrationssragen wieder auszunehmen. Man darf hoffen, daß die Reise in wesentlichen Punkten zur werteren Hebung der Emigrantensürsorge beitragen wird. Düsseldorf, 18. Mai. “PDr6 wird uns von einem Freunde unseres Blattes folgendes mitgeteilt: Auf die Frage, wieviel Gramm ein Weitzbrötchen zu 90 Mk. wiegen mutz, gibt die Düsseldorfer Bäcker- Innung folgende Auskunft: „Das Gewicht des ausgebackenen Brötchens, wenn der Preis seststeht, richtet sich nach der Beschaffenheit des Rohmaterials, dem Ausbackverhältnis und der Arbeit. Qualität: Es wird Mehl verarbeitet von 50—80 Prozent Ausmahlung im Preise von 250 000 Mk. herunter bis zu 170000 Mk. Milch darf nicht verarbeitet werden, deshalb nehmen vieleGeschäfteSchmalz oder Margarine hinzu, außerdem, weil Wasser und Mehl allein sehr schlecht bräunt, einen kleinen Prozentsatz Zucker. Zucker und Feit haben keine Wasferausnahme, deshalb sind diese in der Verarbeitung besonders teuer." -Losdo«, 26. Mai. Der Armenrat des Bezirkes Mile End behandelte in der letzten Sitzung einen