Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1923)
- Date
- 1923-06-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450238-2450259--70569-2527856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14. Juni 1923 DerJsraelit Nr. 24 Seite 3 ItVlität. H.alacha und Mgada in ihrer »untrennbaren Einheit, in der Unendlichkeit ihrer »Verzweigung sind als geistige Macht selber leine so urlebendige Spiegelung des »Lebens, daß sie den jüdischen Menschen, der Ijn ihnen lebt.und webt, mit einem Strom »immer sich erneuernden. geistigen Lebens um- Ijpnlen und die naturnotwendig bindende, le i n e n g e n d e, d. h. also lebentötende Wirkung Iber praktischen Norm psychologisch völlig aus- Igleichen. Tragisch ist es, wenn^ auch keintralaischer Widerspruch, daß Cohn offenbar bis heute Iniemals das Glück gehabt hat, in diese Welt »des jüdischen Geistes völlig unterzntauchen; I ihm haften die Eierschalen seiner eigenen Jude-. I Werbung an. Ueber den Liberalismus und I Zionismus, aus einer Atmosphäre, die sich im I^Glauben" und in der „Sprache" Surro- I gate der religiösen Wirklichkeit schuf, ist er zur I Thora gekommen, glaubt, deren Wesen in der Ilebensvollen religiösen Form erschöpft und schilt die gesetzestreue Judenheit, der als Plus zu allen dreien noch die-Furcht vor d er S ü n d e und die - A u f o p f e r u n g der besten Lebenskraft für das Lernen unentbehrliche Wegegenossen ' auf dem Höhenweg des jüdischen Lebens scheinen, > und die eben dadurch in ihrer p r o p a g a n d i st i s che n, c en t r i pe t a l e n I Kraft gegenüber den Entfremdeten stark 1 geh'emnrt ist. Sv entriegelt er mit der Wucht seiner Begeisterung Pforten, die nur in Bor- Hallen führen, nicht in das Innerste des Hei-. I ligtums. Aber auch für den lauten, inbrünstigen Ruf zum Eintritt in. jene Vorhallen gebührt Emil Cohn der aufrichtige Dank seiner Zeitgenossen. Möchte dieser Ruf einen wahrhaftigen Widerhall finden in den Herzen der Junger und der Alten und sich dort — wenn er fortdauert und Leben weckt — über das' bewusste Wollen des Urhebers hinaus als echter Wegweiser zur Sinaihöhe bewähren : , -ns ty' höh -pstes Wochenrundschau. Anüsemitischer Zaszismus. Der 'Kongreß der „Vereinigten Internationalen", der dieser Tage in Hamburg tagte, nahm einstimmig folgende Resolution an^ „Der Kongreß der Vereinigten Internationalen fordert die sozialistischen Parteien aller Länder auf, für die A u s r o t t u n g d e s nationalen H a ff e s §n wirken. Dies ist insbesondere die Pflicht in „O weh", schrie der Fuchs, „sie werden mich doch nicht schon entdeckt haben." „Und wenn?" fragte der Vogel erstaunt. „Sagtest Du nicht eben, der Messias sei bereits da und die Tiere hätten miteinander Frieden geschlossen? Was werden Dir dis Hunde tun, wozu die wilde Flucht?" »Ist schon richtig", antwortete der Fuchs im Davonlaufen kleinlaut. „Allein Hunde glauben nie an den Messias ... \ „Diesseits" und „Jenseits". '„Großer Rabbi", flehte ein vielbeschäftigter GrHkausmann den Wilnaer Gaon an, „sagt mir AN ob ich auf einen Anteil an der zukünftigen rechnen kann?" Pu sprichst von der künftigen Welt, hast Du jti Anteil an dieser Welt erworben?" fragte oer r »2gs ich von dieser Welt habe? Leider herzstck) weig. Denn Tag und Nacht vergehen im Jagen uno Ha^n, selten schlafe im in einem Bette und noch seither komme ich dazu, meine Mahlzeit regelmamg emunehmen. Ich bin fast beständig aus Reisen üox Land und Meer und der Kops steckt immer in hrbeit und Sorgen. So steht für mich diese Wer aus." «Wenm dem so ist", antwortete der Gaon, „so «annst Du mraus entnehmen, wie es erst mit dem Jenseits Hetzen wird. Für diese Welt arbeitest Lu Tag und Rächt und hast dennoch nichts erreicht. Wie solltest Du von der künftigen Welt etwas erwarten dürfen, für die Du noch nichts getan, für die Lu noch nicht einmal eine halbe Stunde im Tage übrig hast?" jenen Ländern, wo den nationalen Minderheiten ihre vollen politischen und nationalen Rechte vorenthalten werden. In einigen dieser Länder hat der Faszisinus die besondere Gestalt des Antisemitismus .angenommen und ist zu einer Gefahr geworden, die von der gesamten Arbeiterklasse bekämpft werden muß. Der Kongreß fordert die sozialistischen Parteien aller jener Länder, wo nationale Minderheiten bestehen, insbesondere die sozialistischen Parteien in den durch die Friedensverträge geschaffenen neuen Staaten, .auf, alle Kraft einzusetzen, um die Prinzipien der demokratischen Selbstverwaltung und der kulturellen Freiheit zu verwirklichen. Einzig die Anwendung dieser Prinzipien vermag die nationalen Minderheiten mit dem Staate, in dem sie leben, zu versöhnen." Zur gleichen Zeit trafen, laut einem Bericht der Wiener „Deutschnationalen Korrespondenz",, zahlreiche Delegationen aus den Balkanlänoern und dem nahen Osten in Wien ein, um sich über den Stand der an ti s e.m it i s ch e n Inte r natio n al e zu informieren. Die Mitglieder dieser Delegationen sollen erklärt haben, daß in ihren Ländern ein starkes Interesse für den antisemitisch,e n F a s z t s mus . bestcht und daß dort überall Hakenkrenzlerische Organisationen und Vereine bestehen. - Es soll eine Zusammenarbeit mit den Hakenkreuzlern in Oesterreich und Bayern erzielt werden. Tie Wiener nationalistische Partei wird, laut der genannten Quelle, in diesen Tagen mit den Balkcm- und Orientdelegierten eine gemeinsame Beratung abhalten. ° Wien als Zentrale des internationalen antisemitischen Faszismns und in enger Zusammenarbeit mit München. Ein Zeichen der Zeit! Der neue litauische Se)m. Der Ausgang der litauischen Sejmwahlen über den wir bereits kurz berichtet haben, hat leider die Bedenken über die Zweckmäßigkeit des von „Achduth" mit den anderen jüdischen Parteien und von diesen mit den nationalen Minderheiten geschlossenen Blockes nicht widerlegt. Der Zusammenschluß der Minderheiten brachte diesen neben vierzehn Mandaten den unversöhnlichen Haß der ziemlich geschlossen gehenden Mehrheitsparteien ein, der sich naturgemäß, in erster Reihe gegen die Juden richtet, erstens, weil sie als 'größte Minorität von den vierzehn Sitzen die Hälfte erhalten und dann weil sie eben Juden sind, die zu hassen, heute scheinbar überall zum guten politischen Tone gehört. (Die Eisenvafmdirektion und der „Herer Ztaööi".) Beamte der Kleinbahn, die von Warschau nach Gora-Kalvaria führt, überfielen in den Tagen vor dem Schwuoth-Fest, die zu dem in ganz Polen gefeierten „Gerer Rabbi" in großen Scharen reisenden Cbassidim, beschimpften und mißhandelten sie. Die Direktion der Kleinbahn hat aus die zahlreich eingelaufenen Beschwerden nicht reagiert. Die Anhänger des Rabbi beschlossen deshalb, aus der Heimreise nach den Feiertagen die Kleinbahn zu boykottieren und den Wasserweg zu benutzen. Dadurch entstand schon jetzt der Kleinbahn ein" Schaden von einigen hundert 'Millionen Mark. Wie nun der Warschauer JCB-Bertreter erfährt, hat sich die Direktion der Kleinbahn an den Gerer Rabbi mit der Bitte gewandt, das Verbot der Benutzung der Kleinbahn auszuheben und mitgeteilt, daß die'an den Exzessen schuldigen Beamten entlassen worden sind. Literarisches. Leben und Streben. Von E i n st ä d t e r. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Das vorliegende stattliche Jugendbuch enthält eine Fülle anregender Erzählungen und gemütvoller Skizzen und Gedichte, die zu dem besten gehört, was die jüdische Jugendliteratur besitzt. Der Verfasser steht in bewußtem Gegensatz zu dem Prinzip der Strömung, die in Jugendschristen jede Tendenz verwirft. Er will der Jugend Liebe zur altjüdistben Frömmigkeit einflößen. Aber natürlich, und ungezwungen durchzieht dieser Grundton seine Werke, die nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen gern gelesen werden, und die sich nicht nur durch ihren ^gediegenen Inhalt, sondern auch durch irtc edle Sprache und die korrekte Darstellung auszcichnen. Dien litauischen Chauvinisten scheint dieses Zusammengehen .aller jüdischen Parteien mit den anderen Nationalitäten ganz recht zu kommen, da damit die Fremdartigkeit hes jüdischen Elementes bewiesen sei und sich die politischen Konsequenzen von selbst ergäben. Das ist freilich eine jener Böswilligkeiten, wie sie heute überhaupt die Politik in den Randstaaten bestimmen. Unsere in dem Artikel von den Wahlen ausgesprochenen Befürchtungen werden aber nichtsdestoweniger dad.urch vollauf bestätigt und die. Frage bleibt nach wie vor: Was hat „Achduth" mit dem Anschluß an den Block unter Preisgabe ihres bisherigen bewährten Kandidaten profitiert? . . . Der eine Kandidat, der nun „Achduth" zufällt, wäre ihr auch ohne diese Mitfolgschaft sicher geblieben. Ein Vorteil hätte sich aber bei getrennten Listen ergeben, nämlich der, daß. der heute mit aller Wut und Wucht einsetzenden Hetze die Tatsache entgegenigestanden hätte, daß. es nicht hie Juden gewesen wären, die mit den anderen Nationalitäten paktierten, es wären Juden gewesen, unter denen sich wie sonst überall Menschen von verschiedener Schattierung und Gesinnung befinden. Heute aber arbeitet die nationalistische Hetze mit dem Axiom von der geschlossenen jüdischen Zugehörigkeit zu den Landfremden. Indes möchten wir nicht in derw Sinne Mißperständen ' sein, als hielten wir den Zu- ■ sammenschluß der nationalen Minderheiten an sich für ein Verbrechen. Tragisch ist es jedoch, daß, wo der Zusammenschluß am nötigsten wäre, er zugleich auch nutzlos ist, da die Machthab enden, die für den Druck ans die Minderheiten verantwortlich sind, auch stets über die Mittel verfügen, deren Wählerfolge von vornherein zu verhindern. Ter Nutzen wird illusorisch, der Schaden bleibt! Der Bund gesetzestreuer jüd. Gemeinden Deutschlands. .Der „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" versendet an seine Mitglieder einen Geschäftsbericht für das Jahr 1922, dem wir folgende Mitteilungen entnehmen: Von wesentlicher Bedeutung war die Begründung des Preußischen Landesverbandes innerhalb des Reichsbundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden, die am 21. Juni 1922 in Fulda erfolgte. Diesem Landesverband haben sich sämtliche preußischen Bundesgemeinden angeschlossen, und außer ihnen eine weitere Anzahl. Die Anzahl Sabbatlichter. Von E i n st ädte r. Verlag von Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M. Es ist ein gutes Omen, daß der rührige Verlag als ersten Band seiner Volksbücherei Erzählungen von Hch. Elnstädter veröffentlicht, die sicher allgemeinen Beifall bei Alt und Jung finden werden. Die einleitende Skizze mit ihrem tiefgefühlten, gemütbcwegendeu Inhalt umgibt den Leser mit „Sab-- ‘ batlichtern", die nicht nur in fein Herz strahlen, sondern auch eine Umgebung schaffen, die Ruhe und Frieden bedeutet, eine Sabbatstimmung, die anhält, bis er zum Schlüsse des Buches gelangt ist, zu den Erzählungen der Greisin in der Dämmerung des Sabbatnusgangs. Solche Bücher sind besonders heutzutage zu begrüßen, wo Erhebung über die Nüchternheit hes Alltags dringend nottut. Wir wünschen den Volksbüchern besten Erfolg. Sabbat-Änsang und -Ausgang. rnprnttf Ort: Anfang Uhr (min. Äc 1923 i tum 5683 Ausg. Uhr >Min. Frankfurt a. M. 7 45 16. 2. 9 40 Berlin .... 7 30 Juni Tammus 9 32 München . . . 7 15 9 08 Köln. 7 50 9 50 Stuttgart , . . 7 - 9 24 Breslau.... — - - — Nürnberg . . . 7 30 9 18 Hamburg . . . —! — - — '4 'M - ‘M )'