Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1923)
- Date
- 1923-06-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 23. 7. Juni 1923. S e i Israeli t. zu Grunde gehen.!Tjie furchtbare.Notlage wird von Vertretern der Kttmregrerung und der Nansenkommission bestätigt. Die Welthllfskonserenz hat die erste Hilfe hingeleitet und fordert zu weiteren Sammlungen auf. London, 23. Mat. Wie die JPZ. im Namen des Londoner „Jewish Times" meldet, hatten die jüdischen Kommunisten in Ie'katerinoslaw zu den Pessachfeiertagen eine Aktion gegen den Gottesdienst angekündigt, und alle Versuche der Juden, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, waren vergebens. Die Juden wandten sich daher an die christlichen Arbeiter um Schutz für die Synagogen. Die christlichen Arbeiter verhinderten auch die jüdischen Kommunisten an einer Störung des Gebetes, indem sie einige junge jüdische Kommunisten verprügelten. Ebenso haben auch in Privathäusern die christlichen Nachbarn die Juden beim Äbhalten der Sedarim vor Angriffen jüdischer Kommunistenschützen müssen. Wie aus Tiflis! berichtet wird, wurden die Verfolgungen von Geistlichen und Würdenträgern der.georgischen R^ierung durch die Sowjetbehörden verschärft. Im Bezirk Senaki haben die Siowjetbehörden 100 Kirchen und 4 Synagogen beschlagnahmt. Achnlich gehen die Sowjetbehörden in andern Landesteilen vor. Eirglsrird. Sie Annullierung Ser wakien rum geletzgebenSen Rate. London, 1. Juni. ■ Das Kolonialamt teilt mit, daß die Wahlen zum Gesetzgebenden Rate für null und nichtig erklärt worden sind, weil die Majorität der arabischen Bevölkerung von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht hat. Cs bleibt Vorbehalten, zu einem späteren Zeitpunkte die Wahlen hinauszuschieben. Inzwischen.wird die bisher bestehende Einrichtung einer bloß beratenden Körperschaft aus 12 Personen bestehend beibehalten, wofür Neuernennungen vorgenommen werden. 'Der 'ratgebenden Körperschaft gehören acht Mohamedcmer, zwei Christen und zwei Juden an. k!n Protei! gegen Sie ruffifdien Reliflionsnerfoigungen. London, 1. Juni. Mm Montag abend fand eine große Protestversammlung der Geistlichkeit und der kirchlichen Kaste gegen die religiösen Verfolgungen in Rußland statt. Bon jüdischer Seite beteiligte sich der Chiefrabbi Dr. Hertz, der daraus hinwies, daß die Juden in Rußland mehr unter den religiösen Verfolgungen litten, als irgend ein anderer Teil der Bevölkerung. Rümflnifthe Hoffnungen. Alnkareß, 29. Mat. Dem „Verbände der rumänischen Juden" bleibt leider auch bei den neuen Verhältnissen gerade genug zu tun, zur Abwehr von Gefahren und zur Wahrung der andauernd bedrohten jüdischen Rechte im Lande. Einen ziemlich schlimmen und gefährlichen Grad hat der akademische Antisemitismus erreicht, der das Studieren für einen Juden förmlich zu einer Lebensgefahr macht. Cs gewährt bei der Lage der Dinge einigen Drost, daß der König von Rumänien dieses Treiben scharf verurteilt und, soweit es in seiner Macht steht, auf Besserung hinzuarbeiten gewillt ist. Wenigstens äußerte er sich in diesem Sinne dem Präsidenten be3' „Verbandes der rumänischen Juden", Dir. Feldmann gegenüber in einer ihm gewährten längeren Audienz, in' deren Verlauf Dir. Feldmann Gelegenheit hatte, eine genaue, klare Erstellung der Lage zu entwerfen. Italien* Ausländer «n lfslienllcken ttodifcfiulen. Kriest, SS. Mai. Das italienische Hilfskomitee für jüdische Emigranten in Triest versendet ein Zirkularschreiben, worin es heißt: „J'm Gegensatz zu anderen Regierungen, die mit mittelalterlich anmutenden Verfügungen unsere Studenten auf Grund des „Numerus clausus" von den Hochschulen vertreiben, hat die italienische Regierung mit dem liberalen königlichen Erlaß Nr. 563 vom'11. März, Art. 3, folgendes verfügt: „Ausländische Studenten, die sich in die öffentlichen Schulen, welchen Ranges und Grades immer und in. die höheren Lehranstalten einschreiben (inscribieren), sind von der Bezahlung jeder gewöhnlichen und außerordentlichen Taxe befreit." Ter leitende Ausschuß des Hilfskomitees erklärt sich bereit, jede gewünschte Information und moralischen Beistand den jüdischen Studenten, die in Italien ihr Studium fortsetzen wollen, zu erteilen und bedauert nur, daß es die materielle Lage des Komitees nicht gestattet, ihnen auch eine finanzielle Unterstützung zu gewähren." Emlgratlonsfragen. A-w-York, 26. Mat. Tie jüdischen Bildungszentren Amerikas, vertreten durch ihre Sekretäre, hielten eine Konferenz ab, zu der auch der Arbeitsminifter Davis eingeladen war. In der Ansprüche, die er hielt, lobte er die Intelligenz und die Anpassungsfähigkeit der jüdischen Emigranten. Die jüdischen Centren verdienen volles Äb, weil sie unbeschadet der politischen Amerikanisierung der Einwanderer, doch auf die Erhaltung der Eigenheiten von Rasse und Glauben sorglich bedacht seien. In der Frage der Einwanderung könne er allerdings keine Erleichterungen versprechen, eher ständen noch Erschwerungen irr Aussicht, die er im Interesse der amerikanischen Juden selbst für geboten hält. Es macht sich in letzterer Zeit das Bestreben bemerkbar, alle jüdischen MohMtigkeitsinstitutionen in Amerika zu zentralisieren und die Hilfstätigkeit mit einem Gesamtbüdget auf der Grundlage der Jöint-Aktion neu zu regeln. In den maßgebenden Kreisen bringt man diesem Zentralisationsgedanken große Sympathien entgegen. . (Zu hoffen Ware, daß bei dieser Gelegenheit auch das große Hilfswerk für Sowjet- Rußland einer Mvision im Sinne unserer Ausführungen im Leitartikel unserer jüngsten Nummer unterzogen wird. Red. d. Israelit). Antisemililcke Ku Kfux Kfan-Sfu3enfen tn IDaiftington. Wem-Lork, 30. Mai. Wie der New-Uorker „Dog" meldet, befindet sich an der George Washington Universität unter den Studenten eine Ku Klux Klan Abteilung, die eine antisemitische Propaganda betreibt. In einem Bulletin, das aufgesunden wurde, heißt es u. a.: „Falls die Universität die Juden nicht vertreiben'wird, werden wir es tun. Wir wollen keineswegs, daß die Washington Universität so voll werde mit Juden, wie die Columbia Universität in New-Dork. Mr können nicht alle Juden herauswerfen, aber wir können ihnen die Hölle so heiß machen, daß sie jedenfalls nicht mehr kommen." Der Präsident der Universität hat eine strenge Untersuchung eingeleitet und ist fest entschlossen, die Treibereien des Ku Klux Klan nicht zu dulden und dessen Mitglieder aus der Universität auszuschließen. Hie polnlithen Emigranten in Amerika. Nerv-York, 1. Mai. Nach einem Bericht im „New-Gorker Morgen-Journal" vom 17. Mai sind vor kurzem im New-Aorker Hafen die ersten Opfer der neuesten polnischen.Austreibungen angelangt. Es sind 500 jüdische Emigranten, die dank ihrer materiellen Lage sich gleich auf die Reise begeben konnten. Zum Glück für sie War die russische Einwttnderungsquote auf Kosten der beßarabischen erweitert worden, sodaß sie ihr Visum bekommen konnten. Die Emigranten erzählten, daß viele Tausende in den Hafenstädten an der Grenze Polens, zum Teil ohne Mittel, der weiteren »lusreisemöglichkeit harren. Ihre Austreibung ging in drakonischer W!eise vor sich. Besonders kritisch ist die Lage derer, die vorübergehenden Aufenthalt in Riga nahmen, da die lettischen Behörden sie wohl nach dem Landesgesetze dulden müssen, aber mit lleinlichen Schikanen ihr Leben auf jegliche Art und Weise erschweren. Ein Oberrabbiner in Jaffa- Jaffa, 25. Mai. Wie zionistische Blätter berichten, wurde Herr Rabbiner Aronsohn aus Kiew, der zurzeit in Berlin weilt, zum Oberrabbiner von Jaffa und Tel Awiw gewählt. Der Gewählte hat den Ruf angenommen und wird sich demnächst nach Palästina begeben. Personalien. Hlavöi Aosna Löö Kornötüt buxi. ^ßatfäatt, 1, Juni. Gestern Abend starb hier im Alter von 83 Jahren Rabbi Josua Löb Kornblüt, einer der ältesten Dajanim Warschaus. Der Verstorbene galt nicht nur als Kapazität auf dem Gebiete der Halacha, sondernwar auch als Mensch, Helfer und Berater in allen Kreisen der hiesigen Judenheit unendlich beliebt. Ueber 60 Jahre übte er hier inoffiziell das Amt eines HNTin miD aus. Den wiederholt an ihn herangegangenen Vorschlag, offiziell ins Rabbinat einzutreten, wies er stets von sich. Der greise Rabbi erlag einer kurzen Krankheit, die ihn erst vor wenigen Tagen seiner Arbeit entriß. Nürnberg. 3. Juni. Hier verstarb der Geheime Justizrat Emil Josephthal kurz nach seinem 60. Geburtstag. Der Verstorbene bekleidete im öffentlichen wie im Gemeindeleben die höchsten Eyrenstellen und war abwechselnd Mitglied und Schriftführer des Gemeindekollegiums, auch stellverttetender Vorsitzender der Anwaltskammer von Mittelfranken. 4v Jahre lang gehörte er der jüdischen Kultusoerwaltung, in den letzten zwei Jahren als Vorstandsmitglied. Er war auch Vorsitzender der Nürnberger Ortsgruppe des Zentralvereins. Köln, 1. Juni. Herr Seminarlehrer Gut ist zum Seminaroberlehrer ernannt worden. Sprechsaal. Wiederum eine „WezieH". Von zuverlässiger Seite wird uns geschrieben: Datz es Menschen gibt, die mit einem Jahresgehalt von Mk. 300000 bei den heutigen Verhältnissen noch auskommen, hielt ich seither für unmöglich. Ich wurde jedoch kürzlich eines anderen belehrt. Zufällig erfuhr ich aus zuverlässiger Quelle, datz die Gemeinde Gr.westlich von Darmstadt heute noch obiges Gehalt ihrem Lehrer bezahlt. Erst nach langem Kämpfen wurde es im April 1923 von Mk. 120000 auf Mk. 300000 erhöht. Wenn man überlegt, was heute ein Haushalt bei normalem Leben kostet, kann man sich wohl vorstellen, wie üppig der dortige Lehrer leben kann. Ich wollte nichts sagen, wenn die Nebenverdienste derart wären, datz es ein wesentlicher Zuschutz zum Gehalt bedeute. Hie und da wird einmal in der Woche ein Stück Vieh geschlachtet, wofür der Schochet wirklich ganze Mk. 3000 bekommt. Auf Verlangen erhielt er vorübergehend für ein Stück Vieh ein Mund Fleisch, aber dies war einigen Metzgern auch bald zu viel. Autzer diesem enormen Nebenverdienst gibt er in einigen umliegenden Orten Religionsunterricht, was auch einiges einbringt. Dies ist aber doch alles nur ein Tropfen aus einen heitzen Stein. Wenn die einzelnen Baalbatim arme Leute wären, so wäre es zu entschuldigen, aber dies ist keineswegs der Fall, .sondern gerade das Gegenteil, und aus diesem Grunde