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Der Israelit · 1923-06-07 · Heft 23 (7.6.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 23 (7.6.1923)
Date
1923-06-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 23 vllzm groß sind. Was sollen erst die sagen, in deren Herzien das lebendige 'Judentum noch sitzt? Ein Vertreter des Nationalismus pMfte einen Schüler des Äaffaer Gymnasiums in der Bibel. Der Schüler kannte dre fragliche Stelle nicht und entschuldigte sich: „Wie 1mm man bas alles im Kopfe haben, im 'Danach ist doch alles so verworren! .. Das ist das Resultat der!neuen nationalen Erziehung m Erez Iisrael, und nicht besser sieht es in der Diaspora laus, i Ein Schriftsteller und Lehrer Palästinas, selbst ein Vertreter des Nationalismus und Gegner des Cheder. Dob Kimchr, schreibt: „Eine neue Generation ist <rm Lande auferstanden, ohne Thora, ohne Tradition, aber! mit hohlen Phrasen, von einer geistigen Lee tz und Respektlosigkeit — sondergleichen vor allem Heiligen. Eine Generation ohne eigeretrt Charakter. die ieber&tft bereit ist, die Palästinaphuase Mit einer solchen von London pder Paris -abzülüsen..." l - Die tzrotze Leere des Geistes ist durch ' d'k neuen Lehrer und Erzieher verschuldet, dre anstelle von 'Chumffch das hebräische Lesebuch dem Kind in die Hand gaben, Raschr und Gemoro mit den illustrierten BMchüren verdrängten, Uebersetzungen aus dem Russischen, Deutschen und Englischem Es ist «klar, daß die nationale Erziehung bankrott ist, nicht allein vom Standpunkt des Judentums, sondern sogar vom Standpunkt des Nationalismus selbst. Wochemundschau. Die arabische Föderation. Die von London und Jerusalem kommenden Nachrichten lassen keinen Zweifel darüber, datz England vor dem Abschluß eines Staatsvectrages mit dem König Hussein von Hedschas, dem Vater des mesopotamischen Königs F e i s u l und des Emirs Abdullah von Trans fordanien steht, eines Vertrages, der auch für die Zukunft »Erez Jisroels von höchster Bedeutung werden kann. Die großen 'arabischen Beoölkerungskomplere Vorderasiens: Arabien. Mesopotamien, Transjordanien sollen gu einem S!aatenbunde von ziemlich starker dynastr- »scher Einheitlichkeit zusammengeschlossen werden und es wird damit ein mächtiger Schritt ' zM Verwirklichung der nationalen Hoffnungen des arabischen Volkes getan sein. Insoweit hierdurch die arabische Unzufriedenheit beseligt Ed, datff man sich daher der keilen Entwicklung auch im Aktuelles aus Jesaja. Bon Rabb. D. B. Cohen in Berlin. Vorbemerkung. Aktuell ist nicht nur, was heute die Menschen für den Augenblick interessiert, sondern auch alles, was für die Gegenwart aus einem Buche wichtig ist und was die Gegenwart in den Gedanken eines Buches Neues finden kann. Zum Verständnisse des Buches Jesaja, welches Israels schlimmste Zeiten schildert, sind vor allem gerade Zeiten wie die Unsrige geeignet. Wir sind in unserer Verblendung in den glücklichen Vorkriegszeiten ja bisweilen so weit vom Verständnisse solcher Bücher der Bibel abgekommen, daß wir ihre Strafreden als grenzenlose Flüche empfanden und daß wir Unglück und Leiden in der dort geschilderten Häufung für etwas Unwirkliches und Unmögliches hielten. In den meisten Bibelerklärungen von orthodoxer Seite hat man in neuester Zeit .auf Auseinandersetzung mit den Bibelkritikern verzichtet; die aktuellen Dinge, welche unsere Zeit im Buche Jesaja finden kann, machen es jedoch DerJsrael i t__ Interesse des friedlichen Zusammenlebens forschen Arabern und Juden m -EreZ Jis^oel freuen. Allein die Sache hat auch eine andere SHite. 'Außerhalb desarabischen Staatenbundes bleibt natürlich Syrien, auf das Frankreich feine schwere Hand gelegt, und'»— Palästina,, das für England unentbehrliche Ausfalltor und Glacis des afrikanischen Kontinents. Wird das ungeheuer gesteigerte arabische Selbstgefühl sich dauernd mit dieser Tatsache abfinden? ' Werden Palästina und Syrien nicht einer arabischen Jrredenta werden, die dauernd die nationale Leidenschaft erregt und eine arabisch-jüdische Nachbarfreundschaft in Palästina—dufs äußerste erschwert? Dre zionistischen Hoffnungen auf ein jüdisches Palästina sind War längst begraben, und niemand bedauert mehr als ihre Urheber die kindlichen Großsprechereien, mit denen man einer ungewissen, vielleicht noch lange 'Zeitraums erfordernden'Entwicklung um der journalistischen Propaganda willen vorgegriffen hatte. Allein schwerer als das Bereuen ist das Wiedergutmachen, ist die Einleitung einer araMchjüdischen Versöhnuntzspolitit, die sich klar darübeA ist, daß auch m Palästina da-s Golus noch nicht aufgehört hat, und' daß die viel verspottete und beschimpfte traditionelle Golus - Politik irt all ihrer Bescheidenheit doch schließlich auch jetzt wieder ihre zeitgemäß veränderte Auferstehung wird feiern müssen. Dabei fällt gerade der Orthodoxie in Palästina eine wichtige providentielle Aufgabe zu, denn sie -ist in höherem Grade als irgend eine andre Schicht des jüdischen Volkes zur Verhandlung mit dem Arabertum befähigt, das in ihr hie Verkörperung des gesunden Konservativismus, nicht minder die Vertretung der von nationalem Chauvinismus freien traditionellen jüdischen Politik erblickt. Wäre der Zionismus, der vor der Orthodoxie allerdings die größere AiWHI technisch geschulter politischer? 'Kräfte aus dem Becken der 'assimilierten Kulluixjudenheit voraus hat, nicht mit Blindheit geschlagen, so müßte er die Konsequenzen .aus die^n Tatsachen ziehen. Die Orthodoxie aber dürfte in keinem Falle auf die selbständige Geltendmachung ihres Einflusses im Interesse der jüdischen Zukunft. EreZ Jisroels verzichten. Tel Awiw und der Sabbat. Die Attacken gegen den Sabbatparagraphen in Tel Awiw gehen, entgegen unserer jüngsthin gebrachten Meldung von seiner endlichen Annahme, munter werter. Der Sabbat hat noch keinen Platz rm Gemeindestatut der ersten nattonaljüdischen Stadt und wird ihn, ballen Anzeichen nach, auch' nicht erhalten. Alle gegenmanckmal unvermeidlich, auf die Verkehrtheiten der vorkriegszeitlichen Bibelkritik hinzuweisen, weil wir daraufgeradezu gestoßen werden. Teile der vorliegenden Erklärung haben in Heilbronn und Berlin als Vorträge Beifall gefunden, was ihnen auch als gedrucktes Wort vergönnt sein möge. Kapitel 1. 1. Eine Reihe von Königsnamen dient zur Zeitbestimmung der Worte Jesajas, des Einen Propheten. Eine. Reihe von Königen für einen Gottesmann! Wie unsere Weisen es nennen? „Mißt man das Holz mit dem Golde? Nein, — das Gold mit dem Holze!" — Man versteht aus der Gegenwart, und nian versteht aus dem Worte des Jesaja. Der Historiker Seeleh hält es für unrichtig, die Zeiten nack den Regierungen der Könige einzuteilen, da doch andere Erscheinungen wesentlichere Unterschiede der Zeiten bedingen; demgegenüber ist jedoch geltend zu machen, daß eigentlich das Einteilen der Zeit nach den Namen der Könige das ist, wozu die Könige sich am nützlichsten bewähren und wozu allein sie die Bibel benötigt. Es schadet dem Namen des Jesaja rächt, daß die Namen der schlimmsten und der unbedeutendsten Könige Israels über seinem Buche stehen. Es nützt jedoch auch keinem dieser Namen, daß sie an dieser Stelle genannt sind. 2. Nicht in Himmelsnähe gleich Mose, sondern als Erdenbürger ruft Jesaja seine Mahnworte über Israels Land; der Himmel „hört" von fern, die Erde „horcht" aus der Nähe. Nicht beim Charakter des Propheten, sondern bei dem seiner Zeit liegt die Schuld an dieser Gottesferne; „seine Zeit war dessen nicht wert". 3. „Israel weiß nichts; mein Volk besinnt sich nicht" und stellt sich durch seine Untreue noch unte'r _ 7. Juni 1923 teiligen Berichte stellen sich als Falschme I düngen heraus, auf die Beruhigung der Diaspora und des jüdischen Amerikas, mit dem man hinsichtlich der geplanten Anleihe nicht verderben mag, berechnet. Die ehrlichejren radikale,: Kreise wehren sich.' gegen dieses llreführimdS Manöver, und das ganze Elend dieses geistigen und religiösen Verfalls tritt wieder offen art den Tag. Im Jerusalemer „Voar Hajim" Nr. 181 nimmt ein Herr Bar Derora, einer bet Bessern, der die Sache „nicht 'mit billigen Spöttele,en" abgetan, sondern „ernstlich behandelt wissen möchte", das Wort. Diese ernstliche Prüfung Zeigt ihm ernste Gefahren für den Frieden Tel Awrws von dem Versuch, ihm den. Sabbat aufsuzwingen . . . Var Derorjst weitz von fernen Freunden, datz sie sich,n Ihrem festen Entschlüsse, den Sabbat zutzntweihen, von keinem offiziellen Gesetze trrkmachen lassen und eher das ganze Statut zu Fall bringen, Fs auf ihre Sabbatzigarre ajuf öffentlicher Straße verzichten werden. Er hält es .für weit wicht,ger, durch Gesetz, Bauordnung und Reinlichkeit rn Tel Awiw tzhl sichern, als die „Reaktion zu schützen", die noch weiter Mrück bis zum Ra - sierverbot gehen könnte ... Die Einführung der Sabbatbestimmung passe seiner Ansicht nach für das alte Jaffa, -im neuen Tel Awiw würde sie zur Gründung von „Vereinen zuV öffentlichen Sabbatentweihung" führen , . . Also dürfte dre Frage bei der Statutenberatung garnicht ungebrochen werden!Tornks cn. So sieht bte ernstliche Behandlung der Sache aus, dre Anfälle und hämischen Bemerkungen des „HapoeT Ha- %nix“ wollen wir lieber mcht wiede-rgeben! 'irr rroits» -pp' Aber auch die Berliner „Jüdische Rundschau " bläst ins gleiche Horn. Mit sichtlichem Behagen übernimmt sie in ihrer Nummer vom 29. Mar die Klagen Und Anklagen der 'linken Presse gegen dre gewrsse Solle, dre er/st mft der Frauenfrage die „Assefat haniwcharrm" gefähh- . det hätte und nun -mit dem Sabbat idas Werk nationaler Organisierung bedrohe. „Wenn man im Interesse der natronalen Einheit nachgiebig bleibt, werde bl» „religio mijitans" morgen neue Forderungen stellen, sie wrrd verlangen, daß 'man nur auf rituelle Art Mieren dcürf,-datz die!,,Gendarmen des lieben Gottes" m die Töpfe itrlltzr Privathäuser gucken dürfen oder daß jedem Mann. Zwangsweise Tefturm angelegt werden. D'esser Anmaßung müsse rechtzettig ein Ende gemacht werden, sonst werden ihre Polypenarme unser ganzes Leben umfangen. — — Es ist aus dem Zusammenhangs nicht llar Zu ersehen, ob das Bi eh, das doch Anhänglichkett kennt. „Israel"-,. — der edlere Teil des Volkes, verleugnet das ihm angeborene Wissen von Gut und Böse. Doch auch das „Volk", — die Alltagsmenschen, die doch wie alles, was Menschenantlitz trägt, die innere Möglichkeit zur Besinnung auf ihr edleres Selbst befitzen und entsalten können, — auch diese Bolkskreise verdienen durch ihres dumpfes Dahinleben den Weheruf des Propheten. 4. „Same der Frevler, verderbende Söhne", — also Sünder und Sündersöhne. 5. -6. „Vom Scheitel vis zur Sohle keine Heike Stelle ..." Die Krankheit muß hier als Bild für die Verderbnis des Volkskörpers stehen, man muß aber auch, das Bild genau betrachten. „Mikkaf regel", von der Fußsohle hat das Unheil begonnen, also von den niederen VedölkernngsAassen. ' In den meisten Staaten sind die höchsten .Volksführer der Menschheit mit bösem Beispiel vorangegangen. In Israel -Nüssen aber T h o r a - U n k u n d i g e die Assimilation an die gottlose Umwelt begonnen und zur Mode gemacht haben. Erst später haben dann die Herzen der Könige sich von Gott abgewandt, um dem Geschmack der Menge zu schmeicheln. Auch in der Zeit des Abfalles um 1820 hatten zuerst die Massen dem. Gesetze in Praxi den Rücken gekehrt. Erst hinterher fanden sich die willigen Rabbiner, die dann für jeden Mißbrauch eine gesetzliche Sanktion erfanden. So sagt ja auch David: cnnniO kab bos os*n nr '.si' ON'lQ So maäj£n sie es: Eine Dummheit widerfährt ihnen, und hinterher beschönigen fie es mit ihrem Munde. 7. „-Euren Boden verzehren Fremde vor euren Augen." Fremde Besatzung, im Lande hatten wir auch für einen längst überwundenen Brauch der Bar-

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