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Der Israelit · 1923-05-31 · Heft 22 (31.5.1923) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 22 (31.5.1923)
Date
1923-05-31
Page
– (sequence 15)
Language
German
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31. Mai 1923 _ '_ Aguda in New-Pv rk das ganze Kaschruswesen-in die Hand nimmt. Die Versammlung richtet den Wunsch an die K e n e s s i o G edaulo, b alb m ö g I i ch st eine Delegatio n von de Mäh r t e n F ü hrern nach Amerika zu schicken, um hier alle Wittel und Wege .ausfindig Zu machen, die zu einer Neubelebung des orthodoxen Indentums'in Amerika führen und das amerikanische Judentum veranlassen, am Aufbau Palästinas kräftig mitzuarbeiten." Die.Schlußrede hält Herr Dr. Jonas Simon aus Heidelberg, die mit großem.Beifall aufgeuommen wird, worauf die Versammlung unter großer Begeisterung geschlossen wird. Präludien zur Kenessio Gedaulo. Von Distriktsrabbiner Dr. Raphael Breuer in Aschaffenhurg. I. Es ist alte jüdische Eigenart, auch die Zeiten der Vorbereitung mit seift ich er Weihe zu erfüllen. Sabbate und Feste breiten den Schein ihres Lichtes schon auf ore vorhergehenden Tage aus. Eine ganze Stunde vor Beginn der Gebetszeit verweilten die Frommen der Vorzeit in Andacht, um, ihre Seele für das Gebet zu rüsten. Im jüdischen Leben wird nichts improvisiert. ‘ Uns Hachanah und Hasmanah, aus Vorbereitung und Rüstung, erblüht die Vollendung alles weihevollen Tuns. Weihevoll soll auch das Tun der Kenessio 'Gedaulo sein. Denn in ihr und über ihr soll der Meist des .Gottesvolkes, des Gottesgesetzes schweben. Wie eine Gebetsversammlung, wie eine religiöse Festversammlung kann darum auch sie der Hachanah und Hasmanah, der äußeren Vorbereitung und inneren Rüstung nicht entraten. Die äußere Vorbereitung obliegt dem geschäftsführenden Ausschuß und Exekutivbüro der Agudas Jisroel und den Nachgeordneten Organen. Zur inneren Mstung sind wir alle berufen. Denn nicht bloß eine „große Zusammenkunft" soll die Kenessio Gedaulo werden. Daun bliebe nach ihrem Abschluß von ihr nichts übrig als die freundliche Erinnerung au ein gesellschaftliches Ereignisdas in solch schweren Zeiten den Aufwand au Geld und Mühe nicht lohnte. Die Kenessio Gedaulo soll aber mehr sein als eine „große Zusammenkunft". Sie soll eine „große Sammlung" werden: eine Sammlung der Köpfe zu gemeinsamem Denken, eine Sammlung der Herzen zu gemeinsamem Wollen und eine Sammlung der Hände zu gemeinsamem Tun. Wird diese Sammlung möglich sein? Schon diese 'eine Vorfrage der agudistischen Fragen führt uns in die tiefsten Interna der agudistischen Ideologie hinein: Es ist die Frage der Einheit des Judentums. Seit Menschengedenken bemühen sich Unverstand und Bosheit in einträchtigem Zusammenwirken in der Welt, die Lüge zu verbreiten, die Orthodoxie untergrabe die Einheit des Judentums. Was man seit je den orthodoxen Organisationen vorgeworfen hat, wird heute auch der Aguda nachgesagt: sie treibe eine Politik der Separation, sie zerreiße die Jndenheit in feindliche Lager, statt die Kräfte der jüdischen Gesamtheit zu machtvoller Einheit sich findest und auswirken zu lassen. Dieser Vorwurf macht heute umso größeren Eindruck und er trifft die Aguda umso schwerer, je größer die politischen Gefahren sind, die heute von außen her die Gesamtjudenheit bedrohen. In antisemitischen Zeitläuften bedarf es schon einer großen Dosis geistiger Selbständigkeit, die, unberührt vom Geschrei der Gasse, auf das Wesen her Tinge sich besinnt, um auch mitten unter den verwirrenden Einflüssen der äußeren Bedrohung aus den festen Grundlinien einer einmal als wahr erkannten jüdischen Gesamtheitspolitik zu ver- B l ä"t t e t_ harren. Die zum Verständnis dieser Grundlinien erforderliche geistige Unabhängigkeit müssen wir aber alle aufbringen, wenn wir der Kenessio Gedaulo innerlich vorbereitet entgegengehen wollen. Da ist es beim vor allen Dingen einfach nicht währ,' wenn gesagt wird, die Muda .zerstöre die Einheit des Judentums. Das Gegenteil ist richtig: d i e A g u d a st e h t i m D i e it st e der jüdischen Gesamtheit, die im Siüne der Thora alle von einer jüdischen Mutter geborenen Menschen umfaßt. Würde sich die Aguda jemals zu einer engeren Interpretation dieses religiousgesetzlich feststehenden Begriffs der jüdischen Gesamtheit entschließen, dann würde dieser Entschluß gleichbedeutend sein mit der Aufhebung des Aguda-Programms, wonach alle jüdischen Gesamtheitsausgaben im Geiste der Thora zu lösen sind. Denn unmöglich ließen sich die Aufgaben der jüdischen Gesamtheit im Geiste der Thvrr lösen, wenn dieser der Aguda vorschwebende Begriff der jüdischen Gesamtheit ein dem Geiste der Thora widersprechendes Zerrbild einer jüdischen Gesamtheit wäre. Somit ist die Aguda schon rein programmatisch auf die Einheit des Judentums festgelegt. Sie ist, auch wenn sie's wollte, garuicht in der Lage, eine Politik der Separation ztt treiben, da mit jedem.Juden, den sie aus der jüdischen Gesamtheit sepärieren würde, ihr ein Ankläger vor dem Throne Gottes erstünde, der seit Abrahams Erwählung jeden Mkömmlmg ans Abrahams Samen mit unlöslichen Fesseln an die Gliederkette der jüdischen Gemeinschaft knüpft. Was Gott geknüpft hat, kann die Aguda nicht lösen.' Die Einheit des Judentums ist von Gott gewollt. Die Aguda kann nichts anderes wollen. ^_ (Forts, folgt.) Jerusalemer Brief. Jerusalem, .25. Jjar. Dank der erfolgreichen Propagaitdatätigkeit unserer bisherigen Orts- und Jugendgrnppe haben sich jetzt außer den Städten auch in Kolonien und Siedelungen, in denen bisher keine Aguda gruppen waren, solche gebildet. Die palästinensische Landesorganisation beabsichtigt, einen Delegiertentag noch im Laufe dieses Monats in Jerusalem zu veranstalten. Schmerzliche Entrüstung erregt hier der Umstand, daß die erste, rein jüdische Stadt Tel Aviv — entgegen den bisherigen Blätternachrichten — den dringenden Wunsch der thoratreuen Kreise, offiziell die Sabbatrühe einzuführen, nicht nachgok o m nt e it i st. Wie weit der Radikalismus der linksgerichteten Elemente geht, illustriert am besten hie Tatsache, daß Professor de Haa u, welcher neuerdings bei Gerichtsverhaiidlmtgeit wegen der Mazzohsteuer als Rechtsanwalt den Woad Hoir Hoaschkenasi vertreten hat, einen anonymen Drohbrief erhielt, in welchem er aufgefordert wird, bis zum 25. Mai Erez Jisroel zu verlassen, sonst wird ihm ganz nach bolschewistischer Methode der Tod a n g e d r o h t. MM 2. Mai wurde der Kaufverträg zwischen der agudistischen Siedelung Bajis Wnachaloh und dem bisherigen arabischen Bodenbesitzer des kurz vor Jaffa gelegenen 1100 Dnnam Land umfassenden Grundstücks Bene Berak getätigt. Für Interessenten am Bodenkauf ist der Dnnam Land für 10 Pfund abzugeben. Die Gesellschaft nimmt lediglich Mitglieder auf, welche sich verpflichten, den Forderungen des jüdischen Religionsgesetzes Rechnung zu tragen. In Saffed sind Agudas Jisroel 50 Dnnam Land zu dem Zwecke zur Verfügung gestellt worden, dort ein Waisenhaus für russische Waisenkinder zu errichten. Es soll vor allem hierbei auch darauf Wert gelegt werden, neben einer echtjüdischen Erziehung die Waisenkinder als Bauern auszubilden. Interessenten hierfür erhalten über alles Nähere Auskunft von der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. M., __SFlt.üO Sette 3 Eschenheimer Anlage 31. Der Neubau des fDiskinischen Waisenkauses in Jerusalem, macht erfreuliche Fortschritte. Es ist bezeichnend für die Skrupellosigkeit unserer Gegner, daß mint sich nicht scheut, dieses Waisenhaus deshalb im „Kol Jakob" zu diskredititieren, weil in seinem Sekretariat die Herren Blau uiid Katzenellenbogen, zwei führende Agudisten Jerusalems, beschäftigt sind. Wir sind überzeugt, daß diese Wühlereien den gegenteiligen Erfolg haben werden und registrieren die Kampfesmethode unserer Gegner nur deshalb, um dem europäischen. Publikum zu zeigen, mit welchen kleinlichen Mitteln mau versucht, die Ideenwelt der Agudas Jisroel in Erez Jisroel zu bekämpfen. Personalien. Wien. Vorige Woche wurde unsere hiesige Agndagruppe durch den Heimgang voü Frau Wolf Pappenheim n"V der Gattin unseres greisen AguoasührelS in tiefe Trauer versetzt. Das Andenken, der wahrhaften Esches Chajim, welche mit felüstloser Hingabe der eigenen Persönlichkeit ihr Haus zu einer Pflanzstätte jüdischer Wohltätigkeit gestaltet hatte, wird unvergeßlich bleiben. Rew-Aork. Herr Rabbiner Dr. Jung hat als einer der amerikanischen Delegierten der Kenessio Gedaulo die Reise nach Europa bereits dieser Tage angetretcn. ' Aus der Bewegung. Frankfurt a. M. Int Hochschen Konservatorium spracr, Dr. Ern ft (bimu n letzten Donnerstag über „Herzls Taget, nchep" bemerkenswerte Worte, die ihn in starken Gegensatz zum Versammlungsleiter und zu eirtem großen Teil oer Zuhörer brachten. Gerade dieser Vortrag must der örtlichen Begrenztheit entzogen werden, da hier zum ersten Male von zionistischer L-eite Begriffe! unter agudistischen Gesichtspunkten betrachtet und oesiniert wurden. Der Referent bezog sich auf seine Ausführungen int „Inden" — (der von thm sin BuberS Anstrage redigierten Monatsschrift) — hie kurz nach Publiziernncv des ersten Tagebuchüanbes erschienen. .DaS Referat war eine kritische Betrachtung Herzls, losgelöst von jeder Rücksicht, motiviert mit Verantwortung vor dem jüdischen Menschett und der Zukunft. Und so wurden unbarmherzig die Fragen nach Herzls jüdischer Legitimität, nach der jüdischen Note seiner Politik, bereu Formen und Charakter gestellt und beantwortet.. Herzls DtaatSideal war 'das Symbol der Vorkriegszeit, eist Götze, den er dent jüdischen Volke ausoktrvyteren,! dein er die Menschett nachgestalten wollte. Den Spuck an Gottes Stelle. Herzl war ein edler Mensch; bcirunt wirkte sich diese Einstellung bei ihm in ertragbaren Formen aus, erst der gradlinigen Erfüllung Rückschlüsse gestattend. Eine iltttversitüt sollte Jerusalem haben, üne /europäich.e Lehrstätte, — die Ieschiwa hatte 'er vergesjett, in der sich der jüdische Mensch in. den Regenmonaten dem Thorastudium hingab. Religion ist Privatsache. Herzl war ohne Verhältnis zu den letzteit jüdischen Werten. Er bejahte und verneinte llicht. Er schrie am Jomkippur nicht zu rrrrpn, und er wandte sich nicht wie ein Acher ab; er ging an Ihm beziehungslos vorüber. Und das war sein Verhängnis. So konnte es ihm nicht gelingen, die Tiesett des Volkes, die thoraireuen, für sich anfznlvühlen, die Menschen zu erfassen, die ein jüdisches Kriterium mit negativem Ergebnis für ihn fanden. Aber die gradlinige Fortsetzung dieser Politik war ein JabotinSttz, und die Größe seiner Gefahr. Herzl mußte sich aber doch mit den letzten Dingen auseinandersetzen, die jeden Aieitschen erfassen und zur Antwort peinigen — da flüchtete er sich aus ein abseitiges Gebiet, er wurde ein — anständiger adliger Mensch. Dem jüdischen Volke ging er verloren. Diese Betrachtungsweise gestattet Cinölick, stellt einen bedeutsamen Wendepunkt dar. Es wagt einer — einer der besten— für -‘pn rmn in vollem Umfang einzutreten. Einer, der ganz von jenseits kam. Wird er das Volk finden, in die Tiefe seiner Seele steigen, die in tätiger Sehnsucht dem Tag entgegenhrrrrt, der kommen wird — „wenn wir wollen?" Den Herrett am Vorstandstisch, war die Erkenntnis für die Bedeutung des Referats versagt. Haben doch die „Führer" meist vor der unbedingten Wahrhaftigkeit in politieis kapituliert. B. I. Lodz. Bei den hiesigen Stadtratswahlen, bei welchen die Agudas Jisroel eine selbständige Wahlliste aufstellte, wurdetr 5 Agudisten gewählt. Die vereinigte zionistische und miSrachistische Partei u> hiell 4 Sitze. Amsterdam. Am Donnerstag den 11. Jjar 5683 wurde hier eine Agudas JiLroel-Jugendgruppe gegründet. In den Vorstand wurden ge-

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