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Der Israelit · 1923-05-31 · Heft 22 (31.5.1923) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 22 (31.5.1923)
Date
1923-05-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Blätter Seite 2 Nr. 10 __.__ Wie die Antwort auf diese Frage lauten wird — v o n u ns hängts ab! Ob wir nur solche Männer wählen, die würdig sind, in Gottes und der Thaurö und Jisroels Namen zu sprechen und zu schaffen, oder ob nicht, davon hängt das Gelingen der Kenessio Gedaulo ab. Laßt uns doch, einmal in unseren heiligen Büchern nachschlagen, wen unsere Weisen für würdig zum Richteramt befanden. Und dann fragen wir uns, ob denn ein Richter in einem' Prozeß zwischen zwei Menschen mehr sein soll, als ein Richter in Fragen, die die ganze Existenz des göttlichen Gesetzes betreffen, die die Gesamtheit unseres Volkes angehen. „Sprechet nicht: Ein schöner Mensch ist dies; ihn will ich zum Richter setzen." Niemanden wollen wir wählen, nur weil er versteht, schöne Reden zu.halten, nur weil er andere für unsere Idee begeistern kann; denn nicht nur zum Reden und.nicht nur zum Begeistern, zum Arbeiten für Gott wollen wir die Kenessio Gedaulo. „Sprechet nicht: Ein mächtiger Mensch ist dies; ihn will ich zum Richter setzen." Niemanden wollen wir wählen nur seines Reichtums wegen, nur weil er stets eine offene Hand für Agudas Jisroel gezeigt hat. Auch wollen wir nicht danach fragen, ob wir die Reisekosten zu tragen haben ober nicht. Die Tagung der Idee soll die Kenessio Gedaulo werden, und nicht das Geld darf maßgebend sein, wo die Idee Herrscherin ist. „Sprechet nicht: Mein Verwandter ist dies; ihn will ich zum Richter setzen." Niemanden wollen wir aus irgendwelchen persönlichen Grün-' den wählen. Auch niemanden nur deshalb, weil er oder seine Anhänger sonst Agudas Jisroel den'Rücken kehren könnten; denn die dienen nicht der Idee, die knechten sie. Offen und aufrecht, so wollen tvir es doch, soll vor der ganzen Wett die Kenessio Gedaulo das Bekenntnis zu unserer Idee oblegen. So wollen auch wir offen und aufrecht, ohne jede Rücksicht auf die Person, zum Wahlakt schreiten. Auf eines aber wollen und müssen Wirbel der Wahl unseres Delegierten achten: aus V'VV AKT-' Dias allein sei uns Richtschnur. Nur wer sein ganzes Denken mnd' Fühlen — nicht nur sein Handeln; denn das ist eine Selbstverständlichkeit — am Gotteswort zu orientieren bestrebt ist — den wollen wir wählen. Nur wer gewohnt ist, seinen Weg als glaubenstreuer und glaubensstarker Jude zu gehen, ob er nun Kaufmann oder Rabbiner, ob Rechtsanwalt oder Arzt, wenn wir nur von ihm wissen, daß er ü'VV zu denken sich stets bemüht, daß sein Privatleben und sein Schaffen für die Gesamtheit von reiner, lauterer Gottesfurcht beseelt ist, daß rnin und ihm höchstes Lebensziel bedeuten — den wollen wir zur Kenessio Gedaulo senden. Nur solche Männer sollen es sein, die der thoratreuen Iudenheit ihr Parlament schaffen, nur diese werden würdig sein, an der Seite unserer Großen und Gewaltigen, an der Seite der ,TYIJ"H '2182, zu Rate zu sitzen. Daran wollen wir denken, wenn wir wählen. .121' Vordereitungen för die Kenessio gedaulo. Die „ K e n e ] f i o Gedaulo". Der erste Aguda-Wellkongreß wird vorn 16. bis 26. August in Wien tagen. Die Vorarbeiten werden vom Zentralbürv der „Kenessio Gedaulo", Wien, ll., Malzgasse 12 a (Telefon 49-0-54), geführt. Anfragen, Anregungen usw. sind an dieses Büro zu richten. Wir' empfehlen allen Agudisten, sich ihren Sonnnerurlaüb so einzuteilen, daß sie den Kongreß besuchen können. Wir werden ungefähr 2000 unserer Gesinnungsgenossen aus der ganzen Welt als Gäste empfangen können und werden Vorkehrungen treffen, um ihnen den Wiener Aufenthalt als bleibende angenehme Erinnerung liebevoll zu gestalten. Die Delegiertenwahlen haben spätestens Ende Iuni stattzufinden. Sichert Euch Euer Wahlrecht! Zahlet rechtzeitig Mitgliedsbeitrag und Kopfsteuer! Das Zentralbüro der „Kenessio G e d a ulv " Wien, ll., Malzgnsse 12 a. T i c R ü st u n g s a r b e i t e n t u Sc st c v u e i ch. Wie», 20. Mai. Die Vorbereitungen zu der .sicueffiq Gedaulo haben ocit Agndaarbeiteru in Wien einen neuen Impuls gegeben. Der geichäftssührende Ausschuß des ZentratruteS, dessen Sitz derzelt in Wien isi, arbecret mit vergrößertem Apparat, um oer großen Aufgabe gewachsen, zu sein, welche oer erste Wellrougreß der Aguoas jisroel ihrer Zentralteitang aufertegr. Aber auch die österreichische ^andesorganisation und hauptsächlich die Wiener Ortsgruppe entfaltet eine fieberhafte Tätigkeit, um dre Kenessio Gedaulo würdig beherbergen zu können. ES ist schon heute festzusteUen, daß die Kenessio Gedaulo über den parteimäßigen Kreis von Agudas Jisroel bereits hinausgewachscn ist. Wie venu nicht? Die Tatsachee, daß der vierte Elultag viele Hunderte Führer der thoratreuen Jtldenheit und eine stattliche Einzahl von den größten, jetzt lebenden Thorngrößen und Ehassidim-Rabbis in Wien beherbergen lvird, wirkt auf das Gemüt eines jeden Juden, der noch irgend einen Zusammenhang mit Thora und Tradition bewahrt hat. Auch derjenige, der für die historische Größe dieses TageS nicht das richtige Verständnis hat, fühlt es, daß eS für die Iudenheit Wiens von unschätzbarer Bedeutung ist, wenn unsere Stadt der Schauplatz der Beratungen ist, an der die Führer des treuesten Teiles des jüdischen Volkes teilnehmen. Führer, die durch ihren Lebensgang, durch ihre Lebensanschauung lind durch ihre Gelehrsamkeit schon rein menschlich das Interesse von einem jeden einzelnen ohne Parteiunterschied mit volleni Rechte veansprnchen können. Die Versammlungen, die bis jetzt in Wien im Interesse der würdigen Ausgestaltung per Kenessio Gedaulo veranstaltet wurden, standen alle im Zeichen dieser Erkenntnis. Wir hoffen, daß auch in der Hinkunft es so bleiben wird. Sonntag den 13. Mai (27. Jjar) fand im Bethause „Ernunas Owaus", XiV. Bezirk, Storchengasse Nr. 21 eine- Versammlung der Agudas Jisroel statt, zu der die glaubenstreue Judenschaft der. Bezirke VI., VII., VIII, XIV., XV. überaus zahlreich erschienen war. Herr Bethausvorsteher Thnrner eröfsnete die Versammlung. Der erste Redner, L>e. Ehrwürden Herr Rabbiner Weiß sprach sodann zu Herzen gehende Worte und schilderte die Lage des thoratreuen Judentums, das trotz der Kämpfe und Widerwärtigkelten allenthalben zu neuem blühenden Leben erwacht sei. Herr Dr. Joel Pollak sprach über die Ziele und Zwecke der Agudas Jisroel, schilderte den Verfall und das Wiederaufleben echten jüdischen Lebens allüberall, wo sich die Agudas Jisroel ihren Ausgaben entsprechend eingerichtet har. Ohne Großrederei und Wichtigtuerei, wie es einer von der wahrhaft jüdischen Idee getragenen Bewegung geziemt, hat die Agudas Jisroel ihre Aufgaben leharomos keren hathauro erfüllt und wenn sie heute vor die breite jüdische Masse hintritt, so wirbt sie nicht als neue Bewegung um Mitglieder, sondern fordert von ihren Anhängern und Verehrern ihren Tribut. Als nächster sprach Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Flesch eindringliche Worte der Ermahnung und Erbauung un die Anwesenden, die in die Aufforderung ausklangeii, nach ganzem Können und Vermögen beizutragen, zum Wiederaufbau des jüdischen geistigen Heiligtums der Souveränität der Thora und sich einzureihen und mitzukämpfen mit der Agudas Jisroel für ihre hohen Ziele. Anschließend sprach noch Herr F e l s e n b u r g, der den Anwesenden die Pflicht in Erinnerung brachte, nicht nur einmal im Iahe, wenn hiezu ausgefordert wird, ihren minimalen Beitrag zu leisten, sondern jeder einzelne muß als Träger der Idee einstehen, arbeiten und kämpfen. In der anschließenden Diskussion versuchte ein Herr den Standpunkt der nicht gesetzestrcucn Organisation und der mit ihnen Verbundenen zu vertreten, wurde jedoch durch Herrn Gustav Pappenheim logisch und rasch von der Haltlosigkeit seiner Auffassung vom Standpunkte des gesetzestreuen Jüdenturns überzeugt. Fast alle Anwesenden schlossen sich der Bezirksgruppe 6 der Agudas Jisroel an, sodaß sich dem, moralischen ein ebenbürtiger materieller Erfolg zur Seite stellte. Am gleichen Tage fand im Bethausc der Ehassidim (Sadagorer Klaus, II.- Herminengasse 8). eine glänzend verlaufene Kenessio Gedaulo-Bersammlnng statt. Herr Moses Blech referierte über die Ziele und Zwecke der Agudas Jisroel und ihrer Kenessio Gedaulo. Die Anwesenden schlossen sich ausnahmslos der Agudas Jisroel an. F'rnkfurt a. Wie wir bereits kurz gemeldet, leitete die hiesige Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel die Propaganda für die Kenessio Gedaulo mit einem Vortragsabende ein, an welchem Herr Renlschuldirektor Dr. Carlebach-Hamburg in zündenden, die Zuhörer tief erschütternden Ausführungen, besonders die Beziehungen der Agttdas Jisroel zu Erez Jisroel kennzeichnete. Redner verstand es, aus der reichen Fülle sitzner Erfahrung heraus die unbedingte Notwendigkeit einer selbständigen orthodoxen Organisation des jüdischen Volkes,' eben im Interesse von Klal Jisroel zu begründen. Er ver- _ 31. Mai 1923 langte aber auch ein verschärftes Verantwortlichkcitsgesühl jedes einzelnen Agnoisten für alle diejenigen Fragen, welche Klal Jisroel berühren. Nur so werde die Aguda als Organisation im jüdischen Volke jene Stellung einnehmen können, welche per Vertretung der Thora zukomme. Als zweiter Redner des Abends beleuchtete Herr Jacob Rosenheim die Ausgaben der Kenessio Gedaulo nach ihrer Jnnenwirkung für die jüdischen Massen, in erster Linie das gegenseitige Verständnis für die Eigenart eines jeden Landes,, welches schon heute durch die Tätigkeit der Aguda wesentlich gefördert wurde, durch die Kenessio Gedaulo aber mit ihrem rabbinischen Rate einen ungeheuren Ansporn erhalten werde. Des weiteren hob der Redner dte Bedeutsamkeit der Kenessio Gedaulo für die Stellung der Orthodoxie im jüdischen politischen Leben gegenüber den Mächten der Erde hervor, welche nunmehr Gelegenheit haben werden, jenen Teil des jüdischen Volkes kennen zu lernen, der in Wahrheit das Kolk der Bibel repräsentiere. Mit einem warmen Appell zur Mitarbeit schloß der Vortragende seine packende Ausführungen. Einige Tage nach diesem .Abend sprach' Herr Rabbiner Beermann vyr einem meist ans östlichen Gesinnungsgenossen bestehenden Publikum in tief durchdachten hinreißenden Worten über die Verpflichtungen eines jeden Einzelnen, anerkannten rabbinischerr Autoritäten, welche an der Spitze der Aguda stehen, Gefolgschaft zu leisten. Einzelvorträge in den Bote Midrvschim, welche am Sabbat von einzelnen Vorstandsmitgliedern der Orts- und Jugendgruppen gehalten wurden, erzielten einen schönen Erfolg. Nunmehr beabsichtigen die Agudagruppen hier Aussprache-Abende über die Ausgaben der Kenessio Gedaulo. New-Gork, 10. Mai. Am letzten Sonntag fand im Lokale der Agudas Jisroel eine große Massenversammlung mit der Tagesordnung „Die Kenessio G e d a u l o " statt. Aus der Menge der Versammelten ragten die bedeutendsten hier anwesenden Rabbis und Rabbiner hervor. Nach kurzer Begrüßung-durch den Vorsitzenden, Mr. Goldstein, sprach als erster Redner Rabbiner Gorfinkel. Er erläuterte den Zweck der Versammlung, begrüßte mit Worten tiefster Verehrung den anwesenden hohen Gast, Rabbi Menachem Mendel Käscher ans Warschau und wünschte ihm viel Glück .zur Herausgabe seines Standardwerkes V"NvN1, welches die Zierde jedes jüdischen Hauses bilden wird. Redner bespricht die Agudata tigkeit in Amerika und konstatiert, daß ihre Lokalitäten jeden Abend vollgefüllt von Lernenden sind. Er schildert dann die Bedeutung der Kenessio Gedaulo und' das eminente Interesse, das die amerikanische Orthodoxie an der Sammlung der Orthodoxen zu einer Weltorganisation hätte. Rabbiner Schuhado Witz betont, daß die Aguda in Amerika die einzige Organisation ist, die sich um die Kaschrusangelegenheiten bekümmert. Rabbiner D>r. Leo J un g weist nach, welches gewaltige Interesse gerade Amerika daran hätte, alle orthodoxen Kräfte im Indentunr zu mobilisieren und zu sammeln. Es sprechen ferner fast alle anwesenden Rabbiner, ebenso Herr Bettelheim aus Wien. Darauf ergreift Rabbi Menachem Mendel Käscher das Wort, dankt für die w!arme Begrüßung und spricht sich sehr begeistert über die Kenessio Gedaulo aus, von oer das jüdische Volk ungemein viel zu erwarten hätte. „Zurück zur Thora!" so werde ihr Ruf lauten, und es wird ein echter Sinairuf sein. Er beantragt, im Schoße der amerikanischen Aguda einen Sabbatschutzverein zu gründen, was auch' gleich geschieht. Es werden zum Schluß folgende Resolutionen angenommen: „Wir orthodoxen Juden in Amerika vereinigen uns mit den Juden der ganzen Welt, die bestrebt sind, die jüdische Gesamtheit auf dem Boden der Tradition zur höchsten geistigen und moralische n Höhe zu bringen, in Palästina wie in der Dias Hora. Die im El ul in Wien unter Leitung der Thora Autoritäten zu samm en tr eten d e Kenessio Gedaulo .hat unsere größten Sh inst athieen und werden wir die Zeit bis zu den Wahlen ausnutzen, den Gedanken der Agudas Jisroel so zu P r o p a g i e r e n, daß kein v r tho d o xe r Jude in Amerika mehr außerhalb der Organisation stehe. D!i e Massenversammlungbegrüßt es, daß, die

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