Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1923)
- Date
- 1923-05-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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31* Mai 1923 Frankreich, wozu in den letzten Monaten die Winteraktivn des Joint hinzukam — nicht möglich gewesen." Auf eine Eingabe der jüdischen Frauenliga in Genf wurde beschlossen, den Kampfs der Frauen gegen den Weltantisemitismus zu fordern. Eine weitere Resolution fordert die Frauen auf, ftir die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Leben der Gemeinde einzutreten. Mol»«. VIe neue Iftalorifäf im Selm- Marsch««, 3. Mai. In der Abmachung zwischen ben Sejmgruppen „Ehiena" und „Piast" zur Bildung der Majorität rm Parlament sind u. a. folgende Punkte enthalten, deren Tendenz allzu durchsichtig ist: JNr M! ili tärdienst muß die polnische Snpe rio r ität g e w a h-r t werden und die nationalen Minderheiten dürfen zu den militärischen Kanzleien, nicht zugelassen werden. An den Universitäten sollen vor allem Studenten polnischer Nationalität den Vorzug genießen. Die Regierung soll sich bemühen, daß der H a n d el einen nationale p o l n i s ch e n C h a r a k t e r an nehme. Es so llen daher „Fremde" bei der Uebernahme von Liefernngen in Regierungsinstitutionen ausgeschlossen werden. Eine Wahlordnung soll geschaffen werden, die dem polnischen Volk die Möglichkeit garantiert, in allen Fragen ohne die nationale n Mind erhei ten zu entschaiden. Nach Bestätigung der neuen Wahlordnung sei der gegenwärtige Sejm aufznlösen und neue Wahlen seien auszuschreiben. — Ein nettes Programm! Der „Najer Hüjnt" weiß zu berichteil, daß sich die „Alliance Israeli te Universelle" in einein Memorandum an ben Premierminister Poincar 6 mit dem Ersuchen gewandt, er möge bei der polnischen Regierung intervenieren, d ie Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge einzu steilen. Poincare richtete ein Schreiben all den französischen Botschafter in Warschau, bei der polnischen Regierung im Sinne des Gesuches zu wirken. Auch der Po mische Botschafter in Paris, Graf Zamojski, wandte sich in gleichem Sinne an die polnische Regierung. Die beibeit Interventionen lang teil aber erst nach erfolgter Durchführung der Ausweisung a ii. Die Bombenaffenfafe in Polen- Warschau, 27. Mai. In Krakau wurde vür kurzein ein Bümb'enattentat gegen, die Wohnung des^ Rektors der dortigen Universität, Dir. Natansohn, der als Jude das Mißtrauen der antisemitischen Stndeiiteiischaft erregt, verübt. Seitdem hören die Bombeuattentate in Krakau und Warschau nicht inehr auf. Dias letzte Bombenattentät galt einer a n t i s e m itische n Zeitung in Warschau, nach-- dem vorher in Krakau der Versuch gemacht worden ist, die Redaktion eines j ü d i s ch - pol - nischen Blattes in die Luft zu sprengen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß aüch das letzte Warschauer Attentat gegen das AntisemitenblaLt von antisemitischen Provokateuren verübt wurde, um den Mob zu Gewältmaßregeln gegen die Juden aufzureizen. ein srtkmSoxer lvabifieg. Lodz, 83. Mai. Die Stad trat Wahlen brachten einen Sieg der vereinigten Orthodoxie ans der ganzen Linie. Die größte Zahl der jüdischeil Ratinänner fiel auf die sogenannte Liste 17, oas ist die Liste der Aguda. Sie erhielt im ganzen 9893 Stimmen und 5 Ratmänner. Es lind dies die Herren Senator Oscher Men de lsohn, Debütierter N. Minzberg, die Ratmänner I. Bermann und Tobias Bijaler und Redakteur 'A. M. Rogowi. Die. Liste 16, die Zionisten, Misrachi, Handwerker und Kaufleute vereinigt, erhielt rund 1500 Stimmen weniger und nur 4 Kandidaten. D e r I s r e l i t glimmt. Die Selmmahlen in Litauen. Konmo, 27. Mai. Obwohl die endgültigen Resultate der Wahlen noch nicht vorliegen, läßt sich schon mit Bestimmtheit übersehen, daß die nationalen Minderheiten mit 14 Mandateil in den neuen Landtag einziehen werden. Unter ihnen stehen die Juden an erster Stelle mit 7, der Rest fällt ben Polen (4), Deutschen (2) und Russen (1) zu. Die fiebeit gewählten Juden bilden die bereinigte jüdische Liste, auf die auch „Achduth", unter Preisgabe des Dr. Rachmilewitsch eingegangen ist. An seiner Stelle wird also im jüdischen Club Rabbiner Kahn mann aus Pomwesch die Orthodoxie vertreten. Es sind außerdem gewählt: 3 Zionisten, und zwar Rosenbaum, Robiilsohn und Garsunkel, außerdem Rogillski vom. Kaufmännischen Verein und Finkelstein von den Deirlokrateu. Der Name und die Parteistellung des siebenteil jüdischen Deputierten ist noch nicht bekanut. Sollst ^vird sich der zukünftige Seyiiletwa folgendermaßen gestalten: Im ganzen wird er 78 Sitze zählen, von denen der 'Christliche Block 40 eiililehmen wird. Die OpPofiLivn, die ohne die ilationalen Minderheiten aus Bolkspartei und Sozialdemokraten besteht, erhielt nur 24 Mandate, sodaß der reaktionäre christliche Block sogar bei dem Zusammengehen der Opposition mit den nationalen Minderheiten immer noch als Majorität dasteht. 'Sa aber dieses letztere Zusammengehen bei dein differierenden Interesse in den meisteil Fällen garnicht denkbar ist, so bedeuten hie Wahleil sogar die Begründung der unbeschränkten Wacht der nationalen christlichen Parteien. KirHland. Ser ksmeier Rabbiner Wigs, 3. Mat. Zu der Nachricht in voriger Nummer über die Ausreise des von der Sowjetregierung verfolgten Rabbiners Borischanski nach Palästina teilt der Korrespondent des I. K. B., der den Rabbiner in seiner Wohnung besuchte, nach Folgendes mit: Der neueste Prozeß der Sowjetgerichte ging gegen Rabbiner Schneiersohn und wurde in dessen Verlauf allen Rabbinern und Dajanim von Hümmel unter Androhung schwerster Gefängnisstrafen verboteil, religiöse Entscheidungen in Handelssachen zu treffen, da diese eilten Eingriff in die Befugnisse der Gerichte bedeuteten. Rabbiner Borischanski, der eben erst eine siebenmonatliche Gefängnisstrafe für eine abfällige Aenßerung gegen die antireligiöse Taktik der SowieLkommissare abgebüßt hat, befürchtet eine neue Verhaftung, da er auf dem Standpunkt stand, eine rabbiuische Entscheidung in Streitsachen, ivo sie von beiden Parteien angerufen wird, greife so wenig wie jedes andere Schiedsgericht in die Arbeitsgebiete der ordentlichen Gerichte ein. Es werden ihm als demVorsitzendell des Homeler Besdin eine Reihe solcher Delikte zur^ Last gelegt, sodaß zu befürchten steht, daß die SowjeLbehörden feiner Ausreise nach Palästina Hindernisse in den Weg legen werden.!£h*m&nie*n Rumäniens Untoerfifäfen. Wrrkarest, 4. Mai. All den U nive r s i tat c it herrschen immer noch böse Zustände. 'Dias blutige Ergebnis der zweitägigen Schlacht (18. und 19'. April) zwischen der antisemitischen Studentenschaft und den jüdischen Hörern in Bukarest sind über 70, zum größten Teil sehr schwer verwundete Juden. 'Tie Staat s a n w a ltsch g f t hat mm zum ersten Male auf akademischem Boden eingegriffen. Die rumänischen Studentenkorpo rationell haben den Boykott gegen die Hochschulen erneut ausgesprochen und verwehren überall den jüdischen Hörern den Zutritt zu den Nr. 22 Seite 5 Vorlesungen. An ben Hochschulen in Bukarest kommen fortwährend Balgereien vor, die sich auf die umliegenden Boulevards ausdehnen. Abgesehen von den Studenten wurden auch jüdische Passanten in den Straßen Bukarests wiederholt attackiert.!Diese setzten sich aber kräftig zur Wehn und, schlugen zum größten Teil die Angriffe ab. Der Prozeß gegen die wegen des Ucberfalls auf die jüdischen Studenten in Bukarest verhafteten rumänischen Studenten hat dieser Tage begonnen. Die Regierung gibt sich ehrliche Mühe, die anarchischen Zustände innerhalb der Behörden zu bekämpfen und den Regierungsverordnungen mehr als" bisher Geltung zu verschaffen. Jtamrttt«. Der Rabhlnemerhand in Amerika. N-»>-Y«rk, li. M-i. Die Tagung des amerikanischen Rabbiner- Verbandes Zeitigte eine Reihe weittragender Resultate. Seine besonderen Sympathieen gehörten allen Bestrebungen auf dem Gebiete eifriger Palästinaarbeit im Geiste der Thora und Tradition. Er wünschte vom Misrachi, daß er beim nächsten Kongreß für die religiösen Interessen der palästinensischen' Judenheit mit aller Kraft und Energie eintrete. Die Kolonisten, die ohne von dem „Hetter" Gebrauch zu machen, Schmitto halten wollen, sollen nach Kräften unterstützt werden. Die Rabbinerversammtung erachtete es auch als höchste religiöse Pflickv, alle Institutionen des alten Jischuw zu erhalten. Die Begeisterung für Palästina war so groß, daß alle diesbezüglicheu Resolutionen einstimmig angenommen werden. Eine lebhafte Debatte entwickelt sich im Anschluß an den Bortrag des .Herrn Rabbiner Tr. R o f e n b e r g, Pounkers, über die A g u d a s I i s r o e l. Einige Misrachimitglieder opponieren gegen einzelne Ausführungen. Andere, plädierten für Vereinigung von AgNda und Misrachi. Rabbi Meier Berlin spricht sich ebenfalls für eine Einigung aus, sucht aber vom Misrachi die Verantwortung für die Unstimmigkeiten abzuwälzen. Misraehi habe von jeher die Hand zürn Frieden offen gehalten. Zur Frage der Organisation tvird beschlossen, daß die Leitung des Rabbinerverbandes einem Präsidinin von drei Mitgliedern obliegen soll, das mit 7 Fünferkomitees und 7 gewählten Mitgliedern die Verwaltungstätigkeit ausübä. Es kommt noch einmal die Affäre Tillinger zur Sprache. Es wird von verschiedenen Seiten der Vorwurf gegen die Rabbiner zurückg^wiesen, als hätten sie mit der Enthüllung TMngers einen Reuigen zurückgestoßen. Es' war unabweislich nötig, hier die .Hand auf die Wunde zn legen, mit Hinblick darauf, daß mit dem 'Rabbinernamen in Amerika auch ohnehin ungeheurer Unfug getrieben wird und Zustände eingerissen sind, die unbedingt bekämpft werden müssen. Ein Rabbiner bringt zur Sprache, daß Männer, die sich orthodoxe Rabbis nennen, Freitagabend-Gottesdienfte in späterer Abendstunde nach Schluß der Arbeitszeit veranstalten. Helfen könne nur' eine straffe Vereinigung der orthodoxen Gemeinden und eine ebensolche Vereinigung der Rabbiner zur gemeinsamen Arbeit und zur wirksamen Vertretung ihres Ansehens nach Innen und Außen. Es wird vorgeschlagen, ein Besdin vvn 21' Mitgliedern an die Spitze der Rabblnerorganisation zu stellen, welches auch als Schiedsgericht in Streitigkeiten zwischen Rabbinern und Rabbinern oder Rabbinern und Gemeinen zu gelten hätte. Unabweisliche Notwendigkeit sei aber, die Bereinigung aller wahrhaft orthodoexn Gemeinden zu einem einheitlichen Gebilde. Es wurde zuletzt noch eine Resolution einstimmig angenommen zu Gunsten des Diskinschen Waisenhauses in Jerusalem. In das Präsidium wurden gelvählt die Rabbiner Löwenthäl, Rosenberg und Silver, als Sekretäre