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Der Israelit · 1923-05-31 · Heft 22 (31.5.1923) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 22 (31.5.1923)
Date
1923-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 22 Der I s roelit Rothschild als Mädchen im Londoner Gastend der ihrer sozialen Arbeit im Religionsunterricht tätig war und zusammen mit ihrer Schwester selber einen „Leitfaden durch die biblische Geschichte" heransgab, hatte sie sich des Vorzugs gu erfreuen, einen Brief von dem großen englischen Staatsmann zu erhalten, der recht charakteristisch ist. Der Brief aus dem Jahre 1870 lautet: Liebe Constanze! „Ihr Buch erreichte mich mitten in der Erregung über öffentliche Angelegenheiten und ich konnte es erst heute anschen. Ich habe es mit vielem Vergnügen getan, denn Sie beschreiben in einem lebhaften malerischen Stil die große Geschichte unserer Ahnen und haben mit Kraft und starkem Empfinden ihre unsterblichen Erlebnisse behandelt. Ihr Buch ist aber seinem Wesen nach erzählenden Charakters und nicht kritisch, deshalb bezweifle ich, ob es richtig ist, daß Sie ein kritisches Element hereingebracht haben, wie z. B. bei dem Kommentar über Jakobs Segen. Es gebührt sich nicht, daß ein Schriftsteller teilweise von den Prinzipien der historischen Kritik- Gebrauch macht, und ihre vollkommene Anwendung würde den ganzen Charakter Ihres Büches verändern." Ganz der Ihrige, B. Disraeli. Der Schwerster Anny schrieb Disraeli über das gleiche Buch, er bezweifle, „ob es richtig gewesen sei, daß sie statt der uralten jüdischen Bezeichnung für Gott den konventionellen Begriff „The Lord" in ihrem Buche benutzt hätte." Wir konnten aus der großen Fülle des Interessante, das Lady Batterseas Buch bringt, nur einige wesentlichen Stellen herausgreifen und möchten nur noch auf die zahlreichen, sorgfältig ausgeführten Illustrationen Hinweisen, die eine große Menge Familienporträts der Rothschilds darstellen, außerdem auch die beiden bekannten Oppenheimschen Bilder von der Uebergabe und Rückgabe der Schätze des Kurfürsten von Hessen-Cassel im Hause Meyer Amschel Rothschilds. Ganz anderen Chiarakter wie die persönliche Lebensschilderung' der englischen Rothschild-Beteranin trägt der schmucke Band, den der Frankfurter Bibliothekar Christian Wilhelm Berghöffer unter dem Namen „Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses" im Rahmen der „Frankfurter Lebensbilder", herausgegeben von der Historischen Kommission der Stadt Frankfurt, veröffentlicht (Frankfurt a. M. 1923 Englert & Schlosser). Nach all den Legenden und Anekdoten, die sich um den Namen und die Lebensgeschichte des Stammvaters des! Hauses Rothschild ranken, ist Berghöffer mit kritischer Wissenschaftlichkeit und der bei aller Liebe zur Sache hierbei notwendigen Nüchternheit an den weitschichtigen Stoff hevangetreten und hat auf Grund seiner archivalischen Studien eine abgerundete Geschichte des Hauses Rothschild als Geschäftsfirma von den ersten Anfängen an bis zum Aufstieg des Hauses zur Weltbedeutung geliefert. Die ganze geschäftliche Entwicklung von dem kleinen Münz- und Anttquitätenhandel bis zur Gründung der auswärtigen Häuser wird an der Hand der Urkunden und Ziffern eingehend verfolgt. Menu dabei die Legende von dem in den Rothschildschen ZMnfässern verborgenen Vermögen des Kurfürsten von Hessen, die sogar in SrUossers Geschichte übergegangen ist, zerstört wird, so darf man sich darüber mit der eingehenden 'Darlegung fcer, wirklichen Vorgänge, die Kerghöffer gibt, gerne trösten: Berghöffer kommt zu dem Ergebnis: „Der Kurfürst hat bei seiner Flucht Meyer Amschel Rothschild nicht sein Vermögen, auch nicht einen Teil desselben, zur Aufbewahrung übergeben, und das Haus Rothschild verdankt nicht einem derartigen Zufall, wie alle Welt bisher angenommen hat, seinen Reichtum und seine Macht, vielmehr ist dessen Wachstum wie auch seine Vertrauensstellung beim hessischen Kirrfürstenhaus nur langsam und durch zähe Ausdauer befördert worden. Nicht vor, sondern während der Erilzeit haben die Rothschilds durch ihre Treue, Anhänglichkeit und Leistungsfähigkeit dasjenige Maß von Vertrauen beim hessischen Fürstenhaus erworben, das auch die Legende ihnen zuschreibt." In einem besonderen Abschnitt gibt Berghöffer ein Mb von der menschlichen Persönlichkeit Meyer Amschel Rothschilds, wobei er nicht unterläßt, ouf seine tiefe Religiösität und seine das ganze Leben verklärende andauernde Beschäftigung mit der Thora hinzuw e i s e n. Meyer Amschel Rothschild schloß sein Leben mit dem Jom kippur «k Nachdem er am 16. SePtenÄer 1812 den ganzen Dag stehend in der Synagoge zugebracht hatte, machte er am folgenden Tage sein Testament und wurde am Rüsttage zum Sukkothfeste zu Grabe getragen. Das Berghöffersche Werk in seiner ernsten und vornehmen Sachlichkeit ist jedenfalls aufs dankbarste zu begrüßen. Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Ketrtz. tlermon, Uerlags’Bhfiengefdifchaff. KrankfrrrL a. M., 24. Mai. In das 'hiesige Handelsregister ist unter der Firma Hermvn, Verlags-Aktiengesellschaft" eine Aktiengesellschaft eingetragen worden, die, mit einem Gesamtkapital von 200 Millionen ausgestattet, eine Druckerei errichtet hat und sich der Herstellung und Verbreitung von Druckschriften jüdischen Inhaltes, Büchern und Zeitschriften, widmen will. Nach dem Gesellschaftsvertrage hat die Gesellschaft bei allen ihren geschäftlichen Unternehmungen die religiösen Vorschriften des überlieferten Judentums zu beachten. Ties gilt namentlich für die Auswahl der von ihr hergestellten und verbreiteten Druckschriften, für ihre Beteiligung, an anderen Berlagsunternehmungen, sowie bezüglich der unbedingten Einhaltung der religionsgesetzlich gebotenen Ruhe an den Sabbaten und israelitischen Feiertagen. Eine Aenderung dieses Paragraphen des Gesellschaftsvertrages bedarf der Zustimmung sämtlicher Aktionäre. Jedem Aktionär wird durch die Satzung ausdrücklich ein Sonderrecht erteilt, die Einhaltung dieser Bestimmungen von der Gesellschaft zu fordern. Den Vorstand der Gesellschaft bilden die Herren Heinrich Eisemann, Frankfurt a. M., der sich im Interesse der Sache bereit gefunden hat, in die Direktion ehrenamtlich einzutreten, sowie als technischer Leiter Herr Isidor Mendel. Dem Aufsichtsrat gehören folgende Herren an: Bankdirektor Gustav Benario (Deutsche Effekten- und Wechselbank), Frankfurt a. M., Vorsitzender, Emil Isaak, Frankfurt a. M., stellvertretender Vorsitzender, Ferdinand Bär, David Bloch, Rechtsanwalt Dr. Isaak Breuer, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Lindenbaum, Leopold Mosbacher, Jacob Rosenheim, Adolf Stern, Bankdirekdor Dir. N. E. Weill, Isaak Wolfs, sämtlich in Frankfurt a. M., Bankdirektor Wilhelm Cohn, Hamburg, Max Feiber, Hamburg, Hugo F a Ick, Berlin und Jacob Levy, Berlin. Die Gesellschaft hat mit der Verlag des Israelit G. m. b. H. einen Pachtvertrag abgeschlossen, wonach sie auf eine Reihe von Jahren die geschäftliche Administration des „Israelit" und die technische Herstellung des Blattes in ihrer 'Druckerei übernimmt. Irgendwelcher Einfluß auf die Redaktion und die geistige Leitung! des „Israelit" -steht den Organen der Gesellschaft nicht zu. Das Büro des „Hermon" befindet sich Gr. Eschenheimerstr. 23, die Druckerei Schützenstraße 12. 31. Mai 1923 Beteiligung an der Bekämpfung des Illäddienhandeis- Ilerttn, 15. Mal. Vor kurzem fand im Einvernehmen mit dem Jüdischen Frauenbund unter Vorsitz des Hilfsvereins der deutschen Juden in Vorbereitung der Wieiter Frauentagung eine Konferenz statt, in welcher' der ^Generalsekretär der Londoner „Association for the Protection of Girls and Women" über Fragen des- Mädchen- und Frauenschutzes referierte, namentlich auch über eine Konferenz des Völkerbundes in Genf im Juli 1921, der er als einziger jüdischer Vertreter beigeordnet ist. Dieser eingehenden Berliner Besprechung wohnten die Vertreter der großen jüdischen Organisationen bei, die den Fragen des Frauen- und Mädchenschutzes' ihr besonderes Interesse zuwenden, aber auch über diesen Kreis hinaus waren einige Vertreter geladen. Es wurde beschlossen, an den Grenzübergängen an Land- und Flußwegen jüdische Schutzkomitees zu bilden, bezw. die 'bestehenden auszubauen und der Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Sitz der Zentrale ist Berlin; dieselbe setzt sich zusammen.aus dem Hilfsverein der deutschen Juden, dem Jüdischen Frauenbund, der Großloge für Deutschland, dem Ärbeiterfür sorgeamt und der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Weltkongreß jüöifther trauen. Wien, 18. Mai. Der Weltkongreß der jüdischen Frauen, der vorige Woche in Wien tagte, war von 75 Delegierten aus 18 Ländern beschickt. Es wurden Berichte über die Tätigkeit der jüdischen Frauenvereine in den einzelnen Ländern erstattet. Tie Vertreterin aus Italien konstatierte, daß Italien ein Land ohne Antisemitismus sei. Frau Menzel ONadja hielt ein hebräisches Referat über die.praktische P alästinaarbeit, das ergänzt wird durch ein Referat der Frau Mossinsohn, Jaffa. Die Versammlung stellt sich geschlossen auf den Hoden eifriger Palästinaarbeit, ohne sich für irgendeine Partei zu engagieren. lieber die Bekämpfung des Mädchenhandels sprach Frl. Berta Pappenheim, über Kinderfürsorg e Frau Werner, Hämburg, Frau Billi Fischer referierte über das von der Aguda organisierte „Jüdische Hilfswerk Wien". Wir entnehmen ihrem Referate folgende Angaben: „Organisatorisch der „Agudas Jiswel" angeschlossen, auf streng religiöser und ritueller Grunolage stehend und eben deshalb für jedermann zugänglich, fährt das I. H. unter dem Zwange den Verhältnisse eine Reche von Aufgaben: die Wöchnerinnen-, Säuglings-, Kranken- und Kurfürsorge,, die Hilfe für durchreisende Auswanderer und die Repatriierung, die Stellenvermittlung und Gewerbeförderung einstweilen noch in ambulanter Weise fort und verausgabt hierfür im Monat durchschnittlich 150 Millionen. Aber das I. H. steht prinzipiell auf dem Standpunkt, daß jede ambulante Hilfe sobald als möglich durch eine ständige Einrichtung ersetzt werden muß, sein Ziel ist der planmäßige Aufbau gefährdeter Wischer Existenzen. Diesem hauptsächlichem Zwecke dienen vorderhand das erste Kriegswaisenyaus für 50 Knaben in Baden, Germergasse, dem am selben landschaftlich »nd sanitär ausgezeichneten Orte ein bereitsangekaustes, in Einrichtung begriffenes Waisenhaus für 100 Mädchen aus den Pogromgebieten zur Seite steht, ferner das Knabenrnternat und Lehrlingsheim in Wien, Schimmelgässe und endlich die auf einem Areal von 20.000 Quadratmetern -angelegten „Jüdischen Werkstätten" im 12. Wiener Gemeindebezirk^ Edelsinngasse, bestimmt für -300 Waisenknaben, die hier — außer ihrer vollständigen Verpflegung und religiös-geistigen Erziehung — in den verschiedensten Handwerken unterwiesen werden sollen. Der Betrieb der Tischlerei ist bereits ausgenommen woroen. Die Fabriksanlage der Jüdischen Werkstätten. mit den Wirtschaftsgebäuden und dem freien, für Schrebergärten bestimmten Grundstück ist eine Schenkung von drei Wiener Wohltätern. Auch sonst sind die fundamentalen Bedürfnisse bisher aus Wiener Spenden gedeckt worden. Aber schon die bisherige Arbeit wäre ohne die gelegentliche Hilfe des Auslandes — besonders von Holland, Belgien, der Schweiz und-

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