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Der Israelit · 1923-05-17 · Heft 20-21 (17.5.1923) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 20-21 (17.5.1923)
Date
1923-05-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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t 9 *33 l älter 17 Mai l«23 förcinigintg dieser Familien das Recht bestreiten können, über die Erhaltung dieser Prinzipiell zu wachen. Ter Umstand aber, daß die Aguda vielfach in Konflikt kam mit dem Zionismus, der für das politische, nationale und ökonomische Wohl der Inden alles tun wollte, aber dabei die Religion als Privatsache achtete, hat leider schoil viel Zwistigkeiten cntftcljcn lassen. Ter . Glanbenseifer der Aguda sah sich wiederholt gegenüber der tätlichen Mißachtung vor steligionsgesetzen, die von dem Zionismus an den Tag gelegt wurde. Tann und wann wurden Versuche -angewandt, um die Kluft zu überbrücken, vergebene. Tic Ausgangsprrnkte lagen zu weit auseinander. Wohl sind Hunderte von Anhaltspunkten, aber der tiefliegende Gegensatz, ob alles von der Thora beherrscht werden sollte oder nicht, uracht ein friedliches Zusammenarbeiten nicht möglich. Wie man auch über ben Anlaß und die Absicht der Balfour-Erklärung denken möge, sie war uuftreitig ein Erfolg für ben Zionismus. Aber auch die Aguda freute sich, daß dadurch auch für ihr Streben in Palästina mehr Hoffnung auf Erfolg entstehen würde. Als aber San Storno die Jewish Agency ins Leben rief, mußte die Aguda wohl verlangen, dringend verlangen, daß sie darin in religiösen Angelegenheiten ihr entscheidendes Veto hören taffen konnte. Kein Machthunger oder . Eifersucht diktierten dies Anforderungen, sondern ausschließlich religiöses Bewußtsein. Tie Aguda hat hier eine Niederlage erlitten. : Man wird abzuwarten haben, was ans der Balfour-Erklärung, was ans dem Zionismus und seiner Paläftinaarbeit sich entwickeln wird, bevor man endgültig die Beziehungen zur Aguda festlegen kann. j Tie Aguda beschränkt sich aber keinesfalls; nur auf Palästina. Ueberall will sie das uralte Judentum geistig und materiell zun: Aufblühen bringen. Tie Ketten, worin es durch Unglauben und j es wäre ein Irrtum, zu glauben, daßsie darüber ihre Mtarbeit an der Schaffung einer mächtigen allweltlichen orthodoxen Organisation vergessen hätte. Im Gegenteil, eben diese unangenehmen Erfahrungen, die die thoratreue Wählerschaft beim Bilden des Minderheitsblockes machen mußte, die kleinliche und intrignierende Politik der Nationaljuden, haben der Orthodoxie neuerlich bewiesen, wie notwendig es ist, sich endlich von der Bevormundung durch andere Parteien zu emanzipieren und selbständig zu werden. Eine solche Stärkung der überlieesrungstreuen Judenheit bezweckt die Aguda, eine solche Selbständigkeit soll durch dick Kenessio und ihre Beschlüsse erreicht werden. Doch das litauische Judentum und mit ihm die ganze Orthodoxie ist sich dessen bewußt, daß der eigentliche Zweck der Aguda, das eigentliche Ziel der Kenessio ein höheres ist, als von bloßen politischen Rücksichten gefordert. Sie sind sich dessen betvußt, daß es gilt, nicht mir die Orthodoxie als politische Partei zu stärken und zu organisieren, sondern daß es um die Zukunft des Judentums überhaupt geht, unr die Wahrung unserer heiligsten Güter, um den Schutz unserer überlieferten Lehre vor dem frechen Zugriff eines von den Schlagworten der Zeit verblendeten „liberalen" Nationalisums. Sie sind sich dessen bewußt, daß die heilige; schloffen, die Kenessio Gedaulo in Wien zu veranstalten. Abgesehen davon, daß geographisch Wien ungemein günstig gelegen ist, dürste es auch wohl wenige Zentren des AgndagedankenS geben, die so wie Wien dem Besucher der Kenessi» Gedaulo die praktischen Erfolge der Agudardee vor Augen führen und so das Milieu schaffen, welches für eine Kenessio Gedaulo notwendig ist. Wir lassen an anderer Stelle zur Illustrierung dieser Tatsache den Bericht eines Wiener Korrespondenten über die eingelnen Institutionen des Wiener agndistischeu Hilfswerkes, abgedruckt im „Jewish Mocning Journal" vom 5. April, folgen. " ■ Das „Zewish Mrnitls Journal" in Aew-Nork über bas MWe SWiverk -er Agudas Jisroel. In seiner Nummer vom 5. April bringt dnS „Jewish Morning Journal", die «roßte in New-Aork erscheinende Tageszeitung, einen ausführlichen Bericht eine- Wiener Korrespondenten über die einzelnen Institutionen des „Jüdische» Hilfswerkes" in Wien, den wir hier i«. Üebersetzung §folgen lassen. Tie BorbereiMngen zu dem Kongreß der Sendung des jüdischen Volkes aus denr Spiele j Agudas Jisroel (der allweltlichen Organisation steht, die Rettung unserer Jugend vor den Lockungen der Demagogen. Tie Gefahr eines j Zusammenbruchs des religiösen Judentums, der! jüdischen Ethik droht riesengroß. Sic bannen \ zu helfen, ist heilige Pflicht eines jeden, der! der orthodoxen Judery, welcher hier im August dieses. Jahres abgehalten werden soll, werden schon gemacht. Und während es vielleicht noch verfrüht ist, auf die Fragen, die dort verhandelt werden sollen, des näheren einzügehen, ist es nicht der Mitschuld an dem Verbrechen der t sicherlich am Platze, über die große Hilfsarbeit, Vernichtung werden will. des währen Judentums geziehen Pflicht und Selbstverständlichkeit. ] I Dann muß man viele Ueberredungskünste dazu J ’ brauchen, um einen Menschen zu bewegen, sein! in Brand geratenes Haus zu retten? Nur Blinde können ruhig in ihrem Bette liegen blei- Antisemitismus geschlagen wurde, will sie spren- } ben, wenn das Dach über ihren Kopsen lichter gen, sie will jüdische Kenntnisse verbreiten, zur Betätigung der Thora im Leben anspornen. Einen Bund will sie schaffen, der alle Söhne und Töchter unseres Volkes umschlingen wird, um zusammen die Lasten zu tragen, zusammen die Mühen zu dulden, einander wo nottvendig, Hilfe und Stütze zu sein. Tanl.it glaubt sie ein Gott toohlgefälliges Werk zu tun, und auf unser aller Mitarbeit rechnen zu können. Aordereilungen sür die Kenessio gedaulo. Rüstungs arbeiten in Litauen. Tie litauische Orthodoxie erwacht. Mit Freude und Begeisterung sammelt sie sich unr die Fahne der Aguda und die Arbeit der letzteren wird warm und dankbar ausgenommen. Das thoratreue Judentum hat endlich eine Organik fation, an die es sich änlehnen kann, von der es seine wichtigsten Interessen vertreten und gegen außen verteidigt weiß. Auch als wirksames Gegengewicht gegen die in den letzten Jahren sich mehrenden zionistischen Vereine wird die Aguda von den Orthodoxen begrüßt. So wird eine eifrige Propaganda zugunsten der Aguda entfaltet und seit der Breslauer Konferenz macht auch die Werbetätigkeit sür die Kenessio Gedaulo erfreuliche Fortschritte. Die trefffichen Führer der Orthodoxie, die Vorstandsmitglieder des „Achduth", unter ihnen der bekannte 'Tr. Rachmilewitsch, machen auf die gewaltige Bedeutinig dieses allweltlichen Kongresses aufmerksam, und suchen so viel als möglich Stimmen zusammcnzubringen, um eine wohlorganisierte, starke Landesgruppe repräsentieren zu können. Die Wahlen zum Sejm und die damit zusammenhängenden unerfreulichen Vorgänge haben die. Aufmerksamkeit der jüdischen Bevölkerung in erhöhten! Maße in Anspruch genommen. Aber loh brennt. Diese Blinden sehend zu machen, ist die Ausgabe des Kenessio Gedaulo. Wien. Zwecks Festsetzung der Tagesordnung für die Kenessio Gedaulofindet am 21. Silvan (5. Juni) eure Plenarversammlung des geschäfts führenden Ausschusses der Agudas Jisroel statt. Wien. Um die Vorbereitungen zur Kencssio Gedaulo in der wünschenswerten Raschheit und Geilauigkeit durchführen zu können, wurde in Wien unter Leitung des Herrn David Schlesinger, Mitglied des G. A., das „Bureau der K e ne's fix» G e daulv " errichtet. Frankfurt a. M. Llußer den bereits in der vorigen Nummer der „Blätter" gemeldeten Propagandaversammlungen für die Kenessio .Gedaulo wurden in allen hiesiger! Bote-Midroschim Ansprachen über die Bedeutung der Kenessio Gedaulo gehalten,' welche erfreulicherweise der hiesigen Ortsgruppe bis Jetzt gegen zweihundert neue Mitglieder zuführten. Wahl des r ab bi nischen Rates für die Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland. Halberstadt. Ueber siebzig der Aguda angehörende Rabbiner Deutschlands haben. in der letzten Woche die Wahlen sür den rabbinischen Rat der deutscher! Landesvrganisation vorgenommen. Als Resultat ergab' sich die Wahl der Herren Rabbiner Dr. S. Breuer, Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. H. Ehre nt r eu, München, und Oberrabbiner Tr. Senter, Altona. Kowno. Die litauischen Rabbiner beabsichtigen die Veröffentlichung eines Aufrufes, welcher zum Eintritt in die Aguda und zur Teilnahme an der Kenessio Gedaulo ausfordert die die Aguda in Wien und an anderen Orten leistet, zu berichten. Das Ziel der Agudas Jisroel dürfte, dem Leser des „Morgenjournals" schon mehr oder weniger bekannt sein. Die Aguda ist eine orthodoxe -Organisation, welche bestrebt ist, alle jüdischen Probleme im Geiste der Thora zu losen. Der Weltverband der Agudas Jisroel repräsentiert nach der Erklärung ihrer Führer die orthodoxe Judenheit aller Länder. Die Aguda wird durch einen Waad Haroschi verwaltet, welcher aus 150 prominenten Juden besteht und sich mit allen politischen und kulturellen Fragen besaßt. Außer diesem Waad ist auch ein Waad Harabonim konstituiert, und beide Waad im halten zweimal jährlich gemeinsame Konferenzen ab. Bei der letzten Konferenz, die in Breslau stattgesunden hat, ivaren Vertreter der Vereinigten Staaten, Argentiniens, Oesterreichs, Rumäniens, Ungarns, der Tschecho-Slowakei, Deutschlands-, der ^Schweiz, Polens und Sowjet-Rußlands anwesend. Es wurden politische Probleme behandelt und es ist auch die Palästina-Frage diskutiert worden. Bor kurzer Zeit war ich als Gast bei der Eröffnung des neuen Knabeninternates) das die Aguda errichtet "hat, anwesend. Ich war entzückt über all die modernen Einrichtungen und die Sauberkeit, in welcher das Heim gehalten wird. Es sind dort 40 Kinder untergebracht, die alle ein Handwerk erlernen. 'Derjenige, der mit der ökonomischen Lage Wiens-vertraut ist, wird begreifen, wieviel Arbeit und Mühe es erfordert hat, ein solches Heim zu organisieren, und wie hoch sich die erforderlichen Kosten belaufen mußten.! Die Hilssarbeit der Aguda konzentriert sich j hauptsächlich aus das Versorgen von Waisen-; kindern, Kindern, deren Eltern verschwunden oder \ deren Mütter oder deren Väter vermißt werden, c und werdender Mutter, welche hilflos und verlassen dastehen. Es wird auch armen Handj werkern Unterstützung geboten. Flüchtlinge weri beit in ihre ehemaligen Wohnorte zurückgeschickt, j Kranke und Hilflose mit ollem- Nötigen versehen. Vielen Pogromopfern wurden neue Wohn- «Tt t t r;;1 w Minen 'pogromopsern wuroen neue Lvoyn- Bw jetzt haben berertv 76 der hervorragendsten j hätten zugewiesen. Kinder werden prinzipiell Gedaulo Hatora den Aufruf unterzeichnet. j nicht eher entlassen, als bis sie imstande sind, Wierr. Nach reiflichen Erwägungen hat \ durch ein Handwerk ihr Brot selbständig zu die Leitturg der Agudas Jisroel bekanntlich bcverdienen. 1-leberflüssig ist es zu sagen, daß das

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