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Der Israelit · 1923-05-17 · Heft 20-21 (17.5.1923) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 20-21 (17.5.1923)
Date
1923-05-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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I * S-iie S «r. *# u. *1 &et 9MN1K. ik. Maimm. selbst wenn et zuweilen erst über Berge wandern mußte, um sie zu erreichen, nicht an Ort und Stelle fand. Da verstrich kein Tag, an dein er nicht inbrünstig Tehillim sagte. Da gabs aber auch, aus der Bet- und Lernstube ins Werktätige Leben übergreifend, weit und breit keine Schwerkrankeu oder Sterbenden, die nicht er und seine Gattin besuchten, und es war kein Durchwanderer, deren das an der polnischen Grenze gelegene Rawitsch gar viele sah, der nicht gastfreundlich int Hause Neustadt ausgenommen worden wäre. Eine wunderbare und wundervolle Fügung wollte es, daß in dem Rawitsch weit entlegenen Berlin drei Zeugen seines Wirkens Ehrenwache an seinem Sterbebette hielten. In zitternder Bewegung saß der greise Dajon von Rawitsch, bei dem er Thauro gelernt und nach dem er verlangt hatte, an seinem Lager. Seinen Söhnen rannte er, dem die Tefilloh immer wirkliche A'wandoh war, mit brechender Stimme zu: „Dawnet!" Und ein polnischer Jude, an dem er vor einem Bierteljahrhundert gastfroh GeMiluth cheseo geübt, wurde von der Adas Jisroet, deren Friedhof er sich in letztem Wunsche zur Ruhestätte nuserkor, entsandt, um das Gemiluth chesed schcl emes an ihm zu vollziehen, an seiner entseelten Hülle zu wachen und zu lernen. Seinern Geist und seiner Seele wurde dann noch einmal huldigende Anerkennung zuteil, als Rabbiner Munk vor dem aufs Tiefste ergriffenen zahlreichen Trauergefotge in mächtig bewegten Bildern die Tugenden des Entschlafenen ausbreitete, der seinem Namen .tut cjov ’'.Sn p in jedem Teil und' Betracht Ehre gemacht habe. n'Psm Schlüchtern, 8. Mai. In voller körperlicher und geistiger Frische war es den Ehelxuten Jakob Hain und Frau Sabine geb. Levi vergönnt, das seltene Fest der goldenen Hochzeit, umgeben von Kindern und Kindeskindern, am Lag-Beomer zu feiern. Möge Ihnen »"»n noch eine Reihe weiterer Jahre ungetrübter Lebensfreude zuteil werden lassen. Frankfurter Berichte. Hemeindeversammknug der Syna-sgengemeinde „Asraekittfche Fteligionsgesellschaft" Am Sonntag nachmittag fand in der Aula der Realschule Am Tiergarten, die Ordentliche Gemeindeversammlung der Jsraelittscheu Religlonsgesellschast unter Borsitz des Herrn Naftali Schwabach er bei starker Beteiligung und lebhafte,n Interesse der Mitglieder statt. Der vom Gemeindesekretär erstattete Rechenschaftsbericht geht in seinem finanziellen Teil von einem Vergleich des verhältnismäßigen Anteils der einzelnen Einnahmequellen der Gemeinde an der Deckung des Gesamtbudgets in der B o r k r i e g s z e i t mit der Gestaltung der Verhältnisse im Jahre 1922 aus. Während vor dem Kriege die Schulgelder 30o/o, die S e s s e l m i e t e der Synagoge 22% der Gesamtausgaben ausmachten, sodaß nach Berücksich-- tignng der Geschenke und Zinserträgnisse nur noch 25o/o des Bedarfes durch die festen Beiträge (Steuern) zu decken waren, haben sich die Verhältnisse im Jahre 1922 so gestaltet, daß die Schulgelder nur noch 5»o, die Sesselmiete 4% des Gesamtbudgets betrugen. Die gemäß den Anträgen des neugebildeten Finanzausschusses zu Beginn des lausenden Jahres vorgenvmmenen wesentlichen Gebührencrhöhungen, die aus begreiflichen sozialen Rücksichten allzulange aufgeschoben worden waren, erschienet: daher absolut unvermeidlich. Man ist dabei von dem Standpunkte ausgegangen, daß die Gemeinde bei der Bemessung der den Mitgliedern aufzuerlegenden Lasten unbedingt von der Leistungsfähigkeit des erwerbstätigen Mittelstandes ausgehen müjse, während für die nicht oder nicht mehr Erwerbsfähigen besondere Mildermrgsbestimmungen geschaffen werden müssen. Dies ist denn in der Tat auch geschehen, indem sowohl für die Schulgelder wie für die Shnagogenplätze ein bestimmter Höchstsatz des Einkommens sestgelegt wurde, der nicht überschritten werden darf. Angesichts des schwankenden Charakters der Werwerhä'ltnisse und der völligen Unmöglichkeit, einen I a h r e s Voranschlag aufzustellen, hat die Gemeindeverwaltung mit Beginn dieses Jahres eine vierteljährliche Budgetierung cingeführt. Hiernach wird der Vierteljahrsbedarf an Gehältern und sonstigen laufenden Ausgaben durch Erhebung von Indexzuschl ä ge n auf die in vierteljährlichen Vorauszahlungen zu leistende, nach dem Stands vom 1. Dezember 1922 errechnete G r u n d ft e u e r gedeckt. Leider sieht sich die Gemeinde trotzdem von Monat zu Monat zur Aufnahme größerer Bankdarlehen genötigt, da die Einnahmen mit den rapid wachsenden Verpflichtungen keinen Schritt halten. Den Lehrern und Beamten, die nach der staatlichen Besoldungsordnung honoriert werden, konnte aus Mangel an Mitteln der letzte vom Reich bewilligte -Zu läge monat noch nicht bewilligt werden. Die Gemeindemitglieder werden darum dringend aufgefordcrt, die fälligen S te nervo raus za hl ringen sowie die jetzt ebenfalls vierteljährlich zahlbüren Gebühren für Sesselmieten und Schulgeld mit äußerster Beschleunigung zu leisten und bei der Abgabe der Steuererklärungen pro 23, di'e als Grundlage für die weiteren Zahlungen zu dienen haben, sich ihrer religiösen Pflicht gegenüber der Gemeinde gewissenhaft bewußt zu bleiben. Der Gemeindebedarf im laufenden Jahre beziffert sich nach dem gegenwärtigen Stanoe bereits auf 400 Millionen Mark, wobei jedoch, was der Bericht besonders unterstreicht, der gesamte Bedarf von etwa 200 Millionen f'ür die Kohlen Versorgung der Gemeinde nicht mitberückfichtigt, vielmehr gesondertzudeckenist. Hinsichtlich der Entwicklung der Gemeindeinstitutionen erwähnt der Bericht, daß der Plan des Ausbaues der Realschule zu einer Bollanstalt aus finanziellen Gründen unterbleiben mußte, oaß man jedoch, um den die nichtjüdischen Anstalten besuchenden Abiturienten nach Möglichkeit religiösen Halt und jüdisch-wissenschaftliche Weiterbildung zu g ewähren, einen Ergänzungsunterricht in den religiösen Disziplinen für solche Schüler eingerichtet habe. Die vier untersten Klassen der Realschule und des Lyceums müssen nunmehr abgebaut und sollen allmählich im Sinne des G r u n d s ch u l g e - setzes in den Verband der Jsr. Volksschule übergeführt werden, die somit künftig die gemeinsame Grundschule für die Kinder aller Kreise der Gemeinde bilden wird. Schwere Sorgen bereitet dabei die durch den Wegfall des Schulgeldes in acht Jahrgängen erwachsende finanzielle Belastung. Der Bericht erwähnt die durch eine Sammlung in Höhe von 6—7 Millionen Mark zustande gebrachte Leihbücherei an den Unterrichtsanstalten, die eine außerordentlich bedeutsame Entlastung der Elternkreise darstellt. Aus dieser Bücherei erhalten sämtliche Kinder die ihnen notwendigen Schulbücher gegen Erstattung einer mäßigen Leihgebühr. Die Thoralehranstalt Jeschiwa hat sich im abgelaufenen Jahre weiter kräftig entwickelt und es ist ihr gelungen, auch den Angehörigen ihres Lehrkörpers die Einrechnng in die staatlichen Besoldungsgruppen zu sichern. Der Nachfrage nach Synagogenplätzen kann seit längerer Zeit nicht mehr genügt werden, sodaß ein starkes Bedürfnis nach Vergrößerung der Synagoge offensichtlich ist. — Die Mazzosvers o r g n n g ist in der erstmals wieder in eigener Regie betriebenen Bäckerei zrft Befriedigung des Publikums durchgeführt worden; allerdings wird ein Fehlbetrag aus der Mazzosbäckerei das Gemeindebudget belasten, weil in den letzten Wochen der Aackperiode eine sehr erhebliche Erhöhung der Löhne und Kohlenpreise eintrat. Auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung erwähnt der Bericht die in größerem Umfange durchgeführte Herstellung ritueller Fleisch konserven, sowie die überaus wohltätig wirkende neu eingerichtete Verkaufsstelle für billigeres Koscherfleisch, die trotz des unberechtigten Widerstandes der unter Aussicht stehenden Metzgereien einen vollen Erfolg bedeutet und zu weiteren Maßnahmen in gleicher Richtung ermutigt. Die Gemeindeverwaltung ist nunmehr bemüht, das Kaschruswesen der Gemeinde auch finanziell durch Erhebung von Umsatzabgaben ans eine gesündere Basis zu stellen. Mit besonderer Befriedigung registriert der Bericht die erfolgreiche Betätigung der gemeindlichen Fürsorgekasse, die einem weiten Kreise Notleidender durch Lieferung von Nahrungsmitteln rntd sonstigen Naturalien, abgesehen von reichen Geldunterstützungen die Schwere des Daseins erleichterte und die mit anderen Wohltätigkeitsinftilutionen in angenehmen Formen zusammenarbeitet. Neben dem Georgine Sara von Rothschildschen Hospital, das trotz der Ungunst der Zeiten seinen Betrieb dank der Mithülfe der Stifter aufrecht erhalten konnte, hat die neugegründete Geheimrat D r. Rosenbaum-Heilmittelstiftung eine heute besonders bedeutungsvolle Wirksamkeit entfaltet. Der Bericht fordert zuin Beitritt zu der jüngst gegründeten „Chewras Schomer Mizwvh" aus und gesenkt dann in warmen Worten der rm Laufe des Jahres beimgegangenen ehemaligen Mitglieder der Verwaltung und des Beamtenkörpers, zu deren Ehren sich die Anwesenden von den Sitzen erheben. Die vom Gemeinderat satzungsgemäß ernannte Revisionskommission, bestehend aus den Herren Arthur Oppenheimer, Philipp Posen und Hugo Rothschild, erstattet ihren Bericht und regt die Einrichtung einer ständigen hauptamtlichen Zentralbuchhaltung tut Gemeindebüro an, damit das jetzt bestehenoe System der ehrenamtlichen Einzelkassenführung nach Möglichkeit eingeschränkt werde. Im Anschluß an den Geschäftsbericht erstattete im Aufträge des Vorstandes Herr Bankdirektor Dr. N. E. Weill, Mitglied des Finanzausschusses, ein groß angelegtes, einstündiges Referat über Sie Finanzpolitik der Gemeinde. Der neu gewählte Finanzausschuß habe sich seiner schweren Aufgabe unterzogen in der Ueberzeugung, daß eine Gemeinde, die im Jahr 1913 unschwer ihren Bedarf gedeckt hat, bei unveränderter, ja erhöhter Mitgliederzahl und bei mindestens ungeschwächter Erwerbsfäyigkeit dieser Mitglieder, auch im Jahr 1923 m der Lage sein muß, den Gemeindebedarf zu decken-. Den Schwerpunkt bei der Ermittlung einer festen Basis für die künftige Finanzpolitik lag darin, zur Bemessung der Leistungen einen neuen Maßstab für die Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitglieder zu finden und weiterhin den Koeffizienten festzustellen, mit welchem die zu erhebenden Abgaben jeweils zu multiplizieren sind, um auch bei steigenden Ausgaben eine entsprechende Erhöhung der Einnahmen zu erzielen. Als Maßstab der durchschnittlichen Leistungsfähigkeit wurde das Gegenwartseinkommen eines solchen Beamten festgestellt, der im Frieden ein Einkommen von Mk. 6000 p. a. hatte, als Multiplikator derjenige Steigerungssatz, um welchen die staatlichen Tarife der Lehrer- und Beamtengehälter sich erhöhen, bezw. sich ermäßigen. Bei der Bemessung der Leistungsfähigkeit auf Grund des multiplizierten Friedenseinkommens von Mk. 6000 wurde jedoch grundlegeno festgesetzt, daß diejenigen Mitglieder, deren Einkommen nicht ooer nicht entsprechend gestiegen ist, keineswegs in eine unangenehme Lage gebracht werden dürfen: sie sollen nicht etwa verpflichtet werden, ein Ermäßigungsgesuch einzureichen, sondern in allen Schriftstücken soll zum Ausdruck gebracht werden, daß der Anspruch der Gemeinde sich auch bei Gebühren (Schulgeld, Sesselmieten etc.) auf einen prozentualen Satz ihres tatsächlichen Einkommens beschränkt, einen Satz, der sich meist ganz erheblich unter dem ratierlichen Prozentsatz der Friedenszeit bewegt. Man hat den obigen Multiplikator gewählt in der Erkenntnis, daß allerdings die Ausgaben 'für Heizungszwecke, die prozentual wesentlich stärker gestiegen sind, die Erhebung einer Sondersteuer verlangen werden. Bor Darlegung der Einzelziffern des gegenwärtigen Budgets legte der Referent eine kurze vergleichsweise Zusammenstellung der Budgetziffern des Jahres 1913 vor. Das Gesamtbudget 1912 umfaßte Mk. 294.000, dasjenige für 1922 Mk. 20.870.000. Auf Basis der Gegenwartspreise beläuft es sich — außer Kohlen — auf Mk. 400.000.000, wobei im Laufe des jetzigen Jahres mit einer wesentlichen weiteren Erhöhung zu rechnen sei, da die Anpassung an die Weltmarkts- Preise noch lange nicht erzielt, aber in schneller Folge zu erwarten sei. Im Gegensatz zu der Vorkriegszeit, wo die Mitgliederbeträge nur 22% der Ausgaben zu decken brauchten, während der Rest durch reguläre Einnahmen aus Schulgeld, Sejselmiete etc. gedeckt wurden, müßten jetzt die Steuerbeiträge auf 75% der Ausgaben hinaufgeschraubt weroen. Bon den Einzelbetrieben stellten sich' sie Einnahmen im Verhältnis zu den Ausgaben: Schulgeld Sesselmieten Fleischkasse Bäder Dieser Tiefstand der prozentualen Einnahmen gegenüber den Ausgaben der betreffenden Betriebe habe zwingend eine erhebliche Erhöhung der Gebühren gefordert. Die Durchführung des Steuersystems, das erst seit iy4 Jahr in Kraft sei, sei in stetigem Ausbau und stetiger Verttefung begriffen. In . welch, hohem Maß die starken Schultern herangezogen worden seien, ergebe sich am besten daraus, daß von 1394 Mitgliedern im Jahre 1921 973 Mitglieder, also 70 %, nur 9°/o der vereinnahmten Steuern erbrachten, während umgekehrt 124 Mitglieder oer höchstbesteuerten Klassen, also 9% der Mitglieder zwei Drittel der gesamten Steuereiukünfte zahlten. Der Referent unterstrich die lieb erzeug ung des Finanzausschusses, daß in sämtlichen Steuerklassen die Beiträge sich weit unter der tatsächlichen Leistungsfähigkeit hielten. Hinsichtlich der künftigen Finanzgebarung erklärte der Referent, daß man wegen der dauernden Steigerung der Ausgabenzifsern sich gezwungen gesehen habe, QuartrlbudgetS aufzustellen und in Gemäßheit hierzu quartaliter die Steuerbeiträge und Gebühren unter. Berücksichtigung der jeweiligen Indexziffer zu erheben. Die jetzt zum Versand gebrachte Steueraufforderung verlange eine Leistung, deren Bemessung keineswegs in irgendwelchen! Zusammenhang mit den Prinzipien der staatlichen Einkommensteuergesetze stehe, sondern eine Leistung nach bester Leistungsfähig?ei t jedes Einzelnen, bei deren Verweigerung dieGemeinde gezwungen sei, einen Teil ihrer. Institutionen zu schließen. Der Referent hob die Bestimmung hervor, daß, insoweit neue Deklarationen nicht eingereicht werden und die Heranziehung der Mitglieder auf Grund Verzwanzigfachuna der früheren Deklaration erfolge, der Steuerausschuß sich ausdrücklich das Recht einer Revision der früheren Deklarationen Vorbehalten habe. Hinsichtlich der Sesselmieten und Sch ulgeldgeb Ähren, die jetzt auf das 400fache bezw. 300 fache des Friedenspreises erhöht sind, während die Gehälter auf das 1000 bis 1200 fache anstiegen, ist im laufenden Quartal von der Erhöhung des Jndexzuschlages abgesehen worden, was jedoch in keiner Beziehung als eine Präjudizierung angesehen werden könne. Der Referent legte schließlich noch nähere Ziffern über die Einnahmen und Ausgaben der Fleischkasse, oi e i n einem groben Mißverh.chltnis stehen, vor: alle 1912 1922 der Ausgabe,! für 51 % ÖVs % Schule 150 o/o 25 % Synagoge 95% 13 o/o Schechita und Ueberwachungsgebühren 110% ■ 8 % Heizungskoften

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