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Der Israelit · 1923-05-17 · Heft 20-21 (17.5.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 20-21 (17.5.1923)
Date
1923-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette k Nr. Sv u. » . den Vergleich nicht zu scheuen mit dem, was — überhaupt noch nicht ist und vom Verfasser erst auf dem Wege eines neuen P r o g r a m nr s geschaffen werden s o l l. Dieses positive Programm, den neuen Weg zum jüdischen Leben, kurz noch zu betrachten, soll zum Schluß unsre Aufgabe sein. Schluß folgt.) LMerpomievren v. NacdliOttv Deutsches Reich. Ser tlilfsneretn der Deuif<ften Juden. Nertm, 12. Mal. , Am 6. M!ai 1923 fand unter Vorsitz von Herrn Dr. James Simon die ordentliche Mitgliederversammlung des Hilfsvereins der deutschen II uden in Berlin statt. Aus dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden ift. folgendes zu entnehmen: Infolge der Einwanderungsbeschränkungen'in den Vereinigten Staaten von Amerika und anderer Schwierigkeiten hat sich die Auswanderung aus Osteuropa über Deutschland gegenüber dem Friedensstände vermindert. Immerhin bildet Deutschland noch ein Hauptdurchgangsland für die Emigranten aus Osteuropa und zwar z. Zt. besonders in der Form von Auswanderer transP o r t e u, die von Schiffahrtsgesellschaften und auch Emigratwnsgesellfchaften zusammengestellt und nach deutschen Häfen oder Häfen der Weststaaten geführt werden. Für diese unterhält der Hilfsverein einen ständigen jüdischen Bahnhofsdienst, Tag- und Nachtdienst, am Schlesischen Bahnhof. Im Jahre 1922 passierten den Schlesischen Bahnhof unter Obhut des Hilfsvereins 27 463 Personen; Januar bis März 1923 — 7489 Personen. Aehnlicher Bahnhofsdienst besteht an der Hauptübergangsstelle der deutsch-polnischen Grenze in Stentfch und an der deutschen Westgrenze in Bentheim. 'Die Zweigbüros des HilfsVereins in Hamburg und Bremen, die im Laufe zweier Jahrzehnte bereits außerordentlich viel Gutes für Emigranten getan haben, standen auch im Berichtsjahre ihnen in tatkräftiger Weise zur Seite. Durch die AuswandererhaNen in Hamburg gingen 1922 rund 7700 jüdische Emigranten; außerdem wunderten über Hamburg rund 1500 Personen aus, die nicht in den Auswandererhallen Quartier genommen hatten, lieber Bremen gingen 1922 — 3390 jüdische - Auswanderer über See nach den Vereinigten Staaten, Südamerika und Kanada. Unter Mithilfe des Bremer Büros des Hilfsvereins sind im vergangenen Jahre 380 ukrainische Waisenkinder, die in fünf Transporten von Bremen über See reisten — soweit rwtwendig — eingekleidet und bestens versorgt worden. — Durch Wiederherausgabe des im Frieden erschienenen Korrespondenzblattes des Zentralbüros für jüdische Auswanderungsa n g e l e g e n h e i t e n ist der vom Hilfsverein in den Nachkriegsjahren ilnterhältene Nachrichtendienst über Emigrations- und Jmigrationsangelegenheiten erweitert und vertieft worden. Der Hilfsverein hat es auch wieder übernommen — rate er dies während des Krieges in umfassendster Weise getan hat — als eine Bermittlungsstelle für Geldsendungen und Dokument enüberw ei suu gen nach Rußland an Auswanderer zu dienen. Im Herbst 1922 wurden 25 ukrainische Waisenkinder im Alter von 6—14 Jahren, die in Beßarabien geweilt hatten, unter Mitwirkung des „Joint Distribution'Committee" nach Deutschland überführt. Die Kinder trafen am 10. Oktober 1922 in , Der ASraeM ' Berlin ein,- wurden provisorisch im Kinderfluchtlingsheim in Berlin untergebracht. 17 Knaben kamen bann nach .Ahlem bei Hannover in die Israelitische Gartenbauschule, 7 Mädchen nach dem Kinderheim des Israelitischen Frauenvereins tit Frankfurt a. M.; 1 Mädchen befindet sich noch in einem Berliner Kinderkrankenhaus. Der .Hilssverein wandte auch dem wichtigen Problem der Bekam p f n n g d e s Mi ädchenhandels sein lebhaftes Interesse zu. — Seine kulturelle Tätigkeit im Orient mußte er mit Rücksicht aus die politischen Verhältnisse einstellen. Mit der Abwicklung von Verpflichtungen aus dem Schulwerk ist der Hilssverein noch in Anspruch genommen. Darauf erfolgte die Wahl des Oberlandes-; gerichtsrates Dr. Alfred Nenmayer, erster Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in München, in das Zentralkomitee, die Wiederwahl der statutenmäßig ansgeschiedenen Mitglieder des 'Geschäftsführenden Ausschusses und die Wiederwahl der Revisoren Georg Tietz und Benas Levy. Anschließend sprach Herr Dr. Paul Nathan über die Frage des Hilsswerks für den Osten. In den Randstaaten von Rußland und in Rußland selbst seien ganz gewaltige Ausgaben zu erfüllen, die nicht nur für die Juden im Osten, sondern and) für die deutschen Juden in ihrem harten Kampf gegen den Antisemitismus von eminenter Bedeutung seien, der seine Hauptagitationsmittel den Rückwirkungen der ostjüdischen Einwanderung nach 'Deutschland entnehme und seine Angriffe ohne Unterschied gegen alle Juden in Deutschland richte. Es sei von grösser Wichtigkeit, der Masse der osteuropäischen Juden, die sich noch im tiefen Elend befänden, dazu zu verhelfen, auf eine möglichst hohe Stufe der intellektuelle., und wirtschaftlichen Entwicklung in Rußland zu kommen, damit sie ihr Heil nicht in der Auswanderung zu suchen brauchen. Herr Stadtrat D. D. G i m k i e w i c z sprach dem Vorstande für seine Mühewaltung namens' der Versammelten lebhaftenDank aus und lieh dem Wunsche Ausdruck, daß es dem Hilfsverein noch lange vergönnt sei, unter seiner bewährten Leitung, feine großen Ziele mit gleichem Ge- Xingeit zu verfolgen. 43 GenerafDerfammfunö des israeliflfdien Isehreraereins in Bayern. Würzöurg, 13. Mai. Am Donnerstag, 10. Mai, fand dahier die 43. Generalversammlung des Israel. Lehrer- . Vereins für Bayern' statt. Er bot ein Bild ernsten, edlen und idealsten Schaffens im Dienste der Schule, zum Wöhle des Lehrerftaudes, zum Heile und zur Ehre des Judentums. Kurz nach 9 Uhr eröffnete der 1. Vorsitzende Dingfelder- München mit herzlichen Begrüßungsworten die Tagung, zu der trotz der Ungunst der Zeitver-, hältnisse weit über 80 Kollegen erschienen waren. Seitens der Würzburger Gemeinde riefen Herr Rahb. Är. Hano v er und vom Vorstand Herr H. Engel den Versammelten den Willkommensgruß zu, für den Verband der isr. Gemeinden Bayerns Herr Justizrat Dp. Haas. Außerdem hatte Herr 'Dr. Neumeyer-München in einem überaus herzlichen Anschreiben feine Wünsche für die Tagung zum Ausdruck gebracht. Tingf'elder entrollte in packender Art das Bild der reichen Tätigkeit der Bereinsleitung seit der letzten Tagung; Lichtblicke und Schatten wechselten miteinander ab. Seit Januar 1923 zählt der Verein 202 ordentliche und 7 Gewerkschaftsmitglieder. Seit 2 Jahren haben nicht weniger als 24 Kollegen in Bayern dem Berufe Valet g e s a g t. An Gemeinde und Judentum rächt sich leider, was man seit Jahren als Pflichtvergessenheit mit Erbitterung brandmarkte. Eine Lehrerbildungsanstalt nach -der andern schließt die Pforten. Was dann? — Gleich Dingfelder arbeiten auch der Schriftführer Rosenfeld-München, der Kassier H, e l l m q n u -Würzburg mit altbekannter Treue, 17. Mai 1938 Pünktlichkeit und — Geduld. Auch die ist nötig . gegenüber so manchen, die durch ihre — nehmen wir ein Fremdwort — Indolenz den beiden Herren oft unnötige Mühe bereiten und der Kassa unnötige Ausgaben. Möchten diesbezügliche Klagen doch nie mehr ertönen! Um aber v"vv rott?2 zu sein, muß auch gesagt werden, wie wacker viele Kollegen für den Verein gearbeitet. "Mit Fleißbillet ausgezeichnet wurden Dr. Gutmann-Oettingen, Mahler-Hörstein, Strauß- Uffenheim, Dr. Bamberger-Nnrnberg etc. Allen voran aber schritt Marx-Gunzenhausen, jetzt Nürnberg, der mit Beihilfe seiner im fernen Südafrika wohnenden Kinder und seiner Lieben in Nürnberg Außergewöhnliches leistete. Mit Begeisterung ernannte die Versammlung das ehemalige Verwaltungsmitglied zum Ehrenmitglied des Vereins. Natürlich gossen Hellmann und Rosenfeld sofort eine Portion Wasser in den Wein der Begeisterung: man solle sich von großen Zahlen nicht blenden und berauschen lassen. — Schmerzlich berührte alle die Tatsache, daß die „Freie" ihr Erscheinen einstelle. Der schwere Schritt der Zeit traf auch sie. Mit Wehmut im Herzen, brachte man dem bisherigen Schriftleiter Rosenwald-Winnweiler begeisterten Dank für seine sorgen- und mühevollen Leistungen. Das „Jüdische Echo" in München wird eine Art pädagogischer Ecke dem Vereine gewähren, .alle 4 Wochen etwa zwei Seiten. Zu seinem 25 jährigen Dienstjubiläum hätte man Rosenwald, der mit großen Reiseschwierigkeiten von der Pfalz herüberkam,, wahrlich ein anderes Angebinde gewünscht. — In gewohnt klarer Art referierte Seminar-Oberlehrer Stoll über die Beamten-Kranken-Zuschußkasse. Er wies nach, daß es ratsamer sei, der Ortskrankenkasse beizutreten. Warm begrüßt wurde der Plan, innerhalb des Vereins eine „Krankenhilfe- Stiftung" zu errichten, ein neuer Zweig edelster sozialer Fürsorge und Bruderliebe. Möge er blühen und wachsen! — Der im ^Vorjahr berührte Gedanke, aus der bayrischen „Bildung s b e a m t e n g e w e r k s ch a f 1" auszutreten, soll nun vollzogen werden, jedenfalls schmerzlos. — Ter temperamentvolle 2. Vorsitzende Ehrenreich-Nürnberg ließ wieder grelle Schlaglichter auf die Misere des Lehrerstandes fallen, den Kontrast zwischen Leistungsfähigkeit und Leistungsunwilligkeit beleuchtend. Viele betrachten den „Verband" nur als' Melkkuh; die Distriktsausschüfse haben noch Arbeit genug, hier aufzuräumen mit unhaltbaren, ver- > alteten Ideen und das soziale Gewissen zu schärfen. — Trotz Bemängelung der „Dreiviertel- Eingruppierung" wurde freudig; und rückhaltslos die segensvolle Leistung des jungen Verbandes -anerkannt. — Nach dem Mittagsmahle konnten die Freunde trockener Paragraph enberatung -auf den Plan treten. Es galt einer Statutenberatung. "Tie gründliche Vorarbeit machte indes die Sache garnicht so langweilig. Hier sei nur hervorgehoben, daß der Verein nunmehr offiziell seinen Sitz in Würzburg hat. — Gegen 5 Uhr schloß die Versammlung, die wieder zu einem Jungbrunnen geworden für die in schwerer Zeit ideale Ziele verfolgenden Kämpfer im Judentum. Tie Vereinsmitg'lieder verabschiedeten sich diesmal umso herzlicher von ihrem -allbeliebten Vorsitzenden, als dieser eine weite Seereise vorhat. Er möchte seinen einzigen Sohn und Geschwister in Amerika besuchen. Möglicherweise verfolgt er auch sonst noch geheimnisvolle Pläne. Gesagt hat er nichts davon. Jedenfalls wünschen wir gesunde Rückkehr und allen lieben Kollegen frohes Wiedersehen im kommenden Jahr. gfdjwei?. folgen 0es Sthädifoerbofs. Zürich 6. Ma«. Nach einem Eingesandt im hiesigen „Israelitischen Wochenblatt" ist die Koscherfleißh misere in einen gefährlichen akuten Zustand übergetreten und zwar infolge der fast völliM

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