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Der Israelit · 1923-05-17 · Heft 20-21 (17.5.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 20-21 (17.5.1923)
Date
1923-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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17 Skai IE deutsche Bruderhand sich ih!m entziehe, wo eS gilt . . ." . Und Heute? 'Ter Leitartikel des von Wulle heraus-, gegebenen „Deutschen TägMaltes" zum letzten Hi in me (fuhrt singe trug die Ueberschrist „Haß" und es wird darin lang und breit ausgeführt, daß „das! völkische Gewissen Deutschlands eine systematische Erziehung aller Schichten des deutschen Volkes zum absoluten Haß verlange." Im Deutschen Reichstage, der die reife Frucht der Saat von '1848 darstellen sollte, in diesem Reichstage halten fünsundsiebzig Jahre spater, am 12. und 14. M!ai 1d23, Graf Westarft, Henning und -Andere Reden zur Verteidigung der deutschvölkischen Verbände, zur Anklage gegen das Judentum und gegen alles) was an lebendigen Kräften im Volke noch wirksam ist zur Wahrung und zum weiteren Ausb au der Freiheit's'tr,aditio nen von 48. Und der Bericht registriert: Beifall, im Hause und Händeklatschen auf der Tribüne . . . In diesem Reichstage muß irr der gleichen Verhandlung Scheidenranu konstatieren, daß „die Deulschvölkifchen nicht einen Völkerbund wollen, sondern einen V o l ks bu nd des Ha s se s, Haß an der Mutterbrust, Haß, in der Schule, Haß in der Kirche, Haß in der Kaserne, Haß im. Herzen, Haß in der Faust, Haß, Haß, Haß!!" „Was soll aus eurem Volke werden," fragt er, „wenn ihm solches andauernd gepredigt wird; wenn Gerichte über deutsch-völkische Buben zu verhandeln haben, die nach einer Versammlung in Berlin auf die Straße gehen, um gemäß einem Befehle des Vorsitzenden, 'Juden zu verprügeln? . . Das sind im Großen und Gänzen die Worte und die Feststellungen der heutigen Nationalversammlung, aus Krieg und Revolution geboren, die, mit den Worten von damals verglichen, sehr nachdenklich stimmen müssen, uns doppelt nachdenklich, als Deutsche und als Juden. Es ist heute nicht der Geist der .Pauls-; kirche, der die Welt beherrscht; nicht Dahlmann, Robert Blum und Ludwig Uhland haben das Wort, sondern Hitler, Wulle und Ludendorff. Umsomehr hat Frankfurt, hat Deutschland Grund, den Tag feierlich zu begehen. Nur darf er nicht eine wehmutvolle Erinnerung bloß sein, er muß Ansporn, Anregung zur nachdenklichen Sammlung und Einkehr sein, dann kann er vielleicht Quelle und Ausgangspünkt neuen Werdens, neuen sittlichen und politischen Aufschwunges sein, zu einem Tage werden, an dem die Sonne so voll und so hell die deutsche Erde beleuchtet, daß sich alles finstere Nachtgelichter wieder in die tiefe Versenkung.verkriecht. Ties Falle, wo es gilt zu beweisen, daß die n"fl Frieden verbreiten. Der Ausspruch R. Elasars im Namen R. ChaninaS kommt im Talmud 5 mal vor (Berachot 64 a Keritot r8d, Jebamot 132 b, Nasir 66 b und Tamid 32b.) Dieser Ausspruch bildet den Schluß von vier Talmudtraktaten (Berachot, Keritut, Nasir, Jebomai- und einem Abschnitte eines Traktates (Tamid, 4. Abschnitt). Nach der mir vorliegenden Warschauer Talmudausgabe kommt das Kipn bx nur im Traktat Berachot vor, während die andern Traktate (ebenso der Abschnitt 4 im Tamid) bloß mit dem Vers , aus Jesaja schließt lohne Kipfl *?k). In Tamid 32 b wird als Amor dieses Ausspruches R. Elasar ben Afarja (und nicht R. Elasar im Namen R. Chaninas) angegeben 9. Aus all diesem ließe sich vielleicht folgendes schließen: Erstens, daß cs zwei ähnlich lautende Autoren zweier ähnlich lautender Aussprüche gab, die ihrer Aehnlichkeit wegen zusammengezogen und vom Setzer oder Abschreiber mißverstanden wurden. Der Ausspruch R. Elasars im Namen R. Chaninas lautete ursprünglich: Die n"n werden Erbauer (der Welt genannt, wie geschrieben steht: „Und wenn all' deine Söhne s^'22) Gelehrte Gottes sein werden" usw. Darauf folgte der Nachsatz -ui -p* Kipfl Der Ausspruch R. Elasar ben Asarjas hingegen lautete bloß: Die n"fl vermehren und verbreiten den Frieden, u. z. unter Berufung auf den Vers in Jesaja. Zweitens: Der Traktat Berachot, der mit vielen Pialmversen schließt, die Frieden verkünden und verheißen, schloß ursprünglich mit dem Ausspruche R. Elasars im Namen *) Bergt, fliiss z. St. In Jebamot a. a. O. bemerkt Nascht i"Ji wto "i *iök »an, woraus deutlich hervorgeht, daß auch Nascht eine Lesart vor sich hatte. unser Glückwunsch als Deutsche und Juden zum achtzehnten Mär. ÄtmWeHaveie. „Achduth^. ist ein schönes Wort, — wenn es sich wie „Schotaum" Ms „Emeth" gründet und nicht um den Preis ehrlicher innerer Ueberzeugnng /geht. Die litauische Orthodoxie., .als politische Einheit ist noch zu jung und erfährungsarm, um dies zu wissen und dem lockenden Glänze des seines! Wahrheitsgehaltes beraubten Wortes! zu widerstehen. Sie hätte ansonst der Welt das' Schauspiel nicht geboten, das diese, soweit sie von politischer Reife und Prinzipientreue etwas weiß, gelinde gesagt, nicht verstehen wird. Für die bevorstehenden Wahlen irr den Sejnr hielt es die in „Achduth" organisierte Orth)" doxie für gut, ihre Hand ben Nationalen und Asfimilanten zum Bunde zu reichen. Die Blockbildung mag nach Lage der 'Dinge unabweisbar nötig gewesen sein, und wir wollen darüber nicht rechten. Dabei war aber der Orthodoxie zugemutet worden, ihren berufenen Führer und den verdienten Verfechter ihrer Interessen nach innen und nußen, 'Dir. R a ch m i l e w i t s ch, falle n zu lassen. Und was tat „Achduth?" Sie ließ ihr Organ „Dias jüdische Leben" neu erstehen und wies in ganzen langen Artikelserien überzeugend nach, worauf der Wunsch der Gegner letzten Endes hinausging,wies nach, daß der hier abgeschossene Pfeil nicht Rachnrilewitsch, sondern dem orthodoxen Judentum zugedacht war, wies nach, daß mit diesem Kandidaten „Achduth" stehe und falle und daß dessen Ausschaltung eine völlige Kapitulation an die vereinigten Radikalen bedeuten würde, wies noch manches nach, was für Eingeweihte keines Beweises bedurfte und — ließ zuletzt Rach inile -« witsch fallen, schloß den Pakt mit der Gegenseite, ohne ihn . . . Man mißverstehe uns nicht. Wir haben gewiß nicht das Mindeste gegen den schließlich an die Stelle Rachmilewitschs getretenen orthodoxen Kandidaten, den Rabbiner vonPonjewesch, einzuwenden — im Gegenteil, wir erwarten von dieser hochbegabten jungen Kraft noch bedeutende Leistungen für das gesamte gesetzestreue! Judentum. Aber hier handelte es .sich nicht mehr um Personen, sondern um ein Prinzip, bei dem es kein Zurückweichen geben durste. Kowno krankt in den letzten Jahren 'an einigen mißverstandenen, auch bewußt mißdeuteten To l e ranz traditio n en, die auch hier ihre Hand im Spiele hatten. Trotzdem legen wir diesen frappierenden Um f all nicht der Kownoer und litauischen Orthodoxie R. Chaninas und R. Elasar ben Asarjas2). Diese beiden Aussprüche wurden ihrer Aehnlichkeit wegen! mißverstanden und zusammengezogen, die Hauptsache daß die n"fl Erbauer der Welt genannt werben) wurde weggelafsen, das Kipfl Vk ist aber geblieben^). Im ,td^ vnwp-Gebete rufen wir dreimal aus in B'pi ’rr Ikib” und zwar unter Berufung auf Talmud Traktat Rofch halchana 25 g, wo erzählt wird, daß Rabbi seinen Schüler Chija nach Ln-tob zur Einsegnung des Neumondes sandle und von diesem als Zeichen der vollzogenen Funktion den Spruch verlangte: „David, der König Israels, lebt immer und ewig." Da nun bet Einsegnung des Neumondes dieser Spruch (^kib» in) verlangt und geleistet wurde, ist es aurb begreiflich, daß er im Segensspruch des fl)2b B>vrp beinhalten wurde. Es fragt sich bloß, weshalb R. Jehuda hanassi ausgerechnet diese Parole von R. Chija verlangte und in welchem Zusammenhänge diese Parole mit der Festsetzung des Neumondes steht. Auf dieses Schlagwort (Kw'v-Zelchen, Parole) wurde, wie aus Talmud jerus. Synhedrin, 1. Abschnitt deutlich hervorgehi, großes Gewicht gelegt. Denn als man diese Parole abschaffen wollte, fragte R. Simon: „Sollen wir für Judäa gar kein Andenken zurücklassen?" Was hat denn Judäa und König David rillt PlTp Vinn zu tun? 9 -) Bergl. K^annü zu Berachot (Ende), wo er das TflS begründet. > 3) Bergl. K"Bnnö zu Jebamot (Ende), wo ausdrücklkch bemerkt wird, daß an an derer Stelle des Talmuds noch das Kipfl ^k vorkommt (gemeint ist Traktat Berachot). 9 Bergl. Monatschrist für Geschichte und Wtffenschast des Judentums von Graetz und Frankl, 33. No. SO ». 11. Sette S. zur Last, sondern setzen ihn, wie schon angedeutet, aus Konto der politischen Unerfahrenhüt und. Unbeständigkeit der sie vertretenden „Achduth". In den orthodoxen Kreisen Litauens in Stadt und Land wird man, so vermuten wir, für diese Taktik nicht mehr Verständnis haben, als wir ihr entgegenzubrmgen vermögen. Man könnte uns entgegenhalten, mit dein Urteile bis zum Ausgange der Mahlen und zur Etablierung des neuen vereinigten „Jüdischen Klnb" zu warten. Allein wir sind bereits genugsam reich an B l o ck erfahrungen. Und die Beispiele liegen nicht im Westen, wo vielleicht andere Maßstäbe anzulegen sind, sondern gerade im Osten. In Warschau war das Blockzuscmlmengchen von der Orthodoxie wirklich öou Anfang an r.e i n technisch gedacht und auch durchgesührt. Trotzdem ergaben sich solche Schwierigkeiten und eminente Gefahren von Grenzverschiebungen, daß heute gerade der j ü n g e r e Flügel der polnischen Orthodoxie — der gleiche, der in Litauen zur „Einheit" auch um 'den höchstem Preis drängt — nach Klärung, Reinigung und womögliche T r e n n u n g förmlich schreit. j Werden die Jüngeren der „Achduth" in Litauen in einem geeinten „Jüdischen Klub", der seine Zusammensetzung ihrer Schwäche verdankt, ja die Kraft aufbringen, sich gegen Maja risierung, ^etiouminbunq und Vergewaltigung zur Wehr zu setzen? Das Erwachen, des sind wir sicher, kommt, aber es kommt spät, um den Preis einer Fülle von kostbarer Zeit und Kraft, die wir gerade jetzt so bitter 'nötig hätten? Her Weg zum jStzWen Leben. III. Cohn versichert der Orthodoxie seine „Ehrfurcht und seine werbende Liebe". Tie Gesetzestreuen — sagt er — haben bis heute immer noch mehr als die anderen, sie haben die Thora als offenbartes' G e s e tz, dessen subjektive Spiegelung der G e h o r s a m ist, in dem ihre Demut sich bewährt; sie haben sie als Ueberliefe-» rung, deren subjektive Spiegelung die Ehrfurcht istder gesunde Konservatismus, der die Ueberlegenheit des Charakters, die Freiheit der Seele verbürgt. Nun jedoch kommt das große „Aber", das wir trotz seiner Länge im Wortlaut hierhersetzen, weil wir in der um der Wahrheit willen unvermeidliche Auseinandersetzung dem Verfasser den vollen Vorzug seiner glänzenden Diktion nicht verkürzen möchten. Dies also ists, was Cohn ver- Aü' diese und ähnliche Fragen werden beseitigt durch die Bemerkung von Elasar Atlas (im Haasts, Warschau 1885), die es verdient, hier kurz wiedergegeben zu werden. Bekanntlich fand die Elnsegnung de« Neumondes stets in Judäa statt (vergl. Synhedrin 11 b.) Nun sah sich Rabbi genötigt, zum erstenmal e und ausnahmsweise diese Funktion außerhalb Judäas (also in La-tob) vornehmen zu lassen. Dieser Schritt hätte leicht falsch aufgefaßt werden können, man hätte darin gleichsam eine Preisgabe von Jerusalem, der Residenz deS . Davidischen Königshauses, überhaupt eine Lostrennung von Palästina erblicken können, wie beispielsweise zur Zeit RechabramS. Diesem total falschen und müßigem Gerede entgegenzutreten und ihm gleich von Anfang mit aller Klarheit und Entschiedenheit die Spitze zu brechen, befahl Rabbi seinem Jünger R. Chija, die Neumondseinsegnunq außerhalb Judäas zwar vorzunehmen, aber als Zeichen, - daß diese Handlungsweise keine Mißachtung gegen Palästina und keine Lossagung von Jerusalem bedeute, soll er d!e Parole ausgeben: „David, der König Israels, lebt ewig", d. h. wir haben dieselbe Ehrfurcht vor Jerusalem, als ob der König David darin residierte und hoffen nach wie vor auf den Erlöser aus dem Hause Davids und die Wiederkehr feiner Regierung in Jerusalem. Als man aber später diese Parole aus Mißverständnis abschassen wollte, fragte R. Simon mit Recht: Sollen wir für Jehuda sgemeini ist das Haus Davids, auch Jerusalem) kein Andenken mehr zurücklassen?" Daß wir im genannten Gebete diese Parole dreimal wiederholen, spricht m. E. für diese Erklärung. Jahrgang, Krotoschin 1884. In dem Artikel über Ln-tod sind viele Talmudstellen enthalten, die hier ausgelassen wurden.

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