Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 20-21 (17.5.1923)
- Date
- 1923-05-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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.Grttr 9 Rt SO tt. fl .- - - . - - - - -. Siwün macht es zu einem Feste derThora, zu einem Sinai feste, die Verschiebung des Festes auf wandelbares' M-onatsdatum und seine Festsetzung auf bestimmten Wochentag löst es vom Sinai und reduziert es zu einem rein nationalen Fe st e von landwirtschaftlicher Bedeutung, zu einem Erntefeste, wie es auch andere Völker feiern, ohne Bezug auf das unter Donnergetöse ertönte welterlösenoe „Onauchi!" Der sechste .Siwan ist die Befreiung durch Sinai, das .Sonntagsfest der Sadducäer bedeutete die Befreiung vorn Sinai!.. . Was wir damals in einigen immerhin längeren Zeitabständen erlebten, spielt sich heute auf parallel laufenden Wegen, nur nach Länoern getrennt, vor unserenr Auge ab. Ein Blick nach' dem Osten, nach Sowjetrußland, zeigt uns die wn in der älteren Form, die gleich ihren großen griechischen Vorbildern, alle ihnen durch günstige Umstände in die Hand gespielte Macht zum V e r n i ch t u n g skampf ausnutzen gegen alles', was jüdisch und heilig ist. Wie die hellenistischen Steuer- und Tempelkommissare von dazumal, so haben es auch die jüdischen kommunistischen in Rußland mit dem "WO v ersucht, haben die Sy na-, gogen und Lehvhäuser nicht zerstört, aber sie ihres heiligen Gehaltes' beraubt, die Beter und Jünger mit Waffengewalt daraus vertrieben und sie in Clubs und Kasinos umgewandelt, in denen man 'das Fehmgericht über Cheder und Ieschiwa, Sabbat und Miloh abhält, über Rabbiner, die sich erkühnen, nach Thoragesetz zu entscheiden, Demonstrationen gegen den Jom Kippur vorbereitet.- Ein Blick nach anderen Ländern, und nicht zuletzt nach dem Lande unserer heiligen Träume und Hoffnungen Palästina, zeigt uns aber die Abtrünnigen der zweiten, milderen Art, die von innen heraus nicht weniger gefährlich arbeiten, die sich der Tempel, vorab jüdischen Schulen, aber auch der alten Lehre bemächtigen, um sie unter der sadducäischen Losung „Los vom Sinai" zu nationalisieren. Die Thora sei geheiligte Literatur, altgeheiligtes Kulturgut und in Ehren zu halten; wie man der alten Groß,- mutter ihren Altenanteil und ihren Ehrensitz gewährt, vorausgesetzt, daß; sie sich in die Dinge des Lebens, von denen sie nichts versteht, nicht ein mischt . . . Der Sabbat sei gut — weil von hohem sozialem und nationalem Werte und wird demzufolge, nach vielen Diskussionen freilich, offiziell unerkannt. Dias vierte Gebot, dem wie allen anderen, ein begeistertes yüW WW aus sechshunderttausend Kehlen entgegenschallte, ist bei jüdischnationalen Neu- Worte des Wilnaer Gaon. x. In Ruth Kap. 3. Satz 12 sagt Boas zu Ruth: '121 imiaw ’.nni Tto® '*7 a'iw „Gott bezahle dir deine Tat, und dein Lohn sei vollständig von Gott, dem Gotte Israels". n7iyB ist die Einzelleitung, die Gott gleich belohnt, 12P oderni2L>vdes Menschen Verdienst, wie es sich aus der Summe der Leistungen ergibt und bleibenden Lohn über das Erdendasein hinaus erheischt, im Sinne der Mischna vbip2 ownii'B »an bw na*p ppm nn. Rutü verdient Lohn für jedwede fromme Tat, *ppB '1 atop», aber der bleibende Lohn ihres Gesamtverdienstes wird ganz und vollkommen berechnet, ohne Abstrich für die Jahre, da sie im Heidentum verharrte, ganz so als wäre sie Jüdin von Geburt '121 na»?tt> *jmi2B»D vm XI. Im gleichen Satze wird von Boas der Ruth erteilte Segen mit den Worten begründet: riianb rata irx _ 8^ Mk-iSw. | Mündungen einer Beratung und Abstimj mung unterworfen, wird mit Stimmen-, j Mehrheit offiziell angenommen, indes der inoffiziellen Sabbatentweihu n g nach wie vor Tür und Tor in den jüdischen Gassen wie vor Tür und Tor offenbleiben. Welche Taktik größere Gefahren in sich birgt, die der ersteren oder die der letzteren Religionsfeinde, die beide in dem Grundprinzipe zusammenlaufen: „Los vom Sinai!", wird die spätere Geschichte lehren. Ein sinniges Weisenwort sagt: „Als die Thora an Israel gegeben ward, lief Satan, dem sittliche Menschenerhebung zuwider ist, und suchte sie, die Thora. Er schrie zum Himmel hin-, -auf nach ihr. Aber der Himmel antwortete: „Ich besitze sie nicht mehr." Er stieg in den Abgrund hinab und suchte dort nach der Thora. Aber der Abgrund sprach: „Sie weilt nicht bei mir ..." Satan suchte die Thora nicht, er suchte sie nur den Menschen, dem Volke, das erkoren war, mit ihr den Menschen voranzuleuchten, zu entziehen. Und dabei wandte er zweierlei Mittel an: Er hob. sie in den Himmel. Er zerrte sie in den Abgrund. — — — Es wird dem Satan im Lande der Sowjets nicht gelingen, die jüdische Religion, ihre Einrichtungen und ihre Anhänger mit Henker und Gefängnis in den Abgrund zu bohren. Hier sind die Gefahren so nahe und so offen, daß Israel nicht die Erfahrung von Leidensjahrtausenden haben müßte, wenn es sich nicht davor zu schützen wüßte. Aber hüten wir - uns ebenso,, ja noch mehr vor Satan, der bei dem Neuaufbau um seres Lebenshauses die Thora in den Himmel hebt, um sie auf diese Meise ebenfalls unseren Blicken und unserem Tun zu entziehen. Es hat schon einmal einen aus' unserer Mitte gegeben — er wird wieder von unseren.Nation nalkulturellen in allen Tonarten gepriesen — der die Lehre in den Himmel hob, sie mit der absoluten „Feindesliebe" und „Tötung des Fleisches" vergeistigte und verinnerlichte und in höhere Sphären hinaufrückte — indes unten auf. Erden alles so kalt uud öde blieb, daß das Verderben nicht aufhörte und sich nach zweitausend Jahren Welterlösung noch die diesen Lehren angeblich folgenden Völker gleich entfesselten Bestien gegenseitig zerfleischten. Es ist dies die Folge des Bestrebens, die Lehre in den H i m - Mel zu verlegen/121 jrn D’owa »to Nicht in Himmelsregionen, noch in des Abgrunds Tiefen suchen wir unsere Thora, in uns und um uns ist und wirkt sie als □"H min. als der Odem, der unserem Sein im Ganzen wie im Einzelnen Leben verleiht. Je mehr, offen oder versteckt, das „Los vom Sinai" an unsere Ohren 17 Mat um dringt, umsomehr und enger werden wir uns um den Sinai sammeln. ser «chtrrhntr Mai Frankfurt feiert den achtzehnten Mäi gls einen Tag höhen Gedenkens, der aber als solcher nicht der Mainstadt allein gehört, sondern dem geeinten deutschen Reiche, im weiteren Sinne dem Weltfrieden und der Weltkultur. Am 18. Mai 1848 nachmittags 4 Uhr versammelte sich in der Panlskirche zu Frankfurt a. M die erste deutsche Nationalversammlung, die, -aus einer Gärung von über dreißig Jahren .hervorgegangen, dem seif den Befreiungskriegen immer mächtiger anwiach senden und durch die Vorgänge in Frankreich zuletzt bis, zum Ueberlaufen gediehenen Freiheitsdrange die erste Form und die rechtliche Grundlage verleihen i sollte. Herrliche Wiorte erklangen an diesem und! den folgenden Tagen in der Kirche am Paulsj platz, Worte von Freiheit und . Brüderlichkeit, die wie der Anbruch eines' herrlichen lichten Lenzesmorgen anmuteten. Wie wenig hat der T a g gehalten, was der Frühlingsmorgen versprach! Fünfundsiebzig Jahre sind seitdem verstrichen. Krieg, Sieg, Reichsigründung und Aufschwung brachten sie in ihrem Gefolge, zuletzt wieder Krieg und Revolution. Aber vergleicht mon die Reden .'von damals, die Worte eines Robert Blum, eines Ludwig Uhland, eines Friedrich Theodor Bischer, eines Dahlmann mit den Worten von Haß und Hetze, von Gift und Galle, wie sie heute durch die Presse und Versammlungshallen schwirren, so steht man vor der erschütternden Tatsache, daß es bei all diesen ErleMffen und Wandlungen kein Drei-- vierteljährhundert des Fortschrittes, sondern des rapiden Niederganges war. Damals, es war am 18. Mäi 1848 bei der denkwürdigen Eröffnung der Nationalversammlung in der Pauluskirche, sagte Dahlmann in seiner Resolution über die Frage der nationalen Minderheiten ungefähr: „Das fortan einige und freie Deutschland ist groß und mächtig genug, um den in seinem Schoß erwachsenen andersredenden und andersgearteten Stämmen und Rassen eifersuchtslos in vollem Maße gewähren zu können, was Natur und Geschichte ihnen zu spricht. Und niemals soll auf seinem Boden, wer sich zu einer anderen Nationalität oder Religion bekennt, zu klagen haben, daß ihm seine Art verkümmert werde, oder die VVZ2 rinn „weil sbu gekommen bist, um Schutz zu suchen in seinen Ftttigen". Im Talmud wird wiederholt die Ansicht ausgesprochen, datz wir so wenig Anspruch auf Lohn für unsere rilllv bei n"2pn haben, wie etwa einer, der fick beim Wohltäter für erwiesene Wohltaten bedankt, für diese Danksagung noch extra Belohnung erwarten dürste. Denn in Wahrheit ist unser ganzes Hüten und Hatten des Gesetzes nur die teilweise Abtragung unserer Dankesschuld an 'fr, der uns aus Mizrajim geführt, am Sinai geheiligt und uns aus erwählt hat, Träger seines Namens zu sein in der Gesamtheit wie in jedem Einzelnen. Danach kann diese Dankesschuld für die jüdische Berufung nur für den bestehen, der ins Judentum hkneingeboren ist und der den Vätern erwiesenen Wundertaten eingedenk bleiben mutz. Für den Proselyten, der von selbst zum Judentum gekommen ist, besteht die Dankesschuld in diesem Matze nickt und erscheint die Lohnerwartung gerechtfertigt. 8» Ruth, die gekommen war, sagt Boas: ntntop ^rnatpa nm *^j>d 'n a^s", Du darfst mit Fug und Reckt auf vollen Gotteslohn rechnen, i'B» rinn man*? nxa die du unbelastet von jüdischer Dankesschuld gekommen bist, um dich freiwillig Seinem Pflichtgesetze zu unterwerfen. Diese Erklärung dürfte auch R, Chassa in Ruth rabba im Auge gehabt haben, da er, ohne etwas zu sagen, nur einen Trennungsstrich zwischen nmapi» »nn oi und nv»x setzt. (Fortsetzung folgt). Einige Vemerkungen.zum Gebeihuche. Von Dr. Felix Kanter in Zwittan (Mähren.) Diese Ueberfchrift ist nicht ganz genau und daher nicht ganz wörtlich zu nehmen. Diese Bemerkungen beziehen sich zwar auf Stellen, die in uwe^m Gebetbucke Vorkommen und infolg-dessen uns geläufig find die aber, dem Talmud entnommen, dort ihren Ursprung haben. Dies gilt zunächst von dem Ausspruche R. Elasars im Namen R. Chaninas von dem Frieden, den die Thoragelehrten verbreiten und in der Welt st'f en, mit welchem Aussprüche die zwei Mtschuohabschniite der Sabbatgebete (a'ibnr» Tan und pp»Tiö naa) schließen. Wegen der Geläufigkeit dieses Ausspruches übersehen die meisten die Schwierigkeit, die dieser Ausspruch enthält. R Elasar behauptet im Namen R. ChoninaS, datz die Thoragelehrten den Frieden in der Welt vermehren und beruft sich dabet auf Jesaia (54,131, wo es heitzt: „Und wenn alle deine Kinder Gelehrte GotteS sein werden, dann wird gr otz der Friede deiner Kinder sein." Wozu dann der Nachsatz "pJ»2 xSx “pJ3 trpn 7K, der in gar keinem Zusammenhang mit der Behauptung R. ElasarS steht? Mit mpn tot wird bekanntlich dann operiert, wenn etwas bewiesen werden sollte, was auS dem zitierten Vers nicht klar und verständlich genug hervorgeht. Dies trifft aber in diesem Falle nicht zu; was R. Elasar behauptet, findet im zitierten Btbelvers vollständig seine Bestätigung. Anders wäre eS z. B., wenn R. Elasar behauptet hätte: die Thoragelehrten werden „Erbauer" genannt. In diesem Falle wäre das xipn tot angebracht, nicht aber in dem