Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1923)
- Date
- 1923-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SM-L Uv. 19 «erMravitt. ILMai 1«S während Graf Reventlow persönlich zur Verhandlung erschienen war. Nach einer langen Verhandlung kam folgender Vergleich zustande: „Graf Reventlow bedauert, daß er aus dem Artikel „La vieille France" die Behauptung, Ginzberg sei der Verfasser der „Weisen von Zion" übenwmmen hat, und erklärt, unter Uebernahme der Ko st e n des Rechtsstreites, daß er heute diese lediglich auf di.e Darstellung der „La vieille France" gegründete Behauptung nicht aufrechterhalten kann. Er übernimmt auch die Verpflichtung, diesen Vergleich in dem „Deutschen Tageblatt" zu publizieren. Auf Grund dieser Erklärung des' Grafen Reventlow nahm der Vertreter Achad Haams, Rechtsanwalt Gronemann, die Privatklage zurück. — Ob nun die blöde Mär selbst zum Schweigen kommt? ein jüötfcfier llnMemlt. Danzig, 5. Mai. Die „Danziger Zeitung" vom 25. April berichtet über eine dort am 24. April von der Deutschen Partei für Fortschritt und Wirtschaft veranstaltete Versammlung, in der Senator Jewelowski über das Wirtschaftsleben Danzigs und die dem Freistaat drohenden 'Gefahre?: sprach. Der Redner ging im Verlauf seiner Rede auf die Ostjudenfrage ein und stellte dabei die Forderung auf, daß „der Zustrom dieser Elemente nach Danzig unterbunden werden müsse." Er bedauert, daß die Bernühungen der Danziger Regierunghier eine Aenderung zu treffen, erfolglos geblieben seien, da der Völkerbund zuungunstenDanzigs entschieden habe. Wie der „Indischen Rundschau" aus Danzig berichtet wird, ist Senator Jewelowski Jude, geboren im Minsker Gouvernement . . . Da es ihn: gelungen ist, Senator zu werden, möchte er offenbar die Grenzen gegen weiteren Ostjudenstrom sperren, damit kein Antisemitismus eingeschleppt wird . . . Dabei soll er selbst durch gewisse private Handlungen dem Antisemitismus neue Rührung gegeben haben . , . | v? T Ser erfle un9 Sriffe Ms! in Polen, gjp., Warschau, 3. Mai. Bei den Denwnstrationen von: 1'. Mai kam es sowohl hier wie auch in Lodz zu schweren Schlägereien und Ueberfällen auf jüdische Arbeiterzüge wie auch harmlose Passanten; in Warschau sogar auf ganze jüdische Gassen. Die Polizei trat sehr eifrig ■ in Aktion und konnte größere l^zesse verhindern. Immerhin werden in Warschauer Zeitungen an 40 Verwundete, zumeist Juden, bei Namen genannt, denen die Rettungswache die erste Hilfe reichen mußte. Am 3. Mai gingen die Verfassungsfeierlichkeiten unter großer Pompentfaltung mit der Enthüllung des Poniatowskidenkmals in Anwesenheit des Marschall Fo ch vor sich. Vom Rabbinate und anderen jüdischen Behörden waren keine Vertreter eingeladen, außer einem Delegierten des Jüdischen Kaufmännischen Vereines, der mit den Vertretern der anderen kauftnännischen Verbände zugezogen werden mußte. Tvotzden: tvurden in fast sämtlichen größeren Synagogen Fest- und Dankgottesdienste für Polen abgehalten. Die ruffifchen Slüchflinge unö Sie 3CD- Laufart, 4. Mat. In der am Sonntag stattgehabten Tagung der Anglo-Jewish Association berichtete der Vorsitzende über die verzweifelte Lage der aus Polen zum 15. Mm ausgewiesenen 11000 russischen jüdischen Flüchtlinge. Die JCA hat aus eigenen Mitteln und ihr zugeflosfenen Beiträgen anderer Körperschaften einen Hilfsfond geschaffen mit dem Ziele, einen Teil der Flüchtlinge ihrem Wünsche gemäß nach Rußland zu repatriiere::, sowie die Härten der Ausweisung nach Kräften zu mildem. Hierbei ist die Unterstützung der auswärtigen Aemter in London und Paris mit Erfolg angerufen worden. Hinsichtlich der Auswanderung von 12 000 russischen Flüchtlingen, die sich in Rumänien besinden, ist es gelungen, die mmänische Regierung zur angemessenen Verlängerung der Frist zu veranlassen. Im Allgemeinen soll diese Frist bis zum 1. Dezember 1923 erstreckt werden. Mr. Wolf referierte sodann über den nu m erus clausus.in Ungarn und Oesterreich. In der darauffolgenden Diskussion weist Mr. Joseph Co wen auf die religiösen Verfolgungen hin, denen die Juden in Sowjetrußland ausgesetzt sind und darauf, daß die weder im zaristischen noch im bolschewistischen Rußland eine Zukunft haben, weshalb die Hilft der JCA dort auf Sand baue. Mir. Leonard Cohen antwortet darauf, daß in Rußland nur momentane Hilfe an die jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter und an die Notleidenden gereicht werde, ohne eine permanente Arbeit zu 'leisten. Er bemerkte u. a., daß die JCA 300 jüdischen verheirateten Flüchtlingen, die sich in Konstantinopel befanden, dazu verholfen hat, sich in Palästina niederzulassen. Die DmbiiSung Ser Jeroiffi Agency. London, 1. Mai. Nach mancherlei .Schwankungen in' den höheren Regionen der zionistischen Politik hat sich die Leitung der Organisation unbeschadet der noch immer betriebenen Vorbereitungen für einen Weltkongreß dazu entschlossen, die Wählen, die ein solcher Weltkongreß für die Jewish Agency eventl. vomehinen wird, nicht abznwarten, sondern einer Erweiterung, d. h. mit anderen Märten einer grundsätzlichen Umbildung der Jewish Agency durch Heranziehung philantrvpischer, und andrer Dr$anifatiionen nicht länger zu widerstreben. In der Tat ist.ja ein solches Vorgehen der zionistischen Organisation im Mandate selbst zur Pflicht gemacht,, allerdings in einer Form, die der zionistischen Organisation grundsätzlich die Möglichkeit läßt, ein Alleinbestimmungsrecht auszuüben und die anderen Organisationen lediglich als dienende Arbeitskräfte heranzuziehen.!T!a jedoch lediglich der Mangel an Geldmitteln es ist, der die zionistische Organisation jetzt dazu bestimmt hat, auf den Weltkongreß nicht zu warten, sondern vor allem an die einflußreichen und gÄdkräftigen englischen Kreise mit dem Ersuchen um Mitarbeit heranzutreten, so wird es wohl unvermeidlich sein, daß man diesen Organisationen auch einen entsprechenden Einfluß auf die Gestaltung der . Dinge einräumt. Bisher hat die zionistische Exekutive den „Board vs Dieputies" und bk „ Anglo Jewish Association" anfgefordert, Delegierte zu einer Vorbesprechung zu entsende::, in der die Fragen der Zusamimenarbeit innerhalb der JewiA Agency erörtert werde:: sollen. Beide Körperschaften haben die Einladung angenomwen und ihre Vorsitzenden, sowie ein .Weiteres, hervorragendes Mitglied zu der Konferenz bevollmächtigt. Da WIeizmann gleichzeitig auch in Amerika den Weg zu den Philantropen uno 'Finanzmänner:: doch wieder gefunden hat,' so ist jedenfalls damit zu rechnen, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit die Jewish Agency sich ziemlich gleichmäßig aus Vertretern des Zionismus und der philantropischen Organisationen zusanunensetzen wird. Inwieweit durch diesen Zusammenschluß die für das' Palästina- Werk erforderlichen großen Summen geschafft werden können, kann allerdings nur die praktische Erfahrung der Zukunft lehren. Die Orthodoxie hat jedenfalls' richtig kalkuliert, wenn sie von vornherein bei ihten politischen Maßnahmen sich von der Ueberzeugung leiten ließ, daß für sie lediglich auf dem Wiege über die Mandatarmacht und nicht durch irgendwelche Verhandgehören an den Pranger und sollten mit Namen genannt werden! Dies wäre dringend geboten und Ihre Rücksichtnahme aus Empfindlichkeit gewisser Leute ist keineswegs am Platze. Im Gegenteil: solche Unmenschen — die wahrscheinlich selbst sehr wohl zu leben wissen und von des Lebens Not und Elend — vielleicht vor dem Krieg — etwas erzählen konnten, dies aber inzwischen vergessen zu haben scheinen, verdienen keine Schonung! Keinesfalls aber, verehrt. Redaktion, berechtigt Sic das, diese traurige Erscheinung zu generalisieren; denn mit Ihrem beißenden Spott treffen Sie auch eine große Zahl von Landgemeinden, die betr. Bezahlung des Lehrers, es ruhig mit den ansehnlichsten Großgemeinden aufnehmen können und deren Wohlanständigkeit und Gerechtigkeitsgefühl unantastbar sind! Daß man auf dem Lande an gewissen Artikeln — meinetwegen an Hosenstoff, wie Sie schreiben — bei denkbar geringsten Unkosten größtmöglichsten Nutzen zu erzielen sucht, diese Erscheinung dürfte auch bei den Mitgliedern einer sog. G r o ß gemeinde in der Großstadt nicht weniger hoch bewertet werden und zur lieben Gewohnheit geworden sein. Sie dürfen auch nicht vergessen, verehrl. Redaktion, es scheint Ihnen offenbar unbekannt zu sein, daß selbst in Großgemcinden Kultusbeamte, Lehrer und Kontore, gestreikt haben, um Gehaltsregulierungen durchzusetzen und daß es sogar eine Großgemeinde gibt — erschrecken Sie bitte nicht —, deren Rabbiner lein Akademiker und Dr.) so glänzend bezahlt wirb, baß »r gezwungen ifft in «ins» Großhandlung Kommisdienste zu tun, um sein Dasein fristen zu können. Also, verehrl. Redaktion, dies sind Beispiele aus dem Volksstaat Preußen und nicht aus Hessen, welch Letzteres sich scheinbar Ihrer besonderen Zuneigung zu erfreuen scheint! IpHtt ■ntSMn 82'Ntt s'2 jjöp Hochachtungsvoll Abraham Loeb, Vorsteher der Jsr. Gemeinde Dieburg. Zu diesen Ausführungen haben wir folgendes zu bemerken: » Da Herr. Loeb selbst für die Schuldigen in unserem Falle den Pranger verlangt, so sind wir ja in der Sache einig. Ueber Form' läßt sich strerten. W i r wählten, wie Herr Loeb sagt, den „beißenden Spott" —, weil alle ernstlichen, dringenden Mahnungen an leitenden und allen anderen Stellen unserer Zeitung leider in der Luft verhallten! Daß der „beißende Spott" besser gewirkt hat zur Aufrüttelung des jüdischen Gewissens aus dem Lande, zeigen uns gerade die vielen Zuschriften -- und „Zurechtweisungen". Vollkommen recht allerdings hat Herr Loeb darin, daß sich unser Merkwort „Schämt Euch!" nicht allein an die Adresse Hessens wenden dürft sondern auch an Preußens Gemeinden. Mr sprachen nur von Hessen, weil unser Fall in Hessen spielt und weil wir an die „unbesetzte Umgebung Frankfurts" dachten. Und zum' Schluß noch ein Wort: Wenn wir für die Lehrer auf dem Laude eintreten, so geschieht es weniger der Lehrer wegen, als oielmehr im Interesse der Gemeinden. Den Lehrern, zumal den jüngeren, dürste es nicht schwer fallen, in andere Berufe zu flüchten; sie besitzen die dazu nötige Vorbildung und Energie zumeist in ausreichendem Maße, zum Glücke nicht immer den dazu erforderlichen Mangel an Idealismus. Was soll aber bei dieser durch Unverstand und Engherzigkeit wohlhabender Gemeirwen verschuldeten Flucht aus dem Lehrerberufe aus' dem Judentum auf dem Lande werden? Was für eine Kleingemeinde nur ein Jahrzehnt Lehrerlosigkeit bedeutet, dafür haben wir heute schon so entsetzliche Beispiele, daß Man sie nicht vermehren soll; sie sprechen deutlicher und beißender, als es der „beißendste Spott" eines anspruchslosen Feuillitvnartikels zu Um verntag. Die von Herrn Loeb angeführten Beispiele aus Stadt und Land, die nicht immer zu Gunsten der ersteren sprechen, glauben wir ihm gerne. Aber Fälle von relativ schlechter Lehrerbesoldung in der Stadt sind uns nur einzelne bekannt, wie wiederum die Fälle halbwegs ausreichender Besoldung auf dem Lande leider nur vereinzelt dastehen. Die Regel ist leider hier absolut ungenüger^r Bezahlung! Varmizwoh. Sohn des Herrn Hersch Melamed, Fronhofstratze S. Synagoge »örneplatz. — Siegfried, Sohn de- Herrn Riffen Kort. Synagoge tzriedberger Anlage. : t