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Der Israelit · 1923-05-10 · Heft 19 (10.5.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 19 (10.5.1923)
Date
1923-05-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10. Mai 1938 No. 19. Sette 8. Konferenzen, die vorjährige timt die dreiunddreißigste, shatten die Rabbiner Bericht über ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen ab, und man gewinnt den Eindruck, als ob sie das religiöse Leben, „wie sie es verstehen", bessern wollen; das aber soll gesagt sein, daßl die Referate und die sich' daran anknüpfenden Diskussionen sich in wohltuender. Weise hoch über das Niveau der einstigen Rabbinerverfammlungen. in Braunschweig und Frankfurt erheben. Bon dem Haß und der Verspottung, die die Protokolle jener deutschen Versammlungen reichliches Material bieten, ist hier nichts zu merken, der Don ist anständig und nicht verletzend. Schon in den beiden Berichter: der Jahre 20 und 21' treten Besorgnisse über die Existenz der Reform in Amerika zu Dage. Rabbiner und Kanzel seien in Mißachtung geraten, die. Dernpel standen leer. Die Reform hat ja nichts Anderes als ihre Tempel, stehen sie verlassen, wo bliebe es da mit der Reform; es sind die sonderbarsten Vorschläge für eine Abhilfe, die bis ins Lächerlichste gingen, gemacht und natürlich abgelehnt worden. Aber auch eine empfindliche Wunde wurde bloßgelegt. Der Rabbinerberuf war durch manche Persönlichkeiten, mit deren Wissen es allzutraurig stand, bei einem großen Teil der Judenschaft in Mißkredit geraten; daraus ergibt sich auch die Fürsorge, die man jetzt der besseren talmudischen Ausbildung der Rabbinatskandidaten widmet- Es scheint dies aber noch nicht vollständig für die. Hebung der Kanzel und des Ansehens des Rabbinerstandes zu genügen, und manche scheinen eine neue Attraktion für notwendig zu halten, und nun kommt der Clou: Die Frage, ob nicht Frauen als Rabbiner für Synagoge und Gemeinde zuzulassen seien, wird auf der Konferenz zur Diskussion gestellt. Es war schon früher einmal der Versuch gemacht worden, diese Frage durch die Konferenz zu erledigen, aber man konnte sich diesem Begehren immer entziehen. Mochten die einzelnen Gemeinden tun, was sie glaubten, nicht lassen zu können, aber eine Entscheidung für die Allgemeinheit zu geben, die, wie sie ausfiel, Aufsehen und Widerspruch Hervorrufen mußte, das wollte man doch vermeiden. Der von der Konferenz mit dem Referat betraute Rabbiner Jacob Lauterbach lehnte, auf Gewohnheit, Bibel und Talmud sich berufend, glatt ab. '!Ten Rabbinerstand würde die Ordinierung der Frauen nicht heben, ja, man würde mancherseits deren Funktton bei Eheschließung nicht anerkennen und eine Aenderung des bisherigen Usus, der bei der Ordination der Rabbiner bei allen Richtungen der gleiche war, würde eine unüberbrückbare Spaltung in der Judenheit Hervorrufen. Die Reform sei das letzte Glied in der Kette der Entwicklung des Judentums, dieses letzte Glied soll aber nicht'von der Kette abreißen. Die Darlegungen des Referenten waren klar und sachgemäß. Aber ans eine Wirkung in seinem Sinne durfte er nicht hoffen, denn eine schwache Stelle steckt in dem Aufbau des Referats, die es zerbröckelt, und hier setzte die Opposition mit Erfolg ein. „Was hat tue amerikanische Reform mit Talmud und Judaism catholic (dort üblicher Ausdruck für altgläubig) zu tun, haben wir doch weit anderes und schwerer Wiegendes' aus unserem Schulchan aruch ausgemerzt", so tönte es dem Referenten entgegen. Und wir müssen sagen, daß das Recht aus Seite der Opposition ist. Ein Reformrabbiner, zumal der amerikanischer Qualität, hat nicht das Recht, sich durch Berufung auf den Talmud einen konservativen Anstrich zu geben. Die Diskussion war sehr matt, weder Höhe des Schwungs noch Tiefe der Gedanken zeichnete sie aus. Es hätte genügt, wenn einer der Herren gesprochen hätte, dann alle vertraten den einen Gedanken: die Frau hat dieselben Fähigkeiten wie der Mann, vielleicht noch bessere, die Frau hat sich in der Schule als gute Lehrerin bewährt, sie ist geübt im Reden, also sie kann auch predigen, und sie vermag wohl den Beruf des Rabbiners, dessen Gebiete Kanzel und Lehrstuhl seien, auszufüllen. Aber man hatte noch eine Instanz nicht befragt: die Frauen selbst. Wünschen sie denn, dem Rabbinerberilf sich zu widmen? Die Frauen? Natürlich! Mit Begeisterung! Die erste Rednerin aus dem Zuhörerkreise begrüßte die Anregung mit warmen Worten. Aber ihr kamen doch Bedenken. Der Rabbinerbernf erfordere doch beit Aufwand der ganzen Persönlichkeit, die verheiratete Frau habe aber für das Haus, ihren Mann und ihre Kinder zu sorgen und, setzen wir hinzu, auch den Willen, Kinder zu bekommen, was sie zeitweilig zwinge, sich von der Amtierung zurückzuziehen/ Schwierige Lage! Aber es gibt eine Lösung: Cölibat! Glücklich über diesen, Einfall rief diese Frau aus: „Wahrlich, das hohe und heilige Amt eines Rabbi ist das Opfer des Eölibats wert!" Sie läßt sich aber nichts darüber aus, wie lange das Cölibat dauern soll; es mögen sich wohl viele junge Cölibatä rinnen für das Amt melden, tvir fürchten aber, der Wechsel irr der Besetzung dieser Stellen wird recht häufig sein. Die Diskussion fiel also nicht zugunsten des ablehnenden Referenten aus, nur zwei der Redner sagten in kurzen Worten mehr als die acht oder nenn zusammen. Der eilte: Wir haben schon genug Zeit umsonst vertrödelt, wir haben 'Ernsteres zu tun. Die Konferenz ist überhaupt für eine Entscheidung garnicht zuständig, es ist Sache der einzelnen Gemeinden, in dieser Frage nach ihrem Befinden zu handeln. Der andere faßte sich noch kürzer: Meine Herren, wir machen uns lächerlich! Nun die Abstimmung, sie entsprach der Höhe der Diskussion. Man hätte wohl ein klares Ja oder Nein erwarten dürfen, dazu konnten sich aber die Herren nicht ,aufschwingen, es wurde eine Resolution angenommen: „Wenn eine Frau um die Ordination ersuche, so sei sie ihr nicht zu verweigern.!Die Konferenz setzt uns hier "das bekannte Gericht der vielen Köche vor, das nicht heiß und nicht kalt ist. Denn daß diese in der Negation sich bewegende Resolution niemanden bindet, ist klar, da ein Kol« .lege die Petentin aus einen willigeren Kolleger abschieben kann. So weit ist also die American reform gekommen! Es bleibt ihr wahrlich nicht mehr viel für den Untergang des Judentums zu tun übrig. Werden jetzt noch deutsche Reformrabbiner, wie es ernst jüngst geschehen, in der Reform in Amerika die Hoffnung eines wahren freiheitlichen Refornljudentums sehen, das sehnsuchtsvoll auch für die Reformbewegung in Deutschland zu erwarten ist? Werden diese deutschen Reformrabbiner mit Ungeduld der Zeit entgegensehen, in welcher sie Frauen als ihre Amtsgenossinnen begrüßen dürfen? eomrponüeuren «. nadrtätt*. Deutsches Reich. Die willen non dien. Nerli«, I. Mai. Dieser Tage fand die Verhandlung in der Verleumdungsklage Ascher Ginzbergs (Achad haam) gegen den Grafen R e v e n t l o w vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte statt. Reventlow hatte bekanntlich Achad haam als die Seele der Weisen von Zion dahingestellt und als Autor der angeblich aufgefundenen Schrift, die die Antifemiten ihrem Märchen zu Grunde legten. Die Vertrettmg des Klägers, der in London weilt, hatte Rechtsanwalt Sammy Gronemann, viele und auch in unseren Tagen fehlen sie wahrlich nicht, benutzen nicht selten jene Waffen, die nicht aus Eisen geschmiedet sind, die aber umso gefährlich,er wirken, als sie aus der Werkstatt oes Geistes hergeholt, die Massen vergiften und aufstacheln. Mt. Blut sind die Schreckenstaten jener in unserer Geschichte verzeichnet, die da durch die feurigen Reden chrer Führer angetrieben, ehe sie auszogen, um im hl. Lande. ein Grab zu verteidigen, ihren Mut an wehrlosen Juden erproben zu müssen glaubten. Jene Stürmer dachten nicht daran, wie Israels Feinde niemals daran erinnert sein wollen, was sie uns d. h. unserer Thora, zu verdanken haben. Mit Stolz nennen sie unser Zeitalter das der sozialen Gleichheit. Woraus haben die Menschen den Ansporn zu sozialer, die Gegensätze ausgleichender oder wenigstens mildernder Tätigkeit gewonnen? Wir meinen, in allen ihren Maßnahmen klingt — vielleicht ihnen unbewußt — das Wort der Schrift nach: pa.ii 130n rrb Und das Land soll nicht für immer verkauft werden, a'Mnni an: '2 pun 'v w 'i»varm,denn' mein ist das Land, denn Fremdlinge und Beisassen seid ihr bei mir." Des Herrn ist die Erde, und wir selber sind auf ihr nur Fremdlinge imd Gäste, das ist die Formel,, die jeden Machthunger füllen und alle Habsucht rmd ihre trüben Begleiterscheinungen dämmen muß. ' Ob die Satzungen, die für die Milderung der sozialen Not unsere Thora vorschreibt, auch für das Leben außerhalb des hl. Landes in allen Einzelheiten ausführbar sind, das wollen wir nicht entscheiden und ist auch nicht entscheidend. Der Geist aber ist es, der aus unserer Bibel für alle Zeiten und für alle Verhältnisse hevWerlenchtet und bas soziale Empsinden außerordentlich Sefnrchtsk hat. Dieser jüdische Geist hat nichts mit dem Kommunismus unserer Tage gemeinsam, und die diese polittsche Strömung fördern, haben, auch wenn sie als Juden geboren sind, jenen Geist nicht erfaßt. „Gottes ist die Erde", des Herrn Wille verteilt die Gaben, deren Sachwalter wir sind. An uns ist es, die Gegensätze zu mildern und abzuschwächen, obwohl wir sie niemals beseitigen können. Darum soll uns immer das Bibelwort vorschweben und unser soziales Verhalten regeln: '21 loi "joy i'nn “pov A Und wenn verarmt dein Bruder und sinkt bei dir, so, unterstütze ihn, er sei Fremder oder Beisasse, daß er lebe bei dir." In herrlicher Weise zeigen unsere Lehrer, welche Gesichte int^ Empfindungen diese biblische Forderung in uns auslösen soll '121 Si pn *i nV?D Zum „Gläubiger des Herrn wird der dem Armen leiht, und Er wird ihm nach Verdienst bezahlen" — so spricht es salomonische Weisheit aus und des Midrasch Weisen fügen hinzu: „Der Herr spricht gleichsam, jener ist Mir zuvorgekommen, der Ich doch jeden: die Nahrung geben soll, er hat daher auf meine Anerkennung Anspruch." Der Wohltäter der Menschen ist also nach unfern Lehrern der Stellvertreter Gottes oder Sein Beauftragter." Gibst du, so oft du sollst und kannst, sagt das Schriftwort, segnet dich der Herr nn 121.1 toß um defsenrrvMen." Da ergänzen die A.ien: innL» nh bfi'j Das Schicksalsrad dreht sich auf Erden, wer heute Segen spendet, hat morgen ihn vielleicht selber nötig. Mn jeder sichere rhn sich rechtzeitig. Wird nicht, wo solche Stimmung vorherrscht, sich leicht die Kluft zwischen Besitzenden und Besitzlosen überbrücken lassen? — Pfleget nur alle, Juden und Mchtjuden, diesen Geist der Bibel, au ihm muß bis Welt genesen. Eine„Mezie". Unser Feuilleton-Artikel unter obiger Ueberschüft in Nr. 17 des „Israelit" hat uns eine Reihe von Zuschriften eingebracht, sowohl Zustimmungen aus Lehrerkreisen wie „Zurechtweisungen" aus der Feder sich gekränkt fühlender Gemeindevorsteher. Zwei Kleingemeinden gingen ganz ernstlich auf die „Mezie" ein und nähmen unsere Vermittlung in Anspruch. Und da die eine sogar doppelt so viel Monatsgehalt als die Gemeinde ... bei Frankfurt a. M. bietet, so freuen wir uns, die „Mezie" nicht umsonst ausgeschrieben zu haben ... Aus den Zuschriften tadelnder Art fei hier die eine, dem Wunsche des Mnsenders gemäß, wiedergegeben: Dieburg, den 30. April 1923. Verehrl. Redaktion des „Israelit" Frankfurt a. M. Ihr in Nr. 17 enthaltener Artikel „Eine Mezie" veranlaßt, mich, Folgendes zu erwidern und ich erwarte von Ihrer Loyalität, daß Sie diese Zeilen unverkürzt aufnehmen. Für ein solch schmähliches Verhalten, wie Sie es schilderten, ist aüerdinas kein Wort scharf genug und die betreffend, G-memV» und ihr Borstano gv»

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