Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1923)
- Date
- 1923-05-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Netts 9 Ntzc. 19 ®tt KSrarliS. 10 Mai 1SW Tie einzige logische Antwort auf diese Frage — darüber ist sich. der Verfasser natürlich im klaren — wäre der Aufruf an die Zeit, den R ü ckweg zum jüdischen Leben an der Hand desjenigen Kreises der Judenheit e i n zu s ch la g e n, der als einziger den Typus des thoratreuen Juden mitten im Sturme und Wechsel der Zeiten dem Dasein erhalten hat, wäre also der Aufruf zum Anschluß, an die Organisationen, die Gemeinden, die sozialen Kreise der sogenannten Orthodoxie. Weshalb der Verfasser diese Konsequenz nicht zieht, muß für uns besonders lehrreich sein und soll daher sine ira et Studio etwas genauer betrachtet werden. (Schluß folgt.) WoOenmndschaii. 9it -Thora von Aon". Für die geplante Universität in Jerusalem haben diejenigen, die zwar für ihre Person sich aus altgeheiligten Worten und Begriffen nicht wesentlich viel machen, sie aber als Köder für fromme Gemüter für wertvoll erachten, das Schlagwort „Thora von Zion" erfunden. Mit derGründung der Hochschule in Jerusalem, einem Lieblingsgedanken der Kulturzionisten seit Anbeginn der Bewegung, soll sich das Wort er-, füllen: „Denn von Zion geht die Thora aus . ." Ten Nachsatz vom „Worte Gottes" verschweigt man vorläufig etwas schamhaft und diskret . . . Mit Recht! Denn wer an die Mossinsohnjünger, die Absolventen des Jaffaer Gymnasiums, 'die doch wohl zunächst das Hörerkontingent der Jerusalemer Universität stellen sollen, denkt, wird es'kaum noch wagen, in diesem Zusammenhänge von '*7 “Ol zu sprechen Allein an fvstö mm läßt sich drehen und deuteln und in weltkulturellem Sinne so lange heruminterpretieren, bis daraus ein ganz verschwommener Begriff, ein ganzer breiter Rahmen wird, in den sogar die Lehren Henry Bergsons und die an sich in ihrer zeitumwälzenden Bedeutung gewiß nicht zu unterschätzenden Theorieen Albert Einsteins Hineinpassen. Wer dies nicht glaubt, lese die Berichte der hebräisch-zionistischen Presse über die Vorlesung des letztgenannten Gelehrten in Jerusalem. Diese Begriffsfälschung geht doch auch manchem Besonnenen innerhalb der Organisation über den Strich. Als erster erhebt seine warnende Stimme gegen das falsch angewandte Schlagwort Meier Berlin, der aus solchem r Spiel nrit heiligen Worten eine Gefahr befürchtet — für die Universität. Tie Universität, meint Berlin, ist gut und nützlich, sogar unentbehrlich. Entsteht sie aber unter der Vorspiegelung, daß die von ihr gelehrten Wissenschaften das seien, was wir Thora von Zion nennen, so würde diese Vermischung der Begriffe wohl manche anziehen, die, Anhänger neuer Propheten, in Europa mit ihren neuen Lehren 'Fiasko gemacht haben und nun damit auf Zion von neuem ihr Glück versuchen werden. Tie Masse des Volkes aber und alle, in denen noch die Kraft des originellen lebendigen Judentums wirkt, werden sehr skeptisch der neuen Zionslehre entgegenstehen, worunter nicht zuletzt und nicht zuwenigst Zion selbst zu leiden haben wird. Welch schweres Unheil solche falsche Teklarierung anrichten kann, dafür liefern ein abschreckendes Beispiel die früheren Rabbinerschulen in Rußland. Die Schulen wären gut' und segensvoll gewesen, wenn ihnen nicht die Erklärung als R a b b i n e r schulen allen Grund und Boden im Vertrauen des Volkes entzogen hätte. Das Gymnasium in Jaffa hätte uns wenig geschadet, wenn nicht das Bestreben geherrscht hätte (man „verdächtigte" die Leiter dieses Bestrebens, sagt Berlin) die Schule zum geistigen Mittelpunkt des neuen Palästina machen zn wollen.—Also, gründe man eine Universität, aber nur ja nicht unter falschem Namen! 'Dieser vornehme Vertreter des Misrachi bleibt sich und den Traditionen seiner Partei treu, werrn er auch bei dieser Gelegenheit nur halb erwacht, ein Auge auftut, das andere aber in süßer Ruhe geschlossen hält . . . Ist die Universität von der Art, wie er sie schildert, so ist sie an sich schlecht und verderblich, mit oder ohne „Thora von Zion". Ist sie aus dem Geiste geboren, daß sie verspricht, eine Künderin der von Berlin gezeichneten neuen Lehre zu werden, dann wird sie auch ohne Thoranamen den Weg zur wirklichen „Thora von Zion" versperren, wie es all die Zeit das Gymnasium zu Saffa getan hat und noch tut. Wer finanziert Me Verfolgungen »er Wischen Religion in Rnfilan»? Sollte es sich bewahrheiten, was amerikanische Zeitungen berichten, daß. nämlich die „jüdischen Kommissare" in Rußland mit dem Gel de des „Joint" arbeiten, also durch jüdische Sammelgelder in die Lage versetzt werden, ihre Attacken auf Cheder und Synagoge, Sabbat und Miloh zu vollführen, so wäre es doch höchste Zeit, wenn nicht bis zum gewissen! Grade schon zu spät, das russische Unterstützungswerk des „Samt" einer gründlichen Revision zu unterziehen. Nicht .etwa, daß das großangelegte und wahrhaft großzügige amerikanische Hilfswerk bewußt jenen in der Geschichte einzig dastehenden Religionszerstörern in die Hand arbeiten wollte. Aber der „Jont" glaubt, die Unterstützungen in Rußland nur durch Vermittlung 'der so genannten „Jüdischen Sektion" („Jewsektia") leiten zu können. Auf diese Weise kam die eine zeitlang aus Mangel an moralischer und finanzieller "Unterstützung von Seiten der Räteregierung zur völligen Bedeutungslosigkeit herabgedrückte „Jüdische Sektion" von neuem zur Macht und Geltung, bekam neuen Mud in die Segel und hat vor' Uebermut so sehr die Sinne verloren, daß! ihr die arischen Kollegen im Rate zuweilen in den Arm fallen müssen ... Indes sie mit der einen Hand die vom „Jont" gespendeten Wohltaten austeilt, reißt sie mit der anderen, zumeist mit beiden Händen, alles brutal darnieder, was an Glauben und Religionsgesetz, Tradition und Brauch erinnert. Ter „Joint" handelte >aus edelsten Motiven und nahm für sich vielleicht das V22 fYiP'S von Tausenden in Anspruch. Aber erstens handelt es sich nicht allein um momentane Hilfe, sandern um Aufbauarb eit, mit der man den 'vvn eine große, verhängnisvoll wirkende Macht in die Hand spielt. — Dann gibt es so viele Hilfs'werke fremder Staaten, die in Rußland ohne irgendwelche „ministerielle" Vermittlung durch eigene Büros.(siehe Quäker) segensreich wirken. Sollte dieses nicht auch dem „Joint" möglich sein? Wir kommen darauf noch zurück. Amerik«irm»r. Bon Pros. Dr. Snlzbach in Frankfurt a. M. Es ist ja das Land der unmöglichsten Möglichkeiten, das gegenwärtig mächtigste und reichste Amerika und treibt die merkwürdigsten Blüten. Daß auch aus dein Boden des amerikanischen Reformjudentums das. Seltsamste in die Erscheinung zu treten vermag, das zeigt uns klar und deutlich der mit prompter Regelmäßigkeit erschienene 317 Seiten starke Bericht über die Zentral-Konferenz der Amerikanischen (Reform) Rabbiner, die vom 28. Juni bis 2. Juli in New-Aork abgehalten wurde.*) In diesen *) Central Conference of American Rabbis. Thirty third annual Convention. June twenty eight te July aecond, 1922. Cape May N. Y. Volume XXXII. Edited by Rabbi Jsaac E. Marcus. ■massassK E y ix > Wolle des Wllnaer Saon. VII. Psalmen 51: pnn pa: nvn v'j^rr ana ninv aS *unpa: „Ein reines Herz schaffe mir o Gott und aufrechten Geist erneuere in mir.« Menschliche Sünden entspringen zweierlei Quellen. Entweder der „böse Trieb" verblendet den Menschen, daß er das Böse für Gutes ansieht, oder der Uebertreter weiß wohl zwischen gut und bös zu unterscheiden, nur daß er in seinem abgekehrten Wesen bewußt das Gute meidet und das Böse sucht. Letztere Art des UebeltunS zeugt von einem «vv 21, einem „unreinen Herzen". Mit Hinblick auf diese letztere Art betet der Psalmdichter: xna nnto zb 'piK Erschaffe mir ein reines Herz, ohne Neigung zum Sündhaften. Aber' auch pnn poj mm 'a*pa, laß Haren Geist in mir entstehen, daß ich stets zu unterscheiden weiß zwischen dem Guten und Bösen, Guttat und Frevel. VIII. Daselbst 118: anaa mt»o 'na twrh a» „Besser auf Gott vertrauen, als auf Menschen". ES gibt zweierlei Arten von Vertrauen, die mit den Bezeichnungen pnaa und svsn auseinander gehalten werden. pm»a setzt ein gemachtes Versprechen voraus, auf dessen Einhaltung man Vertrauen darf. pw ist das Nauen und Vertrauen auf Jemand, der uns zwar nicht verpflichtet ist, von dem wir aber dennoch Schutz und Hilfe erwarten dürfen. Hier sagt Dawid 'na vionb airs, das blinde Vertrauen auf Gott, auch da wo er unS nichts schuldet, ist noch ungleich besser x mKarmsats, «IS das Bauenauf dasVerfprechen s eines Menschen. IX. \ Daselbst Satz 23 übersetzt der Gaon wie folgt: JlKt .nn\n 'n ntt». Bon Gott ist unS die Thora (xwi rmnn) geworden, iw’ya nttbto w,n, so entdecken wir täglich in ihr neue Wunder. Denn bezeichnet immer, etwas bis fetzt Rieda gewesene-. Nur dis Göttlichkeit der Thora kann es bewirken, daß wir Jahrtausendelang sie täglich als neu (ttbß) empfinden. (Fortsetzung folgt). Sefiro-SetrachtMgen. Von Dr. M. Lewin in Hamburg. An die Flüchtigkeit alles Irdischen wie an die Wandelbarkeit jedes Menschenschicksals gemahnt die Sefirozeit mit jenen Ereignissen, die über den Monat Jjar die Schatten trübseliger düsterer Erinnerungen gebreitet haben. Berufen das köstliche Erbe ihres großen Lehrers und Meisters durch treue Pflege und in gemeinsamem Streben zu währen und sorgfältig behütet den kommenden Geschlechtern zu vermitteln, waren des großen R. Akiba Schüler gegen einander lieblos oder doch gleichgültig innerlich zerfallen und wurden das Opfer einer schweren Seuche, die sie alle hinrafste. Ihr Tod wurde eine ernste und j eindringliche Mahnung: ui'vp na win Und I ihr sollt nicht kränken einer den andern." Dieser! Satz, meinen unsere Lehrer, fordert, daß wir auck - in unfern Worten schonend mit dem Wöhle des! andern rnngehen, daß wir ihm nicht irgend eine f Beschämung, rein irgendwie geartetes seelisches Leid zufügen. Unerschöpflrch sind hier unsere Lehrer mit der Fülle ihrer auf reicher Lebenserfahrung und tiefer innerer Sittlichkeit beruhenden Mahnungen. In den verschieoensten Bildern umschreiben sie den Spruch älter Weisheit: ps>^ ma v"ni ma, Tod und Leben sind in der Gewalt der Zunge." — Welche Gefahren von der bösen, verleumderischen §unge ausgehen,- lehrt uns unsere Zeit am besten. ie Pfeile, die von ' ihr geschleudert werden, sind es, , die immer von neuem oas Feuer feindseligen Hasses entfachen und zur hellen FlaiNme auflooern lassen, daß der ersehnte Frieden immer noch von der Erde gebannt zu sein scheint. Solange Lüge und Verleumdung noch ihr frevelhaftes Spiel treiben und nicht die Wahrheit sid durchringt, können die Schatten der Nacht nicht weichen und wird der Morgen einer besseren und lichtvolleren Zukunft der schwer geprüften Menschheit nicht aufleuchten. Diese Ueberzeugung sollte erst einmal alle beseelen und. vollends die. Großen unserer Zeit, deren Wort weithin erschallt und gestaltend auf die Willensrichtung der Massen Einfluß gewinnt, zur Vorsicht mahnen, dann wird ein jeder nicht nur seine Handlungen prüfen, sondern auch seine Worte wägen. Das erschien wir für die ganze Menschheit im allgemeinen und für unsere Bekennerschar noch im Besonderen. Die da Israel befehden, und deren' gibt es in jeder Zeit und in jedem Geschlecht so unendlich