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Der Israelit · 1923-05-03 · Heft 18 (3.5.1923) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 18 (3.5.1923)
Date
1923-05-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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EM«. . ßine Kkostergeschichte aus Spanien. Von A. Schoer (Fortsetzung.) Er hatte bis zu dieser Stunde nur Böses über das Kolk der Juden gehört. All seine Lehrer, Erzieher und Freunde wußten sie nur zu schmähen und zu lästern, als Menschen, die verdammt und verbannt seien wegen chrer Verstocktheit, Menschen, von denen die Brüder sich und ihm erzählten, sie seien Verbündete des Satan und pflegten zuweilen bei festlichem Anlaß Christenblut zu trinken . . . Als er eines Tages dieses sein Wissen vom Volke der Juden Ambrosius Luspackte, erbleichte der Greis, und von dieser Stunde an gab er dem Wünsche Enrikas nach, in die geheimnisvollen alten Bücher schauen zu dürfen. Voll waren diese Schriften der tiefen Weisheiten und der Worte der Liebe und des Erbarmens gegen Jedermann, ob Fremdling, ob Beisatz,, ob Witwe oder Waise, Groß und Klein, Arm und Reich. Wenn er die Tinge las, zerfloß ihm das Herz in Liebe und Mitempfinden mit jedem und allem, was klein -und schwach war und zitterte und litt. Es war chm einfach unbegreiflich, warum man sich mit solchen herrlichen Worten in ein Versteck verkriechen sollte, warum man sie nicht offen in alle Gassen hinausschreien durfte . . .!Eines schönen Tages verließ Ambrosius urplötzlich seine Klosterzelle und zog sich in die Einsamkeit der nahen Berge zurück. Eine Felsenhöhle unweit des Klosters nahm ihn auf und entzog ihn dem Auge der Welt. Keiner durfte zu chm außer Enrika, der ihn täglich besuchte und ihm die nötigsten Dienste bot. Und mit diesem sprach er über Gott und Welt, und hier schärfte er ihm ganz offen ein, nicht in den Wegen der Mönche im Kloster zu wandeln und ihren Reden nicht zu glauben, denn diese Worte und Wege lägen jenseits der Liebe, der Wahrheit und Gerechtigkeit . . .' War Ambrosius schon wunderlich genug, als er noch im Kloster war, so schien jetzt sein Tun und Gebaren vollends unbegreiflich. Unerfaßlich für Enrika war dieser fromme Einsiedler in der Felsenkluft. Eines Erlebnisses mußte Enrika immer denken. Es war an einem großen Feiertag, j als alle Glocken läuteten und auf dem M.arktplatz zu Schigowa fünfzig Ketzer verbrannt wurden.!T!Ls Kloster gab aus diesem Anlaß auf Anordnung des Priors ein großes Fest mit einer feierlichen Prozession, der Fahnen und Heiligenbilder vorangetragen wurden. Ambrosius beteiligte sich an der Feierlichkeit nicht und blieb den ganzen Dag in seiner Felsenkluft. Als Enrika abends nach Beendigung der Feierlichkeiten zu ihm in die Höhle trat, traf er ihn in Trauer gehüllt und in Tränen aufgelöst. iEr sagte, die Priester und Mönche wie all die von ihnen mißleiteten Christen hätten große Sünden auf ihr Gewissen geladen und nie würde ihnen Gott das unschuldig vergossene Blut verzeihen. Bevor aber Enrika die Höhle verließ, beschwor ihn Ambrosius hoch und heilig, es nie über seine Lippen zu bringen, was er hier gesehen und von ihm gehört hatte. .Unbegreiflich blieben Enrika dieses Benehmen und diese Worte, wie der ganze MIann ihm ein tiefes Rätsel war. Ein Heiliger war er und von aller Welt pilgerten die frommen Scharen zu ihm, daß er ihnen die Beichte übnehme und den Siegen gebe. Wenn die Leute wüßten, was sich im Herzen dieses Heiligen verbarg! .Ambrosius selbst machte sich aus des Volkes 'Gunst und Verehrung nichts. Miau sahihn stets in große Gedanken versunken oder in Gebet vertieft.!Tie zu ihm Pilgerten, mußten stundenlang am Eingang der. Höhle harren, bis sie seiner ansichtig wurden oder seine Gebetstimme aus der Tiefe hörten. Zu ihm hinein durfte keiner, außer Enrika. In letzterer Zeit.behielt er den Knaben auch die Nacht über in seinem Gelasse. Und hier saßen sie zusammen nachts vor der Wachskerze, die auf dem kleinen Tischchen das schwarze Kreuz matt beleuchtete und wie schwarze geheimnisvolle Schatten aus allen Ecken des Gelasses lockte. Unter einem Kruzifix hing ein Oellämpchen. Zwischen Kerze und Oelflämmchen saß Ambrosius über seine alten Pergamente gebeugt, aus denen er in rätselhaften Worten die wunderlichsten Tinge las. Danach rief er Enrika herbei und zusammen sangen und beteten sie aus dem Psalter bis' nach Mitternacht, da er den Jungen zur Ruhe befahl. Enrika schlief und schlief nicht. Und einmal glaubte er etwas zu sehen, wovon er aber nicht wußte, ob es Traum war oder Wirklichkeit: Aus dem unwegsamen dichten Walde traten zwei schwarzverhüllte Männer in die Höhle. So langsam und ängstlich spähend gingen sie, daß es wahrhafte Traumgeister sein konnten. Rur kurze Weile blieben sie unten, dann traten sie hinaus mit einer schwarzen Last auf ihren Schultern, und nahmen wieder bedächtig und schattenhaft still den Weg in den Wald. Und hinter ihnen her wankte ein Greis, der mit den Trägern im dichten, weglosen Walde verschwand. — Tann war es wieder düstere Stille, tiefe Nacht ringsherum. War das Wirklichkeit oder mix Traum? (Forts, folgt.) Lösung einer Mer unausgeklSrlen Frage im Talmud. Von Rabb. Dr. Winkler in Kopenhagen. Im Traktat Arachin 10 a und 13 a wird bestimmt, daß im Levitenorchester im Heiligtum nicht weniger als 2 Harfen (2P23) und 9 Zithern (nvn32) und nicht mehr als 6 Harfen spielen dürften. Rafchi, Rabbenu Gerschom und Tossafoth bemerken: Der Grund hierfür sei nicht aufgeklärt. R. Jakob Emden in seinen Anmerkungen freut sich sehr, diesen doch gefunden zu haben: 1. Ehr. 16, 5 nämlich werden 9 musizierende Leviten genannt, daher also die .Zahlenbestimmung 9 für Zither, und da ferner das gesamte Orchester nach Arachin 13 b aus mindestens 12 Instrumenten bestand, so müssen dort außer der obligatorischen Schelle [hx'ys,) noch zwei Harfen gespielt haben, somit wäre auch die Zahl 3 für Harfen erwiesen. - Betrachtet man jedoch die angeführte Schriftstelle näher, so kann man nicht umhin, zu sagen, daß ihm n"2N22die Beweisführung keinesfalls gelungen ist: Denn dort wird von den 9 Leviten ausdrücklich gesagt, sie haben nicht bloß Zither, sondern auch Harfen(2^23P22 JTH3221) gespielt! Die Frage bleibt daher nach wie vor ungelöst, woher die Bestimmung der Mindestzahl 9 für Zither? Fernerfehltdie Begründung für die Höchstzahl 6 für Harfen ganz und gar! Endlich ist auch eine Bemerkung, die er in der Ausführung macht, eventuell Obed- Edom und Jei'el, weil sie Torhüter waren, nicht zu den musizierenden Leviten zu zählen, durchaus hinfällig, weil nach 1. Ehr. 15, 18 ja alle diese auch Torhüter wären! Die Lösung dieses Problems glarrber» a«f »in» andere Weise gesunden zu haben: ■■ Wir zählen nämlich in der soeben angeführten Schriftstelle, wie auch R. I. Emden mit Recht vermutet, nicht 13, sondern 14 Namen. Dennp ist dort nicht als „Sohn", sondern als ein Eigenname aufzufassen, der mit dem in Ps. 9, 1. in pb rv» *&> bezeichneten Tonkünstler identisch sein dürste. Dafür spricht auch der Umstand, daß 1 Ehr. .. a. a. O. p dasselbe Tonzeichen hat wie die anderen Namen. Bon diesen 14 Leviten waren, nach 1. Ehr. 15, 20 und 22, acht Harfenisten und fünf Zicher- ' spieler; den letzteren wird noch ein sechster, der bisher noch nicht genannt war, namens Asasja, angereiht. Wir haben sonach, von dem Asaph abgesehen, 15 Jnstrumentalumsiker, die b’^23 P22 nvri322l . spielten (vielleicht ist diese Zahl besonoerS mit Rücksicht auf die 15 Stufen fcpjm V'ta gewählt?) Wenn nun im nächsten Kapitel 16, Vers 8, wo von der praktischen Verwendung der Kapelle die Rede ist,-von den eben erwähnten 8 Harfenisten nur s e ch s angeführt werden, so ist daraus klar bewiesen, daß nicht mehr als 6 Harfen im Orchester Mitwirken dürfen. Für die Mindestzahl 2 ist kein besonderer Beweis nötig, da ja in der Schrift ä. a. O. durchweg von 2P23 in der Mehrzahl gebrochen wird. Dursten nun im Orchester von oen genannten 15 Tonkünstlern nur höchstens 6 Harfe spielen, so ergibtsiich daraus, daß die übrigen 9 Zither spielten, ganz von selbst! — Mehr als 9 : durften natürlich wohl sein, wie es außer diesen 15 noch viele andere Tonkünstler gab; bei den Harfen dagegen wollte die Schrift, da sie von den 8 im Kap. 15, 20 genannten Harfenisten nunmehr bei der prakttschen Ausübung (Kap. 16, 5) nur deren 6 anführt, damit die Zahl n a ch v b e n begrenzen. Umgekehrt dagegen aus diesem letzten Schriftvers herleiten zu wollen, daß nur 3 Zither vorgeschrieben wären, weil hier von den in Kap: 15, 21 genannten 6 Zitherspielern nur 3 (Matitja, Obed-Edom uno Jciel) angeführt werden, und sonach die übrigen 12 Leviten als Harfenspieler vorauszusetzen, ist gänzlich ausgeschlossen, weil ja das Musikinstrument ^23 alle anderen übertönte, vgl. Arachin 13 b: B>'&3 f?23 '2 'Pp und Jeruschalmi Sukka 5, 6: *op3 nvv ,;1Ö7 '3'v N22 p2*7Ö 'VW *323 Ivrr». Drei 2VTI32 unter zwölf D’^23 wären so gut wie gar keine. — Ist eine andere Auslegung, als die von nnS angeführte, nicht möglich, so ist aus ihr der Beweis für die fraglichen ' Zahlenbestimmungen lückenlos erbracht. Kindsrecke. Sein Gcheimm's?) Bon I. L. Perez. r Mameschi, ich will dir ein Geheimnis erzählen; -doch der Pater soll nichts erfahren! Du fragst mich: warum? Weil der Vater mich -weniger lieb hat . . . Nein, Mameschi, ich sündige mit den Lippen: - er hat mich nicht weniger lieb, er hat mich nur 'anders lieb! . Er ist ja der Vater und muß streng sein . . . Vater hat einen langen Bart; Vaters Gesicht ■: fühlt sich beim Streicheln nicht so an wie MutterS atlasglattes Gesicht . . . Er hat auch ganz andere 'Augen und einen ganz anderen Blick. Wenn du? mich so anschaust, hast du so lachende und. dabei so i feuchte, so äüttge und dabei so traurige Augen . . . 'Du bist Mutter und zugleich Kamerad . . . Vor dir kann ich keine Geheimnisse haben . . . Mit deinen 'Augen ziehst du mir jedes Geheimnis auS dem . Herzen heraus ... Vater schaut ganz anders: immer ernst, bei- ^nahe kalt ... Nein, Mameschi, es sind ganz andere, wirklich ganz andere Augen! *) Dem Insel-Buch Nr. 204 „Jüdische Gesch von I. L. Perez, übertragen von ÄlercmderMiÄ Hnsel-Perlag Leipzig; entnommen. Me" UVQ,

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