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Der Israelit · 1923-05-03 · Heft 18 (3.5.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 18 (3.5.1923)
Date
1923-05-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Detre L. m. 18 3 Mar 1883 "Gottes Offenbarung in seiner Gesamtheit und in seinen Teilen; ja gerade daS Mte Testament ist für die heutige Zeit von Bedeutung; es erinnert immer wieder daran, daß Gott als der Schöpfer auch der absolute Herr der Geschöpfe ist, daß also die Religion für die Verbindung des Menschen mit Gott von Gott bestimmt und angeordnet, 'nicht abe.r von Menschen, dem Sklaven Gottes, gemacht wird. Wir lehnen schließlich Dinters „ G e r st e s l e h r e " als wüsten Aberglauben ab; sie ist eine neue Bestätigung des Satzes: „Wo der Glaube weicht, zieht der Aberglaube ein." Es würde bei weitem besser um die deutsche Sache im Lande wie in der Welt stehen, wenn alle geistlichen und politischen Führer so dächten und sich in solcher Weise zur Belehrung ihrer Gläubigen und Anhänger äußerten. Der Anschluß -er Gemeinden -es Karpaihengedietes an -ie preßvuraer Kanzlei. (Schluß.) Haben diese Zustände die Beziehungen der jüdischen Gemeinden in Podkarpatsko-Ruß zu staatlichen Aufsichtsbehörden und den anderen Regierungsstellen, die in wichtigen, die Juden besonders interessierenden Fragen ein entscheidendes Wort zu sagen haben, nicht recht in ruhige Bahnen lenken lassen, so erwies sich die Verwirrung und vollständige Zerfahrenheit für das Innenleben des podkarpatischen Judentums geradezu als verhängnisvoll. So traurig und beschämend es auch sein mag, die Tatsache kann nicht aus der Welt geschafft werden, daß im innerjüdischen Leben des! Podkarpatsko-Ruß seit Jahr und Tag völlige Anarchie herrscht. In der Provinz wirken Rabbiner, die als Menschen sowohl als auch als Dalmide Ehachomim hervorragende a'?VT3 sind und im gesamteil Judentum Verehrung genießen. Nach Hunderten sind die Baale Batim zu zahlen, die an7k"iin und naT sowie an verfeinertem Gemeinsinn einem jeden orthodoxen jüdischen Gemeinwesen zur Zierde gereichen würden. Trotzdem war es den Gegnern eines soliden friedlichen jüdischen Lebens möglich geworden, diese Übergangszeit zu benutzen,' um alle diese Männer in den Hintergrund zu drängen oder doch einige Zeit zu völliger Ohnmacht und Tatenlosigkeit zu zwingen. 'Tenn es ist wahrlich bricht jedermanns Sache, sich in den Strudel wild aufschäumender und leidenschaftlich gärender Gegensätze zu werfen und die Zügel an sich zu reißen. 'Diejenigen, denen der Umsturz der Novembertage ihr bisheriges öffentliches Wirken oder ihre in der Stille gehegten Ideale öffentlicher Betätigung unversehens über den Hansen geworfen hatte/ die auf der Suche nach Neuen Idealen das Judentum „entdeckt" hatten und nun mit ihrem ganzen Entdecker- Ungestüm sich auf die naiven, auf so viele Liebe garnicht gefaßten Massen in Podkarpatsko- Ruß stürzten und ihnen eine Menge Schlag- Wörter,, wie sie gerade vom Zeitungswirbel m die Höhe getrieben wurden, durcheinander in die Ohren schrieen, hatten nichts zu verlieren und dursten von der Resignation der berufenen Führer mit gutem Instinkt nur Vorteile für sich erhoffen. Tie mannigfaltigsten Interessen fanden -auf diese Weise Annehmer und Förderer im Podkarpätsko-Ruß, die sich gegenseitig bekämpften und aufs härteste befehdeten. Gemeinsam war all diesen Gruppen und Grüpp'chen das nur oberflächlich verschleierte Bestreben, die Basis des religiösen Lebens, die Gemeinde und die Autorität der und ihrer Träger, der Rabbiner, zu untergraben. Der Anfang schien ihnen Erfolg zu ' versprechen. Bei bert bisherigen deutschen Assimilanten in Prag und bei manchem bisherigen ungarischen Patrioten war jüdischer Nationalismus mit einem Male „Trumpf" geworden. 'Tie nationalistische „Rückkehr znm Judentum" war ihnen ein sehr bequemer Weg. geworden, um sich den Opfern und - Der ASrasM._ Pflichten, die das Judentum feinen Bekennern auferlegt, ganz nach der Art der jetzt verpönten „Assimilanten" auch weiterhin zu entziehen und trotzdem innerhalb'der jüdischen Gasse, in den jüdischen Vereinen und Gesellschaften kühn das große Wort zu führen und mit der Zeit — nachdem sie die wenigen orthodoxen Mitläufer abgeschüttelt haben würden — vielleicht auch wiederum zum höchsten Gipfel ihres heißesten Sehnens zu gelangen, nämlich, zu der Anwartschaft auf eine Vertretung des Judentums nach Außen. In den Zwischenphasen böte sich jedenfalls Gelegenheit, in diesem Winkel der. Republik Judentum (behüte, nicht zu „reformieren", sondern) zu „erneuern", „regenerieren", „nationalisieren", „zionistisieren", „hebräisieren" und manch Sonstiges zu leisten, was! uns einem Zionistenkongreß oder zumindest auf einem Misrachi-Telegiertentag in Zilina ein freundlich anfgenommenes Referat liefert. Für die erste Zeit ist eine „hebräische" (nicht „jüdische") Schule im chassidischen Munkacs immerhin ein Erfolg, dessen sich der nationalistische Zionismus in der gesamten westlichen Orthodoxie (in London, in Paris, in Berlin 'oder Frankfurt, in Wien, in Prag oder Preßburg) nicht rühmen kann. Nicht übergangen kann an dieser Stelle der Chilul-Haschem werden, der sich inmitten der orthodoxen Kreise abgespielt und vielleicht mehr als jede der angeführten Aktionen von seiten der grundsätzlichen Gegner, der Verwilderung der inneren Verhältnisse und dem Auftauchen und Fortschreiten religionsfeindlicher zionistischer Tendenzen Vorschub geleistet hat. Wir wollen heute über diese traurige Episode der Kämpfe, die im Podkarpatsko-Ruß die Gemüter in Erregung hielt und den Gedanken an die Gemeinsamkeit der bedrohten Güter nicht aufkommen ließ, in diesem Zusammenhänge nicht rechten. Ungebändigte Eigenmächtigkeit eines von Skru-; peln nicht gehinderten Einzelnen erklärt vieles, entschuldigt aber kaum etwas. Wir wollen Wunden nicht aufreißen. Tie orthodoxen Gemeinden und die orthodoxen Rabbiner des Podskarpatsko-Rnß haben inzwischen mit ihrem fast einhelligen Beschluß, die Preßrburger Kanzlei zur Sachwalterin der podkarpatischen orthodoxen Interessen zu machen, auf das deutlichste kundgetan, daß in der Verwaltung der gesamten orthodox konstituierten Gerneinden der tschecho-slow akisch en Republik die große Linie wieder gefunden ist und daß sie entschlossen sind, den zerstörenden Hader aus unserer Mitte zu bannen und in der Abwehr gegen jegliche Anfeindung des orthodoxen Judentums ohne Wlanken und Schwanken auch innerhalb der Gemeinden die ehrliche, gerade Richtung inneznhalten. Ter Anschluß der podkarpatischen orthodoxen Gemeinden an die offizielle Vertretung der slowakischen Orthodoxie schafft somit eine einheitliche Phalanx der überlieferungstreuen jüdischen Gemeinden, wie sie sonst das Judentum an Größe und an Kompaktheit derzeit nicht besitzt. In der Preßbnrger Zentrale sind dadurch die wertvollsten Lebenskräfte des.Judentums in allen Spielarten wieder zufammengesaßt und zu furchtbarem Wirken wieder vereinigt, nachdem unselige Verhältnisse und hinterlistige Anfeindung znm großen Schaden der gemeinsamen Daseinsziele wenige Jahre die Bande gelockert hatten. Und wenn sich die Gesamtheit der treuen Kämpfer für die Erhaltung des heiligen Erbes unserer Väter über den weiten Erdenrund zu gegenseitiger Lehr und gemeinsamer Wehr die Hand reichen, so wird diese engere Vereinigung innerhalb der Grenzen unserer Republik gerade, in ihrer historisch verwurzelten und auf gemeinsame Erfahrung sich gründenden ausgeprägten Festigkeit auch im eine Auswirkung finden, wie sie des Andenkens unserer großen Lehrer der vorigen Generation würdig ist und wie sie von vielen Tausenden begeisterten Mitgliedern unserer orthodoxen Gemeinden sehnsüchtig erhofft wird. J'emini. Lorrerponaenreu u. ßacbricbten Deutsche« Reich. Eröffnung des Sommerhalbjahrs. Berti«, 20. April. Tie Eröffnung -es Sommer-HälbsahrB fand im Berliner Rabbinerseminar an den Tagen des 17. bis 19. April in Gegenwart der jetzigen und der Mehrzahl der 26; in Berlin zur Zeit amtierenden ehemaligen Schüler des Institutes .statt. Am ersten Tage hielt Herr Tozent Tir. Grünberg die Eröffnungsrede. Rach den einleitenden Wvrten, die dem Gründer und Genius'der Anstalt, R. Israel Hild e s h e t m er s. A. gewidmet waren, ging Redner zum wissenschaftlichen Teile seines Bortrages über die „Geschichte der Punktierung" über. Tie Vormittage des 18. und 19. Tlpril wurden durch einen halachischen Vortrag des Herrn Tozenten Rabbiner A. Kaplan ausgefüllt. Unter lebhafter aktiver Beteiligung der anwesenden Rabbiner und anderen Gästen wurde dieses Referat erstattet. Zum ersten Male waren auch (acht). Gymnasial-Absolventen zugegen, welche an den neubegründeten „Biblisch-Talmudischen Kursen" tielnehmen. Tiefe jungen Leute sind verpflichtet, sich während der Tauer von mindestens einem Jahre täglich sechs Stunden mit Talmud, sowie wöchentlich drei Stunden mit Bibel unter Leitung von Tozenten des.Rabbinerseminars zu beschäftigen. Sie DJahrheif über die OffjuSengefahr. BerN«. 2S, April. Vom „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands" wird uns geschrieben: Gegenüber den andauernden Versuchen der antisemitischen Bewegung, weiten Kreisen .des deutschen Volkes die Einwanderung von Ostjuden nach Tentschland als eine fiirchterliche, den Lebensnerv des deutschen Volkes treffende Gefahr hinzustellen, verlohnt es! sich, darauf hinzuweisen, daß die Antisemiten bisher wenigstens eine Tatsache aufgeg'riffen hatten, die nur als Folgeerscheinung des Krieges und der Nachkriegsverhältnisse zu verstehen ist, wenn sie sie auch unter völlig falschen Gesichtspunkten dargestellt und beurteilt haben, daß sie nunmehr aber ihren Hetzseldzug zu einer Zeit fortsetzen, wo der Gegenstand ihrer Entrüstung langst nicht mehr in einem erheblichen Umfange vorhanden ist. ,'Das Arbeiterfürsorgeamt der.jüdischen Organisationen Deutschlands, das als Hauptträger, der zur Regelung der Ostjüdenfrage notwendigen Arbeit den besten Ueberblick über die genannten Verhältnisse besitzt, veröffentlicht seinen Bericht über die Ein- und Auswanderung von Ostjuden im Jähre 1922. Sabbat-Hntaitg and Mrgavg. '‘nass fftP* Ort: Anfang WWins ÜiS -rtpm Aus W) WS Frankfurt a. M 7 15 5. 19. 8 10 VerU« .... 7 30 Mai Jjar 8 26 München . . . 7 15 s 15 Cöln. 7 30 8 50 Stuttgart. . . 7 - 8 31 Bresla« . . . — - — — Rürnbera. > - 7 - 8 23 - - -

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