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Der Israelit · 1923-05-03 · Heft 18 (3.5.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 18 (3.5.1923)
Date
1923-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 18. Seite 8 nißchsn W!elt, die schwffe BeWuchfuttg durch den gesamten LhassidiÜmuV, dem man rationalistische Einstellung gewiß nicht wird vor-, werfen wollen, beweisen zur Genüge, daß es im Gegenteil nichts anderes als der sichere Instinkt der an d en Leb ensso rmen der Thora geläuterten jüdischen Volksseele war, der in dem Herzlschen politischen Zionismus mit Recht eine neue gefährliche Form der Total-Assimilation ahnen ließ. Tiaß der Zionismus eine große Zahl der dem Untergange "bereits verfallenen „Randmenschen" in den westlichen Landern mit kräftigem Rück zum Zentrum jüdischen Fuhlens zurückstieß — Cohn selbst ist dafür ja ein erfreuliches Schulbeispiel' —* ändert nichts an seinem im. Verhältnis zur jüdischen Wahrheit durchaus negativen Charakter, denn für den mit dem Tode Ringenden kann das gefährlichste Gift die wirksamste Arznei sein. Im Osten aber, im Angesichte der fest in der Tradition wurzelnden Massen konnte der Zionismus seinen natürlichen Charakter offenbarer!. Hier wirkte er in religiöser Hinsicht genau so revolutionär und auflösend wie weiland die Aufklärung im Westen, und es spricht für den Wert prinzipienklaren Denkens, daß die Führer der deutschen Orthodoxie, ganz unabhängig von der Stellung der östlichen Kreise, diesen Wesenskern des ro- . mantisch verhängten Zionismus sofort erkannten und bewerteten. (Forts, folgt.) WochrMdschau. Die Innere Politik der polnischen Orthodorie. Zionistische Blätter melden, daß der Vorsitzende des jüdischen Sejmklubs in .Marschau, der bekannte zionistische Abgeordnete Grünbaum, sein Amt niedergelegt und einem Interviewer erklärt habe, er sehe sich hierzu gezwungen, um gegen gewisse politische Anschauungen innerhalb des Klubs, die er nicht zu decken vermöge, zu demonstrieren. Im wesentlichen sind es zwei Tendenzen, denen der radikale Nationalismus Grünbaums widerstrebt: einmal die von „manchen jüdischen Abgeordneten" befürwortete Unterstützung der Regierung Sikorski, die sicher besser ist als eine sie ablösende nationaldemokratische, und zweitens die wachsende Abneigung jener Abgeordneten gegen die Identifikation der Juden mit den anderen „nationalen Minderheiten". Grünbaum hat in seinem Interview die orthodoxe Fraktion nicht genannt, aber es genau, ob dies eine Festung oder bloß ein Festnngswall gewesen ist; die biblische Benennung der anderen Baulichkeit war „Akra", eine wirkliche Zitadelle, die, wie Josephus Flavins berichtet, den weiter nördlich gelegenen Tempel derart beherrschte, daß sie schließlich aus strategischen Gründen nicht nur vollständig niedergerissen, sondern-sogar der oberste Teil des Hügels, auf dem sie errichtet war, geschleift wurde. Dr. Mustermatt, der über die Aufgaben der geplanten Ausgrabungen in der Zeitschrift des Palestine Exploration Fund einen langen Aussatz veröffentlicht, bezeichnet ein halbes. Dutzend dunkler Bibelstellen, auf die die in Aussicht genommenen Ausgrabungen ein Licht zu werfen berufen sind. Es steht zu hoffen, daß der Mauerg-ürtel der Jebnsäer bloßgelogt und der Ort festgestellt werden kann, auf dem die biblischen Stätten „Millo" und „Akra", der Palast Davids und die Gräber der Könige Judas erst standen. Auf dem Hügel „Ophel" stand so mancher stolze -Bau, auf Zeinen Höhen hat sich ein großes Stück Weltgeschichte abgespielt; die bloßzulegenden Trümmer einstiger Herrlichkeit werden so viel zu erzählen haben, daß bic ganze gebildete Welt gewiß aufhorchen wird auf die Kunde'hin, daß die Geheimnisse des „Ophel", die Geschichte dieses biblischen Hügels von der. Zeit der Jebnsäer bis zur Niederstampfung des Heiligen Landes durch die Römer nun enthüllt werden sollen. Kememdefiatuten vom 17. Jahrhundert. f m Ministerium des Innern in Wien befindet oft Original dar sogenannt»« 311 Statuten ftir ist jedem Kenner der Verhältnisse klar, daß, es nur die Orthodoxie fein kann, die Herrn Grünbau ms doktrinärer T<rauf§ängerpolitik mit Recht Schwierigkeiten zu machen und sich aus ihre traditionellen Tendenzen zu besinnen beginnt. Im Grunde genommen sind ja die hier einander gegenüberstehenden politischen Methoden nur der natürliche Ausfluß der beiderseits vertretenen Weltanschauungen. Tie dem zionistischen Programm entsprechende schematische Anwendung der üblichen Minoritäten-Kampfpolitik auf die - jüdische GolusMinderheit fordert nun einmal gebieterisch, auf jeden Schelm anderthalb zu fetzen und eine Regierung, die für pöbelhafte antijüdische Exzesse verantwortlich ist, rücksichtslos bis aufs Messer zu bekänrpfen. Sie fordert weiter, daß sich nationale Minorität mit nationaler Minorität zur gemeinsamen Kampffront zusammenfchließt, ob T eutsche oder W e i ß - russen, Ukrainer oder Juden, alles gilt gleich. rrrttl 12^> ist ja das Grundprinzip zionistischer Politik. Tie Orthodoxie Polens hat diese aller Eigenart bare Politik bisher besinnungslos nritgemacht — die Mraße verlangte unter dein Drucke der äußeren Gefahr Einigkeit, und Einigkeit hieß natürlich Unterwerfung unter den Willen des Herrn Grünbaum. Allein es scheint, daß in der letzten Zentralratssitzung der polnischen A g u d a s Jisroel, über die in der heutigen Kummer der „Blätter" berichtet wird, besonnene und einflußreiche rabbinische Führer gegen dieses unbedingte „Mitmachen-", das natürlich viel bequemer und äußerlich erfolgreicher ist als die Verfolgung einer selbständigen politischen Linie, sehr lebhaft Einspruch erhoben, und daß diese Berattrngen doch mehr, als es uninittelbar schien, die Lage verändert haben. Man darf dabei die ungeheure Schwierigkeit nicht verkennen, mit der . unsre polnischen Gesinnungsgenossen nach innen zu kämpfen haben. 'Tie Parole von der „jüdischen Einheitsfront" ist für den politischen Spießbürger in gefahrvollen Zeiten von so hinreißender Ueberzeugungskraft, daß höchste geistige Unabhängigkeit und sittlicher Mut dazu gehört, um im Gegensatz zum Zionismus auf die Loslösung der jüdischen Parlamentsgruppe vom allgemeinen Minderheitsblock und auf eine entgegenkommende Verständigung rnit der Regierung hinzuwirken. Ties aber muß das Ziel der Orthodoxie sein, ganz abgesehen von der auch in religiöser Hinsicht demoralisierenden Wirkung, die der Block mit den Zionisten, je länger er währt, auf die orthodoxe Masse,, insbesondere auf die bisher durchaus zur Selbständigkeit drängende gesetzestreue Jugend Polens * ausüben muß. Wir reden durchaus nicht indie Organisation der jüdischen Gemeinden in Möhren vor dretbunderi Jahren. Diese Statuten erstrecken sich auf das Familien-, Gemeinde- und Erwerbsleben der mährischen Juden und zerfallen in die Hauptstücke: »ie „Säule der Lehre", Armenkassa Palästinas, Wahlmodus, Wahlordnung der Gemeinden und Beschlüsse der späteren Synodalversammlungen in den verschiedenen mährischen Gemeinden. Sie bieten so eine Art jüdischer Gemeindeverfasfung. Ihr ursprüngliches Konzept ist ein Jüdisch-deutsch, untermengt mit zahlreichen ' Hebraismen. Anno 1851 abgeschlossen, wurden sie 1751 unter Maria Theresia der sogenannten „General', Zivil-, Prozeß- und Kommerzialordnung" der Juden zugrundegelegt und von Amts wegen in das damalige Deutsch übersetzt. Hier einige Proben: „Anfang der Weisheit ist die Forcht Gottes. Die Säule der Lehre betreffend I. Jede Juden-Gemeinde, so aus dreystig Familien bestehet, welche zu gemeinen anlaag (zu verstehen ist die Gemeindeumlage) beytragen, ist ein Rabbiner nebst einer Schuel von Sechs Studenten und Sechs MÜnderen Lehrlingen zu unterhalten schuldig, denen Sechs Studenten sollen nicht weniger denn Zwölf Kreutzer, denen münderen Scholaren nicht weniger als Sieben Kreutzer . . . gegeben werden. Die Gemeinden, welche obbemelter Matzen die Studenten und Scholaren zu unterhalten haben, sollen Winterszeit selbe bis in Monath Adar . . . Sommerszeit aber bis den Moyath Elul bei Ihnen zu behalten schuldig seyn . . . Sofern datz in einem Creytz Wenig, in dem anderen aber Biele Schulen sich befinden . . . sollen die Aeltesten sowohl die freiwilligen Geldgaben als die Studenten und münderen Schülern von einem Lreytz zum anderen Verlegen und austhetlen . . . . . ,Wieder Satter ist schuldig, am wenigsten sein neren Kämpfen das Wort. Aber die für fcp Wahlen noch halbwegs erträgliche Znsrmmenkoppelung der organisierten Orthodoxie mit den nationalistischen Parteien ist für die Reinheit der Begriffe aus die Tuner so gefährlich, daß man sich der mittelbaren und unmittelbaren Ergebnisse der Zentralratssitzung (einschließlich des gewiß wohlverdienten Vertrauensvotums ftir die hingebungsvoll schaffenden orthodoxen Deputierten und Senatoren) wahrhaft freuen darf. »ie »Sünde wider die Liede". Ueber das so betitelte neueste Buch Artur >D i n t e r s hier zu referieren hätten wir wahrlich keinen Grund. Umsoweniger, als das literarisch vollkommen wertlose Werk nur seiner Tendenz wegen ein wenig beachtet wird, und diese allzu bekaunt ist. Registrieren wollen!vir aber hier das. aus Anlaß dieser haßgeborenen Neuerscheinung gefallene mannhafte Wort eines katholischen Geistlichen, dem wir heute, in den Tagen der nationalen Verwirrung und Engherzigkeit, gerade im katholischen Bundesstaate Bah e rn weitgehendste Verbreitung wünschen nröchten. Es handelt sich um einen Privatbrief des hochangesehenen katholischen Pfarrers Murawski in Egeln, den die C. V.-Zeitung mit Genehmigung des Schreibers veröffentlicht und der nach einer Charakterisierung Tinters und seiner Werke mit folgenden Worten schließt: „Sind die Verfehlungen DinterS gegen die Wahrheit unzählbar, so kann man sie ihm vielleicht verzeihen, weil er nicht weiß, was er sagt. Unverzeihlich aber sind die von ihm begangenen Sünden gegen die Liebe. Der von ihm gepredigte Haß yegen die Juden und gegen alles, was vielleicht jüdisch sein könnte, ist vielleicht pathologisch zu bewerten. Die wüsten Schimpfereien zeugen wahrhaftig nicht von Liebe, ebensowenig von dein geringsten Verständnis. "Ich will es an dieser Stelle als katholischer Priester, gerade, weil Dinter sich noch einen Katholiken nennt, offen aussprechen: katholisches Christentum und An tisemitismus vertragen sich nicht! Man mag gegen einzelne Juden noch, so viel einzuwenden haben, niemals hat nlan das Recht, die Juden zu Haffen und zu verfolgen, denn vor Gott gilt nicht-die Abstammung, — er hat ja alle Menschen geschaffen —, sondern das Herz, und das ist bei manchem Juden besser als bei denr Arier Dinter. Wir als Katholiken müssen es energisch ab lehnen, in irgendeiner Form mit dem Antisemitismus in Verbindung gebracht zu werden. Wir halten es trotz aller Dinterschen Experimente als eine ge,offenbarte Wahrheit fest, daß Gott das Volk Israel auserwählt hat. Wir verdammen die Dinterschen Ausfälle als greuliche Gotteslästerung, wir bekennen uns mit! den Juden zum wahren Gott, hochgelobt in Ewig- ■ Seit! Wir betrachten auch das' Alte Testament als Kind, bis es 13 Jahre erreicht, zu dxn Study8 anzu halten und da» gewöhnliche Lehrgeld ven Selbig nach seinem vermög zu bezahlen. Ist er aber nicht tmstand, das Lehr-Gelb aus seinen Mitteln zu prästiren, so solle von der Gemeinde oder von den Almosen-Pflegern ein Beyhülff hiezu beziehen oder aber sollen die Kind in andere Öerther, allwo Studenten und Scholaren befindlich, geschickt werden . Zugleichen sollen die Almosen-Pfleger schuldig seyn, auf die Waysen, welche keinen Datier haben, die Obacht zu tragen, damit diese Ihre Lehre dies zum 13. Jahr ihres Alters proseguieren" . . . Ueber die Opferwilligkeit gegen die Armen Palästinas lesen wir: „Wir haben ein Grlöbnitz gethan, wegen unserer, unserer Kinder und KindeS- Kinder bieS in Zukunft unseres Erlösers alljährlich sünffzig Mährische Thaler ... an die arme'.zu Jerusalem, und zwar allemal im Monath Adar ... zu überschicken." Zu diesem Behufs mutzten 3 Almosen- Pfleger, je einer für die 3 mährischen Kreise und ein vierter speziell fnr Nikolsburg erwählt werden, welche die einlaufenden Gelder an den jernialemischen Almosen-Pfleger jn Wien behufS Weiterbeförderung nach Jerusalem zu übersenden hatten. Kamiliennachrichten. Barmizwoh. Siegfried Lonnerstädter, Sohn des Herrn S. Lonnerstädter, Pfingstweidstr. 13. Goldene Hechzeit. Baruch Strauß und Frau Mina geb. Goldschmidt, Günthersburgallee 34, feiern am 3. Mat in voller geistiger und körperlicher Frische ihr« goldene Hochzeit.

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