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Der Israelit · 1923-05-03 · Heft 18 (3.5.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 18 (3.5.1923)
Date
1923-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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gefft 8 »r. 18 allein ist «S, die — weit entfernt von der ihr so oft nngedichteten MechanisierungH-Dendenz — im Gegenteil die ewige Erneuerung Wurzel echten jüdischen Lebens verbürgt. Micm sieht den beträchtlichen Erkenntnisfortschritt, der sich hier gegenüber Hermann. Cohen, Martin Bub er, Klatzkin, in der Stellung zum gesetzeslreuen jüdischen Leben offenbart. Ter Marburger Philosoph wollte, als er sein epigrammatisches' Wort: „ein Zaun ist kein Gurten" in die Welt rief, der vom Gesetz geregelten Lebensform kein Kompliment machen, und Klatzkin erblickt in dem „tragbaren Staat" des jüdischen Rechtes doch nicht viel mehr uls eine — leider — unwiderruflich verlorene Einkapselungsform, mit der sich der jüdische Organismus gegen die auflösenden Elemente der Umwelt zu wehren strebte; von Bub er ganz zu schweigen, der.für die gesetzliche Seite des Judentums von je in einer Art Farben-, blindheit befangen war. Erst EmilCohn hat für sich wieder entdeckt, was dem gesetzestreuen Juden — mehr oder minder bewußt — eine Empfindungstatsache seines täglichen Lebens und »Erlebens war: die Inh altsfülle, die ewige Jugend, die ideelle Anpassungsfähigkeit der Mizwos, der Gruppe der insbesondere, aber auch jedes Brauches und jeder Sitte, die wie Grüße aus der Vorzeit den Strom des geschichtlichen jüdischen Lebens durch die Seele des letzten Epigonen leiten und ihm außerdem iu jeder Gegenwart, in jeder neu gestalteten Lebenslage neue Tiefen und Weiten enthüllen. 'Ter Verfasser, dem diese Wahrheiten auf seinem Lebenswege als überwältigende Erlebnisse aufgegangen sind und der, wie er versichert, auch persönlich als Baal Teschuwo die praktischen Konsequenzen daraus gezogen hat, muß begreiflicherweise vor allem das Bedürfnis fühlen, sich mit den wichtigsten Zeitströmungen, soweit sie das Judentum berühren, auseinanderzusetzen. Er vollzieht diese kritische Auseinandersetzung mit der Assimilation, denl Zionismus, der „gottsuchenden" Jugend und der Orthodoxie in geisterfüllten und tiefschürfenden Ausführungen, zu denen einige Anmerkungen gestattet seien. An dem Bilde, das Cohn von dem in Aktualität, Sensation, Literatirr und Zeitgeist aufgelösten, religiös haltlosen modernen Juden entwirft, ist kein Strich zu dick aufgetragen: umso wertvoller ist sein psychologisches Verständnis für diejenige Gruppe der „Liberalen", die zwar persönlich meist schon von Erziehung wegen dem praktischen Judentum Valet gesagt haben, dabei aber im Gemeindeleben für die Ausrechtcrhaltung des Gesetzes eintreten. Der MrsrW. - Z „Und wenn es ' irgendeinen Beweis . Aibtdaß sie („die jüdische Form") und' sie allein es wär, die uns die Lebensüberdauer gab, die es war, in die sich das Sebeit zurückgezogen hatte und aus der es wiederum strahlte, sie es 'war, die den wahren Geiß der Thora verwirklichte, so ist dieser Beweis gerade durch das 19. Jahrhundert gegeben, das trotz' Reform und Gleichmacherei, trotz Lehrhaftigkeit und Entwirklichung unter der suggestiven Macht der alten jüdischen Tradition beharrte. Das jüdische Leben, vertrieben aus Synagoge und Haus, darbte, aber lebte und fristete sein kärgliches Dasein von den Tischresten des heiligen Mahles der Ueberlieferung. Alte Siege, Triumphe vergangener Geschlechter wirkten und wirken als Pietät, häuslicher Gehorsam, Jugenderinnerung instiyktmäßig und im Blute nach und halten den Bau. Männer, den: Judentum entfremdet, assimiliert, kämpfen, ohne zu sagen und selbst ohne zu wissen, warum, für die Erhaltung der religiösen Form und selbst der strengsten. Man verspottet sie als Schinkenorthodoxe und merkt nicht, daß man in ihnen das Leben verspottet, das unnachrechenbare, grundlose, zeugende plötzliche Leben, das als Schicksal wirkt und weiterwirkt, und wenn es verschüttet ist, doch nach Geschlechtern wieder Hervorbrechen kann, doppelt stark und doppelt Leben zeugend. Und es bleibt nur die Frage, ob nicht doch einmal eine letzte Welle dieses Lebens au einem letzten Ufer sterben wird: Was dann?" — — — In dityrambischem Aufschwung ruft Cohn die Gestalt Theodor Herzls an, der ihm, dem Sechzehnjährigen, dereinst wie ein Stern aufgegangen sei, und in dem er das heilige Gefäß Gottes erblickt, in dem der Durchbruch jüdischen Lebens sinnbildstark zum Ansdruck kam. Zwar gibt der Verfasser alle die Bedingtheiten und literarisch-journalistischen Wesenszüge, den ganz areligiösen Zivilisationsglauben in Herzls Persönlichkeit zu, aber das alles wird ihm wettgemacht durch zwei Tatsachen: das bekannte Wort von der „Heimkehr zum Judentum" vor der Rückkehr ins Judenland und durch die, ob auch „hilflose, unwissende, unfertige" Art, wie er persönlich diese Heimkehr durch Entzünden der Menora usw. betrieben habe. Handelte es sich hier bloß um eine Charakteristik Theodor Herzls, so erübrigte sich jede Untersuchung darüber, ob Herzl je daran gedacht hat, unter der „Heimkehr zum Judentum" die „jüdische Form" zu verstehen, und ob er jemals mit irgendwelchem^ Ernst und mehr als nebenher an die Schmückung " des eigenen Lebens durch diese Form herangegangen ist. Allein für den Verfasser wächst sich Herzl zum Symbol für den Zionismus überhaupt aus, dein er zwarin seiner heutigeu Form seine' Verkommenheit in bloßer Organisation und zweckhaft er Politik vorwirft, in dem er aber doch eine geradezu religiöse Bewegung erblickt. „Den R a t i o n a - liste n im liberalen und im orthodoxen Lager bangte vor diesem Geiste, der ihnen im innersten fremd war, und gegen den sie sich wehrten und nach ihrer ganzen Natur nach wehren mußten bis aufs Blut. Jeder wahrhaft Religiöse aber erkannte, daß gerade hier der erste Schlag gegen das Tor des Rationalismus geführt worden war, unter bem das ganze baufällige Haus erbebt." Wir glaubeil, daß der Verfasser hier, unter bem Zwange romantischer Jugendeindrücke stehend, den rechten Blick für die Wahrheit der Diirge verloren hat. Wieviel auch in Theodor Herzls Seele und Blut an unbewußt jüdischer Erbschaft gesteckt haben und wie hoch man ihn für der: besten als Werkzeug der Vorsehung, die ihr Volk nicht läßt, bewerten mag — daß fein „Judenstaat" und seine ganze Konzeption des Zionisüms im Grunde doch rein rationalistischen Charakter trägt, scheint uns sonnenklar. Nicht der dunkle Drang nach. Erlösung, nicht Messiassehnen und Palästinaliebe haben den Schöpfer der zionistischen Organisation.auf ben Plan gerufen, sondern die ganz' auf politisch e. und wirtschaftliche Berechnung e n eingestellte j ü d i s ch e S t a a t s i d e e ist es, die den beherrschenden Mittelpunkt seiner 'Denkarbeit. bildet. 'Daran können gelegentliche Allsrufe ulld ill der Berührung mit den östlichen Massen gereifte nachträgliche Stimmungen nichts ändern. Wie wäre Uganda sonst möglich ge-- worden und der ganze, von Cohn seltsamerweise ben Nachfahren zur Last gelegte Mechanismus der Parteimaschine? Selbst die berühmte „Entdeckung": „Wir silld ein Volk, ein Volk" ist bei Herzl, ist beim Zionismus im wesentlichen zum Ausgangspunkt einer systematischen Assimilation d e r j ü d i s ch e ll G e m e i it - schaft an die völkische Lebensform d^r w e st e u r o p ü i s ch e n V ö l k e r g e w o r - den, einer ra tion aliftis chell Anpassung, die bei den Turn- und Sportvereinen ailfällgt und bei der imtioitafeit Autonomie und beim jüdischen Ministerium aufhört. - . Es heißt demnach der Wahrheit Gewalt arltull, wenn man die ablehnende Haltung der O r th o d o x.i e gegenüber denr Zionismus mit der Opposition der liberalen Kreise auch nur im elltferntesten in Vergleich stellt. Gewiß, es gab auch orthodoxe Philister, deneil der Zionismus zu abenteuerlich war — aber die fast einmütige Ablehnung in den Kreisen der rabbi- MK2 bEssi Worte des Muser Gaon. VI. Das Festkapitel in iivn 's bietet gleich zu Anfang (fiatz 8. Kap. 23) da es im Anschluß an das 'i npiv und 'iviv an zunächst nicht von Festtagen, sondern von Sabbat spricht, 'di b»b» t\w eine SÄwie« rigkeit, die die BnPlBö auf verschiedene Art zu erklären suchen. Der Gaon steht keine Schwierigkeit, denn das 'ui v'v' ratV beziehe sich in Wirklichkeit nicht auf Sabbat, sondern auf die v'2iv vw» und schließe sich dem 'ipiv vn rntt ganz harmonisch an. Nämlich: Bon Thorawegen albt es Im Ganzen nur sieben Festtage (Peffach und SuckoS je zwei Tage, SchowuauS, Roschhaschonoh und Jomktppur je e in Tag, im Ganzen sieben). Bon diesen üebenTagen sind es s e ch S, tm denen Arbeit bis zum gewissen Grade (VS2 ’3l5t) erlaubt ist, während an einem dieser Festtage am Jomktppur alle Arbeit ruht. Das ist eS denn auch, was die bezügliche Stelle besagen will: »ipiv v.i rnK — Wie folgt gestalten sich meine sieben Festtage im Jahre: TW9 n3K7ö new v'w — an sechs von ihnen darf die für die HsVonSovhaltvng nötige Arbeit verrichtet «erden. *131 r2» >p>2ip.a ni*2i — Am siebenten dieser Festtage jedoch, am Jomktppur, ist absolute ArbeitS. ruhe zu bewahren usw. Verständlich wird dadurch auch der Zusammenhang in den Sätzen 38—30 deS gleichen Kapitels in iizjk. Dort lesen wir: 1) ww ,i3rüv bs) 2) bs '3 ruiyn ab ism trejn 3) ,i3nbv ^3 newn lew PöJn tei. Die Pflicht des Fastens ist hier zwischen die beiden Sätze des Arbeitsverbots geschoben, man könnte sogar annehmen, die absolute Arbeitsruhe «'erde mit dem Fasten begründet: (tpern ^>3 '3 „Den n" usw.) So ist es auch in der Tat. Daß sich der siebente Festtag, Jomktppur, von den anderen sechs durch ein Verbot selbst der Nahrungsmittelzubereitung auszeichnet, kommt daher, daß naiwi *6 wh Pfiin *?3 *3, daß durch das Gebot des Fastens eine Notwendigkeit für Zubereitung der ^3K '315t nicht besteht. Sollte nicht in diesem Sinne auch der Satz im Mviirn-Gebete: npip nttwon *d> xwvo »rmn 01» rim zu verstehen sein? Auf den Unterschied zwischen Sabbat und Wochentag wird ja schon im Gebete mit den Worten 131 nVvv.a 'v' rwvb 'p'arp.i dv pa deutlich genug hingewtesen. Das 'rap.i an nsi ist aber im Zusammenhangs mit dem vorangehenden mtP riPllp "3 rbian 2 no dv rtPlip*? so zu verstehen, daß 'n Jomktppur von den anderen sechs Festtagen der Jahre durch besondere nrpiip ausgezeichnet hat. Kleines Feuilleton. Die Ausgrabungen in palastino. Die Burg Davids. .Ueber die neuesten Ausgrabungen in Palästina lesen wir im „Manchester Guardian" die folgenden höchst interessanten Einzelheiten: Gegenwärtig wird zu einer internationalen Wissenschaftlichen Expedition gerüstet, die,-zumindest in ihren Zielen und Bestrebungen, alle in der letzten Zeit erfolgten Ausgrabungen an Wichtigkeit übertreffen wird. Der Hügel Ophel in Jerusalem soll erforscht werden. Jerusalem war ursprünglich auf zwei Erhöhungen erbaut, und die östlichere von beiden heißt „Ophel". An der Jordanseite liegt das Tal Kidrou ntit der Quelle, die im alten Testament Gihon genannt wird. Aus der Bibel selbst ist mit absoluter Genauigkeit nicht festzustellen, was eigentlich „Ophel" topographisch zu bedeuten hat: ob bloß den südlichen Teil des Hügels — an dieser Stelle sind die gegenwärtigen Ausgrabungen geplant — oder aber, worau, manche Textstelle schließen läßt, ein Bollwerk am der Bergkuppe. Ganz gewiß war es ein stark befestigter Platz, vielleicht die Zitadelle der Jebmäer, von' der es in der Bibel heißt: „David eroberte die -Festung Zion, dies ist die Stadt Davids." Biele Bibelforscher nehmen auch an, daß auf „Ophel" zwei Baulichkeiten aufgeftthrt waren, über die viel gestritten wird. Die eine ward geheißen „Millv" und existierte nachweisbar zu Davids Zeiten, wurde vvu Salomon neu erbaut, wir wissen aber nicht ganz

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