Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1923)
- Date
- 1923-04-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450238-2450253--70479-2527745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2s. Aprtt MS' geschichte Zeuge, wird letzten GndeK Sieger bleiben. Wögen die Sowjetherren auch glauben, daß ihre Macht auf ewig gegründet [et -- an der Vergewaltigung des' Einigen wird sie zerschellen. Zur Lehrersra-e. Bon Hptl. a. D. S. Kisfinger in Umspringen. Aus den Nerschiedenen, in obigen: Betreffe erschienmer: Artikeln zu 'schließen, scheint doch in einem Teil der deutschen Judenheit, der bisher der hochwichtigen Angelegenheit mit verschränkter: Armen gegenüberstand, das Bewußtsein zu erwachen, daß es so wie bisher in der Besoldung der Lehrer und anderen Kultusbearnten nicht weiter Mnn, denn das bisherige fast zynische Verhalten einzelner Gemeinden muß unbedingt zu einem Chaos in der: betreffenden Gemeinden führen. 'Tie Leistungen mancher Gemeinden und Korporationen müssen anerkanrrt werden, allein mar: darf nicht glauben, daß bei tarifmäßiger Zahlung der Lehrer schon versorgt und in der.Lage ist, eine Rücklage sür seine 'Familie zu machen. 'Tie erhöhten Ausgaben für spezielle rituelle Zwecke einer jüdischen Lehrersamilie verschlingen alleir: *4 des Einkommens, 1/4 desselben erfordert die Anschaffung des Hausbrandes, sodaß nur das halbe Eirikominen für den übrigen Bedarf der Familie übrig bleibt. Begnügt sich denn der Kaufmann damit, daß er nicht mehr verdie::en will, als er gerade braucht und sucht er nicht sich auch für . spätere Zeiten etwas zu erwerben? Bei diesem Punkte möchte ich die Frage aufwerfen: „Warum hört mar: nie oder sehr selten einmal, daß ein gutsituierter Kauftnann sein Kind dem Lehrerberuf zuführt und dadurch seinen Idealismus, den man immer vom Lehrer verlangt, auch tatsächlich zu erkennen gibt? Unsere Präparandien und Lehrerseminare würden kein so kümmerliches. Dasein fristen müssen, wenn sie mehr von gutsituierten und gut bezahlenden Schülern frequentiert würden. Es darf nicht mehr länger mit zngeseher: werden, daß, wie Herr Rabb. Tr. Breuer in Aschaffenburg in seinen trefflichen Artikeln „Nehmen und Geben" ausführt, 18 jährige, großmäulige Bürschchen sich brüsten mit ihrem Einkornmen dem Lehrer gegenüber und daß der Kultusbeamte als Zedokoempsänger in der Gemeinde angesehen wird, denn „vor einem Hungerleider hat man keinen Respekt" sagte einmal ein bayrischer Kultusminister zu einer Lehrerdeputation. Zu den Eigenschaften eines }n3 gehörte es, daß er “TTO war neben seinen anderen Vorzügen. Bezüglich des den Rabbinern Wsr WrsrM. ' ' mu.miywwirumww» mm,i«iwii—atr%'WW—— gemachten Vorwurfes, als'hätten sie bisher in der Besoldungsfrage nicht genügend ihren Einfluß geltend gemacht, maß ich bemerken, daß ich bis vor einiger Zeit der gleichen Ansicht des Artiklers war, in. der legten Zeit aber anderen Sinnes wurde, da ich mich überzeugte, daß gegen die Arroganz, den Zynismus und das thorawidrige Verhalten vieler Gemeinden bezw. deren. Vertreter, auch die .Rabbiner in den weitaus meisten Fällen machtlos sind. Mußte sich doch vor kurzem ein unterfränkischer Rabbiner schwere Beleidigungen sagen lassen, als er'in einer Gemeinde sür die Eingruppierung ihres schlechtbesoldeten "Lehrers energisch eintrat. Einigen Erfolg verspreche ich nur nur von einem '.Unternehmen folgender Art: Es müßte in. jedes jüdische Hans in Deutschland ein Flugblatt lanciert werden seitens der in Betracht könnenden Korporationen, in welchem tut der Hand der Schriftlehre eine Darlegung der jeden: jüdischer: Manne obliegender: Pflichten gegenüber der Gemeinde, bezw. deren Beamten geboten würde, da, wie es scheint, dieses Pflichtbewußtfciit oft, vielleicht auch aus Unkenntnis, fehlt. Außerdem müßte dieses Blatt eine Gegenüberstellung der erbärmlichen Bezahlung vieler Kultusbeamter: nrrd der erwrmer: Ausgaben einer etwa vierköpfigen Familie, unter Spezifikation der wichtigster: Einnahmen und Ausgaben, enthalten. Es würde sich lohnen, wenn etwa jeder Landesvereir: die entstehenden Koster: daran setzen würde; die Verteilung des Blattes könnte jeder Beamte in seiner Gemeinde selbst, vornehmer:. Ich bin fest überzeugt, daß manches Vorirrteil und Mißverständnis durch obiges Vorgehen beseitigt und manche Grundlage zu erfolgreichen Berhandlringen geschaffen würde. |a?8 8? '2 £orre$pott<seiizeii u. kachrichte«. Derrtftstes Ketrh« Line ffürmiföie Repra(en(anfen[itsung. AerN», 20. April. Tie Reprüsentanterwersammlung der Jüd. Gemeinde hat eine ftürnrische Sitzung von langer Tauer hinter sich. Es handelte' sich in der No, 17. Sette S. Hauptsache um-, einen troit der konservativer: Fraktion gestellten Antrag ans Ab g r e n zn n g eines besonderen Feldes ans de m F x i-e dh 0 fe i rr W e i ß c 1: [ec. Auf diesen: Felde soll die Beisetzurrg von Urnen. Aschenrefter: nrrd Mchtjnder: ansgcschlvsserr sein.*) - Ein gleicher Antrag war im vorigen Herbste vor: dem Gemeindevorstand auf Veranlassung der konservativer: Rabbiner eingebracht und von der damals vorhandener: liberalen Mehrheit der Repräsentanten abgelehnt worden. Da der Vorstand infolge dieser Ablehnung die Sache ruhen ließ, rrahn: die konservative Fraktion Veranlassung, ihrerseits einen entsprechenden Jnitativantr-ag zu stellen. Ter Antrag erfuhr durch Herrn M. A. L o e b eine ausführliche Begründung. Tie Ablehnung des früherer: Antrages sei erfolgt, weil angeblich die Schaffung eines solchen Feldes die Gefühle der liberalen Mitglieder verletzen müsse. Es sei nicht zulässig, zwei Kategorie:: innerhalb des Friedhofes zu schaffe:: und dadurch zu dokumentieren, daß die bisher benutzten Teile des Friedhofes nach jüdischer Anschauung minderwertig seien. Ter bisherige' Gebrauch bestehe seit 40 Jahren und habe niemals zu Beanstandungen geführt. Demgegenüber sei zu sagen, daß eir: Mißbrauch auch durch die längste 'Dauer nicht legalisiert werde, ebenso daß von einer Verletzung der Gefühle der liberalen Mitglieder doch feine Rede sein könne. 'Die konservativer:' Mitglieder haben das Recht, zu verlangen, daß der Friedhof als Gemeindeinstitution, wenn jticfjt ganz, so doch wenigstens in einem Teile so gestaltet werde, daß sie ihn ohne Gewiffensbedenken benutzen können. Fühlen sich ja die Liberaler: in ihrem religiöser: Gewissen bei dem Besuche der Drgelsynagoge doch nicht durch der: Umstarid bedrückt, daß die Gemeinde.5 große, orgelsreie Synagogen unterhält. Ebensowenitz haben bisher die liberaler: Mitglieder, die einen strengtrefenen .Haushalt 'führen, Anstoß darar: genommen, daß die Gemeinde durch ihre Kaschruthkommission 30 oder 40 Betriebe beaufsichtigen läßt, die streng rituell geführt werden. Herr Löb teilte ferner mit, daß er Veranlassung genommen habe, bei der: auswärtigen Großgemeinden Umfrage zu halten, lote dort die Verhältnisse in dieser Beziehung liegen. Als Resultat ergab sich, daß die Beisetzurrg vor: Nichtjuden in keinem dem Redner bekarrntgetvordenen Falle erfolge. Be- *) Bei Nichtjader: handelt es sich um die Beisetzung christlicher Ehefrauen von in Mischehe lebenden Gemeindnnitgliedern. eine Kuh auf dem Markte so erhandelt hat, daß sie sich zuerst mit der Milch selbst bezahlt und dann mit dem Fletsche noch gehörig verzinst . . . Es soll damit nicht gesagt sein, daß man auf dem Lande immer solche „Mezies" erwirbt, aber in der geschilderten Weise wäre" es eine. Eine „Mezie" ist aber auch, wenn man für ein Gehalt, zu dem die Kuhmagd noch Essen und Wohnung bekommt, einen Lehrer „erhält", der in der Synagoge den Gottesdienst leitet, in der Schule die Kinder in der Religion unterweist und der Küche das Koscherfletsch vermittelt . . . Solche „Mezietz" gelingen auf dem Lande — zuweilen auch in Mtttelgemeinden — heute immer . . . * Ich will den Fall genau so erzählen, wie ich ihn erlebt habe. Gestern klople es an meiner Redakttonstüre, einmal und noch einmal ES muß schon dreimal klopfen, wenn ich, hinter geschloffenen Türen in meine Arbeit versunken, es hören soll. Nun stand er da, ein kleiner Mann mit jungen Augen und Altersrunen in der Stirn. Ich vermeide es, solchen Besuch mit dem allübltchen: „Was wünschen Sie?" oder „Womit kann ich dienen?" zu empfangen, seitdem ich aus langer eigener Erfahrung weiß, daß Menschen, die mich solchermaßen empfingen, nichts weniger als den sehnlichen Wunsch halten, meine Wünsche ztt erfahre» und zu ermitteln, „womit fie mir dienen konnten .. Ich bot ihm nur einen Stuhl an, und er erzählte auch gleich, was ihn zu mir führte. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Wohlbestallt alS Lehrer und Vorbeter in ... . bei Frankfurt (ich werde mich schwer hüten, die Gemeinde auch nur mit Jnitialien. anzudeuten, denn Leute, die an den Pranger gehören, find sehr empfindlich ...). Sr bezieht dort ein Gehalt von sünftausend Mark monatlich, hat aber dafür freie Harro, .sich anderswo nach Herzenslust zu betätigen, Verdienst zu suchen ... So ging er uach Frankfurt und fand Arbeit in einer großen Buchhandlung als Ordner, Korrektor oder dergleichen. Allmorgendlich geht, richtiger fährt der Herr Lehrer an die Arbeit, allabendlich kehrt er heim, am Sabbat „lehrt er die Mädchen und wehret den Knaben", wie eS im bekannten Liede heißt und fingt den Gottesdienst vor und liest und lehrt aus dem Buche deS Gesetzes, wie es sich ziemt und gehört und wie es geschrieben steht in seinem Vertrage mit der Gemeinde . . . Und alles ist wohl und satt und in bester Ordnung, jeder kommt auf sein Recht. Synagoge und Schule sind mit dem Samstag sür eine Woche gedeckt, der Herr Lehrer hat seinen, wenn auch kärglichen Verdienst und die Gemeinde — ihre „Mezie" ... Da kamen die Franzosen ins Land, sie haben beileibe nichts gegen den Herrn Lehrer in . . . bei Frankfurt, aber find doch gekommen, um gegen ihn, ausgerechnet gegen ihn, den Wirtschaftskrieg bis zur Vernichtung zu führen,.. Er mutz die Reparationen zahlen . . . Etwas indirekt, aber es ist doch so. Die Franzosen bandelten mit den Eisenbahnern an und diese fahren nicht mehr. Und wenn diese nicht fahren, hat unser Herr Lehrer die Wahl, entweder daheim in ... zu bleiben oder sechs Stunden zu Fuß zu taufen, oder täglich für ein volles Vierteljahres - gehalt Auto zu fahren . . . Ein dritter Weg wäre, die Woche über in Frankfurt zu bleiben. Unpraktisch und unbeholfen wie solche Leute einmal find, steht der Mann, dem sich drei so glänzende Wege eröffnen, weg- und ratlos da. Tut er das erster«, so gibt er neben dem BerkehrSstretke — für ihn und seine Familie wenigstens — auch noch Hungerstreik. Tm er das letztere, so kündigt die Gemeinde. DaS wäre sonst nicht erschütternd, allein er hat dort daS Dach über der Seinen Haupt, das er in Frankfurt nie bekommen wird. Was tun? Er möchte eine andere. Gemeinde in der unbesetzten Umgebung Frankfurts, von wo ein Weg zu seiner Arbeitsstätte führt. Also Klcingemeinden Hessens, eine „Mezie"! beeilt Euch!... Bin gern bereit, Offerten von Interessenten entgegenzunehmen und weiter zu geben. Vielleicht unter dem Merkworte: „Schämt Euch!p 5sbdat-/Inka«g and .flusgaau. Nl18 mp. O «tr Anfang ÜhrjMtn. D j AuS Uür Frankfurt a. M. 7 05 98. 12. 8 SO drrttn .... 7 90 April Jjar 8 13 München . . . 7 — 8 0S «öln. 7 18 S s» Mvttgart. . . 7 — 8 30 BreSLan . . . — — — — Skürnvers. . . 7 — 8 IS — —- — —