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Der Israelit · 1923-04-26 · Heft 17 (26.4.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 17 (26.4.1923)
Date
1923-04-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sn MrMKt. EEe 3 Kr. 17 umfomreHt brMchenwirjsne Vrzichmr^Seinflüsse einer religiösen Disziplinierung: Mit wissenschaftlicher Formung könnte man vom „biologischen Werte"' der religiösen Satzungen reden. Das Gesetz war die LebenAversiehern ng des Judentums. Es Hat dafür gesorgt, daß das Judentum. eine Macht wurde fürs Leben und nicht herMsank zu einem matten kirchlichen Bekenntnis. O 3. Man schreit nach Somrtagsgottesdiensten. Ich will dazu vsorerst eine ganz schlichte praktische Bemerkung machen. Wir hatten während des Krieges hie und da feierliche Betgottesdienste am Sonntag. In unserem etwa 3500 Israeliten umfassenden Rabbinatsbezirk, von denen etwa die Hälfte in Heilbronn .selbst wohnt, sind die 'Sabbatgott.esdienste verhältnismäßig gut besucht, während die Zahl der Beter an den soimtäglichen Kriegsgottesdiensten immer mehrsank und weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Wer religiös empfänglich ist, sucht es eben zu ermöglichen, zum mindesten eine Freitag-Abend- oder Sabbatstunde sich abzuringen und findet bei rechten: Wollen dazu auch einen Weg. Dem Sonntagsgottesdienste fehlen im jüdischen Herzen die tieferen seelischen Verankerungen. Dazu komntt, daß das Christentum mit $erleg:mg seines Ruhetages vom alten Sabbat auf den Sonntag geflissentlich seine letzte Beziehung zum Judentum lösen wollte. Indem der Jude weiter mit unentwegter Treue am Sabbat festhält, protestiert er gegen alle unfüdische Trübung des Gottgedankens und wahrt den Idealen die" Treue, fiir die unsre Märtyrer in den Tod gegangen sind. Ich verkenne nicht, wie unendlich schwer es vieler: Glaubensbrüdern gemacht ist, sich wenigstens solche Sabbatraft im Gotteshause zu sicher::. Bon einer Verlegung der Sabbatfeier auf den Sonntag, wie sie jetzt wieder in liberalen Kreisen propagiert wird, verspreche ich nur keine Förderung des jüdischen Lebens. Erfahrungen, die in dieser Richtung an verschiedenen Orten "gemacht sind, dürften n:ir recht geben. Gewiß erfordert der sabbatliche oder freitagabendliche Besuch unserer Andachten von manchem im harten Daseinskanrpfe stehenden Bekenner ein nicht zu unterschätzendes Opfer, denn neben dem staatlichen Ruhetage ist eine sabbatliche Arbeitsunterbrechnng nicht eben leicht durchzusetzen. Vielleicht haben die Alten solche Schwierigkeiten voransgeseher:, wenn sie sagen: „Hielte Israel nur zwei Sabbate, d. h. neben dem staatlichen Ruhetag den religiösen Sabbat, sogleich fände es Erlösung." Mochenmirdscha«. Sas Schicksal der jüdischen Volksschule. Nachdem man lange Zeit hindurch die Hoffnung schon fast aufgege&en hatte, daß das R e i ch s s ch u l g e s e tz seinen gefahrvollen Weg durch die Klippen der parteimäßig organisierten Weltanschauungen hindurch friedlich vollenden werde, sind die Freunde des Gesetzes vor einigen Wochen durch die Erklärungen des Unterstaatssekretärs Schulz zu neuen Forinulierungs- und Kömpromißversuchen erniutigt worden. Das Ergebnis war zunächst eine Fassung des grundsätzlich wichtigsten Paragraphen zwei, die den ch r i st.l i ch e n Charakter der' Gemeinschaftsschule unzweideutig festlegt. Darob schärfster Widerspruch der Sozialdemokratie und nochmalige Umarbeitung des Paragraphen, der nunmehr lautet: „Tie Gemeinschaftsschule erteilt den Unterricht auf religiös-sittlicher Grundlage ohne Rücksicht auf die Besonderheiten einzelner Bekenntnisse für alle Kinder gemeinsam. I n s b e s o n d e r e hat sie die aus dem Christentum erwachsenen Werte der deutschen Volkskultur u n t e r r i ch t l i ch und erziehlich lebendig ZU machen." In liberal-jüdischen Kreisen hat die offene Umwandlung der ursprünglich «konfessionell gedachten Gemeinschaftsschule in eine christlicye Gemeinschaftsschule — auch die neue Fassung ändert daran wenig — starke Verstimmung und Erregung Hervorgerufe;:; man sieht darin einen Angriff auf die Gleichberechtigung und vor allem die sichere Ausschaltung jüdischer Lehrkräfte beim gesamten Gesinnungsunterricht an der Gemeinschaftsschule. Nun ist die Läge des jüdischen Lehrer-Nachwuchses gewiß katastrophal genug, aber gerade diese unzweideutig christliche Gemeinschaftsschule kann zur Gesundung führen, wenn man nur'in allen jüdischen Kreisen die religiöse Konsequenz und Zielbewußtheit der religiös gestimmten christlichen Bolkskreise sich zum Vorbilde nähme. Tie christliche Gemeinschaftsschule fordert allüberall die jüdische Bekenntnis'schule; das sollten auch diejenige:: Kreise begreifen, .die sonst aus politische liberalem DogmatisNms sich gegen die konfessionelle Schule gesperrt . haben. Für uns, denen die jüdische Bekenntnisschule auch neben durchaus neutralen, verweltlichten Gemeinschaftsschulen, ein unbedingtes religiöses Postulat wäre, bleibt die Ausgestaltung dieser Schulgattung das Wesentliche an dem neuen Gesetz. Wir möchten dabei jedoch dringend wünschen, daß ' , . « April 19W Var fruchtVärst« schülPvMschs Echauke her MeicMverfafsunA, der vom D?echte her Grziehungs berechtigten, zur entschiedensten Geltung gelaugt und diesen in den.Aufsichtsvrganen eine dauernde, wirksame Vertretung gesichert werde. Sin englischer protestgegen die Aeligionsveholsnnset in Rußland Tie Kirchen und religiösen Körperschaften Englands haben in der „Times".einen feierlichen Einspruch gegen die systematische Verfolgung des gesamten kirchlichen und religiösen Lebens veröffentlicht, wie sie von der Sowjetreg: e r u:: g in Rußland in immer steigender Erbitterung betrieben wird.Tier Einspruch trägt auch die Unterschrift des Chief-Rabbi- Dir. Hertz, der damit unsres Erachtens durchaus seiner Pflicht genügt hat- Bisher hat die Sowjetregierung dem Aufschrei der gequälten jüdischen Volksseele noch immer den kühlen Einwand entgegengehalten, es handlesich um allgemein gültige staatliche Vorschriften, denen sich Chadorim und'Synagogen ebensowohl zu fügen hätten wie Kirche und Geistlichkeit. Dias war formell richtig, wenn auch tatsächlich' die ganz besondere Rolle der .jüdischen Verfolgungs- Kommissare und Thorafeinde ein unvergleichlich traurigeres Kapitel jüdischer Bolksschande bildet als die Razzien nach Kirchensilber und Klosterschätzen in der Geschichte der Religionsverfolgungen überhaupt. Allein es. war in der Tat höchste Zeit, daß wenigstens ein Teil der Kulturmenschheit sich endlich aufraffte, um gegen die beispiellose, van besinnungslosem revolutionärem Haß gespeiste bolschewistische Tyrannei zu protestieren, die einem ganzen Volke das Recht nehmen will, Gott nach seiner Art zu diene:: und seinem tiefsten religiösen Empfinden den ihm zusagenden Ausdruck in den gegebenen historischen Formen zu verleihen. Mag die Sawjetregierung tausendmal behaupten, sie verfolge nur den Klerikalismus, nicht die Religion, sie wolle „nur" die Jugenderziehung monopolisieren, nicht den Gottesdienst — das sind leere Schlagworte, die keinen ernst denkenden Beobachter täuschen werden. Solange das Volk in seiner Kirche und seinen Geistlichen Befriedigung findet, hat wahrlich keine Regierung das Recht, den , Gewissensvormund zu spielen; und 'eine religiöse Weltanschauung, der der Zutritt zur Seele der Jugend verwehrt wird, ist natürlich dem Untergänge preisgegeüeu.. 'Zum Glück kann der Ausgang dieses Kampfes auf die D a u e r nicht zweifelhaft sein: der Geist, dessen ist die Weltmüm Worte des Wilnaer Gaon. IV. In* den „Sprüchen der Väter", Abfch. 1, Mischna 31 lesen wir: nriK *p22 bpi 232 ,-mrr *p22 w? p svb -vor nn« -p22 bp: na nna ^1122 bpi »n ,-mrr -jito .n"2pn v'dbvn nbv -stv |2pm „Wider Deinen Willen bist du geboren, wider Deinen Willen lebst und stirbst Du und so wirst Du wider Deinen Willen Rechenschaft oblegen für Dein Leben vor dem Könige aller Könige, dem Heiligen gelobt sei Er." Im Kreise des Gaon wurde beim Studium dieser Mischna die Einwendung gemacht, daß es eigentlich der göttlichen Gerechtigkeit nicht würdig sei, uns für ein Leben zur Rechenschaft zu ziehen, das, wie im gleichen Zusammenhänge ausgesprochen ist, wir gar nicht wollten, das uns wider unseren Willen aufgezwunqen wurde. Der Gaon, getreu seiner Art, aller Rätsel Lösungen in Thora und Talmud zu suchen, wies auf Talmud Baba bathra Teile 1 hin, wo sich folgende halachische These befindet: "12: 122N HK pjtjöpj „Wenn j Jemands Feld an die Felder eines andern so arenzt,! daß durch die Umzäumung der letzteren auch sein einzelnes Feld von drei Seiten geschützt wird, so kann! man den Besitzer nicht zu den Kosten des Zaunes i heranliehen, da der Schutz durch die vierte offenstehende Sette unwirksam bleibt. Ging aber derFeldvesitzer und schlaft selbst den Kreis durch Anlegung eines Zaunes auf der vierten Seite, so hat er auch zu den Kosten der anderen Teile beizusteuern, da er dadurch bekundet hatte, daß ihm die ersten drei Zäune lieb und dienlich waren." Wenn wir auch um die ersten drei uns erwiesenen Dienste nicht erst befragt worden stnd, nn« “ma bp2 nbir 23v, 'N, so zeigen wir durch das riv wik 2ni2 bp2, durch unser krampfhaftes Amlebenhängen vis zum letzten Atemzuge, wie sehr uns das Leben lieb und wert ist, darum, ppni pn swb 2mp nnx, darum ist es nur recht und billig, daft wir die Kosten dieses Lebens tragen mit der Verpflichtung, Rechenschaft für unsere Tat abzulegen. (Im W2PP.2 '2D'> zu b.22v wird dazu ein schönes Gleichnis von Rabbi Jakob aus Dubna erzählt, das man auch in den Lehmanschen „Pirke Aboth" zur Setr. Mischna Nachlesen kann.) spricht auch aus Samuels Mund die Schechinih dr er (Siehe Samuel I. Kap. 12 S. 11) sagt : rs '2 nw2 2810» 7>81 nns' n«: p2 7181 Hp212'. Er spricht hier von sich in dritter Person, weil nicht er, sondern die Schechiuoh, wie bei Moses und zuweilen auch bei Ahron, hier aus ihm redet. Und nun lese man noch einmal den angeführten Psalmsatz: — Moses war, was keines besonderen Beweises bedarf, Vermittler der Gottessprache. ,vn22 pnai — Und Ahron gab der Sprache der Scheckinoh Ausdruck, wenn er als 2".22 Dienst tat 1VV '>82122 *?812L>1 — Und Samuel war von Gott gewürdigt Dolmetsch Seiner Sprache zu sein, ’K2ip2 12V, da er (im Satze 11 des Kap. 12) seinen eigenen Namen — er ward ihm von der Schechinoh in den Mund gelegt — nannte. Kleines Jemllelon. Sine „Wezle/ v. Ein Stückchen Lehrerelend. In den Psalmen Kap. 99: W.222 p.28i ne>v 1VL> '82122. Nach Talmud und Midrasch wird mit diesem Satze Samuel Moses und Ahron glelchg-stellt. Wie diese Bewertung wörtlich aus dem Possuk herauszulesen ist, zeigt un3 der Gaon im folgenden: Mofis Vorzug bestand darin, daß ‘n cmS seinem Munde sprach, wvu “jino 112220 rowm Bei Ahron stellte flch diese Auszeichnung ein, wie die Weisen er- 2 klären, wenn er im heiligsn Dienste stand. Einmal! WaS eine „Mezie" ist, weiß man auf dem Lande. Eine „Mezie" ist, wenn man ein Ding so billig ersteht oder so gut verwertet, daß cs bet denkbar wenig Kosten größtmöglichen Nutzen abwirst; wem man beispielsweise Hosenstoff so einkauft, daß man daraus alle männlichen Glieder der Familie mit Hosen eindeckt und darüber hinaus den Rest so vorteilhaft verkauft, daß neben den Selbstkosten des Ganzen auch der gesamte Schneiderlohn herauskommt. . .; wenn man

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