Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1923)
- Date
- 1923-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450238-2450253--70477-2527743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Budapest 1× ep/1002374
- Kaunas 1× ep/1000678
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Ein Centralorqan lur das orthodoxe Jaientiun jj W0BIU rsgggg Begründet oon Uehnann in ülainz ssssa lUmBT/l 26. Aprll 1928 .«17 64. Jahraang. Qö© SranMurf a. M.. flen 10. Jjar 6683 V»9ttiteam*t proBierteljahr ab 1. Januar 1SSS: De»ltchlo«- 6L0 M. monatl.» multtpltziertm. der jeweilig. SSILffelzahl des Börsenvereins : (Januar M. 200, Februar M. 460, März M. 1000, Apr'l ««verändert M. 1000.) Lschecho-GIowaket Kr. 15.- viertelt.. Uttflimt 9t. 600.— vierten., Deutsch.Oesterreich: 1. Vierteljahr 1K8 - M. 2000, April M. 1200. Pole« M. 2200, April M. 1400 deutscher Währung). Rumüuie« 25 Lei, Holland fl. 2.---, Skandinavien Kr. 4.—. Schwel» ks. 2.60. Fvankreitb Ir. 8.—, Belgien Fr. 7.60, Italien L. 10.—, Jugoflavien Din. 25.—, England 2 ah. 6 p., Amerika 0.75 Dollar vierteljährlich. —Etuzeluumrner 250— Ml. — Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate Mk-400.-,f.StellensuchendeM300.-. s. d.sechsgsP.Col.-Z. eluschl. Xeuer^szfchl..' Chtffregeb.M.l00.AuSl..Jnj M.1000 pro Zeile. Ra§. n. Tarif. Bei lauf.Jnseratauftr.tarif«. Preiserhöhung jederz. vorbeh. Jnsrratenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. tz. H., Frankfurta-M., Gr. Efchenheimerftr. SS, Tel. 884», Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorschrifte« ohne Verbindlichkeit. Für Frankfurter GeschSstSanzeige« alleinige Jnseraten-Annahme bei JulinS Schmidt, Laugestrahe 3. Zahlungen apßer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. SR. No. 1980» - erfolgen au: Postsparkasse Wie« No. 79 «08 Postsparkassen««! Budapest No. 18'4»4 Postscheckamt Zürich Kr. Till 7984 Postscheckamt Amsterdam No. 94 86» Böhmische Uuioubank i« Prag Sbucb Hftrmaroaeh Blank 4b Co. in Baearoet Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Sek NackSmck Ser Vlrftfeel uns LorrelvonSenMn des ^Israelit“ tff nur unter genauer Quellenangabe, und, fonrell es ficfi um größere flufläfte kmnSett. nur nach norhertfler Oenehmiguno geffallet. Inhaltsübersicht. 1. Lettarttk ei: Bon Bez.-Rabb. Dr. Beermann ln Heilbronn: Liberale Forderungen! 2. Wochenrundschau: DaS Schicksal der jüdischen Volksschule, — Lin englischer Protest gegen die NeltgionsVersorgungen in Rußland. — 8. Homiletik: Worte deS Wilnaer Gaon. — 4. Klein es Feuilleton : Eine „Mezie." — 5. Aufsätze:'Bon Hptl. a. D. S. Kisstnger in Nrsprtngen: Zur Lehrer frage. — Der Anschluß der Gemeinden des KarparyengebieteS an die Preßburger Kanzlet. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Eine stürmische Repräsentantenfltzung. — Berlin (Welthilfskonferenz). — Memel (Die Rechte der Juden in Memel). — Wien (Der Beamtepftreik). — Warschau (Nach den Exzessen.) — Warschau (Die Interpellation. — Sturm im Sejm), — Warschau (Der Trauerprotest). — Warschau (Rückkehr zum Judentum). — Warschau (Eine wichtige hülachische Frage). — Warschau (Die Heimlosen). — Kvwno (Blutbeschuldigung). — Kowno (Die litauischen Wahlen). — Riga (Mtlohverbot in Rußland). — Jerusalem (Brief aus Palästina). — Jerusalem (Die LebenSmtttelpreise in Palästina). — 7. Vermischtes. — ». Briefkasten. — S. Frankfurter Berichte. — 10. FamtKennachrtchten. — 11. VereinSkalender. — 13. Gebetzeiten. — 13. Feuilleton.Beilage: Bon A. Schoer: Enrika. Liberale Aoröermlgen!*) Don Bcz.-Rabb. Dr. Beermann in Hetlbronn. 'Es war von der Schriftleitung dieses! Blattes, ein schöner Zug der Ritterlichkeit, daß, sie mir, dem nichtorchodoxen Vorkämpfer des geschichtlichen, feiner Eigenart bewußten Judentums, jüngst das Wort verstattete, um in Sachen der vom jüdischen Liberalismus' neuerdings angeregten Umgestaltung der Speisegesetze für die altjüdi sche Lebensordnung einzutreten.!Tie wenigen deutschen Rabbiner, die gleich mir die innerjüdifchen Gegensätze zu überbrikcken sich mühen, haben es schwer, sich in der Oeffentlichkeit Gehör zu schaffen. 'Die neutraljüdischen Blätter meiden die Diskussion religiöser Zeitfragen, in deren Erörterung sich die Geister scheiden könnten. Eine Zeitschrift, in der die mittetparteiliche Richtung ihre literarische Ber- *) Es bedarf kau.ni eines Hinlveises, daß wir uns mit der ganzen Betrachtungsweise des nachfolgenden Aussatzes Nicht identifizieren rönnen; trotz« dem fühlen wir uns verpflichtet, die beachtenswerten Ausführungen der jüdischen Oeffentlichkeit nicht vorzurnchatten. tretung findet, ist nicht mehr vorhanden, und die Not der Zeit gestattet keine Neugründung. Sv muß ich wieder die verehrte Redaktion des „Israelit" bitten, mir freundlichst. zu gestatten, in den Spalten dieses Blattes einige Gedanken auszusprecheu, die durch neuerdings Verlautbar gewordene liberale Forderungen in mir angeregt wurden. Ich bin mir dabei bewußt, daß die Seelennöte und Spannungen, wie sie uns historisch-positiven Rabbinern in nichtorthodoxen Gemeinden schwere Stunden bereiten, für das orthodoxe Judentum nicht vorhanden sind. Es ist daher eine besondere Freundlichkeit und ein dankenswertes Entgegenkommen, wenn ich durch die gütige Vermittelung dieses Organs der Oeffentlichkeit sagen darf, was ich auszusprecheu für geboten erachte — kW ^2 ^^'2 np^no W „daß sich nicht mehre die Verwirrung in Israel." 1. Man geht wieder an eine Gebetbuchreform. Ich stehe solchem Beginnen skeptisch gegenüber. Mir hat es nun einmal das alte hebräische oder aramäische Gebetswort angetan. Denken wir einmal an die Gebete beim iAusheben der Thora, etwa an das Stücks 1312*) Ö2W an den Festtagen, welch wundervoller Höhenflug der Gedanken, welch lauterer Idealismus, welch sittlicher Heldeusiun! Jeder soll ein Mensch werden, auf dem der/.iM"i, der Geist des Ewigen ruht, jeder vom Streben beseelt, Gottes Willen zu tun mit ganzem Herzen. Nicht irdische Güter und Gaben werden erfleht, sondern nur die eine Sorge, erfüllt des Beters Herz: in Gottes Sinn sein Leben zu gestalten. OderN'VV *p"D, wo das reine, lautere Gottvertrauen seine herrlichen Triurnphworte findet und Gott und die Seele in unmittelbarer Liebesgemeinschaft einander berühren. Zweifellos, man könnte auch in deutscher Sprache solche glutvollen Herzensergüsse wahrer Andacht sprechen. Aber ich bezweifle, daß bei den jetzigen Gebetsdichtern, wo so viel Kritik und Skepsis störend und hemmend einwirkt, so ungebrochene Glau benskrast ihren Ausdruck findet, wie sie uns im altehrwürdigen Gebetsruf unserer frommen Altvordern immer von Neuen: die Seele bewegt. Und gerade der hebräische Ausdruck gestattet dem modernen Gottsucher durch seine eigenen Vorstellungen und Sehnsüchte das' alle Wort zu beseelen; freilich, das muß unbedingt verlangt werden, daß die hebräische Sprache so weit jedem Israeliten vertraut werde, daß er sich in ihre religiösen Wortprägungen hineinfühlen kann. Also nicht die Gebetbücher reformiert, sondern die Beter. Sorgt, daß das hebräische Wort in den Herzen lebendigen Widerhall finde und daß leschem jichud zur Verherrlichung des Alleineu, Ewigen, die Seelen wieder gottverlangend emporstreben. 2. Es wird Mode, Herrmann Cohen, als den Religionsphilosophen zu feiern, der für moderne Juden den wahren Sinn des Judentums entdeckt hat. Ich will Cohens Verdienste um die Philosophische Klärung und Begründung einer jüdischen Welt- und Lebensanschauung nicht verkleinern. Habe' ich doch selbst in manchen Reden und Aufsätzen seine gedankenmächtigen Darbietungen zu würdigen gesucht. Aber Cohen war doch nur int Staude, juns das Judentum so zu schildern und zu zeigen, wie er es sah, mit hellen Geistesaugen, aber doch immer nur vorn Gesichtspunkt seiner weiten aber dennoch begrenzten Eigenart aus. Cohen hat niemals aufgehört, zur Religion sich anders als vom logizistischeu Standpunkt einzustellen, für die mystische irrationale Seite des Judentums fehlte ihm'das Seusorium. Darum stellte sich ihm wohl unser Glaube als „Religion der Vernunft" dar. In manchem kraftvollen Bekenrierworte, das eine weithin hallende Heiligung des göttlichen Namens war, hat er davon Zeugnis abgelegt, wie ihm die leuchtende Geistessülle des Judentums das Innere überwältigt hat. Das Judentum ist aber noch mehr. Es ist „heilige Lebensordnung". Es tvill unseren weltseligeu Willen brechen und für die Gottesreichsarbeit umformen. Will man reformieren', so sorge man, daß das Judentum wieder Macht über den Willen gewinne, zu Opfer tlud Selbstverleugnung befähige und durch im'mer festere Bindung des Einzelnen an die jüdische. Gesamtheit jeder mobil gemacht werde, täglich und stündlich der anvertrauten göttlichen Aufgabe mit Bewußtsein zu dienen. Das will das „Leben im Gesetz", wie es religionsgeschichtlich in Propheten und Schriftgelehrten sich ansgewirkt hat. Ich meine, je mehr wir Juden ein- und aufgchen in die moderne Kultur,