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Der Israelit · 1923-04-19 · Heft 16 (19.4.1923) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 16 (19.4.1923)
Date
1923-04-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Worten "des NachrufV^aU^rie. ^inMannhervo^ ragenden Wissens und aufrichtiger Frömmigkeit errichtete er zusammen mit seiner gottesfürchttgen Gattin ein Haus wahrer Gottes- und MenschenlteSe, in dem patriarchalische Gastfreundschaft allen Einkehrenden, ganz besonders den zuteil wurde. Die wohltuende Höflichkeit und Vornehmheit seines Wesens, sein erfrischender, goldener Humor, verschafften ihm eine große Zahl von Freunden. Sein Beruf vermtl. tette ihm große Erfahrung, die von gar vielen Hilfesuchenden in Anspruch genommen wurde. So wurde Nathan Katzenstein in weiteren Kreisen frühzeitig zu einer populären Persönlichkeit. Neben seiner Gattin beweint den Verblichenen eine zahlreiche Kinderschar, die er in seinem Geiste zu erziehen ehrlich bestrebt war und mit Erfolg erzog. In der Trauer um Nmhan Katzenstein fühlt sich mit der engeren Familie der ganze Kreis der Gemeinde Ohel Jakob vereinigt. Harderstadt, 10. April. Am 6. April konnte der Seniorches der Firma H. Meyer's Buchdrnckerei, Stadtrat Julius Meyer, Halberstadt, sein bv jähriges Jubiläum als Buchdrucker begehen. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit war von einer Feier abgesehen und der Erinuerungstag im engsten Familienkreise begangen worden. Der Jubilar hat die von feinem Vater im Jahre 1881 gegründete Druckerei zu' einem in ganz Deutschland angesehenen Unternehmen ausgebaut. Seit Jahrzeiten steht Stadtrat Meyer im Dienste der Allgemeinheit) so steht er in den Organisationen des Buchdruck-Gewerbes an leitender Stelle und ist seit über IV, Jahrzehnten ehrenamtlich im kommunalen Dienste feiner Vaterstadt Halbeistadt tätig, in der seine Familie nachwerslich ununterbrochen seit vem Jahre 1657 ansässig ist. F-milie Meyer ist die älteste in Halberstadt ansässige Familie. Auch ist Stabtrat Meyer seit Jahrzehnten im Dienste des jüdischen Gemeinwohls tätig. Der „Verein Israelitisches Heim Neweh Menuchoh e. V." in Halberstadt verdankt feine Gründung seiner Initiative und hat sich unter seiner Leitung trotz der gegenwärtigen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse zu einer überaus segensreichen Einrichtung entwickeln können. Zu Ehren des Jubilarwurde eine Gedenkschrisr herausgegeben. Vermischte-. Frankfurt a. M., 20. März. Der Verein „Erholungsheim für Jsr. Frauen", Baden- Bad e », E. v., Sitz Frankfurt a. M., hieltzdieser Tage seine Mitgliederversammlung dahier ab, zu der auch von auswärts her Interesse bekundet wurde. Aus dem Bericht für das Vorjahr entnehmen wir, daß etwa 120 Mädchen und Frauen aus dem Mittelstand in dem Erholungsheim Erholung und Kräftigung fanden. Der ärztliche, Bericht lautere durchaus günstig. Anmeldungen für die frühen Sommermonaten können nach den uns zugegangenen Mitteilungen noch an Frau Cohn, Frankfurt a. M., Ostendstraße 6, gerächter werden. Der Berpfl'gungsbeitrag, der für jede Insassin zu leisten ist, beläuft sich in diesem Jahr bis auf Weiteres aus M. 7660 täglich bet einer Kur von vier Wochen. Es ist zu hofft», daß auch in diesem Jahr die Anstalt, die vielleicht in der Lage sein wird, ihren Betrieb zu vergrößern, zur Linderung mancher Not beirragen kann. Spenden werden an das Postscheckkonto 87 der Firma I. DreyfuS u. Co. mit dem Zusatz „für Erholungsheim Baden-Baden" erbeten. Dorthin können auch Mirglteder-Anmeldungen gerichtet werden, die im Uebrtgen auch Herr Michael M. Mainz, Frankfurt a. M., Ostendstratze 8 und Herr RechtSonwalt H o r o w i tz, Frankfurt a. M., Bockenheimerlandfir. 8, «ntgegenntmmt. Berlin, 18. April. Der Kriegsbeschädigte Kaufmann Gust. L e w y aus Jastrow (Wpr.), jetzt Berlin W., harte in Dr esden einen Fierschermeister, der ihn als „Krüppliger Jude" und „Krüppel" verhöhnte, mit seinem Kunst-Arm im Dezember 1618 so geschlagen, daß der Mann neun Wochen daraus starb. Die Staatsanwaltschaft hat L. daraus seit 1919 verfolgt. Am 21. Juli 1928, nach 13 monaiiger Inhaftierung wurde endlich das Urteil gefällt, das auf Freisprechung lautete, da die Zeugen bekundeten, daß Notwehr vorlag. Breslau, 12. April. Am Freitag sollte vor dem hiesigen Schöffengericht gegen den Bücherrevisor KoSlowSkt und die Kaufleute Gröger, Taubitz, Jelitto, Frafe, Pohler und Baumgarten, wegen . Beleidigung der jüdischen Bevölkerung verhandelt werden. Die Genannten hatten alS Angehörige der Deutschs öMschen Partei ein Flugblatt verbreitet, in dem behauptet wurde, zwei Rabbiner hätten in einer hier abgehaltenen Versammlung zur Schändung christlicher Mädchen aufgefordert. Koslowskt, Gröger und Taubitz warew dem Termin uuentschuldtgt ferngeblteben. Das Gericht beschloß deshalb, die Verhandlung zu vertagen und die drei Genannten zum nächsten Termin vorführen zu kaffen. Der Amtsanwalt hatte Haftbefehle beantragt. Justizrat Hirschberg stellte den Antrag, den Vorstand öeS Repräsenrantenkollegiums sowie die beiden hiesigen Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann und Dr. Vogelstein als Nebenkläger zuzulaffen. Diesem Antrag« gab das Gericht statt» , Der JtzraeM,; Pärteu^vi^en, Ä April. Die Pension LandhauS Wolff, Parteukirchen, bittet u«S MitzuteUen, daß die Orte Garmisch-Partenkirchen nach wie vor vollkommen von jedem Antisemitismus frei find. Die Kurverwaltung ist bestrebt, sämtlichen Kurgästen den »alt so angenehm wie möglich zu gestalten, fotzt der geringste Anlaß besteht, den schönen Ort des Antisemitismus wegen zu meiden. Briefkasten. B. H. 9t. und Andere. Der Autor des Leitartikels in der Peffachnummer dankt Ihnen, daß Sie ihm Gelegenheit geben, hier noch nachträglich die Pflicht zur Angabe delivin W zu erfüllen und mitzuteUen, daß die Gedankengänge dieses Artikels sich im nv nannp befinden. Der Verfasser kannte diese Quelle nicht, und ist eS nicht leicht für einen, der viel Geistiges aufnehmen muß, bei der Wiedergabe immer noch den Ursprung im Gedächtnis zu' haben. L. Sch. in E. Wir haben Ihre Bemerkung dem Autor des Artikels zugestellr. A. Sch. Edelmann, Lodz. Mk. 10000 für Abonnement eingegangen. min Schaare Thora, Vorstufe des Uebersetzungs- Unterrichts im .Hebräischen v. I. B. Levy. Frankfurt a. M. Verlag von M. Lehrberger & Co. Grundpreis 1.75. Die neuere Zeit hat auf dem Gebiete der Unterrichtsmethodik eine Fülle von neuen Gedanken und),: fruchtbaren Anregungen gebracht, und die Jahre seiti der Staatsumwälzung haben auch vielfache Gelegen-/ heit geboten, das Gute und Brauchbare der Reform--" ideen irr die Unterrichtspraxis umzusetzen. Ueberall regt sich in der Schularbeit neues Leben. Nur den hebräischen Unterricht, den Grund- und Eckpfeiler des Unterrichts in der Mischen Schule, scheinen die neuen Strömungen nicht zu berühren. Gewiß hat man in der Erkenntnis der Unnatur der alten Unter-- richtsweise hie und da dieser durch allerlei Verbesserungen ein neues Mäntelchen nmzuhängen versucht; im Grunde getrommen wandelte man immer wieder auf den alten Wegen, die der denkende Lehrer in allen anderen Lehrfächern als der Mndesnatur nicht entsprechend zu vermeiden bestrebt ist. Und doch tvaren die neuen Bahnen längst gewiesen: auf unserem Gebiete, namentlichin der Anwendung der direkten Methode des fremdsprachlichen Unterrichts, die in unseren höheren Schulen für die neueren Sprachen längst alleinherrschend, im Osten als mnio ni*uy die alte Unterrichtsweise vielerorts mit Erfolg verdrängt hat. Daß diese neue Lchrmethode in unseren jüdischen Schulen keinen Eingang gefunden bat, beruht neben anderen Gründen (Lebrervorbildung!) in erster Reihe in der sie vom östlrchen Reformcheder unterscheidenden Zielsetzung des Unterrichts. Nicht um die Einführung in die lebende Sprache handelt es sich; unser Schulziel ist und bleibt das ulte: Verständnis des Gebetbuchs und des Pentateuchs, d. h. selbständiger Uebersetzungsunterricht. Mit Aussicht auf Erfolg lassen sich (in der Volksuno Religionsschule, anders in oen höheren jirdischen Schulen) weitergehende Ziele in der Regel nicht verfolgen. Sie sind auf die Nachschulzeit zu verweisen, der ebenso wie der unter günstigen Verhältnissen möglichen Nebenschulzeit auch die Vermittlung des rabbinischen Schristtunrs, das Lernen, zu Überlassen ist. Aber auch diesen beschränkten Zielen kann die direkte Mode des Sprachunterrichts angepaßt werden, wenn man nur vor den Scheinhindernissen nicht zurückschreckt: dem Festhalten am alten Herkommen, das die sofortige Einführung hi Tefilloh und Chmnisch verlangt einerseits, und dem gänzlich unpädagogifchen Streben, möglichst bald gewisse greifbare Unterrichtsergebnisse, die Uebersetzung der auch dem kleinen Kinde geläufigen Gebetbuchteile, aufweisen zu können andererseits. Davon sollte keine Rede mehr sein dürfen, sobald die Möglichkeit geboten wird, durch bessere Unterrichtsmethode inner«, halb der Schulzeit mit größerer Sicherheit unt“ Leichtigkeit bessere Resultate zu erzielen als bisher. Ein durchaus brauchbares Hilfsmittel oazu ist die Vorstufe zunr Uebersetzungsunterricht von I. B. Levtz- Das wohl den meisten Lehrern bekannte Buch hat eine voll,räudige Umarbeitung erfahren. Don einem kleinen zusammenhängenden Texte ausgehend wird-, die jeweils zu erlernende grammatische Tatsache zuanschaulichem Verständnis gebracht und die gewonnene Erkenntnis gleich in gut angeordneten Uebnngen, die der Lehrer noch reichlich vermehren kann, befestigt; auf den unersetzlichen Wert der schriftlichen Betätllung des Schülers wird in dem methodischen Geleitwort nachdrücklich verwiesen. So werden die notwendigen Vokabeln und, vom Leichten zum Schweren wohldurchdacht ansteigend, die unentbehrlichen grammatischen Formen sicherer Besitz des Schülers und der selb ständige Uebersetzungsunterricht unter Anschaltung aller mechanrschen Hilfsmittel »und Eselsbrücken shstematisch vorbereitet. Die als Uebungsttücke in der zweiten Hälfte des Buches austretenden kleinen Erzählungen und Uebungsstücke stellen schon «,.1» SW,» ' ziemliche Anfotderungslr; k>o .'tjtr' HWolvchzkettM überwunden werden, kann nwm gerroft dann zu Chnmisch und Tefilloh übergehen, immer unter Benützung eines jelbst auzuferttgenven Wörterverzeichnisses (oem Buche ist eines beigechgt) und Erweiterung oes grammatischen Lehrgutes. In der rührigen Weise benützt, kann aas Buch» je nach den Schuiverhäitnissen, in -ein bis zwei Jahren gut durchgearbeitet werden und das bis dähin scheinbar Versäumte wird dann in kurzer Zeit spielend ersetzt sein. Bei späteren Auflagen dürste oiellercht eine Revision der Ansgangsstückchen, z. T. auch der Uebungsstücke nach der stilistischen Seite hin zu raten sein, da sie manchmal etwas zu sehr deutsch-hebräisch klingen. Das ist, zumal mit dem Blick auf das erfttebte Ziel, aber kein Mangel d«S Buches. Nur eine Stelle (Nr. 25, picn j»-dj »up geändert werden, da hier vwon waut? ysvto aö§twichen wurde, was unrer Umständen bedauernswerte Konsequenzen zeitigen könnte. Dein garnicht hoch genug einzuschätzenden Werte des Buches wird durch öicje kleinen Ausstellungen aber in keiner Weise Eintrag getan. Im Gegenteil; auch wer wie Rezensent eine weirergehenoe Anwendung der neuen Methode wünschte, wrro sich des Buches fteuen und wüajchen, daß es weiteste Verbreitung und verständige Benutze« finde. AtlS der Praxis herarcs werden sich dann sicher noch mancherlei Verbesserungen ergeben, heute aber schon bieter das Buch die Möglichkeit zu der so .überaus dringenden Renaifface des .hebräischen Unterrichts in unseren Schulen. Der Preis — Grundpreis 1.75 Mk. bei einem Umfang von M/s Bogen — könnte allerdings einen scharfen Reif auf eine solche Frühlingshoffnung Wersen ... ' ®—n. * Der moralische Gott. Eine Abhandlung über die Beziehungen zwischen Kultur und Religion. Von David Koigen. 219 S. Berlin 1922. Jüdischer Verlag. Der Verfasser verwahrt sich im Vorwort zwar gegen den „Verdacht", daß seine Schrift mit „Konsessionalisnms oder Rationalismus" auch nur das Geringste zu tun habe. Dennoch wird man sagen müssen: sie ist au, dem Boden des jüdischen Äedankenlevens erwachsen und saugt ihre geistige Kraft alls den Wurzeln der religiösen Idee des Juventums. Sucht man nach einem kurzen charakteristischen Kennzeichen der Koigenschen Religivnsphilosophie, so darf inan wohl sagen, sie baut die iildividuelle Religion auf den Begriff der Geschichte auf. -lieber die verschiedenen Methoden der Religionsbildung aus naturalistischen, soziologischen, psychisch-mystischen Antrieben hurwegschreitend zur Ethi'ko-Theologie Kants, deren relattve religiöse Unzulänglichkeit nachgewiesen wird, knüpft der Verfasser an Herrmann Cohen an und fragt verwundert, warum Cohen sich scheute, eine eigene Verrinn ftsphäre für die Gotteserkenntnis Msfinörg zu machen. Die Scheu vor einer eigenen theologischen Metaphysik habe Cohen aus halbem Wege stehen bleiben lassen. Koigen will den Weg vollenden. An einem tiefer liegenden Faktum als dem der Moralität sei die Gottesidee verankert; das große Mysterium der Sec lenzeu gung, des Kultur- Mensch-Werdens drängt nach religiösem Ethos, nach Religion. Das Einzelleben begreift sich als Stück, als Ausschnitt eines individuellen geschichtlichen Werdens, das ins Unendliche weist zu ' I ■ Blätter für jüdische Demographie, Statistik nutz Ockonomic. Unter der Redaktion von Prof. BruzkrrS, Jakob Leschzinski und Dr. I. Segall evscheinen in Berlin in jiddischer Sprache „Blätter für jüdische Demographie, Statistik und Oekonomie". Die Blätter erscheinen achtmal im Jahre, und zwar itn Aufträge der Welthilfskonferenz. Die erste Stummer ist äußerst reichhaltig. Ein einleitender Artikel bespricht die Aufgaben der jüdischen Statistik. Es folgen Arbeiten über die Lage der Inden in Jkußland, die Inden in Deutschland, die jüdischen Gemeinden in der Ukraine, Raffenfragen, Pogrom-- material, statistische Chronik, Bibliographie ustv. Die gute Ausstattung ist neben der Gründlichkeit und?em wissenschaftlichen Ernste des Inhalts sehr zu loben. Sch. t% uhr. Schumann-Theater?■/. Das a ussergewdbnllclä reichhaltige Messe-Varietö-Programm Sonntag nachmittag 3 Uhr: Große Familienvorstellung Kleine Preise-Ganzes Programm. I* uh"? Groß-Frankfurt ffi WeinklauseDas große Nesse Programm mit w Lotte Werkmeister, Herl lapp und Karl Zander in dem Sketsch „Der Dedektiv “ ranzoalais Während der Messe täglich geöffnet 1 Einlass 7'/a Uhr. - Abendanzug erdeten- Wiener Kaffee Täglich Nachmittag und Abend - - Konzert — Ä'gene Konditorei.

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