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Der Israelit · 1923-04-19 · Heft 16 (19.4.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 16 (19.4.1923)
Date
1923-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Kr. iS Nsr ASraekA. im alten Ungarn nicht verborgen, baß diese Organisation als solche allein noch keineswegs eine Gewähr für.die Erhaltungder^L'NPN für die Vertiefung der O'vV furr in Haus junb Erziehung zu bieten vermag. Es galt als selbstverständlich, daß nunmehr innerhalb dieser auf Basis des V"W konstituierten Gemeinden die Ö’J’nSöl D1^ und jeder Familienvater mit wachsamen Augen diese Grundpfeiler unseres ganzen jüdischen Daseins' hüten würden. Bei dem ganzen Kampfe hatte es sich doch darum gehandelt, den Gemeinden als gesetzlich anerkannten Körperschaften, den Gemeindeinstitutionen als Trägern des lokalen Gemeindelebens und dem öffentlichen Erziehungswesen auf Basis des V"V die erforderlichen gesetzlichen Sicherungen zu erringen und durch Vermittlung einer gemeinsamen, staatlich anerkannten Vertretung zu erhalten, wie es ja gerade das staatlich gutaeheißene Statut und die staatlich anerkannte Landesorganisationen waren, die auf dem berühmten „Kongreß" hätten geschaffen werden sollen und mit deren Hilfe sich die „Reform" oder — wie man sie zumeist nannte — die Neologie sich der Gemeinden bemächtigen wollte. Nicht die Orthodoxie war es, die auf staatliche Anerkennung der inneren Verfassung der Gemeinden ihren Bestand gestützt hatte, sondern die Gegner des überlieferten Judentums wollten sich der staatlichen Regierung bedienen, um den Gemeinden eine Verfassung aufzuzwingen, die ein Hohn auf das Religionsgesetz war und unrettbar zum völligen Verfall geführt haben würde. Unter Gottes Beistand ist es der Orthodoxie gelungen, den. Schlag zu parieren und eine Organisation zu schaffen, die sich trotz der Ungunst der inneren Verhältnisse bis in die jüngsten Jahre hinein als widerstandsfähig erwies. 'Durch den Ausgang des Krieges ging der ansehnlichste Teil der ungarischen orthodoxen Gemeinden in ben Verband der tschechoslowakischen Republik über. Tie orthodoxen Gemeinden der Slowakei und des autonomen karpathorussischen Rayons gehören seitdem einem Staate an, in dessen einem Teile bei den entscheidenden Regierungsorganen ganz ^andere Vorstellungen von jüdischer Treue zur Religion und Tradition vorherrschen mußten, als in dem Teile, in dem der Feuergeist des Chasam Sofer und all der großen Männer, die seinen Spuren folgten, die Wacht über die jüdischen Heiligtümer hielten. Me Gefahr der Nivellierung und Gleichmachung der Prinzipien treuen Gemeinden mit den Gemeinden Böhmens und Mährens, die seit Jahrzehnten im gesamten Judentum geradezu als Schulbeispiele für Niedergang und Verfall galten, lag sehr nahe. Ta hieß es auf den Allgütigen k vertrauen und in der Verteidigung des Vaterj erb es unbeugsam bleiben. Ter Hüter Israels! hat denn -auch diesmal Minner an die Spitze des Staates gestellt, die in weiser Einsicht wehr Verständnis für die gewaltigen Triebkräfte religiöser Überzeugung und echtreligiöser Gemeinschaften zeigten, als viele jüdischen Mitbürger, die diese kritische Uebergangszeit zu einer völligen Unterwühlung des traditionellen Gemeindelebens benutzen wollten. 'Tenn jetzt entstmrd der Ueberlieferung ein neuer Gegner von Osten her. Me Gefahr der Neologie, der Kultusreform ans blinder Nachahmnngssncht und aus rationalisierender Aufklärerei, war durch die felsenfeste Gemeindeorganisation endgiltig gebannt und auch in nichtjüdischen Kreisen etwas in Mißkredit geraten. Wandlnngssähig wie der Geist des Abfalls vom wahren Judentum zu allen Zeiten war, wußte er sich auch jetzt bald in ein neues Kleid zu h allem und erschien als leidenschaftlicher Bejäher jüdischer Fortexistenz und jüdischen Volksbewußtseins auf dem Plan. Nicht mehr um Einzelheiten der „Kultur", um Aenßerungsformen des öffentlichen Gottesdienstes handelte es' sich für diese neuen Geulahbringer mehr. Sie gingen auf das Ganze aus. Vielzusehr erwies sich das jüdische Dasein im Gemütsleben der Gesamtheit verankert, als daß man abermals mit Achlagwörtern einer geistreichelnden „Auftlärung" den Versuch zur Erstürmung der altbewährten Bastei, der jüdischen Gemeinde, wagen könnte. Alles, was bisher bei „Jud und Christ" als" wesentlicher Lebensinhalt und als ureigenste Eigenart des Judentums bekannt war, sollte als' „Galuth-Judentnm" der allgemeinen Mißachtung preisgegeben und das gesamte Gemeindeleben auf Basis einer erdichteten nationalistischen Gemütsrichtung „erneuert" (natürlich nicht wieder „reformiert"!) werden. Zn diesem in unseren Tagen modern annmtenden Gewände präsentierte sich der Abfall vom traditionellen Religionsgesetz den Lenkern unseres jungen Staates als „Volksgemeinde" und bewarb sich um die Erbschaft der Kultus gemeinde. Auf diesen Ansturm gegen das wanne jüdische Gemüt, auf diese Einstellung auf die gefühlsmäßige Leidenschaft, auf diesen Schwann von recht geschickt erfundenen Schlagwörtern, waren manche Gemeindeleiter und der Großteil der gutgläubigen Gemeind emitglied er ebensowenig vorbereitet, wie etwa vor hundert Jahren die frommen Inden in den westlichen Länden: auf die Abwehr gegen die „Reformer" ihrer Zeit. Und ebenso wie damals und auch später wahrend der „Kongreßkämpfe" fehlte es auch jetzt nicht an gutgesinnten, aber herzlich naiven „Friedfertigen", * _ir «pE WS die dem Kampf «us dem Wge M gchm .Ärrpfablen und durch Konzessionen an den „Zeitgeist" die Gefahr ,Mznlenken" wähnten. Wollte man die Verwirrung nicht einreißen lassen, mußte entschlossen und mit klarem Programm gehandelt werden. In diesem Stadium der Ueberganaskämpfe gingen sämtliche interessierten Gemeinden, das heißt mit Ausnahme der wenigen „neologen" und „status-quo"-Gemeinden fast sämtliche Gemeinden der West- und Ostslowakei, wie nicht minder die des Podskarp-atsko-Ruß (nur verkehrstechnische Hindernisse standen ihrem Eintritt im Wege) gemeinsam und einheitlich vor. Me Autonomie der orthodoxen Gemeinden wurde errungen und in Bratislava die Zentralkanzlei unter staatlicher Anerkennung eröffnet. Tie angeschlossenen Gemeinden waren damit mit allen den Befugnissen und gesetzlichen Sicherungen versehen, die ihnen seit Jahrhunderten eine gedeihliche Entwicklung gewährleisteten. Tie einheitliche und zielbewußte Vertretung ihrer geistigen und ökonomischen Interessen vor den staatlichen Organen erwies sich als ein Segen, dessen Früchte schon sichtbar in Erscheinung treten. Nicht nur das Mufleben der alten Reformgefahr, sondern auch deren Erbnachfolgerin, die nationalistische Bolksgemeinde, darf heute schon als abgewendet betrachtet werden. Tie gesunde Disziplin und das Bewußtsein der Schicksalsgemeinschaft aller slowakischen orthodoxen Gemeinden bewährten sich als schützende Wälle gegen jeden Ansturm fremder Denkart und fremden Geistes. Tie breiten Massen des Mussinsko zeigen sich jedoch den Abbröcklungsversuchen gegenüber weniger widerstandsfähig. In diesen, Gemeinden, deren Mitglieder in ihrer tiesinnig-religiösen Betätigung mehr aus Gemütswallungen reagieren, war man begreiflicherweise der Entfachung der Leidenschaften zugänglicher als in den Gemeinden des disziplinierteren Westens der Republik. Dazu gesellte sich noch der Umstand, daß dem Kar> padsko-Ruß auch gouvernemental eigene Verwaltungsbehörden eingeräumt wurden. Kleinliche persönliche Wünsche und Herrschgelüste taten noch ein Uebriges, um im ganzen Gebiete Umstände zu schaffen, die den Nationalisten (Zionisten) und sonstigen Gegnern des orthodoxen Judentums den gewünschten Nährboden boten. Kein Wünder, Wenn die Beziehungen der behördlichen Organe zu den jüdischen Interessen inmitten einer solchen Verwirrung die gerade Linie nicht gewinnen konnten und ivichtige Anliegen nicht die ihnen gebührende Beachtung und Würdigung fanden. Gerade noch zur rechten Zeit rafften sich die klarblickenden Führer auf und forderten den Anschluß an die slowakische Organisation Sachgebiet übersichtlicher wird, ferner durch ein OrtS' Verzeichnis und — last not Iss8t — durch Fußnoten' die den immensen Fleiß und Forschergeist deS Verfassers trotz des unscheinbaren GewandeS, in dem er. mit dieser Veröffentlichung austritt, zur Genüge erkennen läßt. Wir schließen mit dem Wunsche: Möge eS ihm gelingen, auch durch dieses Büchlein, neues Leben. Süden Gräbern unserer Ahnen sprießen zu Waffen. Sprüche der Mer. DaS IS. Jahrhundert schenkte der deutschen Judenbeit in Rabbiner Dr. Markus Lehmann einen Mann, der wie kein zweiter eS verstanden bar, die breite Maffe zu seinen Schülern zu machen, Männer und Frauen, Greise und Kinder für die heiligen Lehren der Thora zu interessieren und ihre Gemüter zur Erfüllung religiöser Pflichten willig zu machen. Als Erzähler erschloß er die Herzen, als Lehrer erfüllte er sie mit wertvollen Kenntnissen und führte ste durch Mahnung und Beispiel auf den geraden Weg der Vfltcht. Seine großen Erfolge oründen sich hauptsächlich auf drei Vorzüge, die den.Lehmarmschen Schriften eigen find: die leichtf rßliche Sprache, der gemütvolle Ton und der reiche Inhalt. Diese Eigenschaften sind es auch, die vor allem das Werk auszeichnen, das uns jetzt vollständig in neuer Ausgabe vorliegt. Lehmanns Erklärung der „Sprüche der Väter" füllt drei, nach Erscheinen im „Israelit" bereits besprochene starke Bände. Wer aber vermutet, darin Phrasen und Wiederholungen zu finden, der irrt. Wer in dem Werke liest, empfindet keine Langeweile. Denn ständig bietet sich, neuer Stoff, der den Leser feffelt und der so geschickt ge- Zeit wurde auch die Gemeinde in Memel organisiert und das große Betbhamidrasch erbaut. Einen Friedhof konnten sie erst viel später anlegen. Im Jahre 1831 ist die jüdische Gemeinde in Memel bereits so stark, daß man drei neue Beihauser errichten mußte, unter - ihnen eine Synagoge für die deutschen Juden. Die Bestätigung der Gemeinde vonseiten der Regierung ließ bis 1888 ans sich warten. Das Gemeindestatut wurde sogar erst 1862 endgiltig genehmigt, (die Gemeinde zählte damals bereits über 1000 Seelen), in Verbindung damit wurde der Gemeinde auch das Steuerrechr bewilligt. Obwohl zu Deutschland, gehörig, trug doch Memel bis zuletzt einen mehr oder weniger östlichen Charakter. Von P. I. K. Wenn man den ganzen aroßeri Unterschied zwischen einst und jetzt in der jüdischen Gesellschaft erkennen will, braucht man nicht weit zu gehen und nicht lang zn suchen; er tritt dem Kenner vergangener Tage auf Schritt und Tritt entgegen, wenn er Lachen und Weinen, Freude und Schmerz des heutigen Geschlechts mit dem früherer Geschlechter vergleicht. Begründet ist dieser Unterschied letzten Endes darin, daß einst die Thora die Grundlage nnd Begleiterin des HauseS und der Familie, der Gesamtheit und des Einzelnen war und jede ihrer Aeußerungen mit eigenem Leben erfüllte. Geradezu eigenartig wirkte die Thora in der Richtung, wo es galt, über den stummen Schmerz und hoffnungslosen Abschied durch Gedanken hknwegzuhelfen, die eine Brücke schlagen sollten vom Leben zum Tod, vom Lebenden zum Toten, ohne durch ein einziges Wort den Ernst der Stunde und das Bersot jedes, Totenkulis zu oeraeffen: den isv.i. j Wir pflanzen keine Haine auf den Gräbern unserer v'VNp; aber keine Gedenktafel, kein Baum, keine Blume vermag dem Satz: nyftb “dt besser zu entsprechen, als einer jener VNL2N, die voll von wunderbaren Worten der Thora den überlebenden Freunden und Verwandten und nachgeboreren Geschlechtern eine Fülle von Anregungen gibt, in denen der Geist des Verstorbenen fortlebt und fortwirkt. Es heißt diele niste erneuern, wenn sich jemand eine Sammlung solcher vnvv.l oder die Bibliographie solcher Gedächtnis- und Traueroorträge, wodurch ste der Vergessenheit entrissen werden, zur Aufgabe macht, wie dies der verdienstvolle Forscher, durch eine große Anzahl voluminöser und auf dem Gebiete der Grabsteininschrtsienforschüng bahrbrechend wirkende berühmte Gelehrte Dr. Bernhard Wach stein letzthin getan hat. Indem er die „Veröffentlichungen der Bibliothek der iSrael. Kultusgemetnde-Wien" wtederaufnimmt, gibt er uns — seine nvrr non-Werke fortsetzend — eine Bibliographie der gelehrten Gedächtnisrede,*) des Hesped, über dessen literarische Beschaffenheit wir, wie der Verfasser in seiner Einleitung verspricht, hoffentlich noch ausführlichere Darstellungen von ihm erhalten werden. In dem kleinen, etwa 80 Seiten starken Bändchen gibt er uns die Zusammenstellung der hebräischen und deutschen (nach dem Alphabet geordneten) Namen, denen zu Ehren die vorhandenen vnvv.1 gehalten wurden. Diese Zusammenstellung wird ergänzt durch ein Verzeichnis der Reden auf Anonyme und der Themen und Formularien, wodurch das ganze *) Zur Bibliographie -er Gedächtnis-und Trauervorträge in der hebr. Literatur (D'nBDnn rtflfiö) von Dr. Bernhard Wachstein. Wien 19j2.

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