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Der Israelit · 1923-04-12 · Heft 15 (12.4.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 15 (12.4.1923)
Date
1923-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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12. April 1*13 £orre$pondcnzen «. nacftrlcftten, Sil Deutsches Reich, nbjuflsfählßheil 3er jualldien 8emeln3efleuern. Nertin, 3. April. Nach der Novelle zum Einkommensteuergesetz vom 20. Jüni 1022 können die mr die jüdische Gemeinde zu entrichtenden Steuern von dem Einkommen in Abzug gebracht werden, und Mrr nicht nur innerhalb der für gemeinnützige Zwecke nach § 13 Ziffer 7 des' Gesetzes jvon der Besteuerung sreigelassenen zehn Prozent, sondern davon unabhängig im vollen Betrage. Wer also von seinem Einkommen 50 Proz. an Reichs-iEinkommensteuern zu zahlen hat, hat demzufolge in Wirklichkeit nur die Hälfte desjenigen Betrages, zu dem er seitens.der jMschen Gemeinde veranlagt ist, selbst zu tragen. Duto«. Protest -es wmlcksuer stsddlasko. Worscha«, 30. MLrz 'Dem allgemeinen Proteste gegjen die Verurteilung beKv. Hinrichtung kacholifcher Geistlicher in Sowjet-Rußland schloß sich auch das Warschauer Rabbinat an.!Tie Protesterklärung, die sich auch gegen die Religious- Verfolgungen in Rußland überhaupt richtet, ist in jüdischen und polnischen Zeitungen veröffentlicht. Warschau, 30. Mörz. Gleich dem Rabbinate hat auch der hiesige „Jüdische Kaufmannsverband" eine Protesterklärung gegen die Religionsverfolgungen und Hinrichtung des' katholischen Erzbischof in Sowjet-RuUand veröffentlicht. Die Peffadi-Fiusfdireifungen in IDarfdiau. Warschau, 9. April. Weil in Moskau die Sowjetjustiz einen katholischen Geistlichen hinrichtete, wurden Ln Warschau etwa hundert Juden^blutig geschlagen und eine Menge jüdischer Geschäfte ausgeplündert. Man traut seinen Ohren nicht, öder es ist so. Am 'Donnerstag nachmittag fand die Demonstration aus dem Theaterplatze statt. Obwohl man sich in jMschen Kreisen dem.Protest gegen die Sowjetjustiz voll und ganz anschließt Und verschiedene jüdische Korporationen öffentliche-Protesterklärungen abgegeben haben, wagte doch kaum ein Jude, in Kmntnis der Stimmung, sich aus dem Dheaterplatze zu zeigen. Tie Geschäfte waren allesamt geschloffen. 'Tie offiziellen Redner leisteten sich gleich Ausfälle gegen die 'Juden, doch hielten sich diese noch'in mäßigen Menzen. 'Bald jaber bestiegen Unberufene die KrrbÜnen, die das Volk direkt M Pogromen laufforderten. Tiann zog die Menge unter wüstem Geheul an der russischen Gesandtschaft vorbei (dort war genügend Militär postiert) in die Jüdengaffen. Aus NalttvßMM in der Miadowagasse und auf Konschewskrplatz setzte eine wilde Jagd auf Juden ein und ein PomLavdement auf Fenster und Düren jüdischer Häuser und Geschäfte. Juden wurden von den Dvanüva^n heruntergeholt, ausgeraubt ..und schwer /mißhandelt. tTie erste alarmierte PolizeiMeilung blieb vWig incMiv. In Krakywer Borstadt und auf ^rulewsko nahin ine Wache ernste Formen. an.. Wer. Me äuf - Wrmikschew dMMste^gMe Mihe.H>iWr NNgeschmgen. und; etwä. 50 Perfonest fa> schwer nnßhmüM/ d«rß alle Mrgm der RettungMÄe in WWeit Wien MWen. IMft Mien LffMr »er J»rarltt. - -abends gelang es der endlich energisch ein-- greifenden Polizei, die Ruhe wiederherzustellen. Erwähnt sei, daß dem Sejmdeputierten Kirschbraun, der in Befürchtung der Ausschreitungen schon 'Tonnerstag früh bei den zuständigen Stellen intervenierte, am Schutzvorkehrungen versprochen wurden. Me sehr es in der Hand der Behörden lag, diese zu treffen, zeigte sich im Momente, als sie — um mehrere Stunden zu spät — wirklich ernstlich eingriffen. Die Tragift eines jüdifdien Sfäöfdiens. Warschau. 7. April. Tas fast mir von Juden bewohnte Städtchen Oschechowne, früher zu Polen gchörig, kam bei der Grenzregulierung von 1922 zu Rußland. Tie Juden hätten sich in Kenntnis der Tinge urrd insbesondere aus Furcht vor den Religionsverfolgungen in Rußland vergebens darum bemüht, bei Polen zu bleiben. Cs wurde ihnen bei Einkehr des russischen Regimes daher gestattet, nach dem nähen polnischen Orte Sahacie zu übersiedeln. Nun werden die Juden aus Verordnung der .polnischen Macht aus dem Städtchen ausgewiesen und nach Rußland abgeschoben. Ihre Bitte, mit der Austreibung bis nach den Pessachseiertagen zu warten, wurde zurückgewiesen. Polnischer Tank! einwanSerungsnorm- Warschau, 7. April. Wie aus New-Aork hierher berichtet wird, ist infolge der Anerkeimung der Ostgrenzen Polens die amerikanische Einwanderungsquote für Polen, die bereits erreicht war, um 1000 Emigranten erhöht worden. Somit erhalten nach offizieller Bekanntmachung die ersten für das' neue Jahr angemeldeten tausend Auswanderer jetzt schon ihr Visum. Rumänien. Die neue Verfassung und Bie JuBen. Bukarest, 24. März. Durch authentische Interpretation des Ministerrats ist Artikel 133 der neuen Verfassung dahin ausgelegt worden, daß alle Juden Rumäniens, die am 1. April 1918 in Rumänien ihren Wohnsitz hatten, ohne irgendwelchen sonstigen Nachweis als rumänische Staatsbürger zu gelten baben. Tie Anmeldung hat jedoch innerhalb' 3 Monaten zu erfolgen. Matästina. Demonffrafionen in Jerusalem Jerusalem, 28. März. Tiie Araber feierten den durch ihren Boykott ihrer' Meinung nach mißglückten Ausfall der Mahlen mit einer Tjemonstration, bei der judenseindliche Lieder gesungen wurden. Ein starkes Polizei- und Militäraufgebot verhinderte die TjeMonstranten, in die Mischen Viertel zu ziehen. Dien Anlaß zur Kundgebung gab der feierliche Empfang der gerade aus London zurückgekehrten „Arabischen Delegation". Die Sabbaffrage in Jerusalem. Jaffa, 5. April. .Bei den Verhandlungen über Zusammenlegung der Stadtverwaltungen von Del Abib und den anderen jüdischen Vierteln Jaffas' wurde ein Antrag eingebracht, in Berücksichtigung der Datsache, daß die alte Stadt zum überaus größten Teile von sabbathaltenden Juden bewohnt ist, gegen jede öffentliche Sabbätentweihung g e s e tz l i ch vorzugehen und dies im Statute festzulegen. Tiefe Forderung fand sogar die UnterstüAmg vieler Radikaler Nationalisten u. a. des Herrn Ascher Gins bürg (Achad häam). Tjägeaen eiferte Dir. Mvfsin°- s.ohn, der bekannte frühere Direktor des Jaffarr Gymnasiums, und er fand — man höre! — die Unterstützung des Leiters der Misrachischulen,! ^»es Herrn T'r. Marschak, der befürchtete. _ Et, 15 mm r durch die Sabbatforderung den Vereinigungsplan zu gefährden. In Sachen der Sabbatforderung wurde das Oberrabbinat in Jerusalem vom Verein „Mischmereth Sabbat" um Einberufung einer außerordentlichen Versammlung in Tel Abib gebeten. Das Rabbinatsamt sagte zu, doch wurde die Einladung von der Kanzlei selbst in die Hand genommen und so flau, sogar ohne Angabe der Tagesordnung, abgesaßt, daß die Versammlung schwach besucht war und gar kein Resultat zeitigte. Daraus berief der Verein selbst eine Versammlung ein, die sehr stark besucht war und positive Beschlüsse zur Sicherung und Wahrung der Sabbatbestimmung im Berwaltungsstatute von Tel Abib brachte. Tier Verein „Mischmereth Sabbat" wird bei seiner Abwehrarbeit auch auf die' skandalösen öffentlichen Sabbatentweihungen auf den Spiel- und Sportplätzen des Macabi- Vereins sein Augenmerk richten. Personalien. Michelstadt (Hessen), 19. März. In hohem ungesegnetem Alter verschied unser ältestes Gemeindemitglied Emanuel Frank, der der mir, so gerne huldigte, in Ausübung von n"n2p und ncn r-7'vr den Inhalt seines Lebens suchte. Zn einem riesigen Trauergefolge hatten sich Juden u» Christen aus Nah und Ferne vereint, um dem allseits beliebten Manne die letzte Ehre zu erweisen. — Emanuel Frank war Wohl der letzte Lebende, der dem „Baalschem v. Michelstadt" als junger Schüler zu Füßen saß Mit seinem Heimgange ist — wie am Grabe hervorgehoben wurde — die starke Säule eingestürzt, die das jüdische Leben, unserer Gemeinde viele Jahrzehnte hindurch rrug. Er war Seele und Rückgrat aller unserer Chewraus. Einem strahlenden Gestirne gleich prangte er am Firmamente des Judentums; seine Sonne erhellte die Kehilloh, mit deren Schicksal er seit mehr als zwei Generationen aufs innigste verknüpft war. Unsagbar groß war die Perehrung aller für ihn, denen er Führer und Berater war, unersetzlich scheint der Verlust, ttef und aufrichtig ist die Trauer itmihn. — Am Grabe sprach Herr Rabb. Dr. Marx aus Darmstadt im Namen der Mmilie, dem Schmerze der jüdischen Gemeinde gab Herr Lehrer Bick Ausdruck. Soldin» 32. März. Am |D*J n"“i feierte in rüstiger Vollkraft des Körpers und Geistes Herr Kantor Gold mann das goldene Jubiläum ferner Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde. Es war ein Festtag für die Gemeinde und auch sonstige weitere Kreise, die sich bemühten, dem geschätzten und beliebten Lehrer ihre Liebe und tteue Anhänglichkett zu bekunden. Im Laufe des Vormittagserschien eine Deputation der Gemeinde und überbrachle dem Jubilar ein namhaftes Ehrengeschenk als äußeres Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit. Unftr den zahlreichen schriftlichen Glückwünschen sei der des Superintendenten in Soldin Hervorgehoven, der seine Gratulatton in den [.tdd zusammen faßte: Düstrem '51 p'pvn ima rm Bei dem Festgottesdienst in der Synagoge schilderte Herr Lehrer ustd Kantor Löwh-Küstrin in einer längeren Festrede die hervorragenden Eigenschaften - und Verdienste des Jubilars, der — ein n — seinem Stande zur Zierde gereiche. In warmen Motten kam die hohe Wertschrtzuug zum Ausdruck, deren sich der Jubilar bei seiner Gemeinde, seinen Kollegen und Freunden erfreut. Herr Kantor Goldmann sprach in bewegten Wvtten seinen Dank aus für alle ihm' zuteil gewordene Liebe und gedachte dann insbesondere der Schüler und Schülerinnen, die inzwischen den Weg alles Irdischen gegangen. Bei der an den Gottesdienst sich anschließenden Familienfeier über-- brachte Herr Löwh die Grüße und Glückwünsche des Lehrerverbandes der Provinz Brandenburg und der Nachbargemeinde Küstttn. Möge dem greisen und ehrwürdigen Beamten, der im vottgen Jahre seinen 80 jährigen Geburtstag feiern konnte, ein Heiterer, ungetrübter Lebensabend beschieden sein, nrv nnv ip Oldenburg, 9. April. Am! Sabbat, 17. März, verschied der emetttterte Lehrer, Kantor und Prediger der Shnagogengemeinde Jever, Löwenstein, in Halberstadt, wo er seit mehreren Jahren bei einem seiner Söhne wohnte. Der Verklärte hat 34 Jahre in der Gemeinde Jever gewirkt, nachdem er bereits eine Reihe von Jtchren in verschiedenen anderen Gemeinden, zuletzt in Dinslaken^ amtiert hatte. Löwenstein war ein gewissenhafter und prakttscher Lehrer, ein treuer Arbeiter auf dem Herzens- und Geistesacker seiner Gemeinde. Sein gütiges, liebevolles und versöhnliches Wesen befähigte chn so recht dazu, der Freund und Berater aller seiner Gemeindemitglieder zu sein. Es ist daher kein Wunder, daß er sich in der Gemeinde Jever einer außerordentlichen Beliebtheit erfteute, was ganz besonders bei der Feier seines 35 jährigen OttsjubilLüms zum Ausdruck mm,

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