Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1923)
- Date
- 1923-04-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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lS UpM Wö__ bintg bringt, dann fal sie auch ent Nkecht, zu verlangen, daß diese Lehrer den Kindern für jüdische Privatstunde:: zur Verfügung stehen. Durch verständnisvolle Zusammenarbeit von Lehrern und Gemeinde, bei der jeder auf die Lage u:rd die Bedürfnisse des andern die nötige Rücksicht nimmt, kann und muß über die gegenwärtige „Lehrerkrise" in Stadt und Land hinweggchvlfen werden, im Interesse des Klall und im Interesse unserer Kinder, die unsere Zukunft bedeuten." Ter'Autor des Artikels in Nr. 12, BarJizchvk, bemerkt zu der Ergänzung, die wir seinen Aus-, führungen angefügt Haber:: „Meine Ausführungen betrafen zunächst nicht die Gemeinden, deren Lehrer staatlich angestellt sind oder nach staatlichen Sätzen besoldet werden, selbst diejenigen nicht, die ihren Beamten 75% des staatlichen Gehaltes bezahlen, obwohl auch dies für die betreffenden Großgemeinden vielfach ein bedauerliches Armutszeugnis darstellt. Eine solche Besoldung zwingt die Lehrer in den Großstädter:, ihre Kraft zum großen Teil in Nebenberufen aufzureiben, sodaß sie sich ihrem Hauptberufe nicht voll widmen können. Meine Ausführungen, auch die des Herrn Steinhardt betreffs /Mässenflucht" galten vor allem den Gemeinden, deren Beamten kein ge sichert es Einkommen und keine Pensionsberechtigung haben, die vielfach am Hungertuche nagen, galt den Gemeinden in kleineren und mittleren Orten, die überhaupt keine Lehrer mehr an ft eilten, obwohl sie dazu in der Lage sir:d. Hinweiser: will ich daher wiederholt auf die sich hieraus ergebende Flucht aus dem Lehrerberufe. Tiefes darf unsere „Führer" rricht untätig lassen. Sonst fände der oft auf dem Lande gehörte Ruf: „Wozu haben wir unsere Rabbinen!" seine Berechtigur:g. Ich bedanre daher, daß der Artikel „Zeichen der Zeit" in Nr. 12, diese Pflicht der Führer nicht rrnterstrichen hat und rufe nochmals die Mahrmng hinaus an die Rabbinen und Führer der Organisationen, die ja „auf dem Land bei^ Grüüduüg der Organisationen vielfach ihre Rednergabe bewiesen haben, baldigst auf Hilfe zu sinnen und ihre ganze Rednergabe und ihren Einfluß für Gründung und Erhaltung von Schulen einzusetzen und dadurch ihre bisher meist noch nicht genügend geübte Pflicht zu üben, ehe es zu spät ist. — Eine vergangene Generation hatte ihre großen Männer, wie R. Hirsch, Jsr. Hildesheimer, Feilchenfeld, Plato, S. B. Bamberger und andere DjröT/ die ihre Zeit verstzrndeu, Schulen und Seminare Usw. gründeten. Möge die heutige Zeit die- Männer Seine erste Schrift erschien 1874, „Sechs Monate in Italien." 1877 „Briefe aus Jialien", „Ein Gang durch die Bibliotheken Italiens." 1881 „Hebräische Grabfchrkften in Italien." 1886 „AuS den letzten Tr?en des römischen Ghettos." 1890 „Aus schweren Zeiten." 18ul „Zensur, und Konfiskationen hebräischer Bücher im Kirchenstaate." Dies nur ein Teil seiner herausgegebenen Werke, welche aber zu den bekanntesten und gelesenste» gehören. Am Schluffe dieser Aufzählung möchte ich das Werk, welches die köstlichste Frucht seiner in Italien betriebenen Studien bildete, erwähnen: 1898 „Die Geschichte der Juden in Rom" (3Bde.) Diese Arbeiten bildeten den 1913 erschienenen ersten Band der Gesammelten Schriften. — Wir haben den verewigten Meister als Raschiforscher kennen gelernt, er ist zum Meister von unbestrittener Autorität aus dem Gebiete der . Geschichte in Italien geworden. —. Die Summe seiner Anschauungen ist mit wenigen, aber deutlichen Worten in seinem letzten Willen niedergelegt und verdient auch, hier hervorgehoben zu werden. Er verbietet auf feinem Grabmal die Hinzufügung aller Epitheta und wünscht ausdrücklich den Hinweis, der in der Uebersetzung wie folgt lautet: „Daß ich im täglichen Besuche des Gottesdienstes einen Anhali für das praktisch religiöse Leben gesunden habe, ferner r „Daß ich in meinem Forschen und Streben n Mer WraeM._ , zeWv, die Öätf von ihnen Gegründete erhalten und erweitern. Wenn wir aber keine Schulen haberr, brauchen wir' keine Seminare!" Lehrer H. K. möchte auch irr an che Lehrer nicht frei vor: Schuld an der: Verhältnissen sprechen, die sich zu ihrem Nachteile heraus gebildet haben und ist der Meinung, daß da, wo der Lehrer seine volle Pflicht in Gemeinde, Synagoge und Schule tut, er sich selbst sein Recht schafft und den Boden, auf -dem er fest und heimisch wird. — Es bedarf keiner weiteren Betonung, daß Herr K. die Sache nicht richtig sieht- Er urteilt vielleicht auf Grund eigener guter Erfahrungen, die für die Gefamtlage leider nicht ausschlaggebend sind. Däß der Lehrer seine Pflicht tun und seine ganze Kraft für die religiöse Erziehung der Jugend einsetzen soll, ist selbstverständlich. die Gemeinden und deren Vorstände ihre Verpflichtungen den Lehrern gegenüber noch lange nicht als selbstverständlich erachten, ist aber tief , bedauerlich. Wochenmndschav. Sie Wahlen in palü-iaa. Wie unsere Leser aus den Berichten in den letzten Nummern des „Israelit" ersehen. haben, ist die Wahl zu der neuzubildenden gesetzgebende:: Körperschaft Palästinas im heiligen Lande ohne besondere Erregung verlaufen. Trägt schon das System der indirekten Wahl, das dem Urwähler eigentlich jedweden Einfluß auf die Auswahl seiner Vertreter nimmt, nicht gerade dazu bei, die Teilnahme an dem ganzen Wahlakt zu fördern, so kommt in vorliegendem Falle noch hinzu/ daß von den 22 Mitgliedern des gesetzgebe:ü)en Rates 10 durch die englische Regierung ernannt und nur 12 gewählt werden. Von diesen 1:2 müssen zwei dem Judentum angehören. Nun haben sich vier Fünftel der arabischen Bevölkerung, getreu der Parole ihrer nationalistischen Führer, von der Wähl vollkommen ferngehalten, um damit gegen das englische Palästinamandat, insbesondere gegen die Balfourerklärung, die sie nicht anerkennen, zu demonstrieren, sodaß nur 107 moslemische Wahlmänner gewählt sind, neben 70 Juden und 19. Christen. Von besonderem Interesse für uns sind jedoch die Vorgänge, die sich an die Wahl der jüdischen Wahl männer in Jerusalem knüpfen. Leider muß festgestellt werden, daß es der Jer::- __ No.lL. Sette». salemer unabhängigen Orthodoxie, das heißii der Agudas Jisroel und der mit ihr verbündeten Som:enfeldfchen Gemeinde, zu spät einfiel,^sich au den Wahlen zu beteiligen, sodaß beim ersten Wahltermin in acht Wahlkreisen überhaupt nur den: unter Führung des „Wäad hoir lijehudei : Jeruscholajim" stehenden Block ein kampfloser Sieg zufiel. Tiefer Block sah sonderbar genug aus. Es vereinigten sich in ihm radikale Zionisten, Misrachisten, Freunde des Oberrabbinates und sogenannte „gemäßigte Fromme", die die Beute unter sich verteilten, wobei der Löwenanteil schmachvoller, aber selbstverständlicher Weise denjenigen zufiel, die mit dem praktische:: Judentum mehr oder weniger gebrochen haben. Erst die Tatsache, daß man auf diese Weise die Thora ausfchaltete, und die Beziehung zu ihr als eine im öffentlichen Leben gleichgültige Privatangelegenheit vor aller Welt hinstellen wollte, scheint das Gewissen der Agudakreise wachgerüttelt und sie veranlaßt zu haben, zum zweiten Wähltermin, bei dem es sich Um die Wähl in sieben Wahlkreisen handelte, mit einen: eigenen Aufruf auf den Plan zu treten. Man hat dabei vernünftiger Weise lediglich die eine Parole herausgegeben: ,,Wäh l t thoratreue Juden, einerlei ob sie Agudisten, Misrachisten oder Mittelparteiler sind." Der Erfolg hat der Aguda rechtgegeben. Sie hat sogar für ihre engeren Freunde drei Mandate aus eigener Kraft erlangt, nicht weniger, als dem Misrachi von zionistischen Gnaden: zugefallen find. Praktisch sind alle diese Wahlergebnisse zwar, wie bereits oben dargelegt, ganz ohne Bedeutung, und da man durch eine geschickte Wahlgeometrie und durch die mangelnde politische Organisation der Orthodoxie in Palästina außerhaW Jerusalems fast durchweg echt liberale bezw. radikale zionistische Wählmänner gewählt hat, so läßt sich unschwer .voraussehen, wie die beiden Vertreter der Judenheit in der ohnedies bedeutungslosen igefetzgebenden Körperschaft aussehen werden. In prinzipieller Hinsicht jedoch ist das mutige Auftreten der Aguda in Jerusalem von ^außerordentlichem Werte und läßt bei . weiterer überlegter politischer Arbeit für die Zukunft eine Erstarkung des religiösen Einflusses mit Sicherheit erwarten. Ser Fall Sadt. Unter der Ueberschrift „Szenenwechsel in Berlin" haben wir vor kurzem über das Scheitern der von der Berliner jüdischen Gemeinde gewünschte:: kleinen A e n d e r u n g d e s I u d e ngesetzes von 1847 und über die Konsequenzen berichtet, die sich für s ä mtlichejüdische Wahrhetr und Gerechtigkeit daS Hochziel tuS Lebens gesunden habe." Laffen wir diese Worte und den tiefen Sinn, der aus ihnen spricht, an unser Ohr klingest, damit er nie verhalle. Gerecht und wahr! voll strahlender Dankbarbarkeit gegen Gott für jeden Fund, der ihm geglückt, voll Begeisterung über all das Hohe und Schöne, doS sich seinem Forscherauge enthüllte, voll Miifreude über die Leistung eines Schülers, voll regstem Anteil an allen Interessen des Judentums und der Judenheit, so steht er uns vor Augen und so wollen wir sein Bild gegenwärtig hallen in bleibendem Gedächtnis. Ser preiötreiber. Von Rafael Brenner in Köln. „Hundert große Lappen soll der Tallis kosten? Das ist ja schlimmste Wucherei!" So ruft ein eleganter Jüngling wütend Und läuft schnurstracks zur Polizei. Zitternd steht der alte Jude vor Gericht. Streng blickt der Richter ihm ins Gesicht Und. spricht: „Vierzehn Tage ist nicht zu scharf Mir einen Preistreiber des täglichen Bedarfs." Gefaßt daraus der „Tallismann": „Herr Richterleoen, So soll ich meiner Mau Parnoffe können geben. Wie für den Kläger seit erdenklicher Frist Der Tallis nur jährlicher Bedarfsartikel ist!" (Sie will keinen Juden in der Familie.) Dr. Israel Abrahams aus London, der zurzeit eine Studienreise durch Amerika macht, erzählt seinem Blatte folgendes hübsche Geschichtchen, das gegenwärtig im New-Aorker Ghetto die Runde macht: Eine biedere irische Dame in New-Iork wird gefragt, wieviel Kinder ' sie habe. Sie erwidert in mütterlichem Stolze: „Ich habe vier Kinder, leider kann ich ein fünftes nicht bekommen." „Wariun nicht?" „Haben Sie denn nicht gelesen," antwortet die Dame, „oaß :n New-Aorkjedes fünfte Kind ein jüdisches rst. Ich mag keine Juden in meiner Fa- Zabdat-Mksng und Mrgailg. fDff. O cts An! Ührs äng Kim D. 1923 »tnm 5683 Aus Uhr gang Mtn. Frankfurt a. M. 6 45 14. 98. 8 »s Berlin .... 7 — April Nißan 7 44 München . . . 6 45 7 48 Töl«. 50 8 10 Stnttgart. . . 7 - 7 *7 Breslan - — — — 45 7 48 Hmnbnra. . . — — — —