Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1923)
- Date
- 1923-10-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 42 18. Oktober 1923 Der Israelit und in der Nacht der Kälte nicht, auch wenn der Schlaf Eure Augen fliehen mühte. Denn nicht nur auf der großen Bühne des Lebens vollzieht sich der Fortschritt der Tauroh; auch das Opfer, welches ein reines Herz am kleinsten Ort der Lehre Gottes spendet, wird unverwischbar in das Buch eingeschrieben, aus dem nichts vergessen wird. Aber auch an Euch, junge Kaufleute und im Berufe stehende junge Menschen, wende ich mich mit der herzlichen Bitte, schafft mit, schafft Mittel. Ist es doch die Pflicht der Organisationen, diejenigen wirtschaftlich sicherzustellen, die das große, heilige und schwere Opfer bringen, ihre Persönlichkeit in den Dienst der Tauroh zu stellen, die Opfer bringen an Orten, wo nicht einmal eine Seele ist, die ihnen geistig nahesteht. Sie bringen im wahrhaften Sinne das Opfer ihrer eigenen Persönlichkeit, da sie Gefahr laufen, ihre eigene Fortbildung zu vernachlässigen, den Flug ihres Geistes zu hemmen. Eine umso größere Pflicht liegt daher uns ob, sie vor allen wirtschaftlichen Sorgen so zu schützen, daß sie sich und unserer Aufgabe auch im innersten Herzen getreu bleiben. Wir benötigen augenblicklich Lehrer in Ost friesland und in Emsland, in Sachsen und llnterfranken und ebenso in Hessen. Euch in der Großstadt ward der Segen Gottes: rrwa rm« pa vsra nnx pa rragt Ihr Seinen Segen hinaus auch aufs Land! Auch andere Aufgaben warten unser: Gottseidank gibt es noch genügend Iereim, die sowohl für ihre eigene Person, als auch für ihren engeren Kreis, ihre Gemeinde, ihr Land, also ihren engeren Klall Sorge tragen. Aber vielen geht das Verständnis dafür ab, daß eine Heileszukunft für die gesamte Iudenheit nur dann gesichert erscheint, wenn nicht schwarz-rot-goldene Erenzpfähle, nicht Verschiedenheit der Sprache, nicht Verschiedenheit der Gebräuche trennend zwischen uns stehen. Kurz ist der Blick desjenigen, der glaubt, seinerseits für den Klall gesorgt zu haben, indem er nur dem engeren Kreis, in dem er lebt, seine Kräfte widmet. Wer Zeit, Kraft, Fähigkeit, Mittel besitzt, über den Kreis seines engen Lebens hinaus zu wirken, der muß der Tauroh dadurch Stütze werden, daß er für ganz Israel arbeitet. So war der zweite große Eindruck, den die Kenessio uns mitgegeben hat, die tiefe Ueberzeugung, daß noch in allen Weltteilen es jüdische Männer gibt, deren Blick geweitet ist durch das Bewußtsein ihrer großen, die gesamte jüdische Welt umfassenden Aufgaben. Ihnen nachzuahmen, muß das vornehmste Ziel der Jugend sein. Daher liegt es uns, der Jugend, jetzt ob, wachzurütteln alle, die nur eine kleine Welt kennen, und ihnen das Bewußtsein und die Pflichten einer Aulom Hagodaul zu künden. Wer daher nicht versteht. Tauroh zu lehren, der möge wenigstens versuchen, auch nur einen seiner Gefährten, wenn sie bisher abseits standen, dem großen Agudoh-Ideal zuzuführen. Wer Kraft und Fähigkeit in sich fühlt, möge hinausfahren auf die kleinen Orte, und durch die Reinheit seiner Ueberzeugung wird es ihm gelingen, auch wenn seine rednerischen Talente nicht groß sind, Menschenseelen unserer großen Idee zuzuführen. Ist daher auch minn pim unsere erste Aufgabe, wie sie auf dem Kongreß ja auch allen vorangestellt wurde, so legt uns das Golus noch viele andere Aufgaben auf, namentlich Aufgaben sozialer Natur, und ebenso haben wir Verpflichtungen gegenüber E r e z Iisroel. Um diese Aufgaben lösen zu können, bedarf es gründlicher Organisierung und zwar unseres Erachtens nach folgenden Gesichtspunkten: Es gibt Menschen, denen das. Lehren der Tauroh und das Arbeiten für Tauroh ihrer ganzen Individualität nach am nächsten liegt: es gibt Menschen, deren ganze Natur sie drängt, sich sozial zu betätigen, oder wieder andere sind besonders prädestiniert, Erez Iisroel-Arbeit zu leisten. Für jeden ist in unserem Kreise Raum. Jeder möge mit seinen Fähigkeiten und Neigungen zu uns kommen, und wir richten die Bitte an die Führer eines jeden Kreises oder einer jeden Provinz, die richtigen Menschen an die richtigen Aufgaben zu stellen. Aus der Bewegung. Frankfurt a. M. Ein Züricher Agudist hat der Palästinazcntrale 3000 Lstr. für die zu gründende Bank zur Verfügung gestellt. Frankfurt a. M. Der geschäftsführcnde Ausschuß der Agudas Iisroel bestimmte Frankfurt a. M. als Sitz der Exekutive der Palästinazentrale und ernannte zum Vorsitzenden der Exekutive (Waad Hapoel) Dr. Siegfried Oppenheimer. Soeben wird unter der Aegide des Waad Hapoel der Palästina-Centrale der Agudas Iisroel die „Newe Jisrocl-Aktiengesellschaft", gegründet mit einem Anfangskapital von 10 000 Pfund. Zweck der Gesellschaft ist die Errichtung von Häuserbauten in dem Stadtteile Newe Iisroel in Jerusalem. Der Grund und Boden ist Eigentum der Agudas Iisroel-Iugendgruppe Jerusalem, die denselben zum Selbstkostenpreise in die Gesellschaft einbringt. Die Aktien werden nächster Tage zur Zeichnung aufgelegt. Emden. Am Dienstag, den 9. Oktober abends hielt Herr Leo Munk hier einen Vortrag mit dem Thema: „Die Kenessio Gedaulo und die Jugend". Die hiesige Jugend war fast vollzählig vertreten und lauschte dem mit großer Begeisterung und innerer Wärme vorgetragenen Bericht mit gespanntester Aufmerksamkeit, aus der man sichtlich den tiefen Eindruck der zu Herzen gehenden Worte bemerken konnte. Die darauf folgende Diskussion bildete durch die sachli^ vornehmen Erwiderungen des Referenten eine wertvolle Ergänzung des Vortrages. Die Versammlung wurde erst in später Nachtstunde geschlossen. Berlin. (AIP.) Zum Donnerstag vor Rausch Haschono luden die Berliner Aguda Ortsjugend und Zeire-Gruppen zu einer Berichtversammlung über die K. E. Herr Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer skizzierte in warmen Worten den äußeren Verlauf dieser Vgroßen Versammlung und ließ vor seinen Zuhörern die bewundernswürdigen Gestalten einzelner unserer großen Führer, die durch ihre Anwesenheit die K. G. besonders verschönt batten, erstehen. lieber die wichtigsten Resolutionen, Chinuch, Aguda-Hilsswerk und Erez Iisroel referierte Herr Dr. Falk Schlesinger. Der Poniwescher Raw, Rabb. Kahanemann richtete zum Schluß eine begeisterte und begeisternde Ansprache an die Anwesenden. Berlin. Ben Kesze Leoszor hatte die hiesige Aguda- Jugendgruppe ihre letzte Mitgliederversammlung. Auf der Tagesordnung standen ein Bericht von der Iugendtagung der K. G., erstattet von Elie Munk, woran der Vorsitzende, Siegmund Stein, Ausführungen über die Arbeit der Jugend nach der K. G. in und außerhalb ihrer Gruppen knüpfte. Ueber den Kindergarten der Iugendgruppe, der s. G. w. kurz nach Sukkaus eröffnet werden soll, berichteten Dr. Moses Auerbach, der die Notwendigkeit eines Kindergartens für unsere Gruppe darlegte und Dr. Falk Schlesinger, der die bisher erreichten praktischen Ergebnisse mitteilte. Ueber den Winterlehrplan sprach dann noch Kurt S a b e r s k i. Berlin. In Ausführung des Beschlusses der K. G. ist die hiesige Agudo-Leitung bereits mit der Einführung des jüdischen Hilsswerks der Agudas Iisroel beschäftigt. Wiederholte Besprechungen in kleinem Kreise haben schon zu recht ansehnlichen Ergebnissen geführt. Köln. Am 16. September fand hier eine sehr, gut besuchte Veranstaltung der Agudo-Gruppen statt. Leo Munk, der Delegierte der hiesigen Iugendgruppe gab einen allgemeinen Ueberblick über den Verlauf der K. E., während Rabb. Dr. Carlebach in unermüdlicher und unermüdender Weise zahllose Stimmungsbilder von der Wiener Tagung in meisterhafter Form aneinanderreihte. Es wurde beschlossen, die einzelnen Resolutionen der K. G. zum Gegenstand von Besprechungen in internem Kreise für die Wintermonate zu machen. Die Iugendgruppe plant, demnächst mit einer großzügigen Werbetätigkeit für ihre Ausgaben und Ziele einzusetzen. Personalien. Köln, 10. Oktober. Am y» ■»XSIÜ verschied plötzlich infolge eines Herzschlages in Frankfurt a. M., wo er bei Verwandten weilte, im Alter von 65 Jahren der in hiesigen ostjüdischen Kreisen sehr angesehene, aus erstem galizischem Hause stammende R. Arjeh Leibisch M e s s l n g e r. Schon im frühesten Kindesalter, wie im Osten Brauch ist, wurde der Verstorbene dem Thorastudium zugesührt, und mit seltener Ausdauer und Emsigkeit oblag er demselben ununterbrochen bis zu seinem NS1N -Tage. Aber auch als er sich der Erwerbstätigkeit zuwandte, wich die Tauroh nicht, von seinem Munde, und füllte seinefreie Zeit auch hier in Deutschland bis spät in die Nacht hinein aus. Getreu den elterlichen Vorbildern widmete er sich mit aufopferungsvoller Hingabe der Linderung der Not seiner ostjüdischen Brüder und er selbst gab mit vollen Händen, auch an der heutigen Entwertung gemessen, beträchtliche Summen. Erhebend war seine bei der und beim pyj und seines Ahns Ahron würdig stand feine D1>W N2N8- Möge die Fügung Gottes, daß der Tod ihn am 2"' ■’KSID noch mit den rnftW auf den Lippen ereilte ns' ppo D'IISDN DT» 'X21D2 Dö) und ihn der zukünftigen Welt zuführte, Trost seinen Hinterbliebenen sein und sie anspornen, sich seine jynj) anzueignen und in seinem Geiste ein echt jüdisches Leben zu führen, um so das Andenken an den Verschiedenen in Ehre aufrecht zu erhalten. Nürnberg, 10. Okt. Am heiligen naiW ratP verschied hier die in weiten Kreisen hochgeachtete Frau Amalie Wollenreich, geb. Bermann, im hohen Greisenalter von 87 Jahren. Schon aus der überaus großen Beteiligung der ViOW» jy-jtf hier bei der Ueberführung des na — das in Neustadt-Diespek an der Seite des der Verstorbenen vor 30 Jahren in den Tod vorausgegangenen Gatten beigesetzt wurde — konnte man schließen, wer und was die Dahingegangene war. Eine jypK in des Wortes schönster Bedeutung, deren ganzes langes und schicksalreiches Leben eine fortgesetzte Kette von Arbeit und Mühe im Dienste Gottes war, wobei finti nyiöK, inniger (gölten glaube und felsenfeste Gottesfurcht alle Klippen des Lebens sie leicht und freudig überschreiten ließ. Am Grabe zu Diespek, an dem die große und weitverzweigte Familie aus Nah und Fern sich versammelt hatte, entwarf Herr Lehrer Blumenthal aus Neustadt a. A. ein getreues Bild von dem segensreichen Wirken der Verstorbenen, wobei er besonders hervorhob, wie es der Dahingegangenen gelungen, wie selten einer Frau, die Jahrzehnte hindurch allein ohne Männerhilfe das Haus lenkte und leitete, alle Kinder — 5 Söhne und eine Tochter — zu tüchtigen Menschen und treuen Iehudim heranzubilden, von denen sie im Alter mit großer Liebe und Dankbarkeit umgeben ward. Als Zweiter ergriff der Schwiegersohn, Herr Lehrer Sulzbacher, Biebrich am Rhein, das Wort. Unter Tränen dankte Redner der Verstorbenen für die vielen weisen Lehren und Ratschläge, die sie ihm als kluge und erfahrene Frau, die stets '121 N22N2 NN712 N'S „ihren Mund mit Weisheit öffnete und milde Lehre auf ihrer Zunge führte," lange Jahre hindurch in seinem schweren Berufe gegeben. Ihr sehnlichster Wunsch, am mty zn sterben, ward ihr erfüllt: Vom himmlischen Glanze der Sabbatlichter umgeben, hauchte sie ihre reine Seele aus, uni einzugehen in das himmlische Reich. iVlDtP Qp- Dr. JosepH Wtoch m? Wien, 10. Okt. Eine starke Persönlichkeit von historischer Bedeutung ist mit Dr. Jos. Bloch, dem bekannten Publizisten und Politiker, Herausgeber der Dr. Bloch'schen Wochenschrift, im Alter von 73 Jahren von dannen gegangen. Aus Galizien stammend, hatte er in leidvoller Jugend — er beschreibt sie in seinen Memoiren — einen Beweis erbracht, was ein starker Wille alles vermag im Kampfe mit Nöten und Widerständen. Gymnasium -und Universität erschloß dieser Wille dem galizischen Jüngling, der ohne Mittel und Nachweis einer Grundschulbildung daherkam. Nach Erreichung des Doktorgrades amtierte er in mehreren Gemeinden als Rabbiner. In den achtziger Jahren wurde er infolge einer Schrift in einen Prozeß verwickelt, den Antisemiten gegen ihn anstrengten. Dann begann sein Kampf gegen Rohling in Verbindung mit der Tisza Eszlar-Asfäre, der damit endete, daß Rohling 1885 die Klage zurückzog und alle Anschuldigungen auf sich sitzen ließ. Von 1864 war er eine Reihe von Jahren Parlamentabgeordneter und als solcher von den antisemitischen Parteien äußerst gehaßt und gefürchtet. Die „Oesterr. Wochenschrift" leitete er bis 1920, da sie den wachsenden. Schwierigkeiten unterliegen mußte. Eine große Reihe von Schriften, besonders auf apologetischem Gebiete stammen aus der Feder Dr. Blochs. Seine Verdienste bleiben unvergessen. n^aXlfl Vermischtes. Mönchen, 10. Okt. Der Bund Jüdischer Frontsoldaten München hat ein internes Preisausschreiben zur Erlangung einer an der Synagoge anzubringenden Gedenktafel für die Gefallenen der Kultusgemeinde München veranstaltet. Das Preisgericht, dem als Künstler die Herren Ob.erbaudirektor Grässel, sowie die Professoren Benno Becker und Wadere angehörten, erkannte einstimmig den ersten Preis dem Entwürfe zu, als dessen Schöpfer sich der hier lebende Bildhauer Arnold Z a d i k o w ergab. Zwei Entwürfe, die das Preisgericht mit je einem halben zweiten »Preis bedachte, waren vom Architekten Fritz Landauer eingesandt. Arnold Zadirow, der sich zur Zeit aus einer Studienreise in Italien befindet, ist durch eine Reihe hervorragender Arbeiten bekannt; sein letztes, in der Öffentlichkeit bekannt gewordenes Werk ist ein besonders schöner, aus dem Wappen der 12 Stämme gebildeter Chanukkaleuchter, der auf verschiedenen Kunstausstellungen Anerkennung gefunden hat. Der preisgekrönte Entwurf, der voraussichtlich am südlichen Treppenturm der Synagoge angebracht werden