Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1923)
- Date
- 1923-10-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 42 Seite 7 18. Oktober 1923_ wird, zeigt eine in edler Form gehaltene Tafel, die von einem heraldischen Löwen bekrönt, in monumentaler Inschrift die Erinnerung an die Gefallenen festhält. Garmisch-Partenkirchen, 2. Ott. Zu dem Feste, das mehr als jedes andere uns zur Natur zurückführt, hatten sich hier, in diesem wunderbaren Erdenwinkel zahlreiche Gäste zusammengefunden. Aus Fürth-Nürnberg, Frankfurt, Köln, Berlin usw. waren eine beträchtliche Anzahl Familien gekommen, um in dem Landhaus Wolf, das in den wenigen Jahren seines Bestehens sich einen besonders guten Namen als gastliche Stätte gemacht hat, das Sukkoth-Fest zu verbringen. Die Inhaber des Landhauses Wolf verstehen es nicht nur durch ihre persönliche Aufmerksamkeit, ihr stets heiteres, entgegenkommendes Wesen und gute Verpflegung den Aufenthalt angenehm und gemütlich zu machen, sondern — und insofern dürfte diese Notiz aus dem Gästekreis für die Allgemeinheit von besonderem Interesse sein — auch durch ihre gewissenhafte Führung der Küche hinsichtlich Kaschrus und durch ihre stete Sorge, die religiösen Anforderungen der Gäste voll zu befriedigen. So war für eine Sukkoh, Esrog und Lulow bestens gesorgt und durch den eigens hierfür engagierten Herrn Oberlehrer Schweitzer aus München, der die Gottesdienste in würdiger, althergebrachter Weise abhielt und auch in den Zwischenzeiten durch gehaltvolle Vorträge die Gäste erfreute, wurde echte v"'°S1immung hervorgebracht. Hamburg, 10. Okt. Der am Simchas Thora stattgehabte 70. Geburtstag des Herrn Rabbiner Dr. Moses Jacobson, welcher nach mehr als 40 jähriger rabbinischer Amtswirksamkeit in Schrimm und Gnesen Anfang 1922 in seine Heimatstadt Hamburg zurückkehrte, gab weitesten Kreisen unserer Gemeinde willkommenen Anlatz, Treue mit Treue zu vergelten, und Herrn Rabbiner Dr. Jacobson zu zeigen, datz auch ihm, der seiner Heimat alle Jahre hindurch rührendste Anhänglichkeit bewahrt hat, herzliche Sympathien in Hamburg entgegengebracht werden. Die Synagoge Hoheluftbrücke, an der der Jubilar seit seiner Rückkehr nach Hamburg ehrenamtlich als Prediger wirkt, veranstaltete am Vorabend zum Simchas Thorafest einen Festakt, bei welchem Herr Oberlehrer Buttenwieser die Wünsche der Synagogenmitglieder, denen Rabbiner Dr. Jacobson in altbewährter Meisterschaft das Gotteswort vermittelt, zu beredtem und erhebendem Ausdruck brachte, während Herr Rabbiner Dr. Jacobson, tief ergriffen, der überaus zahlreichen Zuhörerschaft alsdann auseinandersetzen konnte, wie er in all den Jahren seiner rabbinischen Tätigkeit den Begriff des Rabbiners, und ganz besonders des Predigers, im jüdischen Sinne aufgefaht habe. Am Ausgang des Simchas Thora veranstaltete die Jeschiwah E. V., an der Herr Rabbiner Dr. Jacobson als Dozent wirkt, zu Ehren des Jubilars ein Festbankett, an dem fast 200 der prominentesten Persönlichkeiten aus dem jüdischen Leben Hamburgs, Vertreter der Gemeinde und aller ihrer thoraischen Institutionen und Vertreter von Nachbargemeinden teilnahmen. Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer feierte den Jubilar in einer grotzangclegren Festrede, während Schuldirektor Dr. Carlebach in einer markigen Ansprache das Wesen einer Jeschiwah charakterisierte, die Mit-Dozenten des Herrn Rabbiner Dr. Jacobson, ein Vertreter des Gemeindevorstandes und der Altonaer Gemeinde Worte herzlichster Begrüßung und Beglückwünschung fanden, während der Jubilar selbst in einem packenden Schlußwort über den alten Jeschurun's Königsgeist sprach, und . sein dem Vertreter dieses Geistes, dem Raw der K'hillo weihte. Ein Rebbe-Tanz schloß in später Nachtstunde diese jüdische Feier. Am 27. Tischri versammelten sich die Mitglieder der Chewra Kadischa der Gemeinde zu einem Festakt in den Räumen des Gemeindehauses. Der Vorsitzende der Chewra Kadischa, Herr Michel David, begrüßte die zahlreich Erschienenen, während unser ehrwürdiger Oberrabbmer dem Jubilar die Ehrenmitgliedschaft der Chewra Kadischa übermittelte, nachdem er vorher in einer erhebenden Festrede über das Wesen einer Chewra Kadischa gesprochen, und Rabbiner Dr. Jacobson als den selbstlosen Maggid der Chewra feierte, der, ehrenamtlich bei dieser tätig, dafür sorge, daß in Hamburg kein Armer und kein Fremder zur nTOj? käme, ohne daß an seinem Oraun Worte der Erhebung und der Tröstung gesprochen würden. Herr Rechtsanwalt David gab der Freude des Gemeindevorstandes Ausdruck, daß die Chewra Kadischa, die heiligste Institution jeder Gemeinde, in so enger und freundschaftlicher Beziehung zum Gemeindeoorstand stehe, und datz der Geburtstag des Herrn Rabbiner Dr. Jacobson, eines der würdigsten Söhne unserer Gemeinde, der Gemeinde gern die Gelegenheit böte, wieder ihre innige Verbundenheit mit der Chewra Kadischa zum starken Ausdruck zu bringen. Tief bewegt dankte der Jubilar für alle diese Ehrungen, indem er alle die ihm erwiesenen Freundlichkeiten als die Vorschuß-Lorbeeren ansähe, die in noch manchen Jahren ungetrübter Wirksamkeit sich zu verdienen sein Bestreben sein solle, wenn Gott ihm Kraft und Gesundheit lietze. Diese ganze Festeswoche zeigte uns Hamburgern erneut, daß die weitesten Kreise unserer Gemeinde gern die Thora und ihre Träger ehren, und wie innig in Hamburg das Zusammenwirken zwischen den Behörden der Gemeinde und ihren geistigen Führern gestaltet ist. Leipzig, 28. Sept. Theodor Fritsch, der berüchtigte Ober-Antisemit und „Hammer"-Herausgeber, ist vvm Staatsgerichtshof wegen -seiner Broschüre „Anti- Der Israelit Rathenau" und anderer Hetzschriften zu vier Monaten Gefängnis und sechs Millionen Geldstrafe verurteilt worden. Zürich, 1. Okt. Am vergangenen Freitag wurde in Zürich der Grundstein zur Synagoge der „Israelitischen Religionsgesellschaft Adaß Jeschurun" an der Frergutstraße gelegt. Eröffnet wurde die Feierlichkeit von Herrn Kantor Lieber mit einem Psalm. Herr T e p l i h , als Präsident der Israelitischen Religionsgesellschaft, leitete sodann den Reigen der Reden ein. Er überflog die Geschichte der Gemeinde, die vor 28 Jahren mit 7 Mitgliedern ins Dasein trat und nun die Zahl von 100 Mitgliedern erreicht hat; sodann ließ er, wie jeder Redner nach ihm, die üblichen drei Hammerschläge auf den Grundstein folgen, der die «ungekapselte Dauurkunde deckt. Herr Rabbiner Dr. Lewen stein sprach danach in tiefer Rührung das Festgebet. Er erinnerte an jenen Bau des zweiten Tempels, auf den man siebenzig Jahre habe warten müssen; sieben Jahre hatte man auch in diesem. Falle das Projekt einer Synagoge beraten. Architekt W i t s ch i sprach sodann im Namen von Bauleitung und Bauführung. Dann ergriff Herr Mar Kahn im Namen der Baukommission das Wort. Die Schlußrede hielt Herr Rabbiner Kornfein, worauf Gesang die Feier schloß. Utrecht, 15. September. Als ein charakteristisches Zeichen für holländische Weitherzigkeit muß registriert werden, daß die hier vom 12. bis 25. September stattgehabte internationale Niederländische Mustermesse am Versöhnungstag geschlossen war. Briefkasten. B. H. in Rzeszow. Empfang bereits am 17. September bestätigt. Unsere Briese scheinen nicht anzukommen. Barmizwohseier: Moritz Nordmann, Sohn des Herrn Charles Nordmann-Bämberger, Bafel. Frankfurter Berichte. Iechesirel-Morträge. Die Jecheskelvorträge des Herrn Rabbiner Dr. Jos. Breuer im Mekor Chajim beginnen diesen Sonntag (abends 6 Uhr, Langestr. 16), worauf auch an dieser Stelle hingewiesen wird. Kespcd in der I.-chrtsu. Jugend-Gruppe. Sonntag abend 8.30 Uhr präzis findet in der Aula der Realschule, Am Tiergarten ein Hesped auf Direktor Dr. Lange statt, veranstaltet von der Agudas Jisroel Orts- und Jugend gruppe. Alle Mitglieder sowie Verehrer des Verstorbenen werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Warn Winterprogramm der A. I.Iugendgruppe. Der Winterlehrplan kommt im Inseratenteile dieser Nummer in der Weise zum Abdrucke, daß ihn Mitglieder und Interessenten zur Orientierung ausschneiden können. Auf folgende Neueinrichtungen sei auch an dieser Stelle noch einmal hingewiesen: Der tp findet täglich 6.45 Uhr abends unter Leitung des Herrn Dr. W. Hofmann in dessen Wohnung Eschenheimer Anl. 1 statt. Einen neuen N">8^und ta*7K -Schiur für jüngere Leute leitet Herr Michael Cohn, einen Schiur aus 2VX für Herren und Damen übernahm (Donnerstag abend 8.30 Uhr) Herr Dr. Rosenblüth, einen JVDX ■’pHD5 Schiur ' ebenfalls für Herren und Damen Herr ^Hermann F r a n k e n t h a l, je am Samstag 11 Uhr vorm. In der Mädchengruppe findet je am Montag abend 9 Uhr ein vvlN-Schiur statt. Sidrovorträge Freitag abend nach Schul und gemütliches Beisammensein nach Tisch wie immer. Ein Wort noch über die Arbeitsgemeinschaften, die so zu verstehen sind, daß sich Gleichstrebende innerhalb der Aguda zusammentun, um unter geeigneter Leitung, aber gemeinsamer Selbstarbeit bestimmte Gebiete des jüdischen Wissens zu bearbeiten. Größere Vorträge sollen alle 14 Tage im Volksbildungsheim stattfinden. Vier Abende sind noch der Kenessio Gedaulo gewidmet. Für einen Vortragsabend ist Dr. N. Birnbaum, Berlin, gewonnen und mehrere Abende werden mit Vorträgen aus jüdischer Geschichte und Literatur von Redakteur S. Schachnowitz ausgefüllt sein. In kleinerem Rahmen soll das Gebiet des M u f s a r bearbeitet werden, für welches ein bewährter Führer in der Person des Herrn Rabbiners Benzion B e r m a n n gewonnen ist. Gedächtnisfeierlichkerteu. In der Realschule Am Tiergarten wurde letzten Sonntag vormittag 11 Uhr das Andenken des Direktors Dr. Gerson Lange V'jjy in einer stimmungsvollen Feier geehrt. Die Aula füllte eine große Trauergemeinde, bestehend aus Lehrerkollegium, Vertretern der Gemeindeverwaltung, vielen geladenen Gästen und Familienangehörigen. Die mittleren und hinteren Bänke hatten geschlossene Schulklassen inne. Auch Vertreter von Behörden und hiesiger höherer Schulen waren erschienen. Ein Chor leitete die Feier mit 'rv>w ein, worauf Herr Adolf Stern in schlichten, herzlichen Worten namens des Schulrates dem Unermüdlichen im Dienste der Thora, der Jugend und der Gemeinde Dank aussprach. Daraus hielt Herr Professor Fink eine ins Einzelne gehende, tiefdurchdachte Gedenkrede, die ein deutliches Bild des Verstorbenen in all den Phasen seines Werdens, Lebens und Wirkens vor unseren Augen entstehen ließ. Es sprach sodann Herr Jacob R o s e n h e i m im Namen der Gemeindeverwaltung und entwarf ein Bild des herrlichen Menschen und von glühender Liebe zur Jugend erfüllten Schulmannes, des hervorragenden Thoragelehrten und von strikter selbstverständlicher Emuno, die ihm die Auseinandersetzung mit der Zeit leicht machte und ihn für alle Fragen von Glauben und Wissen die sicherste gefühlsmäßige Lösung finden ließ. Im Namen des Eltern rates sprach Herr Leopold Oppenheimer, zugleich auch als früherer Schüler, einige Thoraworte zu Ehren des Verstorbenen, worauf der Neumann^sche Männe r ch o r unter Mitwirkung des Herrn Kantor Steinberger, so stimmungsvoll und ergreifend, wie wir es noch selten gehört, mit einem nxipl “iVn die würdige Gedenkfeier beschloß.; Abends um 6 Uhr füllten sich die Räume des Mekor Chajim in der Langestraße, in denen bauliche Maßnahmen getroffen werden mußten, aus daß sie die Menge der erschienenen Mitglieder und Verehrer Nathan Hamburgers fassen konnten. Auch Rabbinat und Gemeindeverwaltung waren vertreten, neben fast sämtlichen Dozenten und Vorstandsmitgliedern des Mekor Chajim. Stille Weihe herrschte im ungefüllten Raume von Anfang bis zum Ende. Es war eine Stunde beschaulichen Gedenkens und Nachdenkens und zugleich ein Ehrenabend des Mekor Chajim, dessen Thoraprogramm bei der Würdigung Hamburgers im hellsten Lichte erstrahlte, eine Demonstration für die Thora als höchste Ehrung des Mannes, der fein ganzes Sein der Thoraverbreitung gewidmet hat. Zunächst betrat das unter der roten Lampe des für Hamburger angezündeten „Ner Tomid" untergebrachte Rednerpult ein Mitglied des Mekor Chajim- Vorstandes, Herr Gabriel Plaut, um tiefergriffen und in wirkungsvollen Worten die schmerzlichen Gefühle des Vorstandes bei dem Verluste des unersetzlichen Führers Ausdruck zu verleihen. Sodann ergriff Herr Redakteur S. Schach nowitz das Wort zu einer großangelegten Hespedrede, in der er, von einem Midraschworte ausgehend, die Persönlichkeit des Verblichenen zeichnete, dabei Idee, Programnl und Arbeitsplan des Mekor Chajim hervorkehrend, wie sie Nathan Hamburger, schöpferisch und erfinderisch und nimmermüde, ausgebaut wissen wollte. Er zeigte den Entwicklungsgang des Bal Habatim-Lernens, — Rückgrat und Rückhalt einer jeden Gemeinde — in Frankfurt von Rabbiner S. R. Hirsch y'jjy, der mit Gemeinde und Schule auch die Gründung des Mekor Chajim anregte bis zu den Tagen Nathan Homburgers, dem es beschieden war, den Mekor Chajim als hervorragenden geistigen Machtfaktor in unserem Kehillohleben zu sehen. Aus vielen persönlichen, kleinen und -Einzelzügen fügte der Redner ein Gesamtbild Nathan Homburgers zusammen, und das große Auditoriunr lauschte aufmerksam und ergriffen, und wohl auch entschlossen, in weiterer intensiver Pflege des Thorastudiums Hamburger das Denkmal zu errichten, das ihm gebührt. Als Vertreter der Gemeindeverwaltung sprach sodann Herr Emil G o l d s ch m i d t und dankte in sinniger Ausdeutung einiger Talmudstellen dem Verstorbenen für sein Wirken zur Verbreitung des Thorastudiums in der Gemeinde. Auch aus dem Kreise der Mitglieder und Hörer kam der Dank an den weltlichen Leiter des Vereines für alle seine Mühe und Arbeit und die von ihm geschaffenen Lerngelegenheiten aus dem Munde des Herrn Hermann Rotschild zum schönsten Ausdruck. Mit Kaddisch und Maariwgebet schloß die in ihrer Schlichtheit doppelt wirksame Gedenkfeier. Berichterstattung über die Kenessto-Gedaulo. Am Mittwoch, den 24. Oktober, abends 8.45 Uhr, veranstaltet die Agudas Jisroel-Jugendgruppe im Volksbildungsheim, Eschenheimer Anlage, Saal 5, einen Vortrag über Erez Jisroel. Redner sind die Herren Dr. S. Oppenheimer, Frankfurt a. M. und Dr. Ben Israel, Palästina. Bereinskalender. Merein Mekor ßyajirn. Freitagabend nach Schul „Mikrooortrag" Herr Kantor Steinberger. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge im Hörsale „Dinim"; Herr Rektor Falk. — nachm. 4 Uhr npyi py im Vereinslokale: Herr Red. S. Schachnowitz. Sonntag vorm. 9 Uhr und Dienstag abrnd 6 Uhr im Vereinslokale „GemoroJ Herr R. A. G. P.osyn. — abends 6 Uhr im Vereinslokale Langestraße 18, Iecheskel; Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Montag und Mittwoch abend7Uhr„Gemoro", Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer.