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Der Israelit · 1923-10-18 · Heft 42 (18.10.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 42 (18.10.1923)
Date
1923-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Israelit Nr. 42 Seite 6 18. Oktober 1923____ Rutzl«,«»-. Pogromstifter rum Code verurteilt. Witebsk, 1. Oktober. In Witebsk fand nach dem ICB. ein Prozeß gegen fünf Pogromstifter statt, die früher Offiziere waren und Aufstände gegen die Sowjetregierung organisiert haben. Unter dem Ataman Wolboo haben sie eine Reihe von Pogromen besonders im Distrikt W ekisz veranstaltet. Bekannt ist ihr Ueberfall auf einen Passagierdampfer, den sie in Brand steckten, nachdem die nichtjüdischen Passagiere unter Zurücklassung ihres Gepäcks das Schiff verlassen hatten. Die jüdischen Passagiere wurden unter grausamen Martern getötet. Zuletzt überfielen sie mit ihren Banden eine jüdische landwirtschaftliche Kolonie und töteten alle Einwohner. Im März ds. Js. konnten sie verhaftet werden. Sie wurden zum Tode verurteilt und kurz darauf erschossen. <6aii5«en. JeueiRatastropbe. Lemberg, 10. Okt. Sambor in Ostgalizien (unseren Lesern bekannt durch den Namen des „Samborer Raw", Sejm-Abg. Rabbr Lewin, Vorsitzender des Zentralrates der Agudas Irsroel und u. a. Präsident der „Kenessio Gedaulo"), wurde von einer entsetzlichen Feuersbrunst heimgesucht. Siebenzig Häuser der Altstadt, davon 40 jüdische, wurden eingeäschert. Ueber 800 Personen, zumeist Juden, sind obdachlos. Auch zwei große Synagogen wurden ein Raub der Flammen. 1 Abg. Dberrabbiner Lewin wandte sich telegraphisch an den Premier Witos ebenso an die Warschauer Gemeindeverwaltung um Hilfe. €i»e schweizerische BulfsaRtion kür deutsche gemeinden. Zürich, 5. Oktober. Unter Vorsitz der Herren Rabbiner Dr. Lrttm a n n und Oberrabbiner Dr. L e w e n st e i n hat sich ein Hilfsausschuß gebildet, der größere Summen zur Unterstützung notleidender jüdischer Gemeindebeamten sowie hilfsbedürftiger jüdischer Institutionen in Deutschland auszubringen beabsichtigt. Baron Rothschild OBer die von ihm gegründete PJCB «esellscbatt. Paris, 1. Oktober. In einer' Unterredung mit dem amerikanischen Zionistenführer, Mr. A. Goldberg, der auf der Rückreise vom Karlsbader Zionistenkongreß in Paris weilte, äußerte Baron Edmond de Rothschild über feine Absichten bezügl. der zukünftigen Arbeit in Palästina u. a.: Anstatt das Palästinawerk der ICA zu subsidieren, organisiert er eine neue Körperschaft, die „Palestine Jewish Colonisation Association" (die den Namen „PICA" führen wird), welche das Werk ausführen wird. Die PICA wird in allen Ländern Aktionäre suchen und wird den Zeichnern für die verschiedenen Unternehmungen in Palästina verantwortlich sein. Die PICA wird nicht mit dem Keren Hajessod konkurrieren und sich nur an die wohlhabenden Juden wenden, um an großzügigen Unternehmungen zu partizipieren. Baron Edmond de Rothschild gab der Hoffnung Ausdruck, daß fein Sohn, James de Rothschild, die Leitung der neuen Palästina-Gesellschaft übernehmen würde. Es wäre wünschenswert, daß die PICA in Palästina den Bau eines Hafens beginnen würde. Neue Industrie-Pläne seien notwendig und die PICA würde solche fördern. Hinsichtlich der politischen Situation erklärte Baron Edmond de Rothschild, daß er von .Sir Herbert Samuels Versöhnungspolitik sehr befriedigt sei. Das nationale Heim würde den Juden ermöglichen, ihren Geist zu entwickeln und sie müßten sich jeglichen Streites über materielle Ueberlegenheit enthalten. Der Jude würde durch den Geist erobern. Baron Edmond de Rothschild erklärte, daß seine Bindungzu Palästina eine religiöse sei. Er bedauerte, daß die Zionisten der religiösen Seite der Bewegung nicht genügend Beachtung schenkten. Er sei sicher, daß sein Sohn James sein Werk in Palästina fortführen werde und mehr vollenden würde, als er selbst getan habe. Palästina auf der britischen Reicbskonrercnz. London, 5. Oktober. Der Kolonialminister sagte aus der Reichskonferenz, die militärischen Kosten für Palästina seien kn erfreulicher Abnahme; die Gendarmerie sei sehr gut und gewährleiste die Unterdrückung etwaiger Neigungen zu Revolten. Die arabisch-jüdischen Beziehungen ließen jedoch zu wünschen übrig, obgleich die britische Politik seit Juni 1922 den arabischen Anschauungen weit entgegengekommen sei. Selbstredend bilde die Balfour- Erklärung die Grundlage der englischen Politik in Palästina. Auf Transjordanien finde diese Erklärung jedoch keine Anwendung. 40 Jüdische JamiHen in Japan in Not. New-Pork, 1. Oktober. Nach einem Kabel, das in Newyork aus Kobe in Japan durch die Einwanderer-Hilfs-Gesellschaft H i a s eingegangen ist, befinden sich 40 j ü d i s ch e Familien, die durch das Erdbeben in Pokohama obdachlos geworden sind, in ärgster Not. Nach einer Konferenz von Vertretern der „H i a s", des „American Jewish Committee" und des „Joint Distribution Committee", wurden sofort telegraphisch 2000 Dollar überwiesen. Der Präsident der Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbiner, Rabbi Abram Simon, hat einen Aufruf für Subskriptionen für den Japan-Hilfsfonds des amerikanischen Roten Krerzzes erlassen. Unter anderen sollen auch folgende Juden, der amerikanische Generalkonsul in Yokohama, Nathan K i rj a s s o f f, der Redakteur des „Japanischen Anzeigers" in Nokohama, B. W. Fleischer, der Herausgeber des „Japanischen Anzeigers", Ben K l i n o , bei dem Erdbeben ihren Tod gesunden haben. ZchocvtimrtteiR: New-Pork, 1. Okt. Zu den Auswüchsen des amerikanischen jüdischen Lebens gehört es, daß die großen Fleisch- und Geflügelhandlungen ihre eigenen angestellten und von ihnen bezahlten Schochtim unterhalten. In letzterer Zeit traten die privaten Schochtim infolge anhaltender Lohndifferenzen in den Streik. Es gab natürlich auch Streikbrecher, auf deren Entlassung jetzt die in einem Kartelle organisierten 200 Schochtim dringen. Die Schochtim verlangen Herabminderung der Arbeitszeit von 52 auf 48 Stunden in der Woche und Erhöhung des Wochenlohnes um 5 Dollar. Der Verband der Eeflügelhändler weigert sich, auf die Bedingungen einzugehen. Palästina. Rückkehr Sir Herbert Samuels. Jerusalem, 1. Oktober. Sir Herbert Samuel ist am 18. Sept von seiner Urlaubsreise zurückgekehrt. Bei seiner Ankunft wurde er von einer großen Menschenmenge, sowie von den Leitern der Verwaltungsdepartements, den ausländischen Konsilien und den Vorstehern der verschiedenen Religionsgemeinden empfangen. Am Nachmittag veranstaltete der Gouverneur von Jerusalem, General S t o r r s, zu Ehren Sir Herbert Samuels ein Gartenfest/ an dem mehr als 500 Personen aus allen Eesellschaftsschichten von Jerusalem teilnahmen. Blatter der Agudas üisroel in Deutschland. Bekanntmachungen d. Gruppenverbandes An die Ortsgruppen. Für das Jahr 5684 ist der an die Gesamtorganisation abzuliefernde Mindest- Mitgliedsbeitrag auf eine Goldmark festgesetzt worden. Die Ortsgruppen sind verpflichtet, je nach Wunsch der einzelnen Mitglieder Raten, auch vierteljährliche oder monatliche Teilzahlungen anzunehmen bezw. zu erheben. Der Multiplikator ist jeweilig der des Zahltages. Kein Geld liegen zu lassen, sondern gleich wertbeständig umzuwandeln, oder unverzüglich an den Gruppenverband der Agudas Irsroel nach Halberstadt zu übermitteln, ist eine fernere wichtige Aufgabe der Gruppen. Es wird gebeten, gleich im Monat Cheschwan mit der Einziehung zu beginnen, damit die Organisation, der durch die K. G. große Kosten erwuchsen, nicht von den unerläßlichen Geldmitteln entblößt bleibt. Ferner wird dringend gebeten, die Mitgliederlisten ständig im Auge zu behalten und jeden Zu- oder Abgang sofort nach Halberstadt mitzuteilen. Halberstadt, 16. Okt. Der Gruppenverband der „Agudas Iisroek" in Deutschland, Halberstadt, sucht geeignete Herren (Akademiker, Lehrer, Kaufleute), die regelmäßig die Ortsgruppen besuchen, um dort den von der Kenessio Gedaulo gesetzten Aufgaben zur Erfüllung zu verhelfen. Oberlehrergehalt und Spesenvergütung. Bei Bewährung steht Daueranstellung in Aussicht. Agudas Irsroel und die deutschen Landgemeinden. Der Organisations-Vorstand der deutschen Jugendorganisation hat an die Äugendgruppen folgendes Rundschreiben versandt: Die unvergeßlichen Tage der Kenessio Eedaulo sind vorüber. Die Liebe zur Tauroh, die allen Reden und Beschlüssen ihr Gepräge gab, ist die unverlierbare Erinnerung, die wir alle in unsere Heimat Mitnahmen. Es war tatsächlich eine im Kleinen verwirklichte Erfüllung des Wortes unseresgroßen Lehrers Mosche: Binorenu uwiskenenu nelech. „Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir gehen." Nun gilt es, die Eindrücke und Lehren dieser großen Zusammenkunft in die Praxis zu übertragen. Jeder hat auf die ihm von Gott angewiesene Stelle das Panier der Tauroh, die Idee der Agudas Jereim, zu pflanzen. So rufen wir, die Leitung der deutschen Jugend. Euch alle auf, diesen Dienst am Heiligtum wahrzunehmen. Uns allen muß es erste und höchste Pflicht sein, die Gedanken, die Gesetze, die Lehren der Tau roh bis in das kleinste Dorf Deutschlands zu tragen, und wo nur ein jüdisches Ohr nach Tauroh lechzt, ihm Erquickung zuspenden und Schlafende, Gleichgültige zur Tauroh aufzuweckem Während wir im Laufe der letzten Jahre in den Großstädten Deutschlands soweit sie noch gesetzestreue Gemeinden aufweisen, eine erfreuliche Belebung der Gottesidee finden, hat die wirtschaftliche Not viele Landgemeinden ihrer geistigen Führer beraubt, und sowohl die Schuljugend als auch die schulentwachsene Jugend findet sich allen Strömungen der Judenheit schutzlos überlassen. Es gibt daher' für die ihres jüdischen Weges sich bewußte jüdische Jugend der Großstädte keine wichtigere, nächstliegendere Aufgabe, als mitzuhelfen, jüdische Seelen zu erhalten. Ist uns doch allen die Tragweite des Wortes bekannt: „Wer auch nur eine jüdische Seele erhält, ist Mitarbeiter Gottes an seinem Schöpfungswerk." Ihr Großstädter alle, die Ihr durch Gottes Gnade im Tauroh-Milieu lebt, die Ihr nicht nur die Gesetze unseres Gottes übt, sondern auch seine Lehren erfassen lernt, Ihr ahnt garnicht, wie sehnsuchtsvoll manche junge, reine Menschen zu Euch Hinschauen. Wie sehr muß uns der Ausspruch eines Jünglings erschüttern, der uns erklärte: „Sein Schabbos sei der Mittwoch, denn an diesem Tage erwarte er seinen Tauroh-Lehrer", Euch allen, die Ihr alltäglich an den Lebensquellen der Tauroh Euch labt, muß es dringendes Bedürfnis sein, mitzuhelfen an dem Schöpfungswerk Gottes und Seelen der Tau roh zuzufü hren. An die Akademiker und Lehrer unter Euch wenden wir uns, auf daß Ihr Euch ein. zwei Jahreunszur Verfügung stellt, auf daß Ihr am Tage der Hitze nicht achtet

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