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Der Israelit · 1923-10-18 · Heft 42 (18.10.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 42 (18.10.1923)
Date
1923-10-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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18. Oktober 1923 Nr. 42 Seite 3 Sphären des Himmels und der Erde hatte sich das große Getriebe entfaltet. Die leuchtenden Welten waren in den Kreislauf ihrer ewigen Bahnen getreten, das junge sprossende Leben auf der befruchteten Scholle hatte sich allerorten entwickelt, jedes Wesen hatte Platz und Daseinszweck erhalten und das große erhabene Werden und Geschehen lief nach geschlossenem Plane im Geleise der naturgesetzlichen Weltordnung. Und als die Dämmerung des Krönungstages der Schöpfung nahte, da ging, gleichsam als Schlußakt göttlichen Schaffens das Wunder aus Gotteshand hervor. Wie kann sich deutlicher die Auffassung der heiligen Ueberlieferung über das Wesen des Wunders bekunden, als durch diesen kurzen Bericht der rvn8 ’pis* — 18122, „Erschaffen" wurden die Wunder, mit demselben Schöpfungsakte wie Himmel und Erde, von denen es mit gleichem Ausdruck heißt: "ui tpötwr n« v'pbrr 812 rpi78i2. Erschaffen in ihrer besonderen Eigenart, mit ihrem speziellen Daseinszwecke, .jedes als nass? uea ,Tia. Änd der Zeitpunkt, an dem sie ins Dasein traten, fiel auf den nai7 aiy, nach vollendeter Schöpfung des geschlossenen Naturkreislaufes. Wie eindeutig gelangt hier der Gedanke zum Ausdruck, daß das Wunder eben nicht ein bloßes Glied in der Kette der Naturerscheinungen ist, wie sie in den sechs Tagen des Weltenwerdens plangemäß organisiert worden waren, daß es vielmehr heraustritt aus der zwangsläufigen Bahn des Nalurgeschehens, um am äußersten Rande göttlichen Schöpfungswirkens ri2i7 2itf2, Zwischen gestaltendem Werktag und vollendungkrönendem Ruhetage zu stehen und durch diesen seinen exclusiven Charakter seine Autonomie mit nachdrücklicher Deutlichkeit zu erkennen zu geben. Und schließlich wurde die Wunderwelt r\wmn ]*a ins Dasein gerufen. Als die Schatten der Dämmerung über die junge Welt sich senkten, schuf sie die Allmacht, vielleicht in Andeutung des Gedankens, daß sie den Blicken der Welt, dem beobachtenden Auge des Menschen zu entziehen sei, um sich mit dem Schleier des ewigen Geheimnisses zu decken, den sie stets tragen soll im Leben der Natur. Und warum wohl wird die Eigentümlichkeit und Bedeutung des Wunders in seiner Stellung zum Naturgesetz so nachdrücklich betont? Gott schuf die Gesetze der Natur, rief die Körper an die Stätte ihrer Bestimmung, die Kräfte in die Bahnen ihres Wirkens und verbuchte somit in seinem Universum den Willen seiner schöpferischen Allmacht. Aber der Mensch, in der Schwäche und Begrenztheit seiner Erkenntnis, öffnet den forschenden Blick, dem sich Der Israelit das erhabene Gliederwerk des' Weltorganismus zu enthüllen scheint, doch wo sind die göttlichen Zeichen, welche Zeugnis ablegen wollen von jener schöpferischen Hand, welche die Daseinsfülle geboren? Und er übersieht die ewige Kette der Entwicklung, aber er sucht vergebens auf diesem Wege den Stammvater alles Seins. Alles, — findet er, — beruht auf Kausalität, auf ursächlicher Verknüpfung der Geschehnisse, auf dem unverbrüchlichen genetischen Prinzip von Ursache und Wirkung. Wo denn tritt in dem maschinellen Triebwerk des gewaltigen Kosmos jene gestaltende Hand hervor, welche mit schöpferischem Willen den Grundstein des Universums gelegt hat? Doch da springt das Judentum ein, und richtet seine Wahrzeichen auf an den Grenzen des Naturreichs, die mit ewigmahnendem Rufe vom Schöpfungsgewaltigen künden: Durch das Wunder spricht Gott zur Menschheit: „Ich, der Ich das reichgegliederte Werk des Universums errichtet, der Ich sein Leben und Weben nach strengen ewigen Gesetzlichkeiten geregelt, die Triebfedern des Alls gespannt nach ewig beständigen Normen, seine Kräfte gewiesen in den stets gleichen Lauf ihrer Wirksamkeit, zeige der Menschheit, daß es eine lebendige Kraft gibt über dem toten Gesetze. Denn Ich durchbreche auch die Schranken meiner Weltordnung, stürze die Wächter meines Naturgesetztumes, wo es Mein allmächtiger Wille im Interesse Meines unerforschlichen Weltenplanes erheischt." Durch das Wunder bekundet sich der Ewige als Schöpfer und Gestalter des Universums, es ist der Ausdruck göttlicher, unumschränkter Allmacht auf Erden; denn nur der vermag das ewige Gesetz zu durchbrechen, der es ins Dasein hat treten lassen. Dieses Wahrzeichen ward J1217 21ST2, gleichsam als göttliches Siegel unter die vollendete Schöpfung gesetzt und ruft zugleich an den Pforten des heiligsten Tages zum Bekenntnis zu jenem Einzigen auf, der in der Sabbatidee das Hochziel seines göttlichen Wirkens und Gestaltens offenbart. Und warum sollen rationalistische Hypothesen mit ihrem zersetzenden Einfluß dem biblischen Wunder diese große eindrucksvolle Weihe rauben, welche doch eine so tief bedeutsame und glaubenswichtige Lehre in sich birgt? Wird aber das Wunder etwa zu einer Kraftleistung, zu einem Rekord eines Wellmechanismus degradiert, so wird es dem Bereiche des Glaubens entrückt, und so wird eine Manifestation des göttlichen Willens unter Kuratel der Naturwissenschaft gestellt. Glauben wir an Gott, so müssen wir auch an seine Wunder glauben, denn das Bekenntnis zum Ewigen schließt auch den Glauben an seine Wunder als -den Ausfluß Seiner Allmacht und Seines heiligen Willens in sich ein. Und wenn nun auch von dem siegesbewußten Forum der Wissenschaft aus ein ironisches Lächeln über die Wundergläubigen unserer Zeit ergeht, welche angeblich das rätselvolle Dunkel des Weltendaseins ausgehellt hat, ,it7i;a,i rm 8i2ab oi8n b2i' kV VaV.i nnn wsr: 1178 „dem menschlichen Auge verschließt sich dennoch auf ewig das Verständnis für das Weltengeschehen: wxab b2T 8b .nsnb Dann ia8' D8 v)i „und meint auch der Forscher der Weisheit letzten Schluß ergründet zu haben, niemals vermag er ihn zu finden." Denn unsere Erkenntnis ist nur ein mattes Abbild von der Wirklichkeitsfülle, die unserem irdischen Auge auf immer entrückt bleiben wird. Die Bedentnng der Medizin im jüdischen Leben. Von Dr. med. Willy Hofmann in Frankfurt a. M. (Fortsetzung). Preuß stand einerseits in jeder Weise auf der Höhe seiner Fachwissenschaft und deren Geschichte, andererseits aber hatte er den Mut zu sagen: nicht der Text der Bibel ist falsch, und dieses Wort muß im Sinne der Bibelkritik so korrigiert werden, jenes wieder anders, sondern für mich steht die Nichtigkeit des Textes und dessen Wahrheit unverbrüchlich fest, nur ist mein Verstand zu kurz, um manche Dinge, die scheinbar einen Widerspruch in sich bergen, restlos zu erklären. Wir wenden uns nunmehr der Betrachtung der biblisch-talmudischen Medizin im einzelnen zu und bleiben uns dabei bewußt, daß es natürlich unmöglich ist, im Rahmen dieser Abhandlung auf Einzelheiten einzugehen. Es wird unsere Aufgabe sein, Dinge, die für die jüdische Anschauung besonders charakteristisch sind, hervorzuheben, ferner werden wir uns bemühen, Berührungspunkte zwischen den damaligen Verhältnissen und den heutigen, die jedermann geläufig sind, festzustellen. Man wird dabei am besten auch ein Urteil gewinnen können, auf welcher Höhe schon zur Zeit der Bibel und des Talmuds die Medizin stand. Wir befassen uns zunächst mit dem Arzte und seiner Stellung. Der jüdische Arzt der Rophe oder Asjah, ist in der Hauptsache das, was wir heute praktischer Arzt nennen würden, vor allem Internist und Chirurg. Der dritte Sie stritten auch, meint der Midrasch, wegen einer scheinbar rein religiösen Angelegenheit; aus wessen Gebiet das Heiligtum errichtet werden sollte. Und sie gerieten auch in Streit wegen einer Liebesaffäre, wer die Zwillingsschwester heimführen solle. Der erste Bruderstreit führte zum ersten Brudermord und dieser erste Brudermord ist leider nicht vereinzelt geblieben. (Fortsetzung folgt.) Eine falsch verstandene Talmudstelle. Von Rabb. Dr. Winkler in Kopenhagen. 8217 naba iai8n ba hui* i"8 :"2t7i8 8217 naba *8» iWiö 8b8 u*8 nn\i .1178 •3"» i"v «ma sin -82171 8niaba „Wer „Königin von Saba" wörtlich auffaßt, der irrt; unter „Königin von Saba" ist vielmehr die Regierung von Saba zu verstehen." — Der 8"V1»iawuN' dert sich mit Recht über diesen unverständlichen Ausspruch. Ist doch die ganze Erzählung, 1. Kön. 10, von dem Besuch dieser Fürstin beim König Salomo so klar, daß auch nur entfernt daran zu zweifeln, daß es sich dort um eine Frau handelt, garnicht möglich ist! Er sucht daher den Satz so zu deuten: Man dürfe nicht annehmen, daß 8217 rpba die Frau des dort regierenden' Königs war; nein, die Königin von Saba war die R e g e n t i n von Saba- Die Gezwungenheit und Unwahrscheinlichkeit dieser Deutung ist augenfällig: Auf der ganzen Seite hier im Talmud ist von dem Geschicke Hiobs die Rede, — wie paßt hier inmitten eine Bemerkung über die Person der Königin von Saba, die bei Salomo einen Besuch machte, hinein?! Ferner würde nach solcher Auslegung das Wort 81VDba in 8rüba umgeändert werden müssen; der letzte Satz würde danach lauten: 82171 8haba 8217 naba '88, Das wäre aber ein völlig inhaltsleerer Satz, das wäre bloß eine Wiederholung desselben Wortes in einem anderen Dialekt, denn 82171 8fiaba besagt ja nichts anderes als 8217 naba! — In Wirklichkeit verhält es sich damit ganz anders: Wenige Zeilen vor dem fraglichen Satz zitiert der Talmud das Schriftwort aus Hiob 1, 15 8217 blSDI önj?ni „Da fiel Saba ein und führte sie (die Lasttiere) fort." Diese femininen Zeitwörter sind hier unerklärlich. Worauf sollen sie sich beziehen? Sollte mit 8217 das hebräische Volk gemeint sein, dann müßte es ünpoi — tzip'i (im Singular) heißen. Welches fehlende weibliche Hauptwort muß man sich also hinzudenken? — Das Targum zu Hiob füllt diese Lücke aus. Es gibt nämlich die hebräischen Worte wie folgt wieder: pmaim uim naba wb'b epm nbsui „Da fiel plötzlich Lilit, die Königin von Smaragd, ein und führte sie fort." — Nun erst verstehen wir die Bemerkung des Talmuds: Wer diese targumische Ergänzung wörtlich nimmt und also auffaßt, daß es eine Frau, die Königin selbst, war, die die Lasttiere Hiobs wegführte, der irrt. Mit „Königin von Saba" ist hier vielmehr „die Regierung von Saba" gemeint. In diesem Sinne erklärt auch Raschi zu Hiob die betreffenden Tertworte. Damit sind wohl alle Schwierigkeiten beseitigt. Möglich aber auch, daß früher im Texte selbst 82V naba bisni gestanden hat. Uleines Feuilleton. Im Jüdischen Kinderheim, Wolsratshausen. Haus und Garten liegen in tiefem Morgensrieden. Wie still ist's in den lustigen Sälen in denen die Kinder bei offenen Fenstern schlafen. Da ertönt ein Glockenzeichen; rasch sind die Kinder aus den Betten, die Großen, d. h. die Buben und Mädchen über 11 Jahre, stürmen bald in ihren Schwimmkleidern unter Lachen und Scherzen die Treppen hinunter durch den Garten in das Nebengebäude, „die Kronmühle". Hier erwartet Punkt 7 Uhr die Gymnastiklehrerin ihre Schüler. Ein kurzes Kommando, die Kinder beginnen ihre Turnübungen. So eilig wie sie gekommen, verschwinden sie wieder nach einer halben Stunde und suchen nun, die für Buben und Mädchen getrennten Waschräume auf. Die Mittleren und Kleinen haben indessen ihre Toilette beendet, alle haben ihre Morgenandacht verrichtet, da läutet die Glocke zum Frühstück. An einer langen Tafel auf der glasbedeckten Veranda nehmen die Leiterinnen und die Kinder Platz. Es gibt Milchkakao mit Semmeln und Hausbrot mit Marmelade oder Butter in beliebiger Menge. Nach dem Frühstück schließen sich die größeren Kinder nur allzugerne der Gärtnerin an, um ihr bei der Gartenarbeit zu Helsen. Barfuß, im Schwimmkleid verrichten die Kinder mit großem Vergnügen die Arbeit, die ihnen in der Großstadt so fremd ist. Andere Kinder gehen unter Führung zum Beerensuchen in den nahen Wald, wieder andere belustigen

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